Herzoperation bei Vorhofflimmern: die Maze-Operation (Labyrinth-Operation)
Übersicht
Die Maze-Operation (ausgesprochen etwa „Mähs“, englisch für „Labyrinth“) ist eine Herzoperation, die bei Vorhofflimmern helfen kann. Vorhofflimmern heißt: Das Herz schlägt nicht mehr in einem ruhigen, gleichmäßigen Takt. Die beiden oberen Herzkammern – die Vorhöfe – zittern nur noch schnell und unregelmäßig, statt sich kräftig zusammenzuziehen. Bei der Maze-Operation setzt der Herzchirurg feine Narbenlinien in das Vorhofgewebe. Diese Linien bilden ein Muster wie in einem Labyrinth. Das Muster lenkt die elektrischen Signale im Herzen wieder auf einen geordneten Weg, sodass der normale Herzrhythmus oft zurückkommen kann. Die Operation wird meistens nicht allein gemacht, sondern zusammen mit einer anderen Herzoperation, zum Beispiel einer Bypass-Operation oder einer Operation an einer Herzklappe.
Wichtige Fakten
- Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen.
- Die Maze-Operation ist ein herzchirurgischer Eingriff. Sie wird meist zusammen mit einer anderen Herzoperation durchgeführt.
- Ziel ist, den regelmäßigen Herzrhythmus wiederherzustellen und das Schlaganfallrisiko zu senken.
- Der Erfolg stellt sich nicht immer sofort ein. Manchmal braucht es Wochen oder Monate und etwas Geduld.
Vorhofflimmern ist sehr verbreitet – vor allem im höheren Alter. Die Maze-Operation selbst wird deutlich seltener gemacht als andere Herzoperationen. Sie kommt vor allem dann infrage, wenn ohnehin am offenen Herzen operiert werden muss.
Vorhofflimmern betrifft überwiegend ältere Menschen, kann aber auch jüngere treffen. Häufig sind Menschen mit hohem Blutdruck, mit erkrankten Herzklappen, mit einer koronaren Herzkrankheit (verengte Herzkranzgefäße) oder mit einer Herzschwäche. Auch Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer), starkes Übergewicht und viel Alkohol spielen eine Rolle.
Symptome
- Brustschmerz oder Druck in der Brust, der länger als einige Minuten anhält oder in Arm, Hals oder Rücken ausstrahlt
- Anzeichen eines Schlaganfalls: hängender Mundwinkel, schlaffer Arm, verwaschene Sprache, plötzliche Sehstörung – hier zählt jede Minute
- plötzliche schwere Atemnot
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- sehr schneller, rasender Puls mit Schwindel, Schwäche oder kaltschweißiger Haut
- starke, nicht stillbare Blutung, zum Beispiel aus einer Operationswunde
- In allen diesen Fällen sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠neues, anhaltendes Herzrasen oder Herzstolpern, das mehrere Stunden dauert
- ⚠Fieber, Rötung, Schwellung oder eitrige Absonderung an der Operationswunde
- ⚠zunehmende Luftnot oder rasche Gewichtszunahme mit geschwollenen Beinen
- ⚠Schwindel oder Benommenheit, die nicht weggehen
- ⚠starke Übelkeit oder Erbrechen, sodass Medikamente nicht genommen werden können
- ⚠Hier gilt: noch am selben Tag ärztlichen Rat suchen.
Häufige Symptome
- Herzklopfen oder ein „Stolpern“ des Herzens
- unregelmäßiger, oft schneller Puls
- spürbares Rennen oder „Flattern“ in der Brust
- Müdigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit
- Atemnot bei Anstrengung
- Schwindel oder ein unsicheres Gefühl beim Stehen
- innere Unruhe oder Angst
- manchmal gar keine Beschwerden – das Herzflimmern fällt dann nur zufällig auf
Symptome bei Kindern
- Vorhofflimmern ist bei Kindern selten. Wenn es auftritt, steckt oft ein angeborener Herzfehler oder eine andere Herzerkrankung dahinter.
- Kleine Kinder können sich nicht äußern. Hinweise können Trinkschwäche, schnelles Atmen, Blässe oder schlechtes