Perineale Urethrostomie – ein neuer Harnröhrenausgang im Dammbereich
Übersicht
Bei einer perinealen Urethrostomie (gesprochen: U-re-thro-sto-mie) legen Ärztinnen und Ärzte einen neuen, dauerhaften Ausgang für die Harnröhre an. Die Harnröhre ist der Schlauch, der den Urin aus der Blase nach außen leitet. Beim Mann verläuft sie normalerweise durch den Penis. Ist dieser Weg auf einer längeren Strecke vernarbt oder verengt, kann der Urin nicht mehr gut abfließen. Dann kann die Harnröhre im Bereich des Damms neu nach außen geführt werden. Der Damm (medizinisch: Perineum) ist die Hautfläche zwischen Hodensack und After. Der neue Ausgang bleibt bestehen, und der Urin kommt weiter hinten heraus als gewohnt. Der Eingriff ist eine bewährte Lösung, wenn andere Behandlungen nicht möglich sind oder nicht dauerhaft geholfen haben.
Wichtige Fakten
- Der Eingriff schafft einen dauerhaften neuen Harnausgang im Dammbereich.
- Er wird meist bei Männern mit einer langen oder mehrfach voroperierten Verengung der Harnröhre durchgeführt.
- Nach der Operation lassen die meisten Männer im Sitzen Wasser – das ist normal und kein Zeichen von Schwäche.
- Der Eingriff selbst verursacht keine Beschwerden; behandelt wird die Verengung der Harnröhre, die dahinter steckt.
Die perineale Urethrostomie ist eine seltene Operation. Sie kommt erst dann in Betracht, wenn andere Behandlungen der Harnröhrenverengung nicht geeignet sind, nicht zum Ziel führen oder immer wieder rückgängig gemacht werden müssten.
Vor allem Männer mit langen oder wiederkehrenden Verengungen der Harnröhre, zum Beispiel nach einem Unfall im Dammbereich, nach längerer Zeit mit einem Blasenkatheter, bei einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung im Genitalbereich (Lichen sclerosus) oder nach mehreren Harnröhrenoperationen ohne dauerhaften Erfolg. Bei Kindern und Jugendlichen ist der Eingriff sehr selten und nur bei komplizierten angeborenen Fehlbildungen ein Thema.
Symptome
- Sie können überhaupt nicht mehr Wasser lassen, der Unterbauch ist stark gespannt und schmerzt – das ist ein Harnverhalt. Rufen Sie sofort 112 an.
- Fieber mit Schüttelfrost, Verwirrtheit und plötzlich sehr schlechtem Allgemeinbefinden – mögliche Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis). Notruf 112.
- Starke Blutung aus dem Operationsbereich oder aus der Harnröhre, die nicht aufhört.
- Plötzliche starke Schmerzen im Dammbereich mit Schwellung und ausgedehnten blauen Flecken.
- ⚠Blut im Urin, das länger als einen Tag anhält
- ⚠Fieber über 38,5 Grad oder Brennen und häufiger Drang beim Wasserlassen
- ⚠Urin läuft neben dem neuen Ausgang heraus, oder die Öffnung wirkt eingeengt
- ⚠Zunehmende Rötung, Schwellung oder eitriges Sekret im Operationsgebiet
- ⚠Starke Schmerzen, die mit den verordneten Mitteln nicht nachlassen
Häufige Symptome
- Schwacher Harnstrahl, oft muss kräftig gepresst werden
- Der Strahl spritzt oder stockt und kommt mehrmals kurz hintereinander
- Nachtröpfeln nach dem Wasserlassen
- Das Gefühl, die Blase nicht ganz leeren zu können
- Häufiger Harndrang, auch nachts
- Wiederkehrende Harnwegsinfekte
- Wiederkehrende Entzündungen der Harnröhre oder der Nebenhoden
- Gelegentlich Blut im Urin oder ein Brennen beim Wasserlassen
Ursachen
Hauptursachen
- Lange Verengung der Harnröhre (medizinisch: Striktur) – eine narbige Engstelle, die den Urinfluss behindert
- Unfall mit Quetschung im Dammbereich, zum Beispiel beim Sturz auf den Fahrradrahmen
- Narben nach längerem Liegen eines Blasenkatheters oder nach Operationen
- Lichen sclerosus – eine chronische Entzündung der Haut im Genitalbereich
- Mehrere Harnröhrenoperationen, die nicht dauerhaft geholfen haben
- Angeborene Fehlbildungen der Harnröhre
- Selten: Folgen einer Strahlenbehandlung oder einer früheren Infektion
Risikofaktoren
- Frühere Eingriffe an der Harnröhre oder im Dammbereich
- Lange oder wiederholte Katheterisierung
- Verletzungen im Dammbereich
- Lichen sclerosus oder andere chronische Hautentzündungen im Genitalbereich
- Rauchen und Diabetes können die Wundheilung verschlechtern
- Ein geschwächtes Immunsystem erhöht das Risiko für Infektionen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn kein Urin mehr abgeht, obwohl die Blase gefüllt ist – sofort Notruf 112
- Fieber mit Schüttelfrost oder starken Schmerzen in der Nierengegend
- Blut im Urin mit großen Klumpen oder eine Blutung, die nicht stoppt
- Nach einer Operation: Fieber, zunehmende Schwellung, Wundsekret oder ein sich verschließender Ausgang
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Der Harnstrahl wird über Wochen schwächer, oder Sie müssen zunehmend pressen
- Wiederkehrende Harnwegsinfekte ohne klaren Auslöser
- Nachtröpfeln oder das Gefühl, die Blase nicht leer zu bekommen
- Sie möchten wissen, welche Behandlungsmöglichkeiten es für eine bekannte Harnröhrenverengung gibt
- Sie machen sich Gedanken über Sexualität, Fruchtbarkeit oder Alltag nach einem geplanten Eingriff
Diagnose
Vor einem solchen Eingriff wird genau geprüft, wo die Engstelle sitzt, wie lang sie ist und welche Behandlungen möglich sind. Dazu gehören ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden und Voroperationen, eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren. So lässt sich planen, ob eine kleinere Behandlung ausreicht oder ob ein neuer Ausgang im Dammbereich die verlässlichere Lösung ist.
