Magengeschwür
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Magengeschwür ist eine runde Wunde in der Schleimhaut des Magens. Normalerweise schützt eine Schleimschicht die Magenwand vor der starken Magensäure. Ist dieser Schutz gestört, greift die Säure die Magenwand an und es entsteht ein Geschwür.
Wichtige Fakten
- Meist steckt eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori dahinter.
- Auch die langfristige Einnahme bestimmter Schmerzmittel kann ein Magengeschwür begünstigen.
- Mit der richtigen Behandlung heilt das Geschwür in den meisten Fällen vollständig ab.
Magengeschwüre sind nicht selten. In Deutschland erlebt schätzungsweise etwa jeder hundertste Mensch irgendwann im Leben ein Magengeschwür. Die Zahl ist in den letzten Jahren durch bessere Behandlungen leicht rückläufig.
Betroffen sind häufig Menschen über 50 Jahre, aber auch jüngere Erwachsene können ein Magengeschwür bekommen. Menschen, die regelmäßig bestimmte Schmerzmittel einnehmen oder mit dem Bakterium Helicobacter pylori infiziert sind, haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an, wenn Sie eines dieser Warnzeichen haben:
- Blut erbrechen (hellrot oder dunkel wie Kaffeesatz)
- Schwarzer, teeriger Stuhl
- Plötzlicher, stechender Bauchschmerz, der nicht nachlässt
- Ohnmachtsgefühl oder Kreislaufzusammenbruch
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe auf, wenn:
- ⚠Sie wiederholt erbrechen müssen
- ⚠Sie nicht essen oder trinken können
- ⚠Der Bauchschmerz trotz Behandlung über mehrere Tage nicht besser wird
- ⚠Sie ungewollt an Gewicht verlieren
- ⚠Sie sehr blass oder ungewöhnlich müde sind
Häufige Symptome
- Brennender oder drückender Schmerz im oberen Bauch, oft zwischen den Mahlzeiten oder nachts
- Völlegefühl oder unangenehmes Aufstoßen
- Übelkeit oder Erbrechen
- Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust
Ursachen
Hauptursachen
- Die häufigste Ursache ist eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Das Bakterium besiedelt den Magen und schwächt die schützende Schleimschicht.
- Die regelmäßige und lang dauernde Einnahme bestimmter Schmerzmittel kann die Magenschleimhaut direkt angreifen.
- Seltener sind eine übermäßige Magensäureproduktion oder Störungen der Magenschleimhaut die Ursache.
Risikofaktoren
- Rauchen erhöht die Säureproduktion und mindert die Durchblutung der Magenschleimhaut.
- Hoher Alkoholkonsum kann die Magenschleimhaut reizen.
- Bestehende Magen-Darm-Erkrankungen oder eine frühere Magengeschwür-Erkrankung erhöhen das Risiko.
- Chronischer Stress kann die Beschwerden verschlimmern.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wiederholtes Erbrechen, besonders wenn Sie nichts bei sich behalten können
- Beschwerden, die trotz Behandlung Ihrer Hausärztin oder Ihres Hausarztes über mehrere Tage nicht besser werden
- Schmerzen, die in die Brust oder den Rücken ausstrahlen
- Stuhlgang, der schwarz wie Teer aussieht
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Brennende oder drückende Schmerzen im Oberbauch, die über mehr als zwei Wochen anhalten
- Sodbrennen oder Aufstoßen, das häufiger auftritt
- Ungewollter Gewichtsverlust
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und tastet den Bauch ab. Ist der Verdacht auf ein Magengeschwür wahrscheinlich, folgen wichtige Untersuchungen. Die aktuelle medizinische Leitlinie (AWMF) empfiehlt bei Erwachsenen mit Warnzeichen immer eine Magenspiegelung.
Mögliche Untersuchungen
- Magenspiegelung (Gastroskopie): Ein dünner Schlauch mit Kamera wird vorsichtig durch die Speiseröhre in den Magen geführt. So lässt sich das Geschwür direkt sehen, und es können kleine Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden.
- Atemtest oder Stuhltest: Damit weist man das Bakterium Helicobacter pylori nach. Der Test kann auch nach der Behandlung prüfen, ob die Bakterien beseitigt sind.
- Blutuntersuchung: Sie zeigt, ob eine Blutarmut vorliegt, die durch eine langsame Blutung im Magen entstehen kann.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Magenspiegelung dauert meist nur wenige Minuten. Sie erhalten eine Beruhigungsspritze und schlafen während des Eingriffs leicht. Nach der Untersuchung können Sie sich im Aufwachraum erholen und danach in Begleitung nach Hause gehen. Eine Übernachtung ist meist nicht nötig.
