Aortenklappen-Operation: Der Eingriff am Herzen einfach erklärt
Übersicht
Die Aortenklappe ist ein Ventil im Herzen. Sie sitzt zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta). Bei jedem Herzschlag öffnet sie sich, damit sauerstoffreiches Blut in den Körper fließen kann, und schließt sich danach wieder, damit kein Blut zurückläuft. Ist diese Klappe verengt (Aortenklappenstenose) oder schließt sie nicht mehr richtig (Aortenklappeninsuffizienz), muss das Herz deutlich mehr Kraft aufbringen. Bei einer Aortenklappen-Operation repariert das Operationsteam dieses Ventil oder ersetzt es durch eine neue Klappe. Ziel ist, dass das Herz wieder leichter arbeiten kann und Beschwerden wie Luftnot oder Müdigkeit nachlassen.
Wichtige Fakten
- Die Operation wird meist dann empfohlen, wenn die Klappe stark verengt oder undicht ist und das Herz dadurch belastet wird – oft auch schon, bevor starke Beschwerden auftreten.
- Es gibt verschiedene Wege: eine Operation am offenen Herzen mit neuer mechanischer oder biologischer Klappe, eine klappenerhaltende Reparatur oder ein kathetergestütztes Verfahren (TAVI), bei dem die neue Klappe über ein Blutgefäß eingeführt wird.
- Der Eingriff gehört zu den häufigsten Herzoperationen und wird in spezialisierten Herzzentren durchgeführt.
- Nach der Operation ist meist eine Rehabilitation und regelmäßige Kontrolle beim Kardiologen oder in der Herzchirurgie-Ambulanz sinnvoll.
Ja. Eingriffe an der Aortenklappe zählen zu den häufigsten Herzoperationen in Deutschland. Weil die Klappe mit dem Alter häufiger verschleißt, steigt die Zahl der Operationen seit Jahren an.
Am häufigsten sind ältere Menschen betroffen, meist ab etwa 60 Jahren, Männer etwas häufiger als Frauen. Jüngere Menschen können betroffen sein, wenn die Klappe angeboren nur zwei statt drei Segel hat (bikuspide Klappe) oder wenn eine frühere Entzündung die Klappe geschädigt hat. Bei Kindern sind angeborene Klappenfehler der häufigste Grund für eine Operation.
Symptome
- Starke, anhaltende Brustschmerzen, besonders mit Ausstrahlung in Arm, Hals oder Rücken
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder ein länger anhaltender Schwächeanfall
- Schwere Atemnot in Ruhe, die nicht besser wird, oder Atemnot mit bläulichen Lippen
- Plötzlich einsetzende einseitige Lähmung, Sprachstörung oder Sehverlust – Hinweis auf einen Schlaganfall
- Sehr schneller oder unregelmäßiger Puls mit Schwindel, Schwäche oder Ohnmachtsgefühl
- Nach einer Klappenoperation: Fieber, das nicht sinkt, oder eine stark blutende, eitrige oder sich öffnende Wunde
- ⚠Neu auftretende oder deutlich zunehmende Luftnot innerhalb von Tagen
- ⚠Wiederholte Schwindelanfälle ohne Bewusstlosigkeit
- ⚠Rasche Gewichtszunahme mit zunehmenden Beinschwellungen
- ⚠Fieber oder anhaltende Müdigkeit nach einem Eingriff (Verdacht auf eine Entzündung)
- ⚠Herzstolpern, das neu ist und länger anhält
Häufige Symptome
- Luftnot bei Belastung, später auch in Ruhe
- Müdigkeit und schnell nachlassende Kraft
- Schwindel oder Schwarzwerden vor den Augen
- Kurze Bewusstlosigkeit (Synkope), besonders bei Anstrengung
- Druck oder Enge in der Brust, ähnlich wie bei Herzenge
- Herzklopfen oder ein spürbar unregelmäßiger Puls
- Geschwollene Knöchel oder Beine, wenn die Klappe undicht ist
- Ein Herzgeräusch, das beim Abhören auffällt – oft der erste Hinweis
Symptome bei Kindern
- Oft lange keine Beschwerden, manchmal nur ein Herzgeräusch beim Abhören
- Trinkschwäche, schnelle Erschöpfung beim Füttern
- Langsames Wachstum oder geringe Gewichtszunahme
- Schwitzen beim Trinken oder Spielen
- Schnellere Atmung oder blasse Haut
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Luftnot schon bei leichter Anstrengung, etwa beim Treppensteigen oder Spazierengehen
- Schwindel und Stürze durch kurzzeitigen Blutdruckabfall
- Druck in der Brust mit Ausstrahlung in Arm, Hals oder Rücken
- Wassereinlagerungen an Knöcheln und Unterschenkeln
- Zunehmende Erschöpfung, die oft fälschlich als reine Alterserscheinung gedeutet wird
- Nächtliches Husten oder Atemnot im Liegen
Ursachen
Hauptursachen
- Verschleiß und Kalkablagerung: Die Klappe wird im Laufe des Lebens steifer und enger – die häufigste Ursache bei älteren Menschen
- Angeborene Fehlbildung, zum Beispiel eine Klappe mit nur zwei statt drei Segeln
- Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis), die die Klappe dauerhaft schädigen
- Rheumatisches Fieber nach einer Streptokokken-Infektion (in Deutschland heute selten, weltweit aber bedeutsam)
- Erweiterung der Hauptschlagader, durch die die Klappe nicht mehr dicht schließt
- Bindegewebserkrankungen, etwa beim Marfan-Syndrom
- Bestrahlung des Brustkorbs in der Vorgeschichte
