Spender-Lymphozyten-Infusion (DLI)
Übersicht
Bei einer Spender-Lymphozyten-Infusion – oft kurz DLI genannt – bekommen Sie weiße Blutkörperchen von derselben Person, die Ihnen zuvor Stammzellen gespendet hat. Diese weißen Blutkörperchen heißen Lymphozyten; sie sind die Abwehrzellen des Immunsystems. Die Idee dahinter: Die Abwehrzellen der Spenderperson sollen übrig gebliebene Krebszellen in Ihrem Körper erkennen und bekämpfen. Dieser Effekt wird „Graft-versus-Leukämie-Effekt“ genannt, also „Transplantat-gegen-Leukämie-Wirkung“. Wichtig zu wissen: Eine DLI ist keine Krankheit, sondern eine geplante Behandlung. Sie kommt nur nach einer allogenen Stammzelltransplantation infrage – das heißt nach einer Transplantation, bei der die Stammzellen von einer anderen Person stammen. Durchgeführt wird sie in spezialisierten Transplantationszentren.
Wichtige Fakten
- Die DLI ist eine Behandlung nach einer Stammzelltransplantation – keine eigene Erkrankung.
- Sie nutzt die Abwehrkraft der Spenderzellen gegen noch vorhandene Krebszellen.
- Die Behandlung findet nur in spezialisierten Transplantationszentren statt und wird eng überwacht.
Eine DLI ist eine seltene, spezialisierte Behandlung. Sie wird nur in Zentren durchgeführt, die Stammzelltransplantationen anbieten, und betrifft nur einen kleinen Teil der Menschen nach einer solchen Transplantation.
Symptome
- Plötzlich auftretende oder stark zunehmende Atemnot
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost und Kreislaufproblemen bis hin zur Bewusstlosigkeit
- Sehr starker Durchfall mit Zeichen der Austrocknung, etwa kaum noch Urin, starker Schwindel oder Verwirrtheit
- Ausgedehnter Hautausschlag mit Blasenbildung oder sich ablösender Haut
- Gelbsucht zusammen mit Verwirrtheit oder starken Bauchschmerzen
- Plötzliche Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder ein Krampfanfall
- ⚠Neuer Hautausschlag, der sich ausbreitet
- ⚠Durchfall, der länger als ein bis zwei Tage anhält
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost
- ⚠Zunehmende Müdigkeit, Schwäche oder Kurzatmigkeit
- ⚠Trockene, gereizte Augen oder Mundtrockenheit, die schlimmer wird
- ⚠Blaue Flecken oder Blutungen ohne erkennbaren Grund
Häufige Symptome
- Hautausschlag oder Rötung, oft zuerst an Handflächen, Fußsohlen, Ohren oder im Nacken
- Durchfall oder Bauchschmerzen
- Fieber oder Schüttelfrost, manchmal schon in den ersten Stunden nach der Infusion
- Trockene Augen oder ein trockener Mund
- Müdigkeit und allgemeine Schwäche
- Gelbfärbung von Haut oder Augen (Gelbsucht)
- Appetitlosigkeit und ungewollter Gewichtsverlust
- Verändertes Geschmacksempfinden
Symptome bei Kindern
- Kinder beschreiben Beschwerden oft weniger genau – achten Sie auf Verhaltensänderungen wie Unruhe, Rückzug oder Quengeln
- Hautausschlag und Durchfall treten auch bei Kindern auf und sollten immer gemeldet werden
- Weniger essen und trinken als sonst oder häufiges Erbrechen
- Häufigere Infekte oder länger anhaltendes Fieber
- Kinder nach einer Transplantation brauchen regelmäßige Temperaturkontrollen und enge Absprachen mit dem Zentrum
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Beschwerden können unauffälliger verlaufen, zum Beispiel nur als allgemeine Schwäche oder Verwirrtheit
- Durchfall und Fieber führen bei älteren Menschen schneller zu Austrocknung und Kreislaufproblemen
- Bestehende Herz-, Nieren- oder Lungenerkrankungen können sich verschlechtern
- Stürze und Verwirrtheit sollten ernst genommen und dem Behandlungsteam gemeldet werden
Ursachen
Hauptursachen
- Eine DLI wird nicht durch eine Krankheit ausgelöst, sondern ist eine geplante Behandlung nach einer Stammzelltransplantation.
- Häufiger Grund: Die ursprüngliche Erkrankung ist zurückgekommen oder war nicht vollständig verschwunden.
- Manchmal finden sich nach der Transplantation noch beide Zellgruppen im Blut – ein sogenannter gemischter Chimärismus. Das bedeutet: Die Spenderzellen haben sich noch nicht vollständig durchgesetzt.
- In einigen Fällen wird die DLI vorbeugend gegeben, um die Abwehrkraft der Spenderzellen gegen Krebszellen zu stärken.
