Teilweiser Kniegelenkersatz (Schlittenprothese)
Übersicht
Beim teilweisen Kniegelenkersatz – oft Schlittenprothese genannt – wird nur der abgenutzte Teil des Kniegelenks durch eine künstliche Gleitfläche aus Metall und Kunststoff ersetzt. Das übrige Knie, die gesunden Knorpelflächen und die eigenen Bänder bleiben erhalten. Der Name Schlittenprothese kommt daher, dass die künstliche Fläche wie ein kleiner Schlitten auf die abgenutzte Stelle gesetzt wird. So fühlt sich das Knie für viele Menschen natürlicher an als ein kompletter Gelenkersatz.
Wichtige Fakten
- Es wird nur eine abgenutzte Stelle des Kniegelenks ersetzt, nicht das ganze Gelenk.
- Die eigenen Bänder und der gesunde Knorpel bleiben erhalten – das kann sich beim Bewegen natürlicher anfühlen.
- Die Operation dauert in der Regel etwa ein bis zwei Stunden.
- Nach der Operation ist Bewegung wichtig: Physiotherapie hilft, das Knie wieder beweglich und kräftig zu machen.
- Eine Teilprothese passt nur, wenn der Verschleiß auf einen Bereich des Kniegelenks begrenzt ist.
Kniebeschwerden durch Abnutzung (Arthrose) gehören zu den häufigsten Gelenkproblemen überhaupt. Der teilweise Gelenkersatz wird deutlich seltener durchgeführt als der komplette Kniegelenkersatz. In Deutschland werden jedes Jahr viele Knieprothesen eingesetzt, ein kleinerer Teil davon als Teilprothese. Ob eine Teilprothese in Frage kommt, hängt vor allem davon ab, wie der Verschleiß verteilt ist.
Meist sind Menschen zwischen etwa 50 und 70 Jahren betroffen, deren Knorpel vor allem in einem Bereich des Kniegelenks abgenutzt ist – häufig an der Innenseite. Auch jüngere, aktive Menschen mit Verschleiß nur an einer Stelle können geeignet sein. Bei älteren Menschen ist der Verschleiß oft breiter verteilt, dann kommt eher ein kompletter Gelenkersatz in Betracht.
Symptome
- Plötzliche Atemnot, Brustschmerz oder ein einseitig stark geschwollenes, heißes Bein – besonders nach einer Knieoperation. Das können Zeichen einer Thrombose oder Lungenembolie sein. Sofort den Notruf 112 wählen.
- Hohes Fieber mit starkem Krankheitsgefühl und einem geröteten, überwärmten Knie nach einer Operation – hier ist sofort ärztliche Hilfe nötig.
- Nach einem Sturz: Das Knie ist stark geschwollen, verformt und nicht mehr belastbar.
- ⚠Zunehmende Rötung, Schwellung oder Wundsekret aus der Operationswunde
- ⚠Fieber nach einer Knieoperation
- ⚠Schmerzen, die trotz Schonung und Kühlung stärker werden
- ⚠Einseitige Schwellung der Wade oder des Unterschenkels
- ⚠Das Knie blockiert plötzlich und lässt sich nicht mehr bewegen
Häufige Symptome
- Schmerzen im Knie, vor allem beim Gehen, Treppensteigen oder Aufstehen aus dem Sitzen
- Anlaufschmerzen: Die ersten Schritte morgens oder nach längerem Sitzen tun weh
- Schwellungen nach Belastung, das Knie fühlt sich dick und warm an
- Steifigkeit – das Knie lässt sich nicht mehr ganz durchstrecken oder beugen
- Knirschen, Reiben oder ein Gefühl von Sand im Gelenk
- Schonhaltung und dadurch manchmal Schmerzen in Hüfte, Rücken oder im anderen Bein
Symptome bei Kindern
- Knieprobleme bei Kindern haben meist andere Ursachen, zum Beispiel Wachstumsschübe, Verletzungen oder Überlastung beim Sport.
- Eine Teilprothese ist bei Kindern praktisch kein Thema, weil die Wachstumsfugen noch offen sind.
- Halten Knieschmerzen bei Kindern länger an, sollte immer eine Kinderarztpraxis oder eine orthopädische Praxis danach schauen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Der Verschleiß betrifft oft mehrere Bereiche des Kniegelenks. Dann wird eher ein kompletter Gelenkersatz besprochen.
- Begleiterkrankungen wie Herz-, Lungen- oder Zuckerkrankheit werden vor einer Operation mitbedacht.
- Auch Knochenqualität, Muskelkraft und Sturzrisiko spielen bei der Entscheidung eine Rolle.
