Sehtest und Augen-Vorsorge: Wann und warum?
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Seh-Screening ist ein einfacher Test, bei dem überprüft wird, ob Ihre Augen gut sehen. Dabei werden Sehschärfe, räumliches Sehen und manchmal auch die Augenstellung geprüft. Das Ziel ist, Sehprobleme früh zu erkennen, bevor sie Beschwerden machen oder sich verschlimmern.
Wichtige Fakten
- Ein Seh-Screening dauert meist nur wenige Minuten und ist schmerzfrei.
- Bei Kindern kann es helfen, Sehschwächen zu entdecken, die die Entwicklung beeinträchtigen könnten.
- Bei Erwachsenen und älteren Menschen können typische Augenkrankheiten wie Grüner Star oder Grauer Star früh erkannt werden.
- Ein Seh-Screening ersetzt keine vollständige augenärztliche Untersuchung.
Ja, Sehprobleme sind sehr häufig. Viele Menschen brauchen irgendwann eine Brille oder Kontaktlinsen. Regelmäßige Sehtests werden in Deutschland von den Krankenkassen in bestimmten Abständen unterstützt – zum Beispiel bei Kindern und ab einem bestimmten Alter.
Ein Seh-Screening ist für alle Altersgruppen sinnvoll: bei Kleinkindern, Schulkindern, Erwachsenen und vor allem bei älteren Menschen. Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder einer familiären Vorgeschichte von Augenerkrankungen haben ein höheres Risiko und sollten regelmäßiger untersuchen lassen.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen
- Doppelbilder, die plötzlich auftreten
- Starke Schmerzen im Auge, begleitet von Übelkeit oder Erbrechen
- Schwere Augenverletzung, zum Beispiel durch einen Unfall
- Blitzlichter oder ein plötzlich auftretender Schatten im Gesichtsfeld – das kann ein Hinweis auf eine Netzhautablösung sein.
- ⚠Rotes, schmerzendes Auge mit Lichtempfindlichkeit
- ⚠Sehen von schwarzen Flecken oder Schlieren, die plötzlich auftreten oder zunehmen
- ⚠Unscharfes Sehen nach einer Augenoperation oder Augenverletzung
- ⚠Fremdkörpergefühl, das nicht verschwindet, oder ein Auge, das nicht richtig tränt
Häufige Symptome
- Verschwommenes oder unscharfes Sehen in der Nähe oder in der Ferne
- Augenreiben oder Blinzeln, besonders bei Kindern
- Häufige Kopfschmerzen nach dem Lesen oder bei Bildschirmarbeit
- Augen, die schnell müde oder brennen
- Schielen oder ein abweichendes Auge
- Lichtempfindlichkeit oder Blendung
Symptome bei Kindern
- Nicht fixieren oder Gegenstände nicht mit den Augen verfolgen
- Schielen oder ein Auge weicht zur Seite ab
- Den Kopf schräg halten oder das Gesicht nahe an Bücher oder Bildschirm bringen
- Plötzliche Schulprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten, die nichts mit dem Verhalten zu tun haben
- Häufiges Stolpern, da räumliches Sehen eingeschränkt ist
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verändertes Farbsehen oder Farben wirken blasser
- Verschwommenes Sehen, das trotz neuer Brille nicht besser wird
- Nachts schlechter sehen, besonders beim Autofahren
- Empfindlichkeit gegenüber Licht oder Blendung
- Das Gefühl, durch einen Schleier oder Vorhang zu sehen
Ursachen
Hauptursachen
- Die Form des Augapfels ist zu lang oder zu kurz – dadurch entsteht Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit.
- Die Augenlinse verliert mit dem Alter an Elastizität – dann wird das Lesen in der Nähe schwerer (Altersweitsichtigkeit).
- Die Hornhaut ist unregelmäßig geformt, sodass das Bild verzerrt ist (Astigmatismus).
- Bei Kindern kann die Zusammenarbeit beider Augen gestört sein, zum Beispiel durch Schielen.
- Mit zunehmendem Alter kann die Augenlinse trüb werden (grauer Star) oder der Sehnerv Schaden nehmen (grüner Star).
Risikofaktoren
- Alter – besonders über 50 Jahre steigt das Risiko für Augenerkrankungen
- Familienangehörige mit Augenerkrankungen
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Frühgeburt oder Entwicklungsverzögerungen in der Kindheit
- Starke Bildschirmarbeit oder häufige intensive Naharbeit
- Verletzungen des Auges in der Vorgeschichte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Kinder sollten im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen auf jeden Fall einen Sehtest beim Kinder- und Jugendarzt bekommen – meist mit 3, 4 und 5 Jahren.