- Selten dient sie dazu, bestimmte virusbedingte Zellwucherungen nach der Transplantation zu behandeln.
Risikofaktoren
- Spende von einer nicht verwandten Person oder von einer Person mit nicht vollständig passenden Gewebemerkmalen
- Eine frühere Graft-versus-Host-Reaktion – dabei greifen die Spenderzellen gesunde Körperzellen an
- Eine große Zahl übertragener Zellen in einer einzelnen Gabe
- Schnelles Absetzen von Medikamenten, die das Immunsystem dämpfen
- Höheres Alter oder insgesamt geschwächter Allgemeinzustand
- Eine Infektion zum Zeitpunkt der Infusion
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Atemnot, hohem Fieber mit Schüttelfrost oder Kreislaufproblemen rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- Bei neuen Hautveränderungen, Durchfall oder Fieber sollten Sie sich noch am selben Tag bei Ihrem Transplantationszentrum melden.
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, zögern Sie nicht – nach einer Transplantation gilt: lieber einmal zu viel nachfragen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Zu den regelmäßigen Kontrollterminen im Transplantationszentrum, auch wenn es Ihnen gut geht
- Wenn Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust über Wochen zunehmen
- Wenn trockene Augen oder ein trockener Mund den Alltag beeinträchtigen
- Wenn Sie unsicher sind, welche Beschwerden Sie melden sollten – das Team erklärt es Ihnen gern
Diagnose
Eine DLI wird nicht „diagnostiziert“ – sie ist selbst eine Behandlung. Nach der Infusion geht es darum, regelmäßig zu prüfen, ob die Spenderzellen wirken und ob Nebenwirkungen auftreten. Dafür gibt es feste Kontrolltermine, die anfangs engmaschig sind und später weiter auseinanderliegen können.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild: Kontrolle der Blutwerte und der Immunzellen
- Chimärismus-Analyse: Dabei wird gemessen, welcher Anteil der Blutzellen von der Spenderperson stammt und welcher von Ihnen selbst
- Knochenmarkuntersuchung, wenn geklärt werden soll, wie die Erkrankung anspricht
- Leber- und Nierenwerte sowie weitere Blutkontrollen
- Untersuchungen von Haut, Mund und Augen bei Verdacht auf eine Graft-versus-Host-Reaktion
- Gewebeprobe (Biopsie) von Haut oder Darm, falls eine Reaktion abgeklärt werden muss
- Bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie
- Tests auf Viren wie Zytomegalie oder Epstein-Barr-Virus
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In den ersten Wochen nach der Infusion sind häufigere Blutabnahmen und Termine nötig. Manche Untersuchungen wie eine Knochenmarkpunktion sind kurz unangenehm, dauern aber nur wenige Minuten und werden gut erklärt. Schreiben Sie sich Fragen vorher auf – Sie müssen nichts allein einschätzen.
Behandlung
Die DLI ist selbst die Behandlung. Sie wird in einem spezialisierten Zentrum über eine Vene gegeben, ähnlich wie eine Bluttransfusion. Wie viele Gaben nötig sind und in welchem Abstand sie erfolgen, entscheidet das Behandlungsteam individuell – abhängig von der Erkrankung, vom Verlauf und davon, wie gut die Behandlung vertragen wird. Wichtig ist die enge Begleitung danach, damit mögliche Reaktionen früh erkannt und behandelt werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Hände gründlich und häufig waschen, besonders vor dem Essen und nach dem Toilettengang
- Kontakt zu Menschen mit Erkältung, Grippe oder Magen-Darm-Infekt meiden
- In vollen Räumen oder beim Arztbesuch eine Maske tragen, wenn das Zentrum es empfiehlt
- Täglich Fieber messen, solange das Team es empfiehlt, und Werte notieren
- Haut gut beobachten und pflegen, Sonne meiden und Sonnenschutz verwenden
- Ausreichend trinken, besonders bei Durchfall oder Fieber
- Beschwerden in einem kleinen Tagebuch festhalten – das hilft beim Gespräch mit dem Team
- Lebensmittel frisch zubereiten und gründlich waschen; bei rohen tierischen Produkten das Zentrum fragen
- Ausreichend schlafen und Pausen einplanen
Medizinische Behandlungen
Wenn die Spenderzellen zu stark reagieren und gesunde Körperzellen angreifen – eine sogenannte Graft-versus-Host-Reaktion –, kann das Team Medikamente einsetzen, die das Immunsystem dämpfen. Weitere Behandlungen richten sich nach den Beschwerden: Flüssigkeit über eine Vene bei Austrocknung, Bluttransfusionen bei Blutarmut, Mittel gegen Infektionen, Salben oder Pflegeprodukte für die Haut sowie Medikamente gegen Übelkeit oder Durchfall. Auch eine erneute Gabe von Spenderzellen oder – falls nötig – eine Pause der Behandlung kann besprochen werden. Alle Entscheidungen werden individuell mit Ihnen abgestimmt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist für die DLI selbst nicht nötig. Ein kleiner Eingriff kann aber anfallen, wenn eine Gewebeprobe von Haut oder Darm entnommen werden muss, um eine Reaktion abzuklären. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen vorher genau, was geplant ist.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer DLI ist der Alltag oft von regelmäßigen Terminen im Zentrum geprägt. Planen Sie diese fest ein und bitten Sie Familie oder Freunde um Unterstützung bei Wegen und Besorgungen. Feste Routinen bei Hygiene, Essen und Schlafen geben Halt. Viele Menschen brauchen außerdem Geduld mit sich selbst, weil die Kraft nicht sofort zurückkommt.