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Bluthochdruck über viele Jahre
- Erhöhte Cholesterinwerte
- Rauchen
- Diabetes mellitus
- Chronische Nierenerkrankung
- Familiäre Häufung von Klappenerkrankungen
- Unbehandelte Streptokokken-Infektionen (vor allem in jungen Jahren)
- Schlechte Zahn- und Mundhygiene bei bestehendem Klappenfehler – sie begünstigt Entzündungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Neue oder rasch zunehmende Atemnot
- Ohnmacht oder Schwindel mit Sturz
- Brustschmerz bei Belastung
- Herzrasen, das nicht aufhört
- Fieber ohne klare Ursache bei bekanntem Klappenfehler oder nach einem Eingriff
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Ein beim Abhören entdecktes Herzgeräusch
- Lang anhaltende Müdigkeit oder nachlassende Belastbarkeit ohne erkennbaren Grund
- Geschwollene Beine über mehrere Tage
- Regelmäßige Kontrollen, wenn bei Ihnen bereits ein Klappenfehler bekannt ist
- Fragen zur Nachsorge nach einer Operation, zu Medikamenten oder zur Rehabilitation
Diagnose
Am Anfang steht ein Gespräch über Ihre Beschwerden, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung. Beim Abhören hört die Ärztin oder der Arzt oft ein typisches Herzgeräusch. Mit einem Herzultraschall (Echokardiografie) lässt sich dann erkennen, wie eng oder undicht die Klappe ist und wie gut das Herz noch pumpt. In Deutschland orientieren sich die Empfehlungen an den Leitlinien der Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Abhören von Herz und Lunge, Puls und Blutdruck
- Echokardiografie (Herzultraschall) über den Brustkorb – und bei Bedarf über die Speiseröhre (TEE)
- EKG (Elektrokardiogramm) zur Prüfung des Herzrhythmus
- Belastungstest oder Langzeit-EKG, wenn es die Situation erlaubt
- Herzkatheteruntersuchung, um die Herzkranzgefäße zu prüfen und Drücke zu messen
- Herz-MRT oder Herz-CT zur genaueren Beurteilung von Klappe und Hauptschlagader
- Blutuntersuchungen, etwa zu Nierenwerten und Entzündungswerten
- Lungen-Röntgen und Zahnarztbefund als Vorbereitung auf eine mögliche Operation
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und dauern je nach Terminplanung einen halben bis ganzen Tag. Ultraschall und EKG können sofort in der Praxis erfolgen. Für Herzkatheter, MRT oder CT bekommen Sie einen eigenen Termin und eine kurze Erklärung des Ablaufs. Sie müssen in der Regel nichts Besonderes vorbereiten – fragen Sie aber nach, ob Sie nüchtern erscheinen sollen. Nehmen Sie Ihre aktuelle Medikamentenliste mit.
Behandlung
Ob und wann behandelt wird, hängt davon ab, wie eng oder undicht die Klappe ist, ob Beschwerden bestehen und wie das Herz die Belastung verkraftet. Bei leichten Befunden genügt oft regelmäßiges Beobachten. Bei stärkeren Befunden helfen Medikamente gegen Beschwerden wie Wassereinlagerungen oder Bluthochdruck – sie können den Klappenfehler selbst aber nicht rückgängig machen. Bringt die Klappe das Herz in Bedrängnis, ist eine Operation oder ein kathetergestütztes Verfahren der nächste Schritt.
Selbsthilfe zu Hause
- Blutdruck und Puls zu Hause regelmäßig messen und notieren
- Täglich wiegen und auf schnelle Gewichtszunahme achten (Zeichen für Wassereinlagerungen)
- Nikotinverzicht – das entlastet Herz und Gefäße deutlich
- Ausreichend Bewegung im Rahmen der ärztlichen Empfehlung
- Wenig Salz und möglichst wenig stark verarbeitete Lebensmittel
- Sorgfältige Zahn- und Mundhygiene und regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt
- Impfungen mit der Hausarztpraxis besprechen
- Bei Fieber oder einer Infektion die Ärztin oder den Arzt informieren, wenn eine Klappenerkrankung bekannt ist
Medizinische Behandlungen
Medikamente lindern Beschwerden und schützen das Herz, sie reparieren die Klappe jedoch nicht. Eingesetzt werden je nach Situation Mittel gegen Bluthochdruck, gegen Wassereinlagerungen oder zur Entlastung des Herzens. Nach dem Einsetzen einer mechanischen Klappe sind dauerhaft gerinnungshemmende Medikamente nötig, damit keine Blutgerinnsel entstehen; dabei sind regelmäßige Blutkontrollen wichtig. Welche Behandlung zu Ihnen passt, bespricht die Ärztin oder der Arzt individuell – bitte nehmen Sie keine Medikamente eigenmächtig ein, ab oder ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist empfohlen, wenn eine schwere Verengung Beschwerden macht, wenn das Herz bereits schwächer pumpt oder sich erweitert, oder wenn die Ärztin oder der Arzt nach den aktuellen Leitlinien ein erhöhtes Risiko erkennt – teils auch ohne deutliche Beschwerden. Welches Verfahren infrage kommt, hängt von Alter, allgemeiner Gesundheit, Begleiterkrankungen und Ihrer eigenen Entscheidung ab. In der Regel entscheidet ein Team aus Kardiologie und Herzchirurgie gemeinsam mit Ihnen (Herzteam).
