Elektrische Kardioversion: Wenn das Herz wieder in den Takt kommt
Übersicht
Bei einer elektrischen Kardioversion wird das Herz mit einem kurzen, kontrollierten Stromimpuls wieder in einen normalen Rhythmus gebracht. Kardioversion bedeutet wörtlich Umkehr des Herzrhythmus. Der Eingriff wird meist bei Vorhofflimmern oder Vorhofflattern gemacht. Das sind Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz unregelmäßig oder zu schnell schlägt. Sie bekommen dafür eine kurze Narkose, einen sogenannten Dämmerschlaf, damit Sie nichts spüren. Der Impuls wird über flache Klebeelektroden auf der Brust abgegeben und ist genau auf den Herzschlag abgestimmt.
Wichtige Fakten
- Die elektrische Kardioversion ist meist ein geplanter Eingriff. Nur bei akuten Rhythmusstörungen mit Kreislaufproblemen wird sie sofort durchgeführt.
- Der eigentliche Eingriff dauert oft nur wenige Minuten. Insgesamt bleiben Sie aber einige Stunden zur Beobachtung.
- Bei den meisten Betroffenen lässt sich der normale Rhythmus wiederherstellen. Wie lange der Erfolg anhält, hängt vor allem von der Ursache und den Begleiterkrankungen ab.
Vorhofflimmern ist eine sehr häufige Herzrhythmusstörung, besonders im höheren Lebensalter. Die elektrische Kardioversion gehört deshalb zu den häufigsten geplanten Eingriffen am Herzen.
Vor allem Menschen mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern, häufig ab dem mittleren Lebensalter. Auch jüngere Menschen können betroffen sein, wenn eine andere Herzrhythmusstörung oder eine behandelbare Ursache vorliegt.
Symptome
- Brustschmerzen oder ein starker Druck in der Brust
- Schwere Atemnot oder Atemnot in Ruhe
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Plötzliche Verwirrtheit, Sprachstörungen, ein hängender Mundwinkel oder Lähmungserscheinungen – mögliche Hinweise auf einen Schlaganfall
- Sehr schneller Puls mit Schwindel, Blässe, kalter Haut oder Kreislaufkollaps
- ⚠Neu aufgetretenes, anhaltendes Herzstolpern oder Herzrasen
- ⚠Zunehmende Luftnot oder Wassereinlagerungen wie geschwollene Beine und schnelle Gewichtszunahme
- ⚠Starke Müdigkeit oder Leistungsknick innerhalb weniger Tage
- ⚠Fieber oder ein Infekt bei bekanntem Vorhofflimmern
Häufige Symptome
- Herzklopfen oder ein unregelmäßiger, stolpernder Puls
- Das Gefühl, dass das Herz rast oder unruhig schlägt
- Müdigkeit und schnellere Erschöpfung bei Belastung
- Kurzatmigkeit, besonders bei Anstrengung oder beim Treppensteigen
- Schwindel oder ein flaues Gefühl
- Innere Unruhe und Anspannung
- Manchmal gar keine Beschwerden – der unregelmäßige Puls fällt dann zum Beispiel bei einer Routineuntersuchung auf
Ursachen
Hauptursachen
- Vorhofflimmern und Vorhofflattern – die häufigsten Gründe für eine geplante Kardioversion
- Andere schnelle Herzrhythmusstörungen, die von den Vorhöfen oder der Herzkammer ausgehen
- Störungen im Elektrolythaushalt, also im Gleichgewicht der Blutsalze, oder eine Überfunktion der Schilddrüse
- Herzerkrankungen wie Herzschwäche, Herzklappenfehler oder ein früherer Herzinfarkt
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Bluthochdruck
- Herzschwäche, Herzklappenfehler oder ein früherer Herzinfarkt
- Schlafapnoe – das sind nächtliche Atemaussetzer
- Überfunktion der Schilddrüse
- Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel
- Regelmäßiger Alkoholkonsum, besonders in größeren Mengen
- Starke körperliche oder seelische Belastung, Fieber und Infekte als mögliche Auslöser
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Neu aufgetretenes Herzrasen oder anhaltendes Herzstolpern
- Luftnot, die neu ist oder zunimmt
- Geschwollene Beine oder eine plötzliche Gewichtszunahme
- Schwindel oder das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden
- Fieber zusammen mit Herzrasen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrendes Herzstolpern, das Sie beunruhigt
- Müdigkeit und Leistungsknick ohne erkennbaren Grund
- Fragen zur geplanten Kardioversion, zu Ihren Medikamenten oder zur Nachsorge
- Regelmäßige Kontrolle von Blutdruck und Puls bei bekannten Herzrhythmusstörungen
Diagnose
