Nasennebenhöhlen-Screening: Ein Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Beim Screening der Nasennebenhöhlen (auch Nasennebenhöhlen-Vorsorge genannt) untersucht ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) Ihre Nebenhöhlen, um mögliche Erkrankungen früh zu erkennen. Die Nebenhöhlen sind luftgefüllte Räume in den Knochen rund um Nase und Augen. Ein Screening kann zum Beispiel bei anhaltenden Beschwerden, nach einer schweren Infektion oder bei beruflichen Risiken sinnvoll sein.
Wichtige Fakten
- Die Nasennebenhöhlen sind luftgefüllte Räume im Schädel, die mit der Nase verbunden sind.
- Ein Screening hilft, Entzündungen, Polypen oder andere Veränderungen früh zu erkennen.
- Die Untersuchung ist schmerzfrei und wird meist ambulant durchgeführt.
Ein Screening der Nasennebenhöhlen ist keine Routineuntersuchung für alle. Es wird gezielt eingesetzt, zum Beispiel bei Menschen mit wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen, Allergien oder Auffälligkeiten in der Bildgebung. Solche Untersuchungen gehören zur regulären HNO-Heilkunde.
Betroffen sind vor allem Menschen mit wiederkehrenden Nasennebenhöhlenentzündungen, chronischen Allergien, Asthma oder anatomischen Besonderheiten wie einer verkrümmten Nasenscheidewand. Auch Menschen, die beruflich viel Staub oder Chemikalien ausgesetzt sind, können ein erhöhtes Risiko haben. Grundsätzlich kann aber jeder Mensch eine Untersuchung der Nasennebenhöhlen benötigen – zum Beispiel bei anhaltenden Beschwerden.
Symptome
- Plötzliche, starke Schwellung oder Rötung um ein Auge
- Starke Sehstörungen, Doppelbilder oder Lähmungserscheinungen im Gesicht
- Hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit
- Bewusstseinsstörung oder Verwirrtheit – dann sofort den Notruf 112 wählen
- ⚠Sehr starke Gesichts- oder Kopfschmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Fieber über 39°C, auch wenn Sie sich sehr schwach fühlen
- ⚠Schwellung im Stirn- oder Augenbereich
- ⚠Wenn sich der Zustand schnell verschlechtert, suchen Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst auf (Telefon 116117).
Häufige Symptome
- Druckgefühl oder Schmerzen im Gesicht, besonders um Nase, Wangen und Augen
- Verstopfte Nase oder einseitiger Schnupfen
- Laufende Nase oder häufiges Nasensekret
- Beeinträchtigter Geruchssinn
- Kopfschmerzen, die bei Bücken stärker werden
- Mundgeruch, der trotz guter Zahnpflege nicht verschwindet
Symptome bei Kindern
- Langanhaltender Husten oder Schniefen
- Ohrschmerzen oder Reizbarkeit
- Häufig Fieber oder unklare Bauchschmerzen, weil Schleim in den Rachen läuft
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Weniger deutliche Krankheitszeichen, manchmal nur Abgeschlagenheit oder leichte Verwirrtheit
- Trockene Schleimhäute und ein reduziertes Immunsystem können die Entstehung begünstigen
Ursachen
Hauptursachen
- Häufigste Ursache: Erkältungsviren, die eine Entzündung der Schleimhäute auslösen.
- Allergien, zum Beispiel auf Pollen oder Hausstaubmilben, lassen die Schleimhäute dauerhaft anschwellen.
- Bakterien können zusätzlich wachsen, wenn der Abfluss der Nebenhöhlen behindert ist.
- Anatomische Besonderheiten, wie eine verkrümmte Nasenscheidewand oder enge Ausgänge der Nebenhöhlen, begünstigen Stauungen.
- Zahnwurzelentzündungen im Oberkiefer können die Kieferhöhle ebenfalls infizieren.
