Hörsturz (plötzlicher Hörverlust)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Hörsturz ist ein plötzlicher Hörverlust, meist auf einem Ohr. Betroffene hören auf einmal schlechter oder fühlen ein dumpfes Ohr. Die Ursache ist oft unklar. Manche Menschen haben zusätzlich Ohrgeräusche (Tinnitus) oder ein Druckgefühl im Ohr.
Wichtige Fakten
- Meist ist nur ein Ohr betroffen.
- Ein Hörsturz kann in jedem Alter auftreten, häufig zwischen 30 und 60 Jahren.
- Eine schnelle Untersuchung und Behandlung erhöht die Chance auf Erholung.
Ein Hörsturz ist nicht selten. Jedes Jahr erleiden in Deutschland schätzungsweise 10.000 bis 15.000 Menschen einen Hörsturz. Manche Fälle heilen von selbst, ohne dass jemand einen Arzt aufsucht.
Am häufigsten betrifft ein Hörsturz Erwachsene zwischen 30 und 60 Jahren. Männer und Frauen sind etwa gleich oft betroffen. Auch jüngere Menschen können einen Hörsturz bekommen, zum Beispiel nach starkem Stress oder Schlafmangel.
Symptome
- Plötzlicher kompletter Hörverlust auf einem oder beiden Ohren
- Hörsturz mit starkem Schwindel, Erbrechen und Gangunsicherheit
- Hörverlust zusammen mit Sprachstörungen, Lähmungen oder Doppelbildern – sofort den Notruf 112 wählen
- ⚠Jede plötzliche Hörminderung innerhalb der letzten 24 Stunden
- ⚠Neu aufgetretene Ohrgeräusche, die nicht wieder verschwinden
- ⚠Druckgefühl im Ohr ohne Erkältung oder Schnupfen
Häufige Symptome
- Plötzliche Hörminderung auf einem Ohr
- Ohrgeräusche (Tinnitus) wie Pfeifen, Rauschen oder Klingeln
- Druckgefühl oder Völlegefühl im Ohr
- Schwindel oder Benommenheit
Symptome bei Kindern
- Kinder bemerken oft nicht, dass sie schlechter hören.
- Mögliche Anzeichen sind: Das Kind reagiert nicht auf Ansprache, zeigt schlechtere Schulleistungen, hört laut fern oder spricht undeutlich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen wird ein Hörsturz manchmal mit Altersschwerhörigkeit verwechselt.
- Ein plötzlicher und einseitiger Hörverlust ist jedoch nicht normal und sollte sofort ärztlich abgeklärt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt.
- Mögliche Auslöser sind Durchblutungsstörungen im Innenohr.
- Auch Virusinfektionen oder Entzündungen können das Innenohr schädigen.
- Stress und seelische Belastung werden ebenfalls als Auslöser diskutiert.
Risikofaktoren
- Starker Stress und beruflicher Druck
- Schlafmangel
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Frühere Hörstürze in der Vorgeschichte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher Hörminderung sofort einen HNO-Arzt aufsuchen – am besten innerhalb von 24 Stunden.
- Schon bei einem dumpfen Gefühl im Ohr oder neuen Ohrgeräuschen zum Arzt gehen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Wochen hinweg eine allmähliche Hörminderung bemerken.
- Bei wiederkehrenden Ohrgeräuschen oder Schwindel, der nicht verschwindet.
Diagnose
Ein HNO-Arzt wird Ihr Ohr untersuchen und einen Hörtest (Audiometrie) durchführen. Dabei wird gemessen, wie gut Sie verschiedene Töne wahrnehmen. Auch Ihre Ohrgeräusche und Ihr Schwindel werden genau erfragt.
