Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Scheidenkrebs ist eine seltene Krebserkrankung, bei der sich bösartige Zellen in der Scheide (Vagina) bilden. Die Scheide ist der Schlauch, der die Gebärmutter mit dem äußeren Geschlechtsbereich verbindet.
Wichtige Fakten
- Scheidenkrebs ist selten und macht weniger als 1 % aller Krebserkrankungen bei Frauen aus.
- Die meisten Fälle hängen mit einer Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) zusammen.
- Scheidenkrebs beginnt oft ohne Beschwerden, daher sind regelmäßige Untersuchungen wichtig.
- Wird er früh erkannt, sind die Heilungschancen gut.
Nein, Scheidenkrebs ist selten. Die meisten Frauen sind von anderen gynäkologischen Erkrankungen betroffen, nicht von Scheidenkrebs.
Scheidenkrebs tritt vor allem bei Frauen über 60 Jahren auf, kann aber grundsätzlich in jedem Alter entstehen. Frauen, die früher Gebärmutterhalskrebs hatten oder mit HPV infiziert sind, haben ein etwas höheres Risiko.
Symptome
- Sehr starke vaginale Blutung, die nicht aufhört
- Plötzlich auftretende, starke Unterleibsschmerzen
- Zeichen eines Schocks, zum Beispiel Schwindel, kalte Schweißausbrüche und schneller Puls
- ⚠Blutungen nach den Wechseljahren
- ⚠Blutungen zwischen den Monatsblutungen, die mehr als zwei Zyklen anhalten
- ⚠Neu auftretende Schmerzen im Beckenbereich oder beim Geschlechtsverkehr
Häufige Symptome
- Blutungen aus der Scheide nach den Wechseljahren
- Blutungen zwischen den Monatsblutungen
- Ungewöhnlicher, übelriechender Ausfluss
- Schmerzen oder Blutungen beim Geschlechtsverkehr
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Druckgefühl oder Schmerzen im Beckenbereich
Ursachen
Hauptursachen
- Langjährige Infektion mit bestimmten HP-Viren (Humanen Papillomviren), die auch für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sein können
- Vorherige Krebserkrankungen im Bereich der Geschlechtsorgane, zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs
- In der Vergangenheit durchgeführte Strahlentherapie im kleinen Becken
- Einnahme des Medikaments Diethylstilbestrol (DES) durch die Mutter während der Schwangerschaft – das Risiko ist allerdings gering
Risikofaktoren
- höheres Alter, besonders über 60 Jahre
- HPV-Infektion
- Rauchen
- Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel nach einer Organtransplantation oder bei HIV
- Chronische Entzündungen oder dauerhafter Scheidenvorfall
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blutung nach den Wechseljahren
- Wiederholte Blutungen zwischen den Monatsblutungen
- Anhaltender ungewöhnlicher Ausfluss
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Veränderungen im Bereich der Scheide bemerken
- Wenn Sie noch nie einen HPV-Impfschutz hatten, sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt darüber
- Nehmen Sie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahr
Diagnose
Scheidenkrebs wird meist bei einer gynäkologischen Untersuchung entdeckt. Die Ärztin oder der Arzt schaut sich Ihre Scheide genau an, tastet sie ab und entnimmt bei Verdacht eine kleine Gewebeprobe (Biopsie).
Mögliche Untersuchungen
- Gynäkologische Tastuntersuchung
- Spiegelung der Scheide mit einem speziellen Mikroskop (Kolposkopie)
- Abstrich von der Scheide zur Zelluntersuchung (Pap-Test)
- Gewebeprobe (Biopsie), wenn auffällige Stellen gefunden werden
- Ultraschalluntersuchung oder Magnetresonanztomografie (MRT), um die Ausbreitung einzuschätzen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel nicht schmerzhaft, kann aber ein leichtes Druckgefühl verursachen. Sie können jederzeit nachfragen, was die Ärztin oder der Arzt gerade tut. Wenn eine Gewebeprobe entnommen wird, dauert das nur wenige Minuten. Die Auswertung braucht einige Tage – bis dahin sollen Sie sich keine voreiligen Sorgen machen.
Behandlung
Die Behandlung hängt vom Stadium der Erkrankung, der Größe des Tumors, der Lage und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Sie erfolgt in spezialisierten Zentren und wird in einer Tumorkonferenz gemeinsam geplant.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Schmerzmittel genau wie verordnet ein und fragen Sie bei Unklarheiten in Ihrer Apotheke oder Ihrem Behandlerteam nach.