Mögliche Untersuchungen
- Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie): Sie lassen in ein Messgerät urinieren, das die Stärke des Strahls aufzeichnet.
- Ultraschall der Blase vor und nach dem Wasserlassen, um Restharn zu erkennen
- Ultraschall der Nieren, um einen Rückstau zu prüfen
- Darstellung der Harnröhre mit Kontrastmittel (Urethrografie), oft in zwei Schritten
- Blasenspiegelung (Zystoskopie) mit einer feinen Kamera
- Urinuntersuchung und Urinkultur zum Ausschluss einer Infektion
- Blutwerte, unter anderem zur Kontrolle der Nierenfunktion
- Bei besonderen Fragestellungen ein MRT oder eine Gewebeprobe
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen laufen ambulant und dauern nur wenige Minuten. Beim Einführen eines Katheters oder eines Instruments kann es kurz brennen oder ziehen – das geht schnell vorbei. Für die Kontrastmitteldarstellung liegen Sie auf einer Liege, und es wird Flüssigkeit über die Harnröhre eingebracht; das Gefühl von Druck ist normal. Fragen Sie vorher nach, ob Sie nüchtern sein müssen oder ob bestimmte Medikamente pausiert werden sollen, und bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit.
Behandlung
Für eine verengte Harnröhre gibt es mehrere Wege. Welcher passt, hängt von der Länge und Lage der Engstelle ab, von früheren Behandlungen, vom Zustand des Gewebes und von Ihren eigenen Wünschen. Die perineale Urethrostomie ist der größte dieser Eingriffe. Sie wird meist dann gewählt, wenn kleinere Verfahren nicht geeignet sind oder mehrfach nicht dauerhaft geholfen haben. Ein ausführliches Aufklärungsgespräch in einer urologischen Praxis ist der beste erste Schritt.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend – die Menge besprechen Sie am besten mit Ihrem Behandlungsteam.
- Halten Sie die Operationswunde sauber und trocken, und waschen Sie sich vor jedem Verbandswechsel die Hände.
- Sitzen Sie beim Wasserlassen – das ist nach dem Eingriff die bequemste und sauberste Haltung.
- Nehmen Sie alle Kontrolltermine wahr, auch wenn alles gut läuft.
- Verwenden Sie keine Salben, Spülungen oder Hausmittel an der neuen Öffnung ohne Rücksprache.
- Bitte fragen Sie in Ihrer Praxis nach, wie lange Sie schwer heben, Rad fahren oder schwimmen sollten.
- Achten Sie auf Anzeichen einer Infektion und melden Sie sie früh.
