Sehnenentzündung (Tendinitis): Ursachen, Symptome und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Sehnenentzündung ist eine schmerzhafte Reizung oder Entzündung einer Sehne. Sehnen sind feste, faserige Bänder, die Muskeln mit Knochen verbinden. Wenn eine Sehne durch wiederholte Bewegungen oder Überlastung gereizt wird, kann sie anschwellen und schmerzen.
Wichtige Fakten
- Sehnenentzündungen kommen besonders an Schulter, Ellenbogen, Handgelenk, Knie oder Ferse vor.
- Sie entstehen meist durch wiederholte, einseitige Belastung – nicht durch eine einmalige schwere Verletzung.
- In den meisten Fällen klingt eine Sehnenentzündung mit Ruhe, Physiotherapie und Geduld innerhalb weniger Wochen ab.
Ja. Sehnenentzündungen gehören zu den häufigen Gründen, warum Menschen eine Hausarztpraxis aufsuchen – vor allem bei körperlicher Arbeit, im Sport oder bei langen Bildschirmtätigkeiten.
Betroffen sind Menschen jeden Alters, besonders aber Erwachsene zwischen 30 und 50 Jahren. Auch ältere Menschen und Personen mit körperlich belastenden Berufen oder intensivem Training erkranken häufiger.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen mit dem Gefühl, dass im Gelenk etwas gerissen ist – sofort 112 anrufen
- Sichtbare Verformung oder eine deutlich tastbare Delle im Sehnenbereich – sofort 112 anrufen
- Hohes Fieber mit starker Rötung, Schwellung und Überwärmung des Arms oder Beins – sofort 112 anrufen
- ⚠Starke Schmerzen, die innerhalb von zwei bis drei Tagen nicht nachlassen
- ⚠Rötung, Überwärmung oder zunehmende Schwellung an der betroffenen Stelle
- ⚠Unfähigkeit, ein Gelenk normal zu belasten oder aktiv zu bewegen
Häufige Symptome
- Schmerzen bei Bewegung oder bei Druck auf die betroffene Sehne
- Schwellung oder leichte Rötung an der schmerzenden Stelle
- Steifheit, besonders morgens oder nach längerem Sitzen
- Gefühl von Reibung oder Knirschen beim Bewegen
- Eingeschränkte Kraft und Beweglichkeit im betroffenen Gelenk
Ursachen
Hauptursachen
- Wiederholte, einseitige Bewegungen, zum Beispiel langes Tippen, Klicken, Heben oder Werfen
- Eine plötzliche Steigerung der Sport- oder Arbeitsbelastung, auf die die Sehne nicht vorbereitet ist
- Direkter Schlag, Druck oder Sturz auf die Sehne
- Ungewohnte Bewegungen oder ungünstige Technik bei der Arbeit oder im Sport
Risikofaktoren
- Alter über 40 – Sehnen verlieren mit den Jahren an Elastizität
- Sportarten mit Laufen, Springen, Werfen oder Racketsport
- Berufe mit langer Schreibtischarbeit, aber auch mit schwerer körperlicher Belastung
- Diabetes, Gicht oder rheumatische Erkrankungen
- Rauchen kann die Durchblutung der Sehnen zusätzlich verschlechtern
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach einem Unfall oder Sturz mit Schwellung und Bewegungseinschränkung
- Bei Zeichen einer Entzündung: Rötung, Überwärmung, Fieber oder zunehmende Schwellung
- Wenn Sie plötzlich keine Kraft mehr haben und ein Gelenk nicht aktiv bewegen können – das kann auf einen Sehnenriss hinweisen
- Wenn die Schmerzen so stark sind, dass Sie den Alltag nicht mehr bewältigen können
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden länger als eine Woche andauern, ohne sich zu bessern
- Wenn die Schmerzen wiederkehren oder den Schlaf beeinträchtigen
- Wenn Sie unsicher sind, was die Beschwerden auslöst – zum Beispiel nach einer beruflichen Umstellung oder einem neuen Sport
Diagnose
Sehnenentzündungen lassen sich meist durch ein Gespräch und eine körperliche Untersuchung feststellen. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beschwerden, Sport, Beruf und Vorerkrankungen. Dann tastet sie oder er die schmerzende Stelle ab und bittet Sie, bestimmte Bewegungen auszuführen, um die Sehne zu testen.
Mögliche Untersuchungen
- Meist sind keine technischen Untersuchungen nötig.
- Ein Ultraschall kann die Sehne sichtbar machen und zeigt, ob sie verdickt, gerissen oder entzündet ist.
- Eine Röntgenaufnahme hilft, Knochenbrüche oder Kalkablagerungen auszuschließen.
