Nasennebenhöhlen-OP: Ein Überblick
Übersicht
Bei einer Nasennebenhöhlen-OP (Fachwort: Nasennebenhöhlenchirurgie) öffnet ein Arzt oder eine Ärztin die kleinen Hohlräume in den Knochen um Nase und Wangen. Diese Hohlräume heißen Nasennebenhöhlen. Sie sind mit einer dünnen Schleimhaut ausgekleidet und normalerweise mit Luft gefüllt. Ist die Schleimhaut dauerhaft geschwollen, kann Schleim nicht mehr abfließen. Dann entstehen Entzündungen, Druck und häufige Infekte. Bei einer Operation werden enge Stellen geweitet, geschwollenes Gewebe entfernt und der Abfluss wieder frei gemacht. Meist geschieht das heute schonend über die Nase selbst, mit einer kleinen Kamera (Endoskop) – man spricht von einer endoskopischen Nasennebenhöhlenoperation. Von außen sieht man danach oft keine Narbe.
Wichtige Fakten
- Eine Nasennebenhöhlen-OP ist ein geplanter Eingriff, der meist dann hilft, wenn Medikamente und andere Behandlungen über viele Wochen nicht genug gebracht haben.
- Die meisten Operationen laufen über die Nase mit einer feinen Kamera ab – Schnitte von außen sind nur selten nötig.
- Nach der OP braucht die Schleimhaut einige Wochen, bis sie sich beruhigt hat. Nachkontrollen sind dabei wichtig.
- Wie bei jeder Operation gibt es auch hier Risiken und mögliche Nebenwirkungen. Das erklärt Ihnen Ihr Behandlungsteam vorab ausführlich.
Ja. Eingriffe an den Nasennebenhöhlen gehören zu den häufigeren Operationen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. In Deutschland werden sie regelmäßig in Kliniken und Fachpraxen durchgeführt. Die genauen Zahlen schwanken je nach Quelle, weil nicht jede Operation einzeln erfasst wird.
Betroffen sind vor allem Erwachsene mit einer lang anhaltenden (chronischen) Nasennebenhöhlenentzündung, mit Nasenpolypen (gutartige Schleimhautwucherungen) oder mit einer verengten Nasennebenhöhle. Auch Kinder können operiert werden, allerdings deutlich seltener und meist erst nach gründlicher Abwägung. Bei Menschen mit Asthma, Allergien oder einer Immunschwäche treten Beschwerden häufiger auf.
Symptome
- Starke Schwellung um das Auge, das Auge tritt hervor, oder das Sehen verschlechtert sich
- Fieber zusammen mit starken Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit
- Sehr starke, plötzliche Gesichtsschmerzen mit Schwellung, die rasch zunimmt
- Atemnot oder das Gefühl, keine Luft durch Nase oder Mund zu bekommen
- Nach einer Operation: starkes, nicht aufhörendes Nasenbluten oder auch nur helles Blut, das den Rachen hinunterläuft
- Nach einer Operation: hohes Fieber, zunehmende Schwellung, eitrige Absonderung oder starke Schmerzen, die nicht nachlassen
- Nach einer Operation: Verwirrtheit, Ohnmacht oder ein allgemein schlechter werdender Zustand
- ⚠Zunehmende Gesichtsschwellung ohne Fieber
- ⚠Starker Druckkopfschmerz, der mit gewohnten Mitteln nicht besser wird
- ⚠Fieber über mehrere Tage mit Nasen- und Nebenhöhlenbeschwerden
- ⚠Blutiger oder übel riechender Ausfluss aus der Nase über längere Zeit
- ⚠Nach einer Operation: Fieber, das neu auftritt, oder auffällig viel Wundsekret
- ⚠Plötzlich auftretende Sehstörungen oder Doppelbilder – hier bitte sofort ärztlichen Rat suchen
Häufige Symptome
- Druck oder Schmerz im Gesicht, oft über den Wangen, an der Stirn oder zwischen den Augen
- Eine verstopfte Nase, die über viele Wochen nicht besser wird
- Zäher Schleim, der schwer abfließt, oder Schleim im Rachen
- Riechstörungen: Gerüche werden schwächer wahrgenommen oder fehlen ganz
- Häufige oder lang anhaltende Nasennebenhöhlenentzündungen, manchmal mit Fieber
- Mundgeruch oder ein unangenehmer Geschmack
- Schlafprobleme, weil das Atmen durch die Nase schwerfällt
- Nachlassen der Konzentration oder allgemeine Müdigkeit durch den Dauerzustand
Symptome bei Kindern
- Eine verstopfte Nase, die über Wochen bleibt, oft verbunden mit Schnarchen
- Häufiges Husten, besonders nachts, weil Schleim in den Rachen läuft
- Wiederkehrende Mittelohrentzündungen, weil Nase und Ohr verbunden sind
- Mundatmung und dadurch gereizte Schleimhäute oder trockene Lippen
- Unruhiger Schlaf und Tagesmüdigkeit
