Hodenkrebs – Symptome, Diagnose und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hodenkrebs ist eine bösartige Erkrankung. Bösartig bedeutet, dass sich veränderte Zellen unkontrolliert vermehren. Die Hoden sind zwei Organe im Hodensack, die bei Männern Spermien und das Hormon Testosteron bilden. Wenn in einer dieser Zellen Krebs entsteht, spricht man von Hodenkrebs.
Wichtige Fakten
- Hodenkrebs ist selten und betrifft vor allem jüngere Männer.
- Bei frühzeitiger Erkennung sind die Heilungschancen sehr hoch.
- Die Behandlung erfolgt meist mit einer Operation, oft ist keine weitere Therapie nötig.
Nein. Hodenkrebs ist eine seltene Krebserkrankung. In Deutschland erkranken ungefähr 4.000 Männer pro Jahr.
Hodenkrebs tritt am häufigsten bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren auf. Er kann aber auch bei Jugendlichen und älteren Männern vorkommen.
Symptome
- Plötzlicher, sehr starker Schmerz im Hodensack, der nicht nachlässt
- Starke Schwellung oder Rötung mit Fieber und Übelkeit
- Wenn der Schmerz nach einem Unfall oder einer Verletzung auftritt und der Hoden sichtbar verletzt ist
- ⚠Ein neu entdeckter Knoten oder eine Hodenverhärtung: noch am selben Tag ärztlich vorstellen.
- ⚠Eine akute, starke Schwellung eines Hodens ohne heftigen Schmerz – sofort eine Arztpraxis anrufen, wenn dieselbe Praxis nicht erreichbar, den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) anrufen.
Häufige Symptome
- Ein schmerzloser Knoten oder eine Verhärtung in einem Hoden
- Eine Schwellung oder ein verändertes Größengefühl des Hodens
- Ein Gefühl der Schwere im Hodensack
- Ein dumpfer Schmerz im Hoden, im Unterbauch oder im Rücken
- Eine auffällige Vergrößerung der Brust, da der Tumor manchmal Hormone produziert
Symptome bei Kindern
- Hodenkrebs ist im Kindes- und Jugendalter sehr selten. Wenn sich bei einem Jungen ein Knoten im Hoden bemerkbar macht oder der Hoden geschwollen ist, sollten Eltern mit ihm zum Arzt gehen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern kann Hodenkrebs mit allgemeinen Symptomen wie ungewolltem Gewichtsverlust oder anhaltender Müdigkeit auftreten. Auch hier ist jede Veränderung am Hoden ernst zu nehmen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von Hodenkrebs ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass sich Keimzellen – also Zellen, aus denen später Spermien werden – unkontrolliert teilen.
Risikofaktoren
- Ein Hodenhochstand (der Hoden ist nicht in den Hodensack gewandert)
- Eine frühere Hodenkrebserkrankung
- Eine familiäre Häufung: Wenn Vater oder Bruder Hodenkrebs hatten
- Eine eingeschränkte Fruchtbarkeit
- Ein Klinefelter-Syndrom (eine angeborene Chromosomenbesonderheit)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie einen Knoten oder eine Verhärtung im Hoden ertasten
- Wenn Ihr Hoden anschwillt oder sich vergrößert
- Wenn Sie anhaltende Schmerzen oder ein Druckgefühl im Hoden verspüren
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich Sorgen machen, weil Sie einen der genannten Hinweise bei sich selbst bemerkt haben
- Wenn bei einem nahen Verwandten Hodenkrebs aufgetreten ist und Sie eine Untersuchung wünschen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und tastet beide Hoden ab. Danach folgt meist eine Ultraschalluntersuchung, bei der der Tumor auf dem Bildschirm sichtbar wird. Blutuntersuchungen können Tumormarker nachweisen – das sind Substanzen, die der Krebs ins Blut abgibt.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Hodensacks
- Bluttest auf Tumormarker wie Alpha-Fetoprotein (AFP) und Beta-hCG
- Bei unklaren Befunden eine Magnetresonanztomographie (MRT)
- Entnahme des Hodens als Gewebeprobe – dieser Schritt wird nach einer Operation im Labor durchgeführt, um die Diagnose zu sichern
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Für die Ultraschallkontrolle müssen Sie Ihre Hose bis zum Knie ablegen und sich auf den Rücken legen. Der Arzt trägt ein Gel auf den Hodensack auf und führt den Schallkopf sanft darüber. Das tut nicht weh.