Risikofaktoren
- Rauchen oder regelmäßige Passivrauch-Belastung
- Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch Erkrankungen oder bestimmte Medikamente
- Asthma oder eine bekannte Allergie
- Berufliche Belastung durch Staub, Gase oder Dämpfe
- Zahnerkrankungen
- Häufiges Fliegen oder Tauchen, weil Druckwechsel die Schleimhäute reizen können
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Schmerzen, die auf übliche Hausmittel nicht ansprechen
- Fieber, das länger als ein bis zwei Tage anhält
- Gelblicher oder grünlicher Nasenausfluss über mehr als sieben Tage
- Wenn Sie Schwellungen im Gesicht bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen anhalten – das spricht für eine chronische Entzündung.
- Wenn Sie häufiger als vier- bis sechsmal im Jahr eine Nasennebenhöhlenentzündung haben.
- Wenn bei Ihnen eine Allergie bekannt ist und die Beschwerden nicht gut behandelt sind.
- Wenn in der Familie bereits Nasenpolypen (Schleimhaut-Wucherungen) aufgetreten sind.
Diagnose
Der HNO-Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Danach schaut er mit einem beleuchteten Trichter oder einem Endoskop – einem dünnen Schlauch mit einer kleinen Kamera – in Ihre Nase. Er kann so die Schleimhäute und die Ausgänge der Nebenhöhlen genau beurteilen. Bei besonderen Fragen wird auch eine Bildgebung wie eine Computertomographie (CT) eingesetzt.
Mögliche Untersuchungen
- Rhinoskopie: Untersuchung der Nasenhöhle mit einem Instrument mit Licht
- Nasenendoskopie: genaue Betrachtung mit der Kamera
- Allergietest: Prüfung mit Haut- oder Bluttests
- Computertomographie (CT): Schnittbild der Nasennebenhöhlen, nur bei bestimmten Fragen sinnvoll
- Geruchstest: Überprüfung des Geruchssinns mit Riechsubstanzen
- Bei Bedarf Abstrich aus der Nase, um den Erreger zu bestimmen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schnell und schmerzfrei. Sie sitzen auf einem Stuhl, und der Arzt beleuchtet Ihre Nase. Für eine CT müssen Sie einige Minuten stillliegen. Nach der Untersuchung bespricht der Arzt die Ergebnisse mit Ihnen, erklärt alles verständlich und schlägt gegebenenfalls eine Behandlung vor. Sie können jederzeit Fragen stellen.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Schleimhäute abzuschwellen und den Abfluss der Nebenhöhlen zu ermöglichen. Bei einer akuten Infektion reichen oft Selbsthilfemaßnahmen und abschwellende Nasensprays (nur kurzfristig, nicht länger als einige Tage). Bei chronischen Beschwerden gibt es gute medikamentöse Möglichkeiten, die Entzündung zu kontrollieren. Keinesfalls sollten Sie über Wochen abschwellende Sprays verwenden, ohne ärztlichen Rat.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken, zum Beispiel Wasser oder Kräutertee
- Dampfinhalationen mit Kochsalzlösung oder ätherischen Ölen (bei Babys und Kleinkindern keine ätherischen Öle verwenden)
- Warme Umschläge oder Rotlicht auf der Stirn, mit ausreichendem Abstand zu Haut und Augen
- Sanftes Spülen der Nase mit Kochsalzlösung – Anleitung erhalten Sie in der Apotheke oder vom Arzt
- Ausreichend Schlaf und Schonung bei Fieber
- Den Kopf beim Schlafen leicht erhöht lagern, um den Abfluss zu erleichtern
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann Ihnen abschwellende Nasensprays für eine kurze Zeit empfehlen, entzündungshemmende Nasensprays (zum Beispiel mit Kortison – die genaue Wirkstoffklasse wird Ihr Arzt auswählen), Kochsalzspülungen oder, bei einem bakteriellen Infekt, ein Antibiotikum verschreiben. Verwenden Sie niemals verschreibungspflichtige Medikamente ohne ärztliche Anordnung. Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig, etwa wenn sich der Abfluss trotz guter medikamentöser Behandlung nicht verbessert oder wenn Komplikationen drohen. Dabei werden veränderte Schleimhaut oder Polypen schonend entfernt und die Öffnungen der Nebenhöhlen erweitert. Der Eingriff erfolgt meist über die Nase, ohne äußere Schnitte.