- Bei Kleinkindern manchmal schlechtes Trinken oder Essverhalten wegen der verstopften Nase
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Beschwerden werden manchmal weniger stark wahrgenommen oder anders beschrieben
- Druckgefühl im Kopf statt deutlicher Gesichtsschmerzen
- Trockene Schleimhäute, die zusätzlich reizen und den Abfluss erschweren
- Häufigere Wechselwirkungen mit anderen Grunderkrankungen oder Medikamenten – das sprich mit dem Behandlungsteam ab
- Ein höheres Risiko für Komplikationen nach einer Operation, deshalb eine besonders sorgfältige Vorbereitung und Nachsorge
Ursachen
Hauptursachen
- Eine lang anhaltende Entzündung der Nasennebenhöhlenschleimhaut, oft chronische Rhinosinusitis genannt
- Nasenpolypen – gutartige Wucherungen der Schleimhaut, die den Abfluss verstopfen
- Eine krumme Nasenscheidewand oder andere angeborene Engstellen, die den Luft- und Schleimfluss behindern
- Allergien, die die Schleimhaut dauerhaft reizen
- Wiederkehrende Infekte der oberen Atemwege
- Bei Kindern manchmal vergrößerte Rachen- oder Nasenpolster
Risikofaktoren
- Asthma oder eine bekannte Allergie, etwa Heuschnupfen
- Rauchen oder Passivrauchen
- Arbeiten in staubiger oder chemisch belasteter Luft
- Eine geschwächte Immunabwehr oder bestimmte Grunderkrankungen
- Seltene angeborene Besonderheiten der Schleimhaut oder der Flimmerhärchen
- Nicht ausreichend behandelte oder immer wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Schwellung oder Rötung um das Auge, Sehverschlechterung oder Doppelbilder
- Fieber mit starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit oder Verwirrtheit
- Sehr starke Schmerzen, die plötzlich auftreten oder rasch schlimmer werden
- Nasenbluten, das nach etwa 10 bis 15 Minuten Drücken nicht aufhört
- Nach einer Operation: Fieber, zunehmende Schwellung, eitrige Absonderung oder starkes Nasenbluten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Eine verstopfte Nase oder Gesichtsdruck, der länger als etwa 10 bis 12 Wochen besteht
- Häufige Nebenhöhlenentzündungen – zum Beispiel mehr als drei bis vier im Jahr
- Riechstörungen, die nicht wieder besser werden
- Schlechter Schlaf oder Mundatmung über viele Wochen
- Der Wunsch, über eine Operation zu sprechen, weil Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben
- Bei Kindern: Schnarchen, Mundatmung oder wiederkehrende Mittelohrentzündungen
Diagnose
Zuerst fragt das Behandlungsteam nach Ihren Beschwerden: Wie lange bestehen sie, wie oft kommen sie, was hilft und was nicht. Danach werden Nase und Nasennebenhöhlen untersucht. Meist schaut der Arzt oder die Ärztin mit einer dünnen, beleuchteten Kamera in die Nase – das ist kurz unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Oft kommen bildgebende Untersuchungen dazu. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei an der AWMF-Leitlinie zur Rhinosinusitis, also an gemeinsamen fachlichen Empfehlungen. Erst wenn konservative Behandlungen über einen längeren Zeitraum nicht ausreichen, wird eine Operation besprochen.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch und gründliche Untersuchung von Nase, Rachen und Gesicht
- Nasenendoskopie: eine feine Kamera zeigt Schleimhaut, Polypen und Engstellen
- Computertomografie (CT) der Nasennebenhöhlen – sie zeigt die genaue Anatomie und ist vor einer OP meist wichtig
- Allergietests, wenn ein allergischer Auslöser vermutet wird
- Riechtest, wenn das Riechen beeinträchtigt ist
- Bei Kindern manchmal zusätzlich eine Untersuchung der Ohren und des Rachens
- Bei wiederkehrenden Infekten eventuell Laboruntersuchungen zur Abwehrlage
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen laufen meist in einer einzigen Sitzung in der Praxis. Bringen Sie wenn möglich eine Liste Ihrer Medikamente mit, auch von frei verkäuflichen. Fragen Sie vorab, ob Sie für bestimmte Untersuchungen nüchtern sein müssen. Vor einer Operation gibt es ein Aufklärungsgespräch, in dem Sie alles fragen dürfen: Ablauf, Narkose, Risiken, Erholungszeit und Alternativen. Notieren Sie sich Ihre Fragen vorher – das hilft, nichts zu vergessen.
