Künstliches Sprunggelenk (Sprunggelenk-Endoprothese)
Übersicht
Im oberen Sprunggelenk treffen drei Knochen aufeinander: das Schienbein, das Wadenbein und das Sprungbein. Zwischen ihnen liegt eine Schicht aus Knorpel, die dafür sorgt, dass alles glatt und schmerzfrei gleitet. Ist dieser Knorpel stark abgenutzt, reiben die Knochen bei jedem Schritt aneinander. Diesen Verschleiß nennt man Arthrose. Wenn die Arthrose weit fortgeschritten ist und andere Behandlungen nicht mehr helfen, kann eine Operation sinnvoll werden: Dabei entfernt das Operationsteam die beschädigten Gelenkflächen und setzt eine künstliche Prothese ein – den sogenannten totalen Sprunggelenkersatz (Fachbegriff: Endoprothese). Die Prothese besteht meist aus zwei Metallplatten und einem Gleitkern aus Kunststoff, der sich zwischen ihnen bewegt. So kann das Gelenk wieder schmerzarm beugen und abrollen. Wichtig zu wissen: Der Eingriff ist eine große Operation, und bis das neue Gelenk voll belastbar ist, vergehen oft viele Monate.
Wichtige Fakten
- Ein künstliches Sprunggelenk ersetzt die abgenutzten Gelenkflächen durch Metall und einen Kunststoff-Gleitkern.
- Die Operation wird meist erst dann besprochen, wenn Schmerzen und Bewegungseinschränkung trotz Physiotherapie, Einlagen und anderen Maßnahmen stark bleiben.
- Nach der Operation sind Geduld und regelmäßige Physiotherapie entscheidend – die Belastbarkeit baut sich über viele Monate langsam auf.
- Ein künstliches Sprunggelenk hält nicht ewig. Regelmäßige Kontrollen helfen, den Zustand der Prothese im Blick zu behalten.
Ein künstliches Sprunggelenk ist deutlich seltener als ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk. In Deutschland werden pro Jahr nur wenige Tausend solcher Operationen durchgeführt. Viele Menschen mit Sprunggelenkarthrose kommen mit anderen Behandlungen gut zurecht und brauchen keine Prothese.
Am häufigsten betroffen sind Erwachsene zwischen etwa 50 und 70 Jahren. Sehr oft liegt die Arthrose nicht an einer einzelnen Ursache, sondern an einem früheren Unfall: Ein Knöchelbruch oder eine schwere Verstauchung kann Jahre später zu Gelenkverschleiß führen. Auch Menschen mit rheumatischen Gelenkerkrankungen sind betroffen. Jüngere Menschen nach schweren Unfällen können ebenfalls in Frage kommen, wenn das Gelenk stark geschädigt ist.
Symptome
- Plötzliche Atemnot, Brustschmerz oder ein sehr schneller Puls – mögliche Zeichen einer Lungenembolie, besonders nach einer Operation oder bei längerer Ruhigstellung
- Hohes Fieber zusammen mit einem stark geröteten, heißen und geschwollenen Sprunggelenk
- Eiter oder übelriechende Flüssigkeit aus der Operationswunde, besonders in Verbindung mit Fieber oder Schüttelfrost
- Nach einer Operation: plötzlich auftretende Fehlstellung, starke Schmerzzunahme und die Unfähigkeit, den Fuß überhaupt zu belasten
- Bewusstlosigkeit oder ein Sturz mit anschließender starker Schwellung und Verformung des Sprunggelenks
- ⚠Zunehmende Schwellung und Schmerzen in der Wade – dies sollte noch am selben Tag ärztlich abgeklärt werden
- ⚠Fieber über 38 °C in den ersten Wochen nach einer Operation
- ⚠Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Fuß, das nicht besser wird oder zunimmt
- ⚠Eine Wunde, die aufgeht, nässT oder sich zunehmend rötet
- ⚠Schmerzen, die trotz der verordneten Behandlung stärker werden oder in Ruhe auftreten
Häufige Symptome
- Schmerzen im oberen Sprunggelenk, vor allem beim Gehen, Treppensteigen oder bei längerem Stehen
- Anlaufschmerzen: Die ersten Schritte nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen tun besonders weh
- Steifigkeit und eingeschränkte Beweglichkeit – zum Beispiel fällt es schwer, den Fuß zu beugen oder abzurollen
- Schwellung am Knöchel, oft am Abend oder nach Belastung stärker
- Wärmegefühl und Druckempfindlichkeit am Gelenk
- Unsicherheit beim Gehen, manchmal mit Schonhinken
- Im weiteren Verlauf: weniger Ausdauer beim Gehen und das Gefühl, im Alltag immer langsamer zu werden
Symptome bei Kindern
- Ein künstliches Sprunggelenk ist bei Kindern und Jugendlichen sehr selten, weil das Gelenk noch wächst und sich verändert.
