Kurzsichtigkeit: Wenn die Ferne verschwimmt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Kurzsichtigkeit (auch Myopie genannt) ist eine Sehschwäche, bei der Sie Dinge in der Nähe scharf sehen, entfernte Dinge aber unscharf erscheinen. Das passiert, wenn das Auge von vorn nach hinten zu lang ist oder die Hornhaut zu stark gekrümmt ist. Dadurch treffen sich die Lichtstrahlen nicht genau auf der Netzhaut, sondern schon davor. Mit einer Brille oder Kontaktlinsen lässt sich das gut ausgleichen.
Wichtige Fakten
- Kurzsichtigkeit ist eine der häufigsten Sehstörungen und nimmt weltweit zu.
- Sie beginnt oft in der Kindheit und kann sich bis ins junge Erwachsenenalter verändern.
- Eine geringe Kurzsichtigkeit ist gut mit Brille oder Kontaktlinsen korrigierbar.
- Bei starker Kurzsichtigkeit steigt das Risiko für weitere Augenerkrankungen – regelmäßige Kontrollen sind wichtig.
Ja, Kurzsichtigkeit ist sehr häufig. In Deutschland ist etwa jede vierte Person kurzsichtig, und die Zahl steigt vor allem bei jungen Menschen.
Kurzsichtigkeit kann in jedem Alter auftreten, beginnt aber meist im Schulkind- oder Jugendalter. Sie tritt häufiger auf, wenn Eltern auch kurzsichtig sind, und wird durch viel Naharbeit sowie wenig Zeit im Freien begünstigt.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust oder ein plötzliches Schleiersehen
- Blitze oder Lichtblitze im Sichtfeld
- Ein plötzlicher Schatten oder Vorhang im Gesichtsfeld
- Starke Augenschmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen
- ⚠Sehverschlechterung, die innerhalb weniger Tage auftritt
- ⚠Verletzung am Auge
- ⚠Fremdkörpergefühl im Auge, das nicht verschwindet
- ⚠Augenschmerzen oder starke Rötung des Auges
Häufige Symptome
- Entfernte Gegenstände oder Personen wirken verschwommen oder unscharf
- Sie kneifen die Augen zusammen, um besser zu sehen
- Kopfschmerzen oder müde Augen nach dem Blick in die Ferne, z.B. beim Autofahren
- Schwierigkeiten, Verkehrsschilder oder die Tafel in der Schule zu erkennen
Symptome bei Kindern
- Das Kind hält Bücher, Tablets oder das Gesicht sehr dicht vor das Auge
- Es blinzelt häufig oder reibt sich die Augen
- Es hat Probleme in der Schule mit der Tafel oder beim Sport
- Es vermeidet Aktivitäten, bei denen man in die Ferne schauen muss
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bestehende Kurzsichtigkeit kann sich durch Altersveränderungen der Augenlinse ändern
- Zusätzlich entsteht oft eine Altersweitsichtigkeit, die das Nahsehen erschwert
- Ein Sehtest hilft, die Sehstärke an die neuen Anforderungen anzupassen
Ursachen
Hauptursachen
- Das Auge ist von vorn nach hinten zu lang
- Die Hornhaut ist zu stark gekrümmt
- Die Augenlinse bricht das Licht zu stark
- Vererbung spielt eine Rolle: Kurzsichtigkeit tritt in Familien häufiger auf
Risikofaktoren
- Viel Arbeit in der Nähe, z.B. Bildschirmarbeit oder langes Lesen
- Wenig Zeit im Freien bei Tageslicht, besonders bei Kindern
- Eltern oder Geschwister mit Kurzsichtigkeit
- Sehr früher Beginn der Kurzsichtigkeit im Kindesalter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Sehstörungen oder einem plötzlich auftretenden Schatten im Sehfeld – dann sofort ärztlichen Rat einholen, im Notfall den Notruf 112 wählen
- Bei Verletzungen oder Schmerzen am Auge am gleichen Tag Augenarzt oder Notdienst aufsuchen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie selbst oder Ihr Kind Schwierigkeiten beim Sehen in der Ferne bemerken, vereinbaren Sie einen Termin beim Augenarzt oder Optiker mit Sehtest
- Auch ohne Beschwerden sind Sehtests alle 1–2 Jahre sinnvoll, um die Sehstärke zu überprüfen
Diagnose
Kurzsichtigkeit wird durch einen Sehtest festgestellt. Der Augenarzt oder Optiker ermittelt die Sehschärfe und die benötigte Korrektur. Dabei wird das Auge auch mit speziellen Geräten vermessen, um die Krümmung und die Länge des Auges zu bestimmen.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest mit Buchstaben oder Zeichen (Visusbestimmung)
- Automatische Messung der Brechkraft (Refraktometer)
- Messung der Hornhautkrümmung und Augenlänge
- Untersuchung mit der Spaltlampe, um andere Augenerkrankungen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Sehtest ist schmerzfrei und dauert meist 15 bis 30 Minuten. Manchmal werden die Pupillen mit Augentropfen erweitert, um das Auge genauer zu beurteilen. Danach erklärt der Arzt die Ergebnisse und bespricht die möglichen Korrekturen. Die Untersuchung folgt den aktuellen Leitlinien, unter anderem der AWMF-Leitlinien.
