Tracheostoma: Leben mit einer künstlichen Atemöffnung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Tracheostoma ist eine künstliche Öffnung an der Vorderseite des Halses, die direkt in die Luftröhre führt. Sie wird von Chirurginnen und Chirurgen operativ angelegt, wenn die Atmung über Nase und Mund nicht sicher oder dauerhaft möglich ist. Durch die Öffnung kann die Luft ungehindert in die Lunge gelangen. Ein Tracheostoma kann vorübergehend oder dauerhaft sein.
Wichtige Fakten
- Es ermöglicht eine sichere Atmung, wenn die oberen Atemwege verengt oder blockiert sind.
- Bei Langzeitbeatmung erleichtert es die Pflege und kann die Entwöhnung vom Beatmungsgerät unterstützen.
- Mit der richtigen Schulung können viele Betroffene den Alltag selbstständig bewältigen.
Ein Tracheostoma wird in Deutschland nicht bei sehr vielen Menschen angelegt, ist aber in spezialisierten Kliniken ein routinemäßiges Verfahren.
Es betrifft Menschen jedes Alters – von Frühgeborenen bis hin zu älteren Erwachsenen. Häufig sind Personen betroffen, die nach einer schweren Krankheit, einer Verletzung oder einer Operation nicht selbstständig über den Mund atmen können.
Symptome
- Plötzliche starke Atemnot oder Aussetzen der Atmung.
- Die Kanüle oder das Stoma verrutscht oder fällt heraus.
- Frische, nicht stillbare Blutung aus dem Stoma.
- Blaufärbung von Lippen, Zunge oder Gesicht.
- Bewusstlosigkeit oder ein stark verlangsamter Puls. In diesem Fall sofort den Notruf 112 anrufen.
- ⚠Zunehmende Rötung, Schwellung oder übelriechender Ausfluss um das Stoma.
- ⚠Fieber über 38° Celsius, verbunden mit Atembeschwerden.
- ⚠Die Kanüle lässt sich nicht mehr reinigen oder einsetzen, wie Sie es gelernt haben.
- ⚠Sich über Stunden verschlechternde Atmung.
Häufige Symptome
- Rasselnde oder brodelnde Atemgeräusche, die auf zähen Schleim in der Luftröhre hinweisen.
- Reizhusten, der durch Sekret oder eine gereizte Schleimhaut ausgelöst wird.
- Das Gefühl, nicht ausreichend Luft zu bekommen, obwohl die Atmung äußerlich ruhig wirkt.
Symptome bei Kindern
- Pfeifende oder fiepende Atemgeräusche beim Einatmen des Kindes.
- Das Kind wird unruhig, blass oder bläulich um den Mund.
- Trinkschwäche oder Probleme beim Schlucken von Nahrung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schnelle Erschöpfung beim Sprechen oder bei kleinen Tätigkeiten.
- Verwirrtheit oder starke Müdigkeit, die auf einen Sauerstoffmangel hindeuten kann.
- Trockener, harter Husten oder verkrustetes Sekret am Stomaring.
Ursachen
Hauptursachen
- Längere künstliche Beatmung, zum Beispiel bei schwerer Lungenentzündung oder nach schweren Operationen.
- Verengung oder Verlegung der oberen Atemwege durch Tumore, Schwellungen oder Fremdkörper.
- Erkrankungen der Nerven oder Muskeln, die die Atemmuskulatur schwächen.
- Angeborene Fehlbildungen von Kehlkopf oder Luftröhre.
Risikofaktoren
- Zustand, der eine wochenlange Beatmung über einen Tubus nötig macht.
- Schwere Grunderkrankungen wie COPD, Krebs oder neurologische Erkrankungen.
- Frühgeburt mit unreifer Lunge.
- Zustand nach Schädel-Hirn-Trauma oder Hirnblutung.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zunehmend schlechter Luft bekommen, auch im Ruhezustand.
- Wenn Sie Fieber haben und das Stoma deutlich gerötet ist oder eitert.
- Wenn die Kanüle nicht mehr richtig sitzt oder Sie das Gefühl haben, sie hindert die Atmung.
- Wenn Sie ungewöhnlich starke Schmerzen im Hals haben.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Fragen zur täglichen Pflege oder zum Wechsel der Kanalteile haben.
- Wenn Sie kleine Wucherungen (Granulationsgewebe) am Stomrand bemerken.
- Wenn Schluckbeschwerden oder eine veränderte Stimme länger anhalten.
Diagnose
Die Entscheidung, ob ein Tracheostoma nötig ist, wird von einem Expertenteam aus Chirurgie, Anästhesie und Lungenfachmedizin anhand Ihrer Beschwerden, der Krankengeschichte und einer Untersuchung der Atemwege getroffen. Dazu gehören auch die Bewertung von Atemgeräuschen, eine Spiegelung des Kehlkopfes und bildgebende Verfahren.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Abhören von Lunge und Luftröhre.
- Pulsoximetrie: Messung der Sauerstoffsättigung im Blut.
- Blutgasanalyse: Messung von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut.
- Lungenfunktionstest (Spirometrie), sofern Ihr Zustand dies erlaubt.
