PICC – ein zentraler Venenzugang über den Arm
Übersicht
Ein PICC (sprich: „Pick“) ist ein dünner, biegsamer Schlauch, also ein Katheter. Er wird über eine Vene im Arm eingeführt. Die Spitze liegt in einer großen Vene in der Nähe des Herzens. Über ihn können Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte längerfristig Flüssigkeit, Nährstoffe oder Medikamente geben und Blut abnehmen, ohne bei jeder Behandlung eine neue Nadel in eine Vene zu setzen.
Wichtige Fakten
- Ein PICC ist keine eigene Krankheit und keine Diagnose, sondern ein medizinischer Zugang.
- Er liegt oft mehrere Wochen bis Monate und wird von geschultem Personal gepflegt.
- Mit guter Pflege und regelmäßigen Kontrollen ist er für viele Menschen sicher und erleichtert die Behandlung.
PICCs sind in Krankenhäusern und in der ambulanten Pflege weit verbreitet. Besonders häufig werden sie bei längeren Behandlungen eingesetzt.
Menschen jeden Alters können einen PICC bekommen, wenn eine längere Behandlung über die Vene nötig ist. Das kann bei Kindern genauso der Fall sein wie bei älteren Erwachsenen.
Symptome
- Sofort den Notruf 112 wählen bei plötzlicher Atemnot oder starker Kurzatmigkeit.
- Bei plötzlichem Brustschmerz oder dem Gefühl, dass etwas ernsthaft nicht stimmt.
- Bei plötzlicher, starker Schwellung von Arm, Gesicht oder Hals.
- Bei hohem Fieber zusammen mit Verwirrtheit, Ohnmacht oder sehr schlechtem Allgemeinbefinden.
- Wenn der Katheter ganz herausgezogen wurde und es stark blutet.
- ⚠Fieber, Schüttelfrost oder sich verschlechterndes Allgemeinbefinden
- ⚠Zunehmende Rötung, Wärme, Schwellung oder Eiter an der Einstichstelle
- ⚠Starke Schmerzen im Arm oder Schwellung des Arms
- ⚠Austritt von Flüssigkeit, Blut oder Eiter aus der Einstichstelle
- ⚠Der Verband ist locker, nass oder verschmutzt
- ⚠Der Katheter ist verrutscht oder die sichtbare Länge wirkt verändert
- ⚠Der Katheter lässt sich nicht spülen oder es kommt kein Blut
Häufige Symptome
- Ein gut sitzender PICC verursacht oft keine Beschwerden.
- Rötung, Wärme oder Schwellung an der Einstichstelle
- Schmerzen oder Spannungsgefühl am Arm
- Austritt von Flüssigkeit oder Blut am Verband
- Fieber oder Schüttelfrost
- Der Katheter lässt sich nicht mehr spülen oder es kommt kein Blut
Symptome bei Kindern
- Kinder zeigen Schmerzen manchmal durch Weinen, Unruhe oder indem sie den Arm nicht bewegen wollen.
- Rötung, Schwellung oder Fieber sollten Eltern dem Behandlungsteam sofort melden.
- Auch ein verrutschter Verband oder ein herausgezogener Katheter ist ein Grund, das Team zu kontaktieren.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können Zeichen einer Infektion weniger deutlich sein, zum Beispiel nur Verwirrtheit oder allgemeine Schwäche.
- Fieber, Schüttelfrost und eine plötzliche Verschlechterung des Allgemeinzustands sollten ernst genommen werden.
- Die Einstichstelle regelmäßig anschauen lassen, wenn die Person sich nicht selbst darum kümmern kann.
Ursachen
Hauptursachen
- Längere Behandlung mit Medikamenten über eine Vene, zum Beispiel bei einer Infektion
- Behandlung mit Krebsmedikamenten, die über eine Vene gegeben werden
- Künstliche Ernährung über eine Vene, wenn der Darm längere Zeit nicht genutzt werden kann
- Viele Blutentnahmen oder schwierige Venenverhältnisse
- Eine Behandlung, die zu Hause oder ambulant weitergeführt werden soll
Risikofaktoren
- Blutgerinnungsstörungen oder Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen
- Geschwächtes Immunsystem oder eine bestehende Infektion
- Empfindliche Haut oder schlechte Venenverhältnisse
- Unruhe, Verwirrtheit oder Bewegungen, die am Katheter ziehen
- Feuchtigkeit, Schmutz oder ein lockerer Verband
- Zu seltene oder nicht fachgerechte Pflege
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber oder Schüttelfrost
- Zunehmende Rötung, Schwellung, Wärme oder Eiter an der Einstichstelle
- Starke oder plötzlich zunehmende Armschmerzen
- Der Katheter ist verrutscht, gebrochen oder ganz herausgezogen
- Der Verband ist durchnässt oder die Einstichstelle blutet
- Der Katheter lässt sich nicht spülen oder es kommt kein Blut
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Geplante Verbandswechsel und Kontrolltermine wahrnehmen
- Fragen zur Handhabung, zum Duschen oder zur Bewegung
- Leichte Beschwerden, die nicht schlimmer werden
- Unsicherheit, ob der Verband noch richtig sitzt
Diagnose
Ein PICC wird nicht als Krankheit diagnostiziert. Er wird ärztlich verordnet, wenn eine längere Behandlung über die Vene nötig ist. Vor dem Legen prüft das Team, ob die Venen geeignet sind und ob die geplante Behandlung sicher über einen PICC laufen kann.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall der Venen am Arm
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel zur Gerinnung
- Röntgenaufnahme nach dem Legen, um die Lage der Spitze zu prüfen
- Regelmäßige Kontrolle der Einstichstelle und des Verbands
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Das Legen dauert meist etwa 30 bis 60 Minuten. Die Haut wird betäubt, gearbeitet wird keimarm. Danach wird ein Verband angelegt und die Lage geprüft. Viele Menschen spüren nur einen kurzen Druck oder ein Ziehen.