- Knöchelschmerzen bei Kindern haben meist andere Ursachen, zum Beispiel Wachstumsschmerzen, Überlastung im Sport, Bänderverletzungen oder entzündliche Gelenkerkrankungen.
- Wenn ein Kind dauerhaft humpelt, das Sprunggelenk geschwollen ist oder Schmerzen über Wochen bleiben, sollte dies kinderärztlich oder kinderorthopädisch abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit dem Alter sind Arthrose und Abnutzung häufiger; gleichzeitig können die Knochen weniger stabil sein (Osteoporose).
- Die Haut ist oft dünner und die Durchblutung schlechter, was die Wundheilung nach einer Operation erschweren kann.
- Andere Erkrankungen wie Diabetes oder Herzkreislauf-Erkrankungen sowie eingenommene Medikamente sollten vor einer Operation offen mit dem Behandlungsteam besprochen werden.
- Stürze sind ein wichtiger Punkt: Schwindel, Sehschwäche oder unsichere Gänge sollten mit abgeklärt werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Unfallbedingte Arthrose: Nach einem Knöchelbruch oder einer schweren Bänderverletzung kann der Knorpel Jahre später verschleißen – das ist die häufigste Ursache.
- Verschleiß ohne erkennbaren Auslöser (primäre Arthrose): Der Knorpel nutzt sich mit der Zeit ab, ähnlich wie bei Knie oder Hüfte.
- Rheumatische Gelenkerkrankungen: Eine chronische Entzündung kann den Knorpel dauerhaft schädigen.
- Fehlstellungen des Fußes oder der Beine, die das Gelenk einseitig belasten
- Stoffwechselbedingte Gelenkschäden, zum Beispiel bei bestimmten angeborenen Blutgerinnungsstörungen
Risikofaktoren
- Frühere Brüche, Operationen oder schwere Verstauchungen am Sprunggelenk
- Übergewicht – jedes Kilo mehr bedeutet mehr Last auf dem Gelenk
- Sport mit vielen Sprüngen, Stopps und harten Stößen
- Rheumatische oder andere entzündliche Gelenkerkrankungen
- Rauchen – es verschlechtert die Wundheilung und ist vor einer Operation besonders wichtig
- Zunehmendes Alter und eine geringere Knochenqualität
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Ein geschwollenes, heißes Sprunggelenk mit Fieber
- Nach einem Unfall: starke Schwellung, Fehlstellung oder die Unfähigkeit aufzutreten
- Eine Operationswunde, die sich rötet, nässT oder aufgeht
- Eine schmerzhafte, geschwollene Wade – besonders nach Operationen oder längerer Bettruhe
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende Schmerzen im Sprunggelenk, die über Wochen anhalten
- Morgensteifigkeit oder Anlaufschmerzen, die länger als 30 Minuten brauchen, bis sie nachlassen
- Schwellungen, die immer häufiger auftreten
- Das Gefühl, im Alltag immer kürzere Strecken gehen zu können
- Der Wunsch, Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen, wenn Schmerzmittel oder Einlagen nicht mehr ausreichen
Diagnose
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch: Wann tun die Schmerzen weh, wie weit können Sie gehen, gab es früher Unfälle oder Operationen? Danach untersucht die Ärztin oder der Arzt das Sprunggelenk, prüft Beweglichkeit, Stabilität und Druckpunkte und schaut sich Gang und Fußstellung an. Bildgebende Untersuchungen zeigen, wie stark der Knorpel geschädigt ist. Vor einer möglichen Operation wird außerdem geprüft, ob Haut, Durchblutung und Nerven in Ordnung sind und ob andere Erkrankungen eine Rolle spielen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Prüfung von Bewegungsumfang, Kraft und Stabilität
- Röntgenaufnahmen, oft im Stehen, um den Gelenkspalt zu beurteilen
- Manchmal eine Computertomografie (CT) oder Kernspinuntersuchung (MRT) für genauere Bilder von Knochen und Knorpel