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund kommen das vorsichtige Aufdehnen der Engstelle, das Aufschlitzen der Narbe von innen durch die Harnröhre, ein kleiner Stent (eine Art Röhrchen, das die Engstelle offen hält) oder eine Harnröhrenplastik mit Gewebe aus der Mundschleimhaut in Frage. Manchmal hilft auch eine vorübergehende Harnableitung, bis das Gewebe abgeheilt ist. All diese Verfahren haben Vor- und Nachteile, und manche wirken nicht dauerhaft. Welche Möglichkeit zu Ihnen passt und welche begleitenden Mittel sinnvoll sind, besprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – ich nenne hier bewusst keine Medikamentennamen oder Dosierungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine perineale Urethrostomie wird vorgeschlagen, wenn die Verengung sehr lang ist, immer wieder zurückkommt, bereits mehrere Voroperationen erfolgt sind oder eine Harnröhrenplastik nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Auch bei stark geschädigtem Gewebe, etwa durch Lichen sclerosus, kann sie die verlässlichere Dauerlösung sein. Der Eingriff findet meist in Vollnarkose oder in einer Betäubung des unteren Körperbereichs statt und dauert in der Regel etwa ein bis zwei Stunden. Ein vorübergehender Blasenkatheter und ein Krankenhausaufenthalt von einigen Tagen sind üblich.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Heilung läuft der Alltag meist erstaunlich normal weiter. Weil der neue Ausgang weiter hinten liegt, lassen die meisten Männer im Sitzen Wasser. Der Strahl kann breiter sein oder etwas spritzen; manche setzen sich dafür bewusst auf die Toilette und halten die Kleidung zur Seite. Ein Katheter ist dauerhaft nicht nötig. Beim Samenerguss kann sich etwas verändern, weil der Samen nicht mehr denselben Weg durch den Penis nimmt – das ist kein Zeichen von Krankheit, betrifft aber die Fruchtbarkeit. Sprechen Sie solche Fragen offen in der urologischen Praxis an.
Tipps für den Alltag
- Tägliche, sanfte Intimhygiene mit klarem Wasser, ohne aggressive Seifen oder Desinfektionsmittel
- Atmungsaktive Unterwäsche und bequeme Kleidung, besonders in den ersten Wochen
- Ausreichend trinken, um die Harnwege gut zu spülen
- Nicht rauchen – das verbessert die Wundheilung und senkt das Infektionsrisiko
- Bei Diabetes auf gute Blutzuckerwerte achten
- Zeit lassen bei der Heilung: kein schweres Heben, kein Radfahren und kein Schwimmen, solange es die Praxis empfiehlt
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Ballaststoffen aus Gemüse, Obst und Vollkornprodukten hilft, Verstopfung und starkes Pressen zu vermeiden – das entlastet auch den Beckenboden. Trinken Sie über den Tag verteilt, aber nicht in großen Mengen auf einmal. Nach der Abheilung sind Bewegung, Spazierengehen und moderater Sport meist gut möglich. Radfahren, Reiten oder Krafttraining mit viel Druck im Dammbereich sollten Sie erst nach Rücksprache wieder aufnehmen, ebenso Beckenbodenübungen, wenn sie anfangs unangenehm sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Viele Menschen machen sich vor und nach einem solchen Eingriff Gedanken: über den eigenen Körper, über Sexualität und Partnerschaft oder über die Sorge, im Alltag aufzufallen. Solche Gefühle sind verständlich und dürfen Raum bekommen. Scham muss niemand allein tragen. Ein offenes Gespräch mit der Partnerin oder dem Partner, mit einer vertrauten Person oder im Behandlungsteam entlastet oft schon viel. Wenn Niedergeschlagenheit, Angst oder Rückzug länger anhalten, wenden Sie sich bitte an Ihre Hausarztpraxis oder an eine psychosoziale Beratungsstelle. In akuten seelischen Krisen ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 rund um die Uhr und kostenfrei erreichbar; bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jede Verengung der Harnröhre lässt sich verhindern. Aber ein sorgsamer Umgang mit Blasenkathetern, die zügige Behandlung von Harnwegsinfekten, der Schutz vor Verletzungen im Dammbereich und eine gute Einstellung von Grunderkrankungen wie Diabetes senken das Risiko. Wenn bei Ihnen bereits eine Engstelle bekannt ist, sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll, damit ein erneutes Fortschreiten früh auffällt.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Früherkennungsprogramm für Harnröhrenverengungen gibt es nicht. Achten Sie auf Ihren Körper: Ein Strahl, der über Wochen schwächer wird, häufiges Pressen oder wiederkehrende Harnwegsinfekte sind Gründe, das abklären zu lassen, statt abzuwarten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Harnverhalt – der Urin kann nicht mehr abgehen, was ein Notfall ist
- Wiederkehrende und zunehmend hartnäckige Harnwegsinfekte
- Rückstau von Urin bis in die Nieren mit Schädigung des Nierengewebes
- Blasensteine durch dauerhaft unvollständige Entleerung
- Dauerhafter Blasenkatheter mit eigenen Risiken wie Infektionen und Verletzungen
- Verschlechterung der Lebensqualität durch ständigen Harndrang und nächtliches Aufwachen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut. Die perineale Urethrostomie ist ein etabliertes Verfahren, das bei passender Auswahl in vielen Fällen für Jahre einen verlässlichen, freien Urinfluss schafft. Wichtig sind die Nachkontrollen, weil sich der neue Ausgang in seltenen Fällen wieder einengen kann – dann gibt es meist gute Möglichkeiten, das zu korrigieren. Viele Menschen berichten nach der Heilung, dass sie sich deutlich freier fühlen als mit den ständigen Beschwerden vorher. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie für die Entscheidung brauchen, und holen Sie eine zweite Meinung ein, wenn Sie sich unsicher fühlen.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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