Behandlung
Eine Nasennebenhöhlen-OP ist immer eine von mehreren Möglichkeiten. Zuerst werden in der Regel andere Wege versucht: Nasenspülungen mit Salzlösung, eine Behandlung von Allergien, Feuchtigkeit in der Raumluft und – bei einer chronischen Entzündung – vom Arzt oder der Ärztin verordnete Medikamente. Bringen diese Maßnahmen über viele Wochen keinen ausreichenden Erfolg, kann ein Eingriff sinnvoll sein. Ziel ist immer, den Abfluss der Nebenhöhlen zu verbessern und die Schleimhaut zu entlasten – nicht, „alles herauszuschneiden“.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßig Nasenspülungen mit einer sterilen Salzlösung durchführen – Apotheken beraten zur richtigen Anwendung
- Für feuchte Raumluft sorgen, besonders im Winter und im Schlafzimmer
- Rauch vermeiden – auch Passivrauchen
- Ausreichend trinken, damit der Schleim flüssiger bleibt
- Bei Allergien die Auslöser möglichst meiden und die Behandlung konsequent durchführen
- Nach einer Operation: die verordneten Spülungen und Nachkontrollen zuverlässig wahrnehmen
- Körperliche Anstrengung und schweres Heben in den ersten Tagen nach einer OP vermeiden – fragen Sie Ihr Behandlungsteam nach den genauen Empfehlungen
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen unterschiedliche Ansätze infrage: Mittel, die die Schleimhaut abschwellen lassen, entzündungshemmende Nasensprays oder Spülungen, Medikamente gegen Allergien und – bei bakteriellen Infekten – vom Arzt verordnete Antibiotika. Bei Polypen kann eine entzündungshemmende Behandlung über längere Zeit helfen. Welche Mittel zu Ihnen passen, welche Nebenwirkungen möglich sind und wie lange Sie sie anwenden sollen, besprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Bitte wenden Sie keine Mittel dauerhaft ohne Rücksprache an – manche abschwellenden Nasensprays können bei langer Anwendung die Beschwerden sogar verstärken.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist erwogen, wenn typische Beschwerden trotz gut durchgeführter Behandlung über mindestens etwa 8 bis 12 Wochen bestehen bleiben, wenn Nasenpolypen den Abfluss deutlich blockieren, wenn es immer wieder zu Infekten kommt oder wenn Komplikationen drohen. Bei Kindern wird besonders zurückhaltend entschieden. Der Eingriff findet meist in Vollnarkose statt und dauert je nach Umfang etwa eine halbe bis eineinhalb Stunden. Häufig wird über die Nase gearbeitet, mit einer feinen Kamera und speziellen Instrumenten. Danach kann es nötig sein, die Nase eine Zeit lang zu tamponieren, und es braucht Geduld: Die Schleimhaut erholt sich über Wochen. Nachkontrollen sind ein wichtiger Teil des Erfolgs.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Tagen nach einer Operation sind eine verstopfte Nase, etwas Blut und ein Druckgefühl normal. Viele Menschen sind nach ein bis zwei Wochen wieder im Alltag, brauchen aber oft mehrere Wochen, bis das Atmen durch die Nase deutlich leichter wird. In dieser Zeit können Nasenspülungen und Nachkontrollen viel bewirken. Auch ohne Operation lohnt sich ein ruhiger, regelmäßiger Umgang mit den Beschwerden: gute Raumluft, konsequente Spülungen und ein Blick auf mögliche Auslöser.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen und Rauch in der Wohnung vermeiden
- Allergene wie Staub, Schimmel oder Tierhaare möglichst reduzieren
- Auf ausreichend Schlaf und Pausen achten – das unterstützt die Abwehr
- Bei trockener Luft einen Luftbefeuchter nutzen und regelmäßig lüften
- Erkältungen auskurieren, statt sie „durchzuziehen“
