Endovaskuläre Reparatur bei Brustkorb-Aortenaneurysma
Übersicht
Bei einem Brustkorb-Aortenaneurysma ist die Hauptschlagader im Brustkorb – die Aorta – an einer Stelle erweitert. Die Gefäßwand kann dünn und instabil werden. Bei der endovaskulären Reparatur, oft TEVAR genannt, setzt ein Gefäßteam über einen kleinen Zugang in der Leiste eine Art Röhrchen mit Metallgerüst, eine Stent-Prothese, in die Aorta ein. Dieses stützt die kranke Stelle von innen und soll verhindern, dass der erweiterte Abschnitt stark belastet wird oder reißt. Der Eingriff ist schonender als eine offene Operation, aber nicht für jeden geeignet.
Wichtige Fakten
- Viele Aneurysmen der Brustschlagader verursachen lange keine Beschwerden und werden zufällig bei Bildaufnahmen entdeckt.
- Ob behandelt werden muss, hängt von Größe, Wachstum, Beschwerden und allgemeiner Gesundheit ab.
- TEVAR ist ein kathetergestützter Eingriff; regelmäßige Nachkontrollen bleiben wichtig.
Aneurysmen der Brustschlagader sind seltener als Aneurysmen im Bauchraum. Wie häufig sie vorkommen, hängt stark von Alter und Risikofaktoren ab.
Vor allem ältere Menschen, besonders Männer. Auch jüngere Menschen mit Bindegewebserkrankungen oder familiärem Risiko können betroffen sein.
Symptome
- Plötzlicher, sehr starker Schmerz in Brust oder Rücken, oft als Reißen beschrieben
- Ohnmacht, Kollaps oder Zeichen eines Schocks wie Blässe, Kaltschweißigkeit und sehr niedriger Blutdruck
- Plötzliche schwere Atemnot oder Bluthusten
- Neue einseitige Lähmung, Sprachstörung oder Sehstörung – möglicher Schlaganfall
- Bei diesen Zeichen sofort 112 anrufen
- ⚠Neue, aber nicht plötzlich sehr starke Brust- oder Rückenschmerzen
- ⚠Neu aufgetretene Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder Atemnot
- ⚠Fieber bei bekanntem Aneurysma
- ⚠Nach einem Eingriff: Fieber, zunehmende Schwellung, Wundschmerzen oder Blutungszeichen
Häufige Symptome
- Oft keine Beschwerden über lange Zeit
- Dumpfe oder drückende Schmerzen in Brust oder Rücken
- Heiserkeit
- Schluckbeschwerden
- Husten oder Atemnot
- Bei manchen Menschen fällt das Aneurysma nur bei einer Bildgebung auf
Symptome bei Kindern
- Sehr selten
- Kann bei angeborenen Bindegewebs- oder Herzklappenerkrankungen vorkommen
- Beschwerden sind oft unspezifisch und werden leicht übersehen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufiger als bei jüngeren Menschen
- Beschwerden können fehlen oder als allgemeine Schwäche, Rücken- oder Brustschmerz, Atemnot oder Heiserkeit auftreten
- Begleiterkrankungen wie Herz- oder Lungenerkrankungen werden bei der Behandlung mitbedacht
Ursachen
Hauptursachen
- Arterienverkalkung (Atherosklerose) und hoher Blutdruck schwächen die Gefäßwand.
- Rauchen schädigt die Gefäßwand.
- Erbliche Bindegewebserkrankungen, zum Beispiel das Marfan-Syndrom, können die Aorta erweitern.
- Seltener: Verletzungen, Entzündungen der Gefäßwand oder Infektionen.
- Angeborene Herzklappenfehler können eine Rolle spielen.
Risikofaktoren
- Höheres Alter
- Männliches Geschlecht
- Rauchen
- Hoher Blutdruck
- Hohe Cholesterinwerte
- Familiäre Vorgeschichte
- Bindegewebserkrankungen
- Bestimmte Herzerkrankungen
- Verletzung im Brustkorb
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzlicher, sehr starker Brust- oder Rückenschmerz: sofort 112
- Kollaps, Ohnmacht oder Schockzeichen: sofort 112
- Neue schwere Atemnot oder Bluthusten: sofort 112
- Neue Lähmung, Sprachstörung oder Sehstörung: sofort 112
- Neu aufgetretene, aber nicht plötzlich sehr starke Brust- oder Rückenschmerzen: am selben Tag ärztlich abklären lassen
- Neue Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder Atemnot: zeitnah ärztlich abklären lassen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bekanntes Aneurysma und anstehender Kontrolltermin
- Familiäre Belastung mit Aortenaneurysma oder Bindegewebserkrankung
- Blutdruck ist trotz Behandlung schlecht eingestellt
- Sie möchten mit dem Rauchen aufhören und Unterstützung erhalten
- Fragen zu Bewegung, Arbeit oder Reisen nach einem Eingriff
Diagnose
Meist wird das Aneurysma bei einer Bildgebung entdeckt. Das Gefäßteam beurteilt Größe, Form, Wachstum und Lage der Aorta und prüft, ob ein Eingriff sinnvoll ist.