Behandlung
Die Behandlung hat zwei Ziele: Das Geschwür soll abheilen und die Ursache beseitigt werden. Je nach Auslöser gehören dazu Medikamente, die die Magensäure reduzieren, und manchmal eine Therapie gegen das Bakterium Helicobacter pylori.
Selbsthilfe zu Hause
- Essen Sie mehrere kleine Mahlzeiten statt weniger großer Portionen.
- Verzichten Sie während der Behandlung auf Alkohol und Nikotin.
- Meiden Sie Speisen, die Ihnen nachweislich Beschwerden bereiten – die Toleranz ist sehr individuell.
- Nehmen Sie ohne ärztlichen Rat keine Schmerzmittel ein. Ihre Apotheke oder Praxis kann beraten, was in Ihrer Situation schonend ist.
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte verschreiben üblicherweise Medikamente, die die Produktion von Magensäure verringern (sogenannte säurehemmende Mittel). Liegt eine Bakterieninfektion mit Helicobacter pylori vor, wird eine Kombination aus mehreren Medikamenten für einige Wochen empfohlen, um die Bakterien zu beseitigen. Die Behandlung dauert – je nach Plan – etwa vier bis acht Wochen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht mit Ihnen den genauen Ablauf.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig – zum Beispiel, wenn das Geschwür blutet, den Magenausgang verengt oder der Verdacht auf eine bösartige Veränderung besteht. Moderne Verfahren arbeiten meist minimal-invasiv, also mit kleinen Schnitten.
Leben mit der Erkrankung
Ein Magengeschwür heilt in der Regel innerhalb weniger Wochen. In der Heilungsphase ist es wichtig, die ärztliche Therapie konsequent durchzuführen und Kontrolltermine einzuhalten. Die meisten Menschen können ihrer normalen Arbeit nachgehen, solange die Schmerzen beherrschbar sind.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für regelmäßige Schlafenszeiten und versuchen Sie, Stress besser auszugleichen – etwa mit Spaziergängen, Atemübungen oder einem Hobby.
- Verzichten Sie auf Zigaretten und Alkohol bis zur ärztlichen Kontrolle.
- Wenn Sie langfristig Schmerzmittel einnehmen, lassen Sie das von Ihrem Arzt begleiten.
- Stabilisieren Sie Ihr Gewicht, wenn Sie ungewollt abgenommen haben.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine strenge Magengeschwür-Diät. Eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit schafft gute Bedingungen. Es kann helfen, frittierte und stark gewürzte Speisen nur in Maßen zu essen. Leichte Bewegung wie Gehen oder Radfahren fördert die Durchblutung und das Wohlbefinden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen und Sorgen um die Gesundheit können die Stimmung belasten. Das ist verständlich und kein Zeichen von Schwäche. Wer sich anhaltend niedergeschlagen fühlt, sollte mit seinem Hausarzt sprechen. In einer akuten seelischen Krise rufen Sie bitte den Notruf 112 an oder wenden sich an die kostenlose Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Ein Magengeschwür lässt sich nicht in jedem Fall verhindern. Sie können das Risiko aber senken, indem Sie auf Rauchen und übermäßigen Alkohol verzichten, nicht zu viele Schmerzmittel einnehmen und eine Helicobacter-pylori-Infektion gezielt behandeln lassen, wenn sie festgestellt wurde.
Impfungen
Gegen Magengeschwüre gibt es keine Impfung.
Früherkennungsprogramme
Eine Vorsorgeuntersuchung speziell für Magengeschwüre gibt es nicht. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko kann der Arzt im Rahmen einer Magenspiegelung die Schleimhaut beurteilen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Blutungen aus dem Geschwür, die zu Blutarmut und im Notfall zu Kreislaufproblemen führen können
- Durchbruch des Geschwürs in die Bauchhöhle (Perforation) – das ist ein lebensbedrohlicher Notfall
- Verengung des Magenausgangs, sodass Speisen nicht mehr passieren
- In seltenen Fällen kann aus einem chronischen Geschwür eine bösartige Veränderung entstehen
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung heilt ein Magengeschwür in den meisten Fällen vollständig ab. Die meisten Menschen sind danach beschwerdefrei. Auch bei Komplikationen sind die Behandlungsmöglichkeiten heute gut – besonders, wenn schnell gehandelt wird. Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten, was für Sie der beste nächste Schritt ist.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.