Behandlung
Die Behandlung mit einem PICC besteht aus zwei Teilen: dem Legen des Zugangs und der regelmäßigen Pflege. Der PICC selbst heilt keine Krankheit, er ermöglicht eine schonende und längerfristige Behandlung.
Selbsthilfe zu Hause
- Hände waschen, bevor Sie den Verband oder den Katheter berühren.
- Den Verband trocken und sauber halten; beim Duschen eine wasserdichte Abdeckung nach Anweisung nutzen.
- Nicht am Katheter ziehen und keine schweren Lasten mit dem betroffenen Arm heben.
- Die Einstichstelle täglich anschauen, wenn möglich mit einem Spiegel.
- Termine für Verbandswechsel und Spülen nicht vergessen.
- Bei Auffälligkeiten früh das Behandlungsteam kontaktieren.
Medizinische Behandlungen
Ein geschultes Pflege- oder Ärzteteam wechselt den Verband, spült den Katheter nach festgelegtem Plan und prüft die Einstichstelle. Es achtet auf Hygiene und darauf, dass der Katheter frei durchgängig bleibt. Bei Bedarf werden Untersuchungen veranlasst. Die genaue Pflege richtet sich nach ärztlichen und hygienischen Leitlinien, in Deutschland zum Beispiel nach AWMF-Empfehlungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist für einen PICC normalerweise nicht nötig. Das Legen ist ein kleiner Eingriff. Nur bei seltenen Komplikationen kann ein anderer Zugang oder ein zusätzlicher Eingriff nötig werden.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag ist ein PICC meist gut zu handhaben. Der Verband und die Einstichstelle brauchen Aufmerksamkeit. Viele Menschen können normal essen, schlafen und leichte Tätigkeiten ausüben. Das Behandlungsteam erklärt, worauf Sie achten müssen.
Tipps für den Alltag
- Beim Duschen den Verband nach Anweisung schützen.
- Lockere Kleidung wählen, die nicht am Katheter reibt.
- Den Arm nicht abrupt belasten und nicht am Katheter ziehen.
- Sport und schwere Hebetätigkeiten vorher mit dem Team besprechen.
- Reisen oder längere Ausflüge so planen, dass Pflegetermine passen.
- Immer eine Kontaktmöglichkeit zum Behandlungsteam haben.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist nicht nötig, außer die Grunderkrankung verlangt es. Leichte Bewegung ist oft möglich. Vermeiden Sie Belastungen, die am Katheter ziehen oder den Arm stark beanspruchen. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam nach konkreten Grenzen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein PICC kann belasten: Manche sorgen sich um Infektionen, fühlen sich eingeschränkt oder schämen sich für den sichtbaren Zugang. Das ist verständlich. Sprechen Sie darüber. In einer seelischen Krise holen Sie sich sofort Hilfe, zum Beispiel über den Notruf 112 oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Vorbeugung
Ein PICC lässt sich nicht immer vermeiden, weil er für manche Behandlungen notwendig ist. Viele Komplikationen lassen sich aber durch gute Hygiene, regelmäßige Pflege und aufmerksames Verhalten verringern.
Impfungen
Eine Impfung verhindert keinen PICC. Der Impfstatus kann aber im Rahmen der Grunderkrankung wichtig sein; besprechen Sie ihn mit Ihrem Behandlungsteam.
Früherkennungsprogramme
Spezielle Vorsorgeuntersuchungen für einen PICC gibt es nicht. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen der Einstichstelle, des Verbands und der Durchgängigkeit.
Komplikationen
Unbehandelt
- Infektion der Einstichstelle bis hin zu einer Blutvergiftung (Sepsis)
- Blutgerinnsel in der Vene, in der der Katheter liegt
- Verstopfung oder Bruch des Katheters
- Verrutschen oder versehentliches Herausziehen
- Reizung oder Schädigung der Vene
- Flüssigkeit kann sich im Gewebe sammeln, wenn der Katheter nicht richtig liegt
Langzeitprognose
Mit guter Pflege ist ein PICC für die meisten Menschen sicher und hilfreich. Probleme werden oft früh erkannt und lassen sich behandeln. Das Behandlungsteam begleitet Sie und passt die Versorgung an, wenn etwas nicht rund läuft.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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