Mögliche Untersuchungen
- Hörtest (Audiometrie) zur Messung der Hörschwelle
- Tympanometrie zur Prüfung von Mittelohr und Trommelfell
- Blutdruckmessung
- Blutuntersuchung auf Entzündungszeichen oder Blutzucker
- Bei Bedarf eine Kernspintomographie (MRT), um einen Tumor am Hörnerv auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arztbesuch dauert etwa 30 Minuten. Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei, lediglich leichte Druckgefühle im Ohr können auftreten. Die Ergebnisse werden Ihnen direkt erklärt.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere des Hörverlusts und möglichen Ursachen. Sie erfolgt nach den aktuellen Leitlinien der AWMF. Häufig wird Kortison eingesetzt, das entzündungshemmend im Innenohr wirkt. Es kann als Tablette oder direkt als Injektion ins Ohr gegeben werden. Ziel ist es, das Hörvermögen zu erhalten oder wiederherzustellen.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie sich und meiden Sie Stress.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Erholung.
- Verzichten Sie auf Nikotin und übermäßigen Alkohol.
- Meiden Sie laute Umgebungen, um das Ohr nicht zusätzlich zu belasten.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung besteht vor allem aus Kortison, einem entzündungshemmenden Wirkstoff. Diese Behandlung darf nur von einem Arzt verordnet und überwacht werden. Auch durchblutungsfördernde Infusionen kommen manchmal zum Einsatz, allerdings ist ihr Nutzen in Studien begrenzt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die für Sie beste Therapieoption.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist beim Hörsturz nur in seltenen Fällen notwendig. Sie kommt zum Beispiel dann in Betracht, wenn eine andere Ursache wie ein Tumor am Hörnerv festgestellt wird. In der Regel ist eine Operation nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Hörsturz ist Geduld wichtig. Das Gehör kann sich über Wochen oder Monate erholen. Vermeiden Sie laute Geräusche und tragen Sie bei Bedarf einen Gehörschutz. Falls ein Hörverlust bestehen bleibt, können Hörgeräte oder spezielle Hörhilfen den Alltag erheblich erleichtern.
Tipps für den Alltag
- Stressabbau durch Entspannungsübungen, Yoga oder autogenes Training
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft
- Ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit
- Verzicht auf Rauchen
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Ernährung und sanfte Bewegung wie Spaziergänge oder Schwimmen fördern die Durchblutung und das allgemeine Wohlbefinden. Überanstrengung ist in der akuten Phase nicht nötig und sollte vermieden werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Hörsturz kann emotional sehr belasten. Plötzlich hört man anders oder hat ständige Ohrgeräusche. Das kann Angst, Unsicherheit oder Rückzug auslösen. Es ist völlig normal, sich Sorgen zu machen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen oder sich psychologische Unterstützung zu holen.
Vorbeugung
Ein Hörsturz lässt sich nicht gezielt verhindern, da die genaue Ursache oft unbekannt ist. Sie können aber Ihr Risiko senken, indem Sie Stress vermeiden, auf ausreichend Schlaf achten und einen gesunden Blutdruck anstreben. Schützen Sie Ihr Gehör außerdem vor Lärm – das beugt anderen Hörschäden vor.
Impfungen
Eine Schutzimpfung gegen Hörsturz gibt es nicht.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Hörtests sind vor allem für Menschen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes sinnvoll. Lassen Sie Ihr Gehör bei Ihrem HNO-Arzt in regelmäßigen Abständen kontrollieren und besprechen Sie, wie oft ein Hörtest für Sie empfehlenswert ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Hörminderung auf dem betroffenen Ohr
- Chronischer Tinnitus, der im Alltag stört
- Psychische Belastung, Schlafstörungen und sozialer Rückzug
Langzeitprognose
Die Prognose ist meist gut. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen bildet sich ein Hörsturz von selbst zurück. Vor allem wenn früh mit der Behandlung begonnen wird, erholen sich viele Menschen vollständig oder fast vollständig. Auch wenn ein Hörrest bleibt, können Hörgeräte oder andere Hilfen das Leben wieder erleichtern. Wichtig ist, auf sich zu achten und den Rat Ihres Arztes zu befolgen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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