Sklerodermie – Ursachen, Symptome und Leben mit der Erkrankung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Sklerodermie ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem das eigene Bindegewebe angreift. Dadurch verhärtet und verdickt sich die Haut, oft auch an inneren Organen wie Lunge, Herz oder Nieren.
Wichtige Fakten
- Sklerodermie ist nicht ansteckend.
- Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen – manche Formen betreffen nur die Haut, andere auch innere Organe.
- Eine frühzeitige Behandlung kann helfen, Beschwerden zu lindern und Schäden an Organen zu verzögern oder zu verhindern.
Sklerodermie ist selten. In Deutschland sind etwa 10 bis 20 von 100.000 Menschen betroffen.
Frauen erkranken ungefähr drei- bis viermal häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, kann aber auch bei Kindern und älteren Menschen auftreten.
Symptome
- Plötzliche starke Atemnot oder Brustschmerzen – Anzeichen für eine Lungen- oder Herzbeteiligung.
- Sehr hoher Blutdruck (über 180/120 mmHg) mit Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Verwirrtheit – dies kann auf eine Nierenkrise hindeuten.
- Ohnmacht oder Kreislaufzusammenbruch.
- Akute Lähmungserscheinungen oder starke neurologische Ausfälle.
- ⚠Neue oder zunehmende Schluckbeschwerden, die das Essen oder Trinken erschweren.
- ⚠Geschwüre (offene Wunden) an Fingern oder Zehen, die nicht heilen.
- ⚠Schnell fortschreitende Hautverhärtung innerhalb weniger Wochen.
- ⚠Ungewollte Gewichtsabnahme oder anhaltendes Fieber.
Häufige Symptome
- Raynaud-Syndrom: Finger oder Zehen werden bei Kälte oder Stress blau, weiß und dann rot – oft schon Jahre vor anderen Symptomen.
- Verhärtung und Spannungsgefühl der Haut, besonders an Fingern, Händen, Gesicht und manchmal am ganzen Körper.
- Geschwollene Finger und Gelenkschmerzen.
- Schluckbeschwerden oder Sodbrennen, wenn die Speiseröhre betroffen ist.
- Müdigkeit und allgemeines Krankheitsgefühl.
- Kleine, erweiterte Blutgefäße sichtbar an Händen und Gesicht (sogenannte Teleangiektasien).
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigt sich Sklerodermie meist als umschriebene Hautverhärtungen (zirkumskripte Sklerodermie).
- Wachstumsstörungen an betroffenen Armen oder Beinen sind bei Kindern möglich.
- Innere Organe sind bei Kindern seltener betroffen, aber eine regelmäßige Kontrolle ist wichtig.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann die Diagnose später gestellt werden, weil Symptome wie Gelenkschmerzen oder Müdigkeit auch andere Ursachen haben können.
- Das Risiko für Lungen- oder Herzbeteiligung kann im Alter höher sein und sollte regelmäßig geprüft werden.
- Auch die Hautverhärtung tritt bei älteren Menschen oft stärker auf.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist unbekannt.
- Das Immunsystem greift fälschlicherweise das eigene Bindegewebe an und löst Entzündungen aus.
- Es kommt zu einer übermäßigen Produktion von Kollagen, einem Eiweiß, das das Gewebe verhärtet und verdickt.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht.
- Eine familiäre Vorbelastung mit Autoimmunerkrankungen.
- Bestimmte Umweltfaktoren wie Silikonstaub oder einige Chemikalien können möglicherweise eine Rolle spielen – das ist aber nicht eindeutig belegt.
- Bestehende andere Autoimmunerkrankungen wie Sjögren-Syndrom oder Lupus.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie neue Atemnot, Brustschmerzen oder starke Blutdruckwerte bemerken – rufen Sie sofort den Notruf 112 oder suchen Sie die Notaufnahme auf.
- Wenn bei Ihnen bereits eine Sklerodermie bekannt ist und plötzlich Schluckbeschwerden oder offene Wunden an den Fingern auftreten, gehen Sie noch am selben Tag zum Arzt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt kalte, bläuliche Finger oder Zehen bemerken (Raynaud-Syndrom).
- Wenn Ihre Haut an Händen oder Gesicht zunehmend hart, glänzend oder gespannt wird.
- Wenn Sie über Wochen müde sind und Gelenkschmerzen ohne klare Ursache haben.
Diagnose
Die Diagnose stellt ein*e Fachärzt:in für Rheumatologie, meist nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung, Blutuntersuchung und weiteren Tests. Es gibt keinen einzelnen Test, der Sklerodermie mit Sicherheit beweist – der Arzt oder die Ärztin fügt mehrere Befunde zusammen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung von Hautverhärtung, schmerzempfindlichen Gelenken und typischen Hautveränderungen.
- Bluttest auf Autoantikörper (z. B. ANA, Anti-Scl-70, Anti-Centromer) – diese sind bei vielen Betroffenen erhöht.
- Kapillarmikroskopie: Betrachtung der kleinen Blutgefäße am Nagelfalz mit einem speziellen Mikroskop.
- Lungenfunktionstest und CT der Lunge, wenn eine Beteiligung der Lunge vermutet wird.
- Echokardiografie (Herz-Ultraschall) zur Kontrolle der Herzfunktion.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose kann einige Zeit in Anspruch nehmen, weil die Symptome zunächst unklar sein können. Nach der Diagnose werden Sie regelmäßig kontrolliert – meist alle 6 bis 12 Monate – um Veränderungen an Haut und inneren Organen früh zu erkennen. Ihr Behandlungsteam arbeitet häufig mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen zusammen (z. B. Rheumatologie, Lungenheilkunde, Kardiologie).
