Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (kurz WPW) ist eine angeborene Besonderheit des Herzens. Im Herzen gibt es eine zusätzliche elektrische Leiterbahn. Diese kann dazu führen, dass das Herz plötzlich sehr schnell schlägt. Das kann unangenehm sein, ist aber meist gut behandelbar.
Wichtige Fakten
- WPW ist angeboren – man kommt mit der Extraleiterbahn im Herzen zur Welt.
- Nicht jeder mit WPW hat Beschwerden; manche bemerken es nie.
- Bei Beschwerden gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten, bis hin zur Heilung.
WPW ist selten. Schätzungen zufolge ist etwa 1 von 1000 Menschen betroffen.
WPW kann in jedem Alter auftreten. Die ersten Beschwerden zeigen sich oft bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder Kreislaufstillstand – sofort 112 anrufen!
- Brustschmerzen oder starkes Engegefühl, länger als ein paar Minuten
- Schwere Atemnot
- Herzrasen, das nicht von selbst aufhört und mit Schwindel oder Schwäche einhergeht
- ⚠Wiederholte Ohnmachtsanfälle oder Beinahe-Ohnmachten
- ⚠Herzrasen, das immer häufiger oder länger auftritt
- ⚠Starke Erschöpfung oder Schmerzen in der Brust bei Belastung
Häufige Symptome
- Herzrasen, das plötzlich anfängt und wieder aufhört
- Herzstolpern oder ein unregelmäßiger Puls
- Schwindel oder Benommenheit
- Kurzatmigkeit oder Engegefühl in der Brust
- Bei manchen Menschen treten gar keine Symptome auf
Symptome bei Kindern
- Bei Babys: auffallende Unruhe, Trinkschwäche oder schnelles Atmen
- Bei Kleinkindern: blasse Haut, Schwitzen oder Müdigkeit
- Bei älteren Kindern: Herzklopfen oder Herzrasen bei Anstrengung oder Aufregung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stärker ausgeprägter Schwindel oder Ohnmachtsanfälle
- Stürze durch plötzlichen Schwindel
- Herzrasen kann zu Erschöpfung und Atemnot führen
Ursachen
Hauptursachen
- Eine zusätzliche elektrische Leiterbahn im Herzen, die normalerweise nicht vorhanden ist
- Diese Bahn ist von Geburt an da, die genaue Ursache ist meist unbekannt
- Sie kann dazu führen, dass elektrische Signale das Herz auf einem Umweg erregen und so das Herzrasen auslösen
Risikofaktoren
- Bestimmte angeborene Herzfehler, zum Beispiel die Ebstein-Anomalie
- Seltene erbliche Erkrankungen, die das Herz betreffen
- In einigen Familien tritt WPW gehäuft auf
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie ohnmächtig werden, starke Schwindelattacken haben oder das Herz rast – das zeitnah abklären lassen
- Wenn Sie Schmerzen in der Brust verspüren oder das Herzrasen mit Übelkeit oder Atemnot einhergeht
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Herzrasen oder Herzstolpern bemerken
- Wenn Sie Bedenken wegen Ihres Herzens haben, auch wenn die Beschwerden nur gelegentlich auftreten
Diagnose
Der Arzt befragt Sie zu Ihren Beschwerden und ihrer Krankengeschichte. Danach wird ein Elektrokardiogramm (EKG) geschrieben, das die elektrischen Ströme des Herzens aufzeichnet. Beim WPW-Syndrom zeigt das EKG oft ein typisches Muster.
Mögliche Untersuchungen
- EKG (Elektrokardiogramm) in Ruhe – die Grunduntersuchung
- Langzeit-EKG über 24 Stunden – erfasst Herzrhythmusstörungen im Alltag
- Belastungs-EKG auf dem Fahrrad – zeigt, wie das Herz bei Anstrengung reagiert
- Elektrophysiologische Untersuchung (EPU) – ein spezieller Herzkatheter-Test, der die Leitungsbahnen genau darstellt; wird oft vor einer Behandlung gemacht
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei, das EKG ist ungefährlich. Bei einer Langzeit-EKG-Untersuchung tragen Sie ein kleines Gerät für einen Tag. Wenn der Verdacht auf WPW besteht, überweist Sie Ihr Hausarzt zum Kardiologen, also zum Herzspezialisten.