- Bei älteren Menschen ist eine gute Vorbereitung und Begleitung nach der Operation besonders wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Abnutzung des Knorpels (Arthrose) in nur einem Bereich des Kniegelenks – am häufigsten an der Innenseite
- Frühere Verletzungen wie ein Meniskusriss oder ein Knochenbruch am Knie
- Eine Fehlstellung des Beins, zum Beispiel O-Beine, bei der eine Seite stärker belastet wird
- Selten: entzündliche Gelenkerkrankungen, die eine Gelenkfläche schädigen
Risikofaktoren
- Übergewicht – jedes Kilo weniger entlastet das Knie spürbar
- Höheres Lebensalter
- Schwere körperliche Arbeit, viel Knien oder Tragen
- Sportarten mit vielen Sprüngen, Stopps und Drehbewegungen
- Frühere Knieverletzungen oder Knieoperationen
- Schwache Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur
- Familiäre Neigung zu Gelenkverschleiß
- Angeborene oder erworbene Beinfehlstellung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Das Knie ist plötzlich stark geschwollen, heiß und gerötet, und Sie fühlen sich krank
- Sie können das Bein nach einem Sturz nicht mehr belasten
- Fieber zusammen mit einem geschwollenen Gelenk
- Nach einer Knieoperation: zunehmende Wundschmerzen, Wundsekret, Fieber oder Atemnot
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Knieschmerzen über mehrere Wochen, die nicht besser werden
- Schmerzen in Ruhe oder nachts
- Alltagswege wie Einkaufen oder Treppensteigen werden beschwerlich
- Morgendliche Steifigkeit, die länger als etwa 30 Minuten anhält
- Sie möchten wissen, ob eine Operation für Sie sinnvoll sein könnte
Diagnose
Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihren Beschwerden: Wann tut es weh, wie weit können Sie gehen, was möchten Sie wieder tun können? Danach wird das Knie untersucht – Beweglichkeit, Stabilität, Druckpunkte und Gangbild. Mit Röntgenbildern lässt sich sehen, welcher Bereich abgenutzt ist und wie das Bein steht. So wird eingeschätzt, ob eine Teilprothese überhaupt passt.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch und körperliche Untersuchung: Beweglichkeit, Stabilität der Bänder, Druckpunkte, Gangbild
- Röntgenaufnahmen, oft im Stehen und aus mehreren Richtungen
- Manchmal eine Magnetresonanztomografie (MRT, Bilder mit Magneten statt Röntgenstrahlen) für genauere Bilder von Knorpel und Bändern
- Blutuntersuchung, um eine Entzündung oder Rheuma auszuschließen
- Gegebenenfalls eine Gelenkpunktion: Mit einer feinen Nadel wird etwas Gelenkflüssigkeit entnommen und untersucht
- Vermessung der Beinachse, um eine Fehlstellung zu erkennen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung tut meist nicht weh, außer das Knie ist gerade gereizt. Nehmen Sie sich Zeit und bringen Sie gerne eine Liste mit Fragen mit. Wichtig ist auch zu besprechen, welche Bänder stabil sind und ob nur eine Seite betroffen ist – davon hängt ab, ob eine Teilprothese eine gute Wahl sein kann. Holen Sie bei Bedarf eine zweite Meinung ein.
Behandlung
Am Anfang steht fast immer die Behandlung ohne Operation: Bewegung, Physiotherapie, Gewichtsabnahme, Hilfsmittel und Mittel zur Schmerzlinderung. Das kann Beschwerden deutlich lindern. Reicht das nach Monaten nicht aus, kann ein teilweiser Gelenkersatz helfen – vorausgesetzt, der Verschleiß ist auf einen Bereich begrenzt und die Bänder sind stabil.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßig und maßvoll bewegen – kurze Spaziergänge und Übungen sind besser als Schonung
- Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur kräftigen, zum Beispiel mit Übungen aus der Physiotherapie
- Gewicht reduzieren, wenn das Knie stark belastet wird
- Stoßbelastungen wie Springen und plötzliche Drehbewegungen reduzieren
- Wärme oder Kälte ausprobieren – je nachdem, was dem Knie guttut
- Vorübergehend einen Stock oder eine Gehhilfe nutzen, um das Knie zu entlasten
- Nach einer Operation: Wundkontrolle wahrnehmen, Bein hochlegen, kühlen und die Übungen konsequent machen
Medizinische Behandlungen
Zur Linderung gibt es mehrere Wege, die Sie mit Ihrer Praxis besprechen können: schmerzlindernde Medikamente, die ärztlich verordnet werden (hier werden bewusst keine Namen genannt – bitte fragen Sie nach Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen), Physiotherapie, manchmal Spritzen in das Gelenk, Bandagen, Einlagen oder Schuhanpassungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen. Wichtig ist ein Plan, der zu Ihrem Alltag passt, und eine ehrliche Einschätzung, was realistisch zu erreichen ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird besprochen, wenn die Schmerzen über viele Monate trotz Behandlung bleiben, der Alltag deutlich eingeschränkt ist und der Verschleiß nur einen Bereich des Kniegelenks betrifft. Auch die Stabilität der Bänder und die Beinachse müssen passen. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit dem orthopädischen Team – eine zweite Meinung ist ausdrücklich sinnvoll. Vor der Operation werden Sie über Ablauf, Narkose, Risiken und die Zeit danach aufgeklärt.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Wochen nach der Operation brauchen Sie meist Gehhilfen und Unterstützung im Alltag. Danach wird es Schritt für Schritt leichter. Viele Menschen gehen nach einigen Wochen wieder kurze Strecken ohne Hilfe und können nach einigen Monaten ihren Alltag weitgehend wie gewohnt gestalten. Wie schnell es geht, ist sehr unterschiedlich. Eine Anschlussrehabilitation (Reha) kann helfen, Kraft und Sicherheit aufzubauen. Autofahren und Arbeiten sollten Sie erst wieder, wenn Sie sich sicher fühlen und es ärztlich abgesprochen ist.