Tipps für den Alltag
- Rauchverzicht und möglichst wenig Alkohol
- Ausreichend Schlaf und feste Ruhezeiten
- Sonnenschutz mit Kleidung und Sonnencreme, weil die Haut nach einer Transplantation empfindlicher ist
- Kontakt zu Tieren und Gartenarbeit mit dem Zentrum besprechen
- Reisen und größere Veranstaltungen vorher mit dem Behandlungsteam abklären
- Impfungen immer vorher mit dem Zentrum abstimmen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und eiweißreichen Lebensmitteln unterstützt die Regeneration. Bei Durchfall oder Appetitlosigkeit helfen kleine, häufige Mahlzeiten. Bewegung ist wohltuend, sollte aber langsam aufgebaut werden: Spaziergänge und leichte Gymnastik sind meist gut, anstrengender Sport erst nach Rücksprache. Hören Sie auf Ihren Körper und gönnen Sie sich Pausen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Behandlung nach einer Stammzelltransplantation kann belastend sein. Angst vor einem Rückfall, Unruhe, Schlafprobleme, Traurigkeit oder das Gefühl, alles aushalten zu müssen, sind verständlich und häufig. Das ist keine Schwäche, und Sie müssen damit nicht allein bleiben. Wenn Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid auftauchen, suchen Sie sofort Hilfe: Sie erreichen den Notruf unter 112, und die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr für Sie da. Auch psychoonkologische Angebote in Ihrem Zentrum sind eine gute Anlaufstelle.
Vorbeugung
Die DLI selbst lässt sich nicht verhindern – sie ist eine bewusst geplante Behandlung. Was Sie beeinflussen können, ist das Risiko für Komplikationen: durch regelmäßige Kontrollen, das frühzeitige Melden von Beschwerden, sorgfältige Hygiene und das Einhalten der Absprachen mit Ihrem Zentrum. Auch die sorgfältige Auswahl der Spenderperson und die genaue Anpassung der Behandlung durch das Team senken Risiken.
Impfungen
Nach einer Stammzelltransplantation ist der Impfschutz oft nicht mehr vollständig vorhanden. Impfungen werden deshalb individuell geplant und mit dem Transplantationszentrum abgestimmt. Manche Impfungen sind erst nach einiger Zeit sinnvoll, manche sind nach einer Transplantation nicht geeignet. Klären Sie jede Impfung – auch Reiseimpfungen – vorher mit Ihrem Behandlungsteam.
Früherkennungsprogramme
Nach einer Transplantation gehören regelmäßige Kontrollen fest zum Alltag: Blutbild, Chimärismus-Analyse, Leber- und Nierenwerte sowie Untersuchungen von Haut, Augen und Mund. Diese Kontrollen dienen dazu, Veränderungen früh zu erkennen. Später kommen die üblichen Vorsorgeuntersuchungen hinzu. Besprechen Sie mit Ihrem Zentrum, welche Termine für Sie wichtig sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Kann die Behandlung nicht greifen, besteht das Risiko, dass die zugrunde liegende Erkrankung fortschreitet.
- Eine Graft-versus-Host-Reaktion kann sich ohne Behandlung ausbreiten und Haut, Darm, Leber oder Augen stärker betreffen.
- Durchfall und Fieber können zu Austrocknung und Kreislaufbelastung führen.
- Das Immunsystem ist geschwächt – Infektionen können schwerer verlaufen.
Langzeitprognose
Die DLI kann bei vielen Menschen dazu beitragen, die Erkrankung zu kontrollieren und die Wirkung der Transplantation zu stärken. Verlauf und Ansprechen sind individuell sehr unterschiedlich – manche Menschen sprechen schnell an, bei anderen dauert es Wochen bis Monate. Ihr Behandlungsteam wird mit Ihnen ehrlich besprechen, wie es bei Ihnen aussieht, welche Schritte möglich sind und welche Unterstützung Ihnen hilft. Es ist in Ordnung, Fragen zu stellen und eine zweite Meinung einzuholen.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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