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Operation brauchen viele Menschen einige Wochen, bis sie sich wieder belastbar fühlen. Danach ist ein weitgehend normales Leben für die meisten möglich. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen, das Einhalten der verordneten Medikamente und ein aufmerksamer Blick auf Veränderungen wie Luftnot, Gewicht oder Müdigkeit. Hören Sie auf Ihren Körper und steigern Sie die Belastung langsam.
Tipps für den Alltag
- Nikotinverzicht und möglichst wenig Alkohol
- Regelmäßiger, gut verträglicher Ausdauersport nach ärztlicher Rücksprache
- Ausreichend Schlaf und Pausen in der ersten Zeit nach der Operation
- Stress im Alltag reduzieren, wo es möglich ist
- Hilfe im Haushalt und bei schwerem Heben in den ersten Wochen annehmen
- Gute Zahnpflege und regelmäßige Zahnarzttermine
- Impfungen aktuell halten
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und pflanzlichen Ölen tut Herz und Gefäßen gut. Wenig Salz hilft, Wassereinlagerungen und Bluthochdruck zu vermeiden. Nach der Operation wird die Bewegung meist langsam gesteigert – oft zuerst Spaziergänge, später moderates Ausdauertraining wie Radfahren oder Schwimmen. Eine kardiologische Rehabilitation kann dabei helfen, ein passendes Programm zu finden. Bei mechanischer Klappe kann der Arzt oder die Ärztin bestimmte Sportarten mit Verletzungsrisiko einschränken; das wird individuell besprochen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Viele Menschen sind vor und nach einer Herzoperation verunsichert, ängstlich oder niedergeschlagen. Das ist verständlich und darf sein. Sorgen um die Zukunft, Schlafprobleme oder ein Gefühl der Belastung für die Familie sind häufige Themen – und sie lassen sich gut ansprechen, zum Beispiel in der Rehabilitation, mit der Hausärztin oder dem Hausarzt oder mit einer psychologischen Beratung. Wenn Bedrücktheit oder Angst über Wochen anhalten, suchen Sie bitte Unterstützung. In akuten seelischen Krisen gibt es rund um die Uhr Hilfe – in Deutschland etwa die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenfrei) oder in einem Notfall die 112.
Vorbeugung
Nicht jeder Klappenfehler lässt sich verhindern – der altersbedingte Verschleiß gehört zum Leben. Man kann aber das Herz insgesamt entlasten: Blutdruck und Cholesterin gut einstellen, nicht rauchen, Diabetes gut behandeln und regelmäßig in Bewegung bleiben. Streptokokken-Infektionen früh behandeln zu lassen, beugt rheumatischen Klappenschäden vor. Bei bekanntem Klappenfehler ist eine gute Mundhygiene wichtig, weil Entzündungen von den Zähnen auf die Herzinnenhaut übergehen können.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Menschen mit Herzerkrankungen unter anderem die Grippe- und die Pneumokokken-Impfung. Was für Sie sinnvoll ist, klären Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Reihenuntersuchungsprogramm für Herzklappen gibt es in Deutschland nicht. Ein Herzgeräusch beim Abhören ist oft der erste Hinweis. Bei familiär gehäuften Klappenerkrankungen oder angeborenen Fehlbildungen kann eine gezielte Ultraschalluntersuchung sinnvoll sein – besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Herzleistung nimmt allmählich ab (Herzschwäche)
- Zunehmende Luftnot und deutlich eingeschränkte Belastbarkeit
- Herzrhythmusstörungen, etwa Vorhofflimmern
- Wassereinlagerungen in Beinen und Lunge
- Bei Entzündungen der Herzinnenhaut kann sich der Klappenschaden verschlechtern
- In seltenen Fällen ein plötzlicher Herztod bei unbemerkter schwerer Verengung
Langzeitprognose
Die Aussichten nach einer Aortenklappen-Operation sind in der Regel gut. Viele Menschen gewinnen spürbar Lebensqualität zurück und können wieder Dinge tun, die vorher nicht mehr gingen. Der Verlauf hängt vom Alter, von Begleiterkrankungen und vom Zeitpunkt des Eingriffs ab. Wichtig sind die regelmäßige Nachsorge und eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Behandlungsteam – so lässt sich viel für ein langes, aktives Leben tun.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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