Leben mit der Erkrankung
Wenn die Nebenhöhlen Probleme machen, kann das den Alltag deutlich beeinträchtigen. Planen Sie Pausen ein und nehmen Sie sich Zeit zum Durchatmen. Eine regelmäßige Nasenpflege mit Salzwasserspülungen, ein gut gelüftetes Schlafzimmer und das Vermeiden von starkem Schnäuzen helfen. Mit einigen Anpassungen können Sie den Alltag trotzdem gut bewältigen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßig lüften und für ausreichend Luftfeuchtigkeit sorgen
- Allergene meiden, wenn Sie eine Allergie haben (zum Beispiel spezielle Bezüge gegen Hausstaubmilben)
- Auf das Rauchen und die Nähe zu Rauchern verzichten
- Bei Staub oder Dämpfen im Beruf die empfohlene Schutzausrüstung tragen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse stärkt das Immunsystem. Scharfes Essen kann die Nase freimachen, ist aber nicht für den Magen aller Menschen verträglich. Bei akutem Fieber oder starken Schmerzen sollten Sie Sport meiden und sich schonen. Bei chronischen Beschwerden sind moderate Bewegung und Spaziergänge gut für das Wohlbefinden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Beschwerden wie Gesichtsdruck, ein gestörter Geruchssinn oder Schlafprobleme können psychisch belasten. Es ist verständlich, wenn Sie sich manchmal erschöpft oder gereizt fühlen. Sprechen Sie darüber – mit Ihrer Familie, Ihrem ärztlichen Team oder einer Beratungsstelle. Auch Entspannungsübungen und ruhige Atmung können helfen.
Vorbeugung
Nicht jede Nasennebenhöhlen-Erkrankung lässt sich verhindern. Sie können das Risiko aber senken: Stärken Sie Ihr Immunsystem, vermeiden Sie Rauchen, behandeln Sie Allergien konsequent und ruhen Sie sich bei Erkältungen aus. Auch eine gute Nasenhygiene und das Meiden von Reizstoffen sind hilfreich.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe (Influenza) und – falls empfohlen – gegen COVID-19 impfen. Das schützt zwar nicht direkt die Nebenhöhlen, verhindert aber schwere Infekte, die zu Nasennebenhöhlenentzündungen führen können. Auch eine Pneumokokken-Impfung kann sinnvoll sein. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt dazu.
Früherkennungsprogramme
Ein Screening der Nasennebenhöhlen ist keine allgemeine Vorsorgeuntersuchung. Es kann aber sinnvoll sein, wenn Sie zum Beispiel unter wiederkehrenden Entzündungen leiden oder in Ihrer Familie Nasenpolypen bekannt sind. Lassen Sie sich individuell beraten. Bei Beschwerden ist eine frühzeitige Untersuchung immer einem Abwarten vorzuziehen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Beschwerden länger als zwölf Wochen)
- Bildung von Nasenpolypen, die die Atmung behindern können
- Verschlechterung des Geruchssinns bis hin zum Verlust
- Sehr selten: Ausbreitung der Entzündung auf das Auge oder das Gehirn – dann handelt es sich um einen Notfall
- Verschlechterung eines bestehenden Asthmas
Langzeitprognose
Die allermeisten Nasennebenhöhlenbeschwerden lassen sich heute sehr gut behandeln. Auch chronische Verläufe können durch eine Kombination aus Medikamenten, Selbsthilfe und gegebenenfalls einer Operation deutlich gebessert werden. Entscheidend ist, dass Sie fachärztliche Hilfe suchen, wenn Beschwerden länger anhalten. Mit der richtigen Behandlung ist die Prognose in den meisten Fällen gut.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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