- Erwachsene sollten ab 40 Jahren alle ein bis zwei Jahre ihre Augen überprüfen lassen, auch wenn sie keine Beschwerden haben.
- Menschen mit Diabetes oder einem erhöhten Augenrisiko sollten einmal pro Jahr eine vollständige Augenuntersuchung machen lassen.
- Wenn Sie selbst das Gefühl haben, dass Ihr Sehen schlechter wird, sollten Sie zeitnah einen Termin beim Augenarzt oder bei der Augenärztin vereinbaren.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- In jedem Lebensalter ist ein Seh-Screening dann sinnvoll, wenn Sie Veränderungen bemerken – zum Beispiel wenn Lesen anstrengender wird oder das Fernsehen nicht mehr scharf ist.
- Auch bei Kopfschmerzen, häufigen Kopfhaltungen oder Konzentrationsschwierigkeiten kann ein Sehtest helfen, die Ursache zu finden.
- Viele Menschen kombinieren den Sehtest mit dem Termin bei der Optikerin oder beim Optiker, wenn sie eine neue Brille brauchen.
Diagnose
Ein Seh-Screening wird meist von Augenärztinnen oder Augenärzten, aber auch von Optikerinnen oder Optikern durchgeführt. Dabei wird nicht nur die Sehschärfe geprüft, sondern auch das Gesichtsfeld, das räumliche Sehen und die Augenbewegungen. Wenn ein Auffälligkeit festgestellt wird, empfiehlt die Ärztin oder der Arzt eine genauere Untersuchung.
Mögliche Untersuchungen
- Sehschärfentest (Optotypen-Test) – dabei lesen Sie Buchstaben oder erkennen Symbole auf einer Tafel.
- Refraktionsbestimmung – dabei wird gemessen, ob Sie eine Brille brauchen und welche Stärke passen würde.
- Abdecktest – dabei wird überprüft, ob beide Augen zusammenarbeiten und nicht schielen.
- Augendruckmessung – dabei wird festgestellt, ob zu hoher Druck im Auge vorliegt, was ein Anzeichen für grünen Star sein kann.
- Spaltlampenuntersuchung – dabei schaut die Ärztin oder der Arzt mit einem besonderen Mikroskop ins Auge, um Linsen- oder Hornhautprobleme zu erkennen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden in einem ruhigen Raum auf einem Stuhl oder einer Untersuchungsliege Platz nehmen. Die Augenärztin oder der Augenarzt wird Sie bitten, auf verschiedene Objekte zu schauen. Manche Tests erfordern spezielle Augentropfen, die die Pupillen erweitern. Diese Tropfen können einige Stunden lang für Lichtempfindlichkeit oder verschwommenes Sehen sorgen. Am besten nehmen Sie dann eine Sonnenbrille mit und fahren nicht selbst Auto. Alles in allem dauert eine ausführliche Untersuchung etwa 20 bis 30 Minuten.
Behandlung
Wenn beim Seh-Screening eine Sehschwäche oder Augenkrankheit festgestellt wird, hängt die Behandlung von der Ursache ab. Bei vielen Sehfehlern reicht eine Brille oder Kontaktlinsen. Bei anderen Erkrankungen können Augentropfen, Übungen oder ein kleiner Eingriff helfen. Wichtig ist, dass Sie sich von Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt beraten lassen – es gibt viele gute Möglichkeiten, das Sehen zu unterstützen.
Selbsthilfe zu Hause
- Gönnen Sie Ihren Augen regelmäßig Pausen bei langer Bildschirmarbeit – zum Beispiel mit der 20-20-20-Regel.
- Sorgen Sie für gute Beleuchtung beim Lesen und Arbeiten, damit die Augen weniger angestrengt werden.
- Schützen Sie Ihre Augen mit einer Sonnenbrille bei starker Sonne, um die Linse und die Netzhaut zu bewahren.
- Blinzeln Sie bewusst häufiger bei Bildschirmarbeit, damit die Augen feucht bleiben.
- Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise – das unterstützt auch die Augengesundheit.
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund gibt es verschiedene Behandlungsansätze. Häufig werden Sehhilfen wie Brillen oder Kontaktlinsen verordnet. Bei manchen Erkrankungen können Augentropfen verwendet werden, zum Beispiel um den Augendruck zu senken oder um Entzündungen zu lindern. Es gibt auch augenärztliche Übungen für das Sehen (Sehtraining bei Schielen) sowie bestimmte Medikamente als Injektionen ins Auge. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt. Besprechen Sie offen Ihre Fragen und Wünsche.