Vor der Kardioversion prüft das Behandlungsteam, ob die Rhythmusstörung noch besteht, woher sie kommt und ob der Eingriff sicher durchgeführt werden kann. Dazu gehört ein EKG, also eine Aufzeichnung der Herzströme, oft auch ein Langzeit-EKG über 24 Stunden, ein Herzultraschall und eine Blutuntersuchung. Wichtig ist außerdem, Blutgerinnsel im Herzen auszuschließen. Das geschieht meist mit einem Schluckecho, einem Ultraschall über die Speiseröhre. So wird verhindert, dass ein Gerinnsel durch den Eingriff in den Kreislauf gelangt.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG
- Langzeit-EKG, meist über 24 Stunden, manchmal länger
- Herzultraschall, auch Echokardiografie genannt
- Schluckecho, auch transösophageale Echokardiografie genannt, zum Ausschluss von Blutgerinnseln
- Blutuntersuchungen, unter anderem zu Schilddrüsenwerten und Blutsalzen
- Messung von Blutdruck und Puls
- Je nach Befund weitere Untersuchungen wie ein Belastungs-EKG
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Eingriff findet meist in einer Klinik oder einem Herzzentrum statt. Sie liegen auf einer Liege und bekommen über eine Vene eine kurze Narkose. Während des Eingriffs werden Sie überwacht. Über Klebeelektroden auf der Brust gibt das Team einen oder mehrere kurze Stromimpulse ab. Danach wachen Sie schnell wieder auf und bleiben noch einige Stunden zur Kontrolle. Der Herzrhythmus wird dabei fortlaufend aufgezeichnet.
Behandlung
Die elektrische Kardioversion ist eine von mehreren Möglichkeiten, den Herzrhythmus zu normalisieren. Ob sie sinnvoll ist, hängt von der Art der Rhythmusstörung, von Ihren Beschwerden und von Begleiterkrankungen ab. Meist wird der Eingriff geplant und mit einer Behandlung kombiniert, die den normalen Rhythmus möglichst lange erhält. Wie bei jedem Eingriff gibt es auch hier seltene Risiken, zum Beispiel Hautreizungen an den Klebepunkten. Das Behandlungsteam bespricht die Risiken vorher ausführlich mit Ihnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Vor dem Eingriff nüchtern bleiben – beachten Sie genau, was Ihnen das Team sagt
- Jemanden organisieren, der Sie danach nach Hause begleitet
- Ihre Medikamente wie abgesprochen einnehmen und vorher nachfragen, wenn etwas unklar ist
- In den ersten 24 Stunden nach der Narkose nicht selbst Auto fahren
- Die Hautstellen beobachten und Rötungen oder Schmerzen melden
- Blutdruck und Puls zu Hause regelmäßig notieren
Medizinische Behandlungen
Neben der elektrischen Kardioversion gibt es die Möglichkeit, mit Medikamenten den Herzrhythmus zu stabilisieren oder die Herzfrequenz zu senken. Welche Behandlung zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt – abhängig von Alter, Beschwerden und Begleiterkrankungen. Häufig werden auch Medikamente eingesetzt, die die Blutgerinnung hemmen. Sie senken das Risiko für einen Schlaganfall. Wichtig ist außerdem, auslösende Ursachen zu behandeln, zum Beispiel eine Schilddrüsenüberfunktion oder eine Schlafapnoe. Wenn Rhythmusstörungen trotz Behandlung wiederkehren, kann eine Katheterablation eine Option sein. Dabei werden die störenden elektrischen Leitungsbahnen im Herzen mit einem Katheter verödet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation am offenen Herzen ist für die Kardioversion selbst nicht nötig. In seltenen Fällen kann bei bestimmten Herzrhythmusstörungen ein kleiner Eingriff mit einem implantierten Herzschrittmacher oder Defibrillator sinnvoll sein. Das bespricht das Behandlungsteam individuell mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer erfolgreichen Kardioversion fühlen sich viele Menschen schnell wieder leistungsfähiger. Der Puls kann in den ersten Tagen etwas empfindlich reagieren. Planen Sie in den ersten 24 Stunden Ruhe ein, trinken Sie ausreichend und vermeiden Sie großen Stress. Regelmäßige Kontrolltermine helfen, den Herzrhythmus im Blick zu behalten.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, angepasst an Ihre Belastbarkeit
- Ausreichend Schlaf und bewusste Pausen
- Alkohol möglichst meiden oder deutlich reduzieren