- Blutuntersuchungen, wenn eine rheumatische Erkrankung vermutet wird
- Ganganalyse oder Fußdruckmessung, um die Belastung zu verstehen
- Vor einer Operation: Checks zu Durchblutung, Haut, Nerven und Allgemeingesundheit
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Fragen Sie nach, was die Ergebnisse bedeuten und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt – auch die Möglichkeit, zunächst abzuwarten. Es ist völlig in Ordnung, eine zweite Meinung einzuholen, besonders bevor eine große Operation geplant wird. Bringen Sie wenn möglich eine Vertrauensperson mit und notieren Sie sich vorher Ihre Fragen.
Behandlung
Die Behandlung läuft meist in Stufen ab. Zuerst wird versucht, Beschwerden ohne Operation zu lindern: mit Bewegung, Physiotherapie, passendem Schuhwerk und Hilfsmitteln. Bringt das nicht genug, kommen weitere Möglichkeiten ins Gespräch. Eine Operation mit künstlichem Gelenk steht meist am Ende dieser Kette – sie ist eine Option, kein Muss.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegung im angenehmen Bereich: kurze, regelmäßige Spaziergänge statt langer Gewaltmärsche
- Bei akuter Schwellung: Bein hochlegen, kühlen (nicht direkt auf die Haut) und entlasten
- Bequeme Schuhe mit guter Dämpfung und genug Platz für den Fuß
- Übergewicht abbauen – das entlastet das Gelenk spürbar
- Fuß- und Wadenmuskulatur kräftigen, am besten mit Anleitung einer Physiotherapie
- Auf Warnzeichen des Körpers hören und Pausen einplanen
Medizinische Behandlungen
Zur Verfügung stehen Physiotherapie mit Übungen für Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht, Einlagen oder orthopädische Schuhe, Bandagen und Fußorthesen sowie Gehhilfen, wenn das Gehen schwerfällt. Ärztlich verordnete schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente können zeitweise helfen; sie ersetzen aber keine ursächliche Behandlung. Auch Spritzen in das Gelenk werden manchmal erwogen. Welche Möglichkeit zu Ihnen passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Physiotherapie. Fragen Sie bei Unsicherheiten auch in Ihrer Apotheke nach.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist erwogen, wenn die Schmerzen trotz aller anderen Maßnahmen stark bleiben und der Alltag deutlich eingeschränkt ist – zum Beispiel, wenn Gehen nur noch kurze Strecken möglich ist oder nachts Schmerzen auftreten. Vor dem Eingriff prüft das Behandlungsteam, ob die Knochenqualität gut genug ist, die Durchblutung stimmt und Wundheilungsstörungen unwahrscheinlich sind. Auch das Rauchen aufzugeben und ein gutes Körpergewicht zu erreichen, hilft dem Operationsergebnis. Ob ein künstliches Gelenk oder eine Versteifung (Fusion) besser passt, ist eine sehr persönliche Entscheidung, die ausführlich besprochen werden sollte.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Wochen nach der Operation steht die Wundheilung im Vordergrund: Das Bein wird zunächst geschont, oft mit einer Schiene oder einem speziellen Schuh, und die Belastung wird Schritt für Schritt gesteigert. Schwellungen sind in dieser Zeit normal und werden durch Hochlegen und Kühlen besser. Danach beginnt eine mehrmonatige Phase mit Physiotherapie. Viele Menschen merken nach einigen Monaten, dass Alltagswege wieder leichter werden – bis zum endgültigen Ergebnis kann es aber bis zu einem Jahr dauern. Auch ohne Operation lohnt es sich, den Alltag gelenkfreundlich zu gestalten: kürzere Wege, Pausen, Hilfsmittel, wo sie helfen.