Behandlung
Nicht jeder mit WPW braucht eine Behandlung. Wenn Sie keine Beschwerden haben, reicht es oft, das Herz regelmäßig ärztlich kontrollieren zu lassen. Wenn das Herzrasen häufig auftritt oder gefährlich wird, gibt es wirksame Behandlungen, die den zusätzlichen Signalweg ausschalten oder die Herzfrequenz bremsen.
Selbsthilfe zu Hause
- Lernen Sie, Stress zu vermeiden oder besser zu bewältigen
- Meiden Sie Koffein, Alkohol und andere aufputschende Substanzen, wenn Sie bemerken, dass sie Herzrasen auslösen
- Achten Sie auf genügend Schlaf und Erholung
- Führen Sie ein Symptom-Tagebuch, um Auslöser zu erkennen
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die die Herzfrequenz verlangsamen oder Herzrhythmusstörungen unterdrücken. Welches Mittel geeignet ist, entscheidet der Kardiologe individuell – lassen Sie sich dazu ausführlich beraten. Eine weitere Möglichkeit ist die Katheterablation: Dabei wird ein dünner Schlauch (Katheter) über ein Blutgefäß bis zum Herzen geführt. Mit Hilfe von Hochfrequenzenergie wird die zusätzliche Leiterbahn verödet. Dieser Eingriff kann das WPW-Syndrom in den meisten Fällen dauerhaft beheben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Katheterablation ist kein großes Herzoperation, sondern ein minimal-invasiver Eingriff über die Leiste. Er kommt in Frage, wenn Medikamente nicht helfen, keine gut vertragen werden, oder wenn ein erhöhtes Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen besteht.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit WPW leben ganz normal. Lernen Sie, Ihren Körper wahrzunehmen: Wenn Sie wissen, was bei Ihnen Herzrasen auslöst, können Sie es oft vermeiden. Tragen Sie bei Bedarf einen Ausweis für Herzpatienten mit sich, besonders wenn Sie behandelt werden.
Tipps für den Alltag
- Sport und Bewegung sind meist erlaubt – lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, ob Leistungssport für Sie geeignet ist
- Verzichten Sie auf Rauchen, da Nikotin das Herz belastet
- Reduzieren Sie Koffein und Energydrinks
- Planen Sie ausreichend Erholungsphasen ein
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten hält das Herz gesund. Moderate Bewegung wie Walken, Radfahren oder Schwimmen ist in der Regel empfehlenswert. Bei Leistungssport oder Wettkämpfen sollten Sie vorher unbedingt ärztlichen Rat einholen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Herzrasen kann Angst auslösen – besonders wenn es plötzlich auftritt. Diese Angst ist verständlich. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Bei manchen Menschen hilft es, Entspannungsübungen oder Atemtechniken zu lernen, um im Falle eines Anfalls ruhiger zu bleiben.
Vorbeugung
WPW ist angeboren und lässt sich nicht verhindern. Sie können aber Beschwerden und möglichen Komplikationen vorbeugen, indem Sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen und einen gesunden Lebensstil pflegen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhaftes, sehr schnelles Herzrasen kann zu Ohnmacht führen
- In seltenen Fällen kann es zu einem gefährlichen Herzrhythmus kommen, der ohne Behandlung lebensbedrohlich sein kann
- Bei unregelmäßigem Herzrasen kann die Pumpleistung des Herzens vorübergehend einbrechen
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung ist die Aussicht sehr gut. Viele Menschen werden durch die Katheterablation dauerhaft beschwerdefrei. Auch bei denen, die keine Behandlung brauchen, ist das Risiko für ernste Komplikationen gering. Lassen Sie sich von Ihrem Kardiologen beraten, welche Option für Sie am besten ist – die Medizin hat heute gute Werkzeuge, um das WPW-Syndrom zu beherrschen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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