Tipps für den Alltag
- Bewegung fest einplanen, aber in kleinen, regelmäßigen Portionen
- Knie freundliche Sportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking ausprobieren
- Auf gutes Schuhwerk mit dämpfender Sohle achten
- Beim Arbeiten auf Knien oder Hocken Pausen einlegen und Hilfsmittel nutzen
- Rauchen reduzieren – das unterstützt die Wundheilung
- Auf ausreichend Schlaf und Erholung achten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, ausreichend Eiweiß und kalziumreichen Lebensmitteln unterstützt Knochen und Muskeln. Wer Übergewicht hat, kann durch eine langsame, dauerhafte Gewichtsabnahme das Knie spürbar entlasten. Beim Sport gilt: regelmäßig und moderat statt selten und extrem. Aufwärmen, ruhige Bewegungen und Kraftübungen für die Beine sind besonders wertvoll. Ein Physiotherapie-Team kann Ihnen einen passenden Übungsplan zeigen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit können belasten, und nach einer Operation sind Ungeduld, Frust oder Sorgen ganz normal. Es hilft, sich kleine, erreichbare Ziele zu setzen und Fortschritte bewusst wahrzunehmen. Wenn Niedergeschlagenheit oder Ängste über längere Zeit anhalten oder Sie daran denken, sich etwas anzutun, suchen Sie bitte zeitnah Unterstützung – zum Beispiel in Ihrer Arztpraxis oder bei einer Krisenberatungsstelle. Sie müssen damit nicht allein bleiben.
Vorbeugung
Nicht jeder Gelenkverschleiß lässt sich verhindern – manche Menschen haben einfach eine Veranlagung. Man kann aber einiges tun, um das Knie zu schonen: Muskeln kräftigen, ein gesundes Gewicht halten, Verletzungen früh behandeln lassen und auf ausreichende Erholung nach Belastung achten. Wer beruflich viel kniet, sollte Schutzausrüstung und Pausen nutzen.
Früherkennungsprogramme
Spezielle Vorsorgeuntersuchungen für Knieverschleiß gibt es nicht. Bei anhaltenden Beschwerden oder einer bekannten Fehlstellung ist ein regelmäßiger Termin in der orthopädischen Praxis sinnvoll, um den Verlauf im Blick zu behalten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Schmerzen können über die Jahre zunehmen und auch in Ruhe auftreten
- Das Knie kann steifer werden und sich schlechter beugen oder strecken lassen
- Die Muskulatur baut ab, was die Belastbarkeit weiter senkt
- Eine Fehlstellung des Beins kann sich verstärken
- Alltägliche Wege, Arbeit und Freizeit werden zunehmend schwieriger
- Der Verschleiß kann auf weitere Bereiche des Gelenks übergehen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut. Ein teilweiser Gelenkersatz kann Schmerzen deutlich lindern und die Beweglichkeit verbessern, oft mit einem natürlicheren Gefühl als ein kompletter Ersatz. Wie lange eine Teilprothese hält, ist von Mensch zu Mensch verschieden – viele Jahre sind möglich. Manchmal, oft erst nach langer Zeit, muss später ein kompletter Gelenkersatz erfolgen. Ihre Physiotherapie und Ihre Geduld in den ersten Monaten tragen viel zum Ergebnis bei.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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