Behandlung
Kurzsichtigkeit ist nicht heilbar, aber sehr gut korrigierbar. Ziel ist ein klares Sehen im Alltag und bei Kindern das Verlangsamen der Zunahme. Die Auswahl der Behandlung hängt vom Alter, der Ausprägung und den Wünschen der betroffenen Person ab. Die Empfehlungen deutscher Fachgesellschaften (u.a. zur AWMF-Leitlinie) werden dabei berücksichtigt.
Selbsthilfe zu Hause
- Für gute Lichtverhältnisse bei Naharbeit sorgen, z.B. helle Beleuchtung am Schreibtisch
- Regelmäßig in die Ferne schauen – z.B. alle 20 Minuten für 20 Sekunden einen Punkt in der Ferne fixieren
- Bildschirm und Bücher in einem Abstand von etwa 40 bis 50 Zentimetern halten
- Bei Kindern: Täglich mindestens eine Stunde Zeit im Freien einplanen, das kann das Fortschreiten verlangsamen
Medizinische Behandlungen
Zur Korrektur der Kurzsichtigkeit stehen Brillen und Kontaktlinsen zur Verfügung. Bei Kindern können spezielle Kontaktlinsen oder niedrig dosierte Atropin-Augentropfen das Fortschreiten verlangsamen – das wird vom Augenarzt individuell entschieden und ist nicht für alle geeignet. Auch eine refraktive Laserbehandlung ist bei Erwachsenen möglich, wenn die Sehstärke seit mindestens ein bis zwei Jahren stabil ist. Lassen Sie sich ausführlich beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation (z.B. Laserbehandlung) kommt für Erwachsene infrage, deren Sehstärke sich nicht mehr verändert. Sie ist keine Notfallmaßnahme und sollte gut überlegt sein. Der Augenarzt erklärt die möglichen Verfahren, den Ablauf und die Risiken. Für Kinder ist eine Operation in der Regel nicht empfohlen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer passenden Brille oder Kontaktlinsen ist der Alltag meist völlig normal. Wichtig ist, die Sehhilfe regelmäßig zu tragen und die Sehstärke regelmäßig zu kontrollieren – vor allem, wenn sich Sehgewohnheiten ändern oder neue Beschwerden auftreten.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Kontrolltermine beim Augenarzt oder Optiker wahrnehmen
- Bei Bildschirmarbeit Pausen einlegen und den Blick in die Ferne richten
- Zeit im Freien nutzen – das ist besonders bei Kindern vorteilhaft
- Beim Sport oder Schwimmen spezielle Sehhilfen oder Sportbrillen wählen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und ausreichend Vitamin A unterstützt die Augengesundheit. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft ist gut für die allgemeine Gesundheit. Allerdings können Ernährung und Bewegung eine bestehende Kurzsichtigkeit nicht rückgängig machen – sie helfen aber, andere Augenkrankheiten zu vermeiden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Sehschwäche kann besonders bei Kindern und Jugendlichen Unsicherheit auslösen, zum Beispiel wenn die Brille gehänselt wird. Nehmen Sie solche Sorgen ernst und sprechen Sie offen darüber. Eine Brille ist ein normales Hilfsmittel und kann heute auch ein modisches Accessoire sein. Bei anhaltender Belastung kann ein Gespräch mit einem Kinder- oder Jugendpsychologen helfen.
Vorbeugung
Kurzsichtigkeit lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich beeinflussen. Besonders bei Kindern senkt tägliche Zeit im Freien (mindestens 1–2 Stunden) das Risiko, kurzsichtig zu werden. Auch übermäßige Naharbeit sollte vermieden oder durch Pausen unterbrochen werden. Diese Maßnahmen können die Entstehung verzögern oder das Fortschreiten verlangsamen.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Sehtests helfen, Kurzsichtigkeit früh zu erkennen. Bei Kindern sind Sehtests Teil der U-Untersuchungen beim Kinderarzt. Erwachsene sollten ab 40 Jahren zusätzlich zur normalen Sehstärkenkontrolle das Auge auf altersbedingte Erkrankungen untersuchen lassen. Fragen Sie Ihren Hausarzt oder Augenarzt nach dem passenden Intervall.
Komplikationen
Unbehandelt
- Kinder mit unerkannter Kurzsichtigkeit können in der Schule Lernschwierigkeiten haben, weil sie die Tafel nicht sehen
- Eine starke Kurzsichtigkeit erhöht das Risiko für Netzhautablösung, Grünen Star (Glaukom) oder Grauen Star (Katarakt)
- Beim Autofahren oder Sport kann eine unkorrigierte Sehschwäche zu Unsicherheit und Unfällen führen
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit Kurzsichtigkeit führen mit einer passenden Brille oder Kontaktlinsen ein völlig normales Leben. Bei starker Kurzsichtigkeit sind regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt wichtig, um mögliche Komplikationen früh zu erkennen. Moderne Korrekturmöglichkeiten und Behandlungen machen es heute gut, mit Kurzsichtigkeit zu leben.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) ↗ · Deutschland
- Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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