Mögliche Untersuchungen
- CT-Angiografie: Computertomografie mit Kontrastmittel
- MRT oder Magnetresonanz-Angiografie: Bildgebung mit Magnetfeld
- Echokardiografie: Ultraschall des Herzens
- Ultraschall je nach erreichbarer Stelle
- Blutuntersuchungen und Check von Herz und Lunge vor einem Eingriff
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Für die Bildgebung liegen Sie meist ruhig. Kontrastmittel kann ein warmes Gefühl auslösen. Vor einem Eingriff prüft das Team Nieren, Herz, Lunge und Gefäße. Sagen Sie vorher, wenn Sie Nierenprobleme, Allergien oder eine Schwangerschaft haben. Fragen Sie, was Sie vorher essen und trinken dürfen und welche Medikamente Sie einnehmen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach Größe, Wachstum, Beschwerden und Gesundheitszustand. Möglich sind Beobachtung mit Kontrollen, Behandlung der Risikofaktoren, ein kathetergestützter Eingriff wie TEVAR oder eine offene Operation. In Deutschland orientiert sich die Behandlung an Leitlinien, zum Beispiel der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Nicht rauchen und Rauch vermeiden
- Blutdruck und Cholesterin nach ärztlicher Anweisung im Zielbereich halten
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen
- Bewegung nach Absprache; direkt nach einem Eingriff keine schweren Lasten heben
- Bei neuen Beschwerden früh ärztlichen Rat suchen
Medizinische Behandlungen
Je nach Fall können ärztlich verordnete Medikamente den Blutdruck senken und die Gefäßrisiken verringern. Auch die Behandlung anderer Risikofaktoren gehört dazu. Namen und Dosis legt ausschließlich Ihr Behandlungsteam fest. Bei manchen Menschen wird ein Aneurysma zunächst nur beobachtet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein Eingriff wird erwogen, wenn das Aneurysma groß ist, schnell wächst, Beschwerden macht oder ein Riss droht. TEVAR ist eine kathetergestützte Option. Eine offene Operation kann je nach Anatomie und Gesundheit besser passen. In einem Notfall wird sofort behandelt.
Leben mit der Erkrankung
Nach TEVAR sind meist kurze Kontrollen und danach regelmäßige Bildaufnahmen nötig. Fragen Sie, wann Sie wieder Auto fahren, arbeiten oder Sport machen dürfen. Achten Sie auf Warnzeichen und melden Sie neue Beschwerden früh.
Tipps für den Alltag
- Rauchstopp
- Blutdruck regelmäßig messen lassen
- Gesunde Ernährung
- Bewegung im Rahmen der Absprache
- Stress reduzieren
- Kontrolltermine einhalten
Ernährung und Bewegung
Eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fisch und gesunden Ölen ist günstig. Weniger Salz und stark verarbeitete Lebensmittel helfen, den Blutdruck zu stabilisieren. Regelmäßige moderate Bewegung ist gut, nach einem Eingriff aber keine schweren Lasten ohne Freigabe.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann Angst machen. Ein klarer Plan mit Kontrollterminen hilft vielen Menschen. Sprechen Sie offen über Sorgen. Wenn Ängste oder Niedergeschlagenheit überhandnehmen, wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis. In einer akuten seelischen Krise erreichen Sie den Notruf 112 oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Vorbeugung
Nicht jedes Aneurysma lässt sich verhindern. Rauchstopp, gute Blutdruckkontrolle und ein gesunder Lebensstil senken aber das Risiko und können das Fortschreiten bremsen.
Impfungen
Impfungen schützen nicht direkt vor einem Aortenaneurysma. Lassen Sie sich zu den für Sie empfohlenen Impfungen beraten.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Brustkorb-Aortenaneurysmen gibt es in Deutschland nicht. Bei familiärem Risiko oder Bindegewebserkrankungen kann eine gezielte Bildgebung sinnvoll sein. Das besprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Riss der Aorta (Ruptur) – ein lebensbedrohlicher Notfall
- Aortendissektion: Einriss der Gefäßwand
- Druck auf umliegende Organe mit Heiserkeit, Schluck- oder Atembeschwerden
- Blutgerinnsel in der erweiterten Aorta
Langzeitprognose
Für viele Menschen ist ein Brustkorb-Aortenaneurysma gut überwachbar. Wenn ein Eingriff nötig ist, kann TEVAR eine schonende Option sein. Nachkontrollen sind wichtig, damit Undichtigkeiten oder Verschiebungen der Prothese früh auffallen. Mit guter Begleitung und Behandlung der Risikofaktoren können die meisten Menschen ein gutes Leben führen.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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