Behandlung
Eine vollständige Heilung ist bisher nicht möglich, aber die Behandlung kann Symptome lindern, die Krankheitsaktivität bremsen und Komplikationen verhindern. Die Therapie wird individuell abgestimmt und orientiert sich an den Empfehlungen der aktuellen AWMF-Leitlinien.
Selbsthilfe zu Hause
- Schützen Sie Ihre Hände und Füße vor Kälte: warme Handschuhe, dicke Socken und warme Kleidung.
- Vermeiden Sie Rauchen – Nikotin verschlechtert die Durchblutung zusätzlich.
- Pflegen Sie Ihre Haut mit rückfettenden Cremes ohne Duftstoffe, um Risse und Trockenheit zu vermeiden.
- Achten Sie auf kleine Wunden an Fingern und Zehen und behandeln Sie diese sorgfältig, um Entzündungen zu vermeiden.
- Lernen Sie Entspannungstechniken, da Stress Schübe auslösen kann.
Medizinische Behandlungen
Medikamente können eingesetzt werden, um das Immunsystem zu beruhigen, die Durchblutung zu verbessern oder Entzündungen zu hemmen. Dazu gehören Immunsuppressiva (Medikamente, die die überschießende Immunreaktion dämpfen), gefäßerweiternde Mittel oder Magensäureblocker. Physiotherapie und Ergotherapie helfen, Beweglichkeit und Kraft zu erhalten. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, entscheidet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin – bitte nehmen Sie keine Medikamente ohne ärztliche Anordnung ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist selten nötig. Sie kann in Betracht kommen, wenn Geschwüre an den Fingern nicht abheilen, starke Verkürzungen von Sehnen die Beweglichkeit einschränken oder schwere Darmkomplikationen auftreten. Diese Entscheidung wird immer individuell mit dem behandelnden Team getroffen.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit Sklerodermie kann herausfordernd sein. Planen Sie Pausen ein, hören Sie auf Ihren Körper und passen Sie Aktivitäten an Ihre Energie an. Es ist hilfreich, sich über die Erkrankung zu informieren und ein gutes Netzwerk aus Ärztinnen, Therapeuten und Angehörigen aufzubauen.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber in einem angenehmen Rahmen – z. B. Spazierengehen, sanftes Yoga oder Schwimmen.
- Vermeiden Sie körperliche Überanstrengung und Stress.
- Halten Sie ein gesundes Körpergewicht – dadurch entlasten Sie Gelenke und Herz.
- Schützen Sie sich vor Infekten, da Ihr Immunsystem durch die Erkrankung und manche Therapien geschwächt sein kann.
- Besprechen Sie Impfungen mit Ihrem Arzt – der Impfstatus sollte aktuell sein.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit kann das Wohlbefinden unterstützen. Bei Schluckbeschwerden helfen weiche, gut zerkleinerte Speisen und kleine, häufige Mahlzeiten. Bewegung, angepasst an Ihre Leistungsfähigkeit, hält Muskeln und Gelenke geschmeidig – ein Physiotherapeut kann Ihnen ein individuelles Programm zusammenstellen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Sklerodermie kann Angst machen und emotional belasten. Gefühle wie Unsicherheit, Trauer oder Wut sind normal. Es ist wichtig, diese Gefühle zuzulassen und sich Unterstützung zu holen – zum Beispiel durch Psychotherapie, Gespräche mit vertrauten Menschen oder den Austausch mit anderen Betroffenen.
Vorbeugung
Sklerodermie ist nicht verhinderbar, da die genauen Auslöser unbekannt sind. Sie können aber dazu beitragen, dass die Krankheit möglichst mild verläuft, indem Sie Risikofaktoren wie Rauchen meiden und auf Veränderungen Ihres Körpers achten.
Impfungen
Lassen Sie Ihren Impfschutz regelmäßig überprüfen. Besonders wichtig sind Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken und gegebenenfalls COVID-19, da Infekte die Erkrankung verschlechtern können. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine vorbeugende Früherkennung für Sklerodermie. Bei bereits gesicherter Diagnose sind jedoch regelmäßige Kontrollen (Minuten: Lunge, Herz, Nieren, Magen-Darm) wichtig, um Komplikationen früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lungenfibrose – Vernarbung des Lungengewebes mit zunehmender Atemnot.
- Pulmonale Hypertonie – erhöhter Blutdruck in den Lungenarterien, der das Herz belastet.
- Nierenkrise – plötzlicher, schwerer Bluthochdruck mit Nierenversagen.
- Schluckstörungen und schwere Magen-Darm-Probleme mit Mangelernährung.
- Geschwüre und Gewebeschäden an Fingerspitzen, in schlimmen Fällen bis hin zu Fingerkuppennekrosen (Absterben von Gewebe).
Langzeitprognose
Der Verlauf ist sehr unterschiedlich: Manche Menschen haben nur leichte Hautveränderungen, andere eine schwerere Beteiligung innerer Organe. Dank moderner Behandlungen lässt sich die Krankheit heute viel besser kontrollieren als früher. Mit guter medizinischer Betreuung, einem gesunden Lebensstil und Unterstützung können die meisten Menschen ein erfülltes Leben führen – die Prognose ist individuell und keinesfalls immer schwer.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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