- Mit dem Rauchen aufhören – Ihre Hausarztpraxis kann Sie dabei unterstützen
- Stress abbauen, zum Beispiel mit Entspannungsübungen
- Bei Schlafapnoe die verordnete Behandlung konsequent nutzen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten und wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln tut dem Herzen gut. Achten Sie auf Salz, wenn Sie Bluthochdruck oder eine Herzschwäche haben. Bewegung ist ausdrücklich erwünscht: Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen in einem Tempo, bei dem Sie sich noch unterhalten können. Nach dem Eingriff starten Sie langsam und steigern sich allmählich. Bei Unsicherheit fragen Sie Ihr Behandlungsteam nach einem passenden Trainingsplan.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Herzrhythmusstörungen können verunsichern. Viele Betroffene achten sehr genau auf ihren Puls und sorgen sich vor dem nächsten Anfall. Das ist verständlich und kann Schlaf und Stimmung belasten. Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber – Sorgen gehören zur Behandlung dazu. Wenn Sie sich längere Zeit niedergeschlagen oder ängstlich fühlen, suchen Sie Unterstützung, zum Beispiel bei einer psychosozialen Beratungsstelle oder bei der Telefonseelsorge. In einer seelischen Krise sind Sie nicht allein.
Vorbeugung
Nicht jede Herzrhythmusstörung lässt sich verhindern. Sie können aber viel tun, um das Herz zu entlasten und Rückfällen vorzubeugen: Blutdruck gut einstellen, Alkohol reduzieren, gesund schlafen, Übergewicht abbauen und ausreichend bewegen. Auch die Behandlung von Grunderkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer Schlafapnoe ist wichtig.
Impfungen
Für Menschen mit Herzerkrankungen ist ein Gespräch über Impfungen sinnvoll, zum Beispiel zu Grippe und Pneumokokken. Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis, welche Impfungen für Sie passen.
Früherkennungsprogramme
Blutdruck und Puls sollten regelmäßig gemessen werden. Ein unregelmäßiger Puls ist oft der erste Hinweis auf Vorhofflimmern. Bei Beschwerden oder einem auffälligen Puls kann ein EKG Klarheit bringen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltendes Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall
- Das Herz kann dauerhaft geschwächt werden, eine Herzschwäche kann entstehen
- Leistungsfähigkeit und Lebensqualität können abnehmen
- Je länger eine Rhythmusstörung besteht, desto schwerer lässt sie sich in den normalen Rhythmus zurückführen
Langzeitprognose
Die elektrische Kardioversion ist ein gut erprobtes und meist gut verträgliches Verfahren. Bei den meisten Betroffenen gelingt es, den normalen Rhythmus wiederherzustellen. Bei einem Teil kehrt die Störung später zurück – dann gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten. Sind auslösende Faktoren gut eingestellt und die Nachsorge stimmt, verbessern sich die Aussichten deutlich.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsempfehlungen unterscheiden sich nach Land und Region. Diese Seite ist allgemeine Aufklärung und entspricht möglicherweise nicht den Leitlinien, Arzneimitteln oder der Praxis an Ihrem Wohnort. Besprechen Sie Ihre Anliegen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer anderen medizinischen Fachperson und folgen Sie lokalen Empfehlungen, soweit es sie gibt.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
Hier wird keine Gesundheitsleitlinie und kein klinisches Kapitel zitiert, das genau dieses Thema nennt. Diese Seite dient nur der allgemeinen Bildung und Information. Sie ist keine Diagnose, kein Behandlungsplan und kein persönlicher medizinischer Rat. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und folgen Sie deren Rat. Bei starken, plötzlichen oder beunruhigenden Beschwerden holen Sie zeitnah medizinische Hilfe, und rufen Sie im Notfall die örtliche Notrufnummer an. Ruqelo LLC ist nicht verantwortlich für medizinische oder rechtliche Folgen von Entscheidungen, die auf diesen Informationen beruhen.
Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.
Guidance may differ by country or region. Confirm local recommendations with a qualified healthcare provider.