Tipps für den Alltag
- Aktiv bleiben, aber gelenkschonend: Schwimmen, Radfahren, Walking oder Wassergymnastik sind meist gut geeignet
- Sport mit Sprüngen, schnellen Richtungswechseln oder hartem Aufprall möglichst meiden
- Regelmäßige Fuß- und Wadenübungen in den Alltag einbauen, zum Beispiel beim Zähneputzen
- Auf gutes Schuhwerk achten – auch zu Hause
- Nicht rauchen: Das verbessert die Wundheilung und die Durchblutung
- Kontrolltermine wahrnehmen und Veränderungen offen ansprechen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genug Eiweiß unterstützt die Wundheilung, Calcium und Vitamin D sind für die Knochen wichtig. Sprechen Sie bei Unsicherheit über Ihre Ernährung mit Ihrer Arztpraxis oder einer Ernährungsberatung. Bewegung ist ein zentraler Baustein: Schon 20 bis 30 Minuten Bewegung mehrmals pro Woche tun dem Gelenk gut, solange sie gut vertragen wird. Wichtig ist Beständigkeit statt großer Sprünge – und bei neuen Schmerzen die Belastung kurz zurücknehmen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Lange Schmerzen und eine große Operation können belasten. Es ist normal, ungeduldig zu werden, wenn es mit der Genesung langsamer geht als erwartet, oder sich Sorgen zu machen, ob alles gut wird. Sprechen Sie darüber – mit Ihrem Behandlungsteam, Ihrer Familie oder einer Vertrauensperson. Wenn Sorgen, Ängste oder eine gedrückte Stimmung länger anhalten, holen Sie bitte professionelle Unterstützung. In akuten seelischen Krisen gibt es in Deutschland rund um die Uhr Hilfe über den Notruf 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenfrei).
Vorbeugung
Nicht jede Arthrose lässt sich verhindern, aber man kann das Risiko senken. Wichtig ist, Verletzungen am Sprunggelenk ernst zu nehmen: Eine Verstauchung sollte richtig ausheilen und bei Bedarf mit Physiotherapie nachbehandelt werden. Ein stabiles, kräftiges Sprunggelenk trägt viel dazu bei, dass der Knorpel lange geschont bleibt. Auch ein gesundes Körpergewicht entlastet das Gelenk jeden Tag.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Früherkennungsprogramm für Sprunggelenkarthrose gibt es nicht. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine gezielte Abklärung der richtige Weg, statt abzuwarten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Schmerzen und ein fortschreitender Verlust an Beweglichkeit
- Fehlstellungen des Fußes und ein veränderter Gang
- Stärkere Belastung der benachbarten Gelenke wie Knie, Hüfte oder Fußwurzel
- Muskelabbau und Unsicherheit beim Gehen, dadurch ein höheres Stolper- und Sturzrisiko
- Abnehmende Teilhabe am Alltag, weniger Bewegung und dadurch möglicherweise Gewichtszunahme
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit Sprunggelenkbeschwerden kommen mit nicht-operativen Behandlungen gut zurecht. Wird eine Operation nötig, kann ein künstliches Sprunggelenk bei sorgfältiger Auswahl und guter Mitarbeit Schmerzen deutlich lindern und die Beweglichkeit erhalten. Wichtig ist eine realistische Erwartung: Es ist eine große Operation mit einer längeren Erholungszeit, und regelmäßige Kontrollen gehören dazu. Viele Betroffene berichten nach der Eingewöhnung von mehr Lebensqualität im Alltag. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen einschätzen, was in Ihrer persönlichen Situation zu erwarten ist.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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