- Vor dem Fliegen oder Tauchen nach einer OP Rücksprache mit dem Behandlungsteam halten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und ausreichend Flüssigkeit unterstützt die Schleimhäute. Es gibt kein Lebensmittel, das Nasennebenhöhlenentzündungen zuverlässig verhindert – seien Sie vorsichtig bei sehr strengen Diätversprechen. Bewegung an der frischen Luft ist gut für das Immunsystem und das Wohlbefinden. Nach einer Operation warten Sie mit Sport bitte so lange, wie es Ihr Behandlungsteam empfiehlt – meist einige Tage bis wenige Wochen, je nach Umfang des Eingriffs.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Dauerhaft verstopfte Nase, schlechter Schlaf und wiederkehrende Infekte können zermürben. Viele Menschen sind gereizt, erschöpft oder fühlen sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Das ist verständlich und verdient Beachtung. Sprechen Sie offen darüber – auch über Ängste vor einer Operation. Wenn die Belastung groß wird, gibt es Unterstützung: Hausarztpraxis, psychotherapeutische Angebote und Selbsthilfegruppen. In einer seelischen Krise können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden; in akuter Gefahr gilt die Notrufnummer 112.
Vorbeugung
Nicht jede Nasennebenhöhlenentzündung lässt sich verhindern, und eine angeborene Engstelle kann man nicht „wegtrainieren“. Aber vieles lässt sich beeinflussen: Rauch meiden, Allergien behandeln lassen, für feuchte Raumluft sorgen und Erkältungen auskurieren. Wer zu wiederkehrenden Beschwerden neigt, kann mit regelmäßigen Nasenspülungen und einer guten Nasenpflege viel tun.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die speziell vor Nasennebenhöhlenentzündungen schützt. Die empfohlenen Standardimpfungen – etwa gegen Grippe oder Pneumokokken, wenn sie für Sie infrage kommen – können aber dabei helfen, Atemwegsinfekte und deren Folgen zu vermeiden. Ob und wann eine Impfung für Sie sinnvoll ist, klären Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Früherkennungsprogramm für Nasennebenhöhlenprobleme gibt es nicht. Achten Sie auf Ihren Körper: Wenn eine verstopfte Nase oder Gesichtsdruck über viele Wochen bleibt, ist ein Termin in der Praxis sinnvoll. Bei bekannten Nasenpolypen oder chronischen Beschwerden sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltender Gesichtsdruck, Kopfschmerzen und Schlafstörungen
- Dauerhafte Riechstörung, die sich später nur schwer bessert
- Wiederkehrende oder chronisch werdende Entzündungen
- In seltenen Fällen Ausbreitung der Entzündung auf das Auge oder – sehr selten – auf das Gehirn; das äußert sich durch Schwellung, Sehstörungen, Fieber oder starke Kopfschmerzen und ist ein Notfall
- Bei Kindern: häufige Mittelohrentzündungen und Sprachentwicklungsverzögerungen durch dauerhafte Mundatmung
- Belastung von Schlaf, Konzentration und Stimmung
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in vielen Fällen gut. Ein großer Teil der Menschen, die sich operieren lassen, berichtet über spürbar leichteres Atmen und weniger Infekte. Manche brauchen zusätzlich weiterhin Nasenspülungen oder eine Behandlung von Allergien. Es kann auch vorkommen, dass Beschwerden nicht vollständig verschwinden oder Jahre später erneut auftreten – dann lässt sich erneut beraten, ob eine weitere Behandlung sinnvoll ist. Wichtig ist ein realistisches Ziel: Verbesserung der Lebensqualität, nicht Beschwerdefreiheit um jeden Preis.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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