- Sorgen Sie für ausreichend Ruhe, um Ihrem Körper bei der Regeneration zu helfen.
- Achten Sie auf eine gute Intimhygiene, aber nutzen Sie keine parfümierten Produkte oder Scheidenspülungen.
- Tauschen Sie sich mit Ihrem medizinischen Team aus, bei Fragen zu Blutungen, Schmerzen oder Ihrem Befinden.
Medizinische Behandlungen
Je nach Situation stehen mehrere Behandlungsarten zur Verfügung: Eine Operation, bei der das betroffene Gewebe entfernt wird; eine Strahlentherapie (Bestrahlung), die Krebszellen zerstört; eine Chemotherapie, die über die Blutbahn wirkt; und in manchen Fällen eine zielgerichtete Behandlung, die bestimmte Eigenschaften der Krebszellen angreift. Die genaue Kombination wird individuell für Sie zusammengestellt. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen jeden Schritt ausführlich.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt vor allem bei frühen Stadien infrage. Je nach Ausbreitung kann nur die veränderte Stelle oder ein größerer Teil der Scheide entfernt werden. Manchmal wird zusätzlich die Gebärmutter oder Lymphknoten mitentfernt. Das Ziel ist immer, so viel gesundes Gewebe wie möglich zu erhalten.
Leben mit der Erkrankung
Während der Behandlung ist es wichtig, auf Ihren Körper zu hören. Nehmen Sie Hilfe bei Alltagsaufgaben an, wenn Sie sich schwach oder erschöpft fühlen. Planen Sie regelmäßige Pausen und pflegen Sie Kontakte zu Menschen, die Ihnen guttun.
Tipps für den Alltag
- Hören Sie mit dem Rauchen auf. Das verbessert die Heilung und senkt das Risiko, erneut zu erkranken.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel mit Spaziergängen oder sanfter Gymnastik, wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin es erlaubt.
- Vermeiden Sie geschlechtliche Aktivität bis zur vollständigen Heilung nach Operationen oder Bestrahlung, und sprechen Sie danach offen mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin.
- Fragen Sie nach Unterstützung bei Problemen mit dem Wasserlassen oder dem Stuhlgang – viele Beschwerden lassen sich lindern.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt Ihr Immunsystem. Bewegen Sie sich so viel, wie es Ihnen guttut – das kann während der Behandlung bereits ein gemeinsames Abendessen zubereiten oder ein kurzer Spaziergang sein. Ihr Körper bestimmt das Tempo.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Scheidenkrebs kann Ängste, Traurigkeit und Schamgefühle auslösen. Es ist normal, dass Sie sich niedergeschlagen fühlen. Sie müssen damit nicht alleine bleiben – sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam über Ihre Gefühle, damit es Ihnen geeignete psychologische Unterstützung vermitteln kann.
Vorbeugung
Man kann Scheidenkrebs nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken: weniger Rauchen, geschützter Geschlechtsverkehr und regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen.
Impfungen
Eine Impfung gegen HPV kann das Risiko für Scheidenkrebs und andere HPV-bedingte Krebsarten senken. Sie wird für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen und kann bis zum 17. Lebensjahr nachgeholt werden. Sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt über die Impfung.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Früherkennungsuntersuchung für Scheidenkrebs. Bei der Krebsvorsorgeuntersuchung wird aber auch die Scheide besichtigt und abgetastet. Nehmen Sie diese Termine regelmäßig wahr – das ist die beste Möglichkeit, Veränderungen früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Tumor kann in benachbarte Organe wie Harnblase oder Enddarm einwachsen.
- Krebszellen können sich über die Lymphbahnen ausbreiten.
- Unbehandelt kann es zu anhaltenden Blutungen, Schmerzen und Harnproblemen kommen.
- Eine späte Diagnose verringert die Chance auf Heilung deutlich.
Langzeitprognose
Die Behandlung von Scheidenkrebs hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht. Viele Frauen werden dauerhaft geheilt, besonders wenn die Erkrankung früh entdeckt wird. Auch bei fortgeschritteneren Stadien gibt es wirksame Möglichkeiten, die Krankheit zu kontrollieren und die Lebensqualität zu erhalten. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie dabei Schritt für Schritt.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.