- Bronchoskopie: Spiegelung der Atemwege mit einer kleinen Kamera.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn der Eingriff empfohlen wird, erhalten Sie ausführliche Informationen. Das Tracheostoma wird meist unter Vollnarkose angelegt. Nach dem Eingriff werden Sie von geschultem Pflegepersonal begleitet und lernen Schritt für Schritt, das Stoma selbst zu versorgen.
Behandlung
Das Tracheostoma ist eine Behandlungsmethode, um die Atmung zu sichern. Es braucht eine konsequente, aber erlernbare Pflege: Reinigung der Haut, Kontrolle der Kanüle und gegebenenfalls Absaugen von Sekret. Die Versorgung folgt den Empfehlungen der medizinischen Leitlinien, unter anderem der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Täglich das Stoma mit weicher Gaze und klarem Wasser reinigen; die Umgebung danach trocken tupfen.
- Die Kanüle genau nach Anleitung der Pflegekräfte wechseln oder reinigen – am Anfang immer mit Unterstützung.
- Atemluft befeuchten, etwa über einen Befeuchter, wenn der Arzt oder die Ärztin das empfiehlt.
- Logopädische Übungen zum Schlucken und Sprechen regelmäßig durchführen – auch zu Hause.
Medizinische Behandlungen
Je nach Grunderkrankung können begleitende Therapien nötig sein, beispielsweise entzündungshemmende Medikamente, Physiotherapie zur Sekretlösung oder die Anpassung eines Beatmungsgeräts. Auch eine langfristige Sauerstofftherapie kann bei bestimmten Lungenerkrankungen in Betracht kommen. Diese Entscheidungen trifft Ihr Behandlungsteam individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
Zum Anlegen des Tracheostomas ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Wenn sich die Grunderkrankung später bessert, kann die Öffnung in vielen Fällen durch eine kleine Operation wieder verschlossen werden. Der Zeitpunkt wird zusammen mit Ihrer Klinik festgelegt.
Leben mit der Erkrankung
Sie sollten das Stoma vor Staub, Spritzwasser und sehr trockener Luft schützen. Ein leichter Baumwollschal oder eine spezielle Tracheostoma-Blende hilft. Beim Duschen können Sie das Stoma mit einer wasserdichten Schutzfolie abdecken. Viele Menschen nutzen ein Sprechventil, um auch mit Stoma verständlich zu sprechen. Lassen Sie sich von einem Logopäden oder einer Logopädin beraten.
Tipps für den Alltag
- Täglich ausreichend trinken – in Absprache mit Ihrem Arzt meist mindestens 1,5 Liter.
- Sprechen und Atemübungen regelmäßig in den Alltag einbauen.
- Auf das Rauchen verzichten, da es die Schleimhäute reizt und Sekret vermehrt.
- Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufnehmen, um Erfahrungen auszutauschen.
Ernährung und Bewegung
Eine normale, ausgewogene Mischkost ist in der Regel möglich. Kauen und Schlucken können bei einem Tracheostoma etwas schwieriger sein, da Kehlkopf und Rachen weniger gegen Trockenheit geschützt sind. Trinken Sie zu den Mahlzeiten konzentriert. Bewegung ist erlaubt und sinnvoll – bei Staubbelastung das Stoma abdecken und auf das eigene Wohlbefinden achten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Tracheostoma verändert das Aussehen und die Stimme. Das kann Unsicherheit, Scham oder Ängste auslösen. Diese Gefühle sind verständlich. Suchen Sie sich Vertraute, nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn der Druck zu groß wird, und erinnern Sie sich daran: Sie sind mehr als Ihr Stoma.
Vorbeugung
Ein Tracheostoma lässt sich nicht vorbeugen, weil es meist die Folge einer schweren Erkrankung ist. Sie können jedoch viel tun, um Infektionen und Komplikationen am Stoma zu vermeiden: gründliche Händehygiene, sorgfältige Pflege nach Anleitung und frühe ärztliche Abklärung bei Warnzeichen.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für Menschen mit chronischer Lungenerkrankung unter anderem eine Grippe- und Pneumokokken-Impfung. Lassen Sie sich diesbezüglich von Ihrer Hausarztpraxis beraten.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei einem HNO-Arzt, einem Lungenfacharzt oder in der tracheostomieambulanten Sprechstunde sind wichtig, um Probleme früh zu erkennen. Ihr Behandlungsteam legt die Abstände fest.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine nicht behandelte Infektion kann sich auf die Lunge ausbreiten und eine Lungenentzündung verursachen.
- Ein verstopftes Stoma kann sehr schnell zu akuter Luftnot führen.
- Unbemerkte Lageveränderung der Kanüle kann den Atemweg ganz verschließen.
- Ständiger Sekretstau kann zu Lungenentzündungen oder anderen schweren Infektionen führen.
Langzeitprognose
Die meisten Menschen kommen mit der notwendigen Pflege und Unterstützung gut zurecht. Das Tracheostoma sichert die Atmung und gibt Zeit für die Behandlung der Grunderkrankung. Viele erlangen ihre Mobilität und Lebensqualität früher oder später zurück – in einigen Fällen verschließt sich das Stoma wieder.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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