Wann kommt eine Operation infrage?
In manchen Fällen ist eine Behandlung mit einem Eingriff sinnvoll. Zum Beispiel wird beim Grauen Star die getrübte Linse durch eine künstliche Linse ersetzt. Auch ein Laser-Eingriff kann die Hornhaut so verändern, dass eine Brille nicht mehr nötig ist. Diese Operationen werden in speziellen Augenkliniken oder Praxen durchgeführt. Sie besprechen vorher genau, welche Methode zu Ihnen passt.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Sehhilfe können die meisten Menschen ihren Alltag ganz normal gestalten. Es ist wichtig, die Brille oder Kontaktlinsen regelmäßig zu tragen und sie in einem guten Zustand zu halten. Bei fortschreitenden Augenkrankheiten kann ein Sehbehindertenausweis oder eine Sehhilfe mit Vergrößerung helfen, den Alltag zu meistern. Ihre Augenärztin oder Ihr Augenarzt kann Sie dazu beraten.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie Ihre Brille oder Kontaktlinsen so, wie es Ihnen die Fachperson empfohlen hat.
- Üben Sie sich in regelmäßigen Pausen bei Bildschirmarbeit.
- Besuchen Sie Ihre Augenärztin oder Ihren Augenarzt regelmäßig, auch wenn Sie nichts spüren.
- Üben Sie sich in guter Hygiene bei Kontaktlinsen – vor allem beim Einsetzen und Reinigen.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf, damit sich die Augen erholen können.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und vollwertigen Lebensmitteln unterstützt die Augengesundheit – besonders Lebensmittel mit Vitamin A, C und E schützen die Netzhaut. Auch Bewegung und Sport fördern die Durchblutung und können den Augen helfen. Achten Sie bei Sportarten mit Verletzungsrisiko auf eine Schutzbrille.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wenn das Sehen schlechter wird, kann das verunsichern oder traurig machen. Es ist ganz normal, sich Sorgen zu machen oder sich im Alltag eingeschränkt zu fühlen. Sprechen Sie offen mit Ihrer Familie oder Freundinnen und Freunden. Auch eine Beratungsstelle oder eine psychologische Unterstützung kann helfen, mit der Veränderung umzugehen. Sie sind nicht allein – viele Menschen leben gut mit einer Sehbeeinträchtigung und finden neue Wege.
Vorbeugung
Ein Seh-Screening kann nicht alle Augenerkrankungen verhindern, aber es kann helfen, sie früh zu erkennen und zu behandeln. Das ist besonders wichtig, weil manche Krankheiten wie der Grüne Star anfangs keine Beschwerden machen. Wenn Sie regelmäßig zur Vorsorge gehen, können Probleme rechtzeitig erkannt und behandelt werden.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Sehstörungen oder Augenkrankheiten.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gibt es Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, bei denen auch das Sehen geprüft wird. Diese Untersuchungen sollten Sie unbedingt wahrnehmen. Für Erwachsene empfehlen Augenärztinnen und Augenärzte je nach Alter und Risikofaktoren regelmäßige Kontrolltermine. Fragen Sie am besten bei Ihrer Krankenkasse oder Ihrer Augenarztpraxis nach, in welchen Abständen diese übernommen werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine unerkannte Sehschwäche kann bei Kindern zu einer Dauer-Sehbeeinträchtigung führen – das Gehirn lernt dann nicht richtig, mit beiden Augen zu sehen.
- Ein unerkannter Grüner Star kann zu einem fortschreitenden Verlust des Gesichtsfeldes führen, der nicht mehr umkehrbar ist.
- Ein unerkannter Grauer Star kann die Sehschärfe so stark reduzieren, dass Alltagsaktivitäten wie Autofahren oder Lesen nicht mehr möglich sind.
- Eine nicht behandelte Netzhautablösung kann zur Erblindung des betroffenen Auges führen.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht ist: Die meisten Sehprobleme können heute sehr gut behandelt oder zumindest begleitet werden. Mit einer Brille oder Kontaktlinsen sehen die meisten Menschen wieder klar. Und auch ernstere Augenerkrankungen haben heute bessere Behandlungsmöglichkeiten als früher. Je früher etwas erkannt wird, desto besser sind die Aussichten. Ein regelmäßiges Seh-Screening gibt Ihnen Sicherheit – Sie tun damit etwas Gutes für Ihre Augen und Ihre Lebensqualität.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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