Behandlung
Hodenkrebs gehört zu den am besten behandelbaren Tumoren. Die Therapie wird auf den Einzelfall abgestimmt und folgt der medizinischen Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften). Im Mittelpunkt steht meist die Operation.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie sich nach der Operation ausreichend Zeit, um zu heilen
- Tragen Sie bequeme Unterwäsche, die den Hodensack stützt
- Unterstützen Sie sich selbst, indem Sie offen mit Partner, Freunden oder einem Psychologen über Ihre Gefühle sprechen
Medizinische Behandlungen
Zusätzlich zur Operation kann eine Chemotherapie oder Strahlentherapie zum Einsatz kommen, wenn der Tumor gestreut hat oder ein hohes Rückfallrisiko besteht. Welche Kombination für Sie richtig ist, entscheidet das behandelnde Tumorzentrum. Auch eine Hormonersatztherapie kann nach der Hodenentfernung notwendig sein, wenn der verbliebene Hoden allein nicht genug Testosteron bildet. Dabei wird das fehlende Hormon in einer für Sie geeigneten Form ersetzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Operation ist die wichtigste Maßnahme bei Hodenkrebs. Sie wird als Leistenoperation durchgeführt, nicht über den Hodensack. Dabei wird der erkrankte Hoden zusammen mit dem Samenstrang entfernt. Ein künstlicher Hoden kann in derselben Operation oder später eingesetzt werden, damit der Hodensack von außen unverändert aussieht.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Operation können Sie in der Regel schon nach wenigen Tagen nach Hause. Sport und schwere Lasten sind für einige Wochen tabu – Ihr behandelndes Team erklärt Ihnen genau, wann Sie wieder belasten dürfen. Der verbleibende Hoden übernimmt meist vollständig die Hormonproduktion und damit auch die Samenproduktion. Nur in sehr seltenen Fällen ist eine Hormonersatztherapie nötig.
Tipps für den Alltag
- Untersuchen Sie auch nach der Behandlung Ihren verbliebenen Hoden regelmäßig selbst
- Gehen Sie konsequent zu den Nachsorgeuntersuchungen – auch wenn keine Beschwerden bestehen
- Vermeiden Sie Stress, wo es geht, und gönnen Sie sich Erholungsphasen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt die Kräfte der Männer in der Behandlung. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren fördert das Wohlbefinden. Was im Einzelfall erlaubt ist, hängt von der Behandlung ab – fragen Sie Ihr medizinisches Team.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose und die Entfernung eines Hodens können eine Krise auslösen. Viele Männer machen sich Sorgen um ihre Zeugungsfähigkeit, um ihr Körperbild oder ihre Partnerschaft. Diese Gedanken sind normal. Es ist wichtig, sich nicht zu verschließen und sich gegebenenfalls Hilfe zu holen – zum Beispiel bei einer psychoonkologischen Beratung.
Vorbeugung
Hodenkrebs lässt sich nicht sicher verhindern. Sie können aber die Heilungschancen verbessern, indem Sie Ihren Hoden regelmäßig abtasten und bei jeder Veränderung schnell zum Arzt gehen – je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Aussichten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt in Deutschland kein organisiertes Früherkennungsprogramm für Hodenkrebs. Wir empfehlen, ab dem Jugendalter die Hoden einmal im Monat abzutasten – zum Beispiel unter der Dusche. Der beste Zeitpunkt ist nach einem warmen Bad, wenn der Hodensack entspannt ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Tumor kann in benachbarte Lymphknoten im Bauchraum streuen.
- Es können Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lunge, Leber oder Knochen entstehen.
- Die Erkrankung kann unbehandelt lebensbedrohlich verlaufen – eine frühe Behandlung verhindert das in den meisten Fällen.
Langzeitprognose
Hodenkrebs ist eine der am besten heilbaren Krebserkrankungen. Die Heilungschancen liegen auch bei fortgeschrittener Erkrankung sehr hoch – oft über 90 Prozent. Die meisten Männer werden dauerhaft geheilt und führen danach ein normales Leben. Auch die Zeugungsfähigkeit bleibt in vielen Fällen erhalten. Mit einer offenen Kommunikation und den richtigen Behandlungsmöglichkeiten schauen Männer – und ihre Partnerinnen – mit neuer Zuversicht nach vorn.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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