- Bei unklaren oder langwierigen Fällen kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten und ist nicht schmerzhaft, auch wenn bestimmte Bewegungen unangenehm sein können. Danach erklärt die Ärztin oder der Arzt den Befund und bespricht mit Ihnen, welche nächsten Schritte sinnvoll sind – etwa Physiotherapie, eine Überweisung zur Orthopädie oder vorbeugende Maßnahmen.
Behandlung
Im Zentrum der Behandlung steht, die betroffene Sehne zu entlasten und sie gleichzeitig behutsam zu trainieren. Meist reichen eine Kombination aus kurzer Schonung, Kühlung und physiotherapeutischen Übungen. Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Die betroffene Stelle schonen, aber nicht ganz ruhigstellen: Leichte Bewegungen ohne Schmerz unterstützen die Heilung.
- Kühlen Sie mit einem Kühlpack, das Sie in ein dünnes Tuch wickeln, für höchstens 15 Minuten pro Anwendung.
- Lagern Sie den schmerzenden Arm oder das Bein hoch, besonders bei Schwellungen.
- Legen Sie bei wiederholenden Tätigkeiten regelmäßig kurze Pausen ein.
- Nutzen Sie Hilfsmittel wie Tastaturstützen oder Schuheinlagen – eine Beratung im Sanitätshaus kann Ihnen helfen.
Medizinische Behandlungen
Falls die Beschwerden trotz Selbsthilfe bestehen bleiben, gibt es weitere Möglichkeiten. Dazu gehören Physiotherapie, kurzfristig geeignete Schmerzmittel – immer nur in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt – sowie in manchen Fällen örtliche Injektionen oder eine Stoßwellentherapie. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Ursache, Ort und Dauer der Beschwerden ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig – etwa wenn eine Sehne gerissen ist oder wenn eine mehrmonatige konservative Behandlung keine Besserung gebracht hat. Vor einer Operation überweist die Hausärztin oder der Hausarzt in der Regel an eine Facharztpraxis für Orthopädie.
Leben mit der Erkrankung
Passen Sie Ihren Alltag an, ohne sich zu schonen: Planen Sie zwischen belastenden Tätigkeiten kleine Pausen ein, wechseln Sie häufig die Position und vermeiden Sie ruckartige Bewegungen. Notieren Sie, bei welchen Tätigkeiten der Schmerz auftritt – das hilft dem Behandler, die Ursache zu finden.
Tipps für den Alltag
- Stärken Sie die Muskulatur um das betroffene Gelenk mit regelmäßigen, angepassten Übungen.
- Wärmen Sie sich vor Sport oder schwerer körperlicher Arbeit immer fünf bis zehn Minuten auf.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über ergonomische Hilfsmittel am Arbeitsplatz.
- Bauen Sie Entspannungsübungen oder leichtes Yoga ein, um Verspannungen zu lösen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und proteinreichen Lebensmitteln unterstützt die Sehnenqualität. Bewegung ist auch während der Heilung wichtig – am besten in Form von schmerzfreiem, moderatem Training wie Wandern, Radfahren oder Schwimmen. Vermeiden Sie einseitige Belastungen, bis die Schmerzen verschwunden sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Länger anhaltende Schmerzen können müde und unzufrieden machen. Es ist verständlich, wenn Sie frustriert sind, weil Sie Hobbys oder Arbeit einschränken müssen. Haben Sie Geduld mit sich selbst und suchen Sie sich Unterstützung – zum Beispiel im Gespräch mit vertrauten Menschen, in einer Beratungsstelle oder in einer Selbsthilfegruppe.
Vorbeugung
Ganz vermeiden lässt sich eine Sehnenentzündung nicht, aber Sie können das Risiko deutlich senken. Steigern Sie Belastungen langsam, wechseln Sie monotone Tätigkeiten ab, kräftigen Sie Ihre Muskulatur regelmäßig und achten Sie auf eine gute Technik bei Sport und Arbeit.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Schmerzen, die auch in Ruhe und bei alltäglichen Bewegungen bestehen bleiben
- Vernarbung oder Verdickung der Sehne, die zu einer dauerhaften Bewegungseinschränkung führen kann
- Ein Sehnenriss als mögliche Folge einer stark geschädigten Sehne
Langzeitprognose
Die Prognose ist meist gut. Mit einer konsequenten Behandlung, angepasster Bewegung und ausreichend Geduld bessern sich die meisten Sehnenentzündungen innerhalb von Wochen bis Monaten. Auch wenn es manchmal Rückschläge gibt: Die weitaus meisten Betroffenen können langfristig zu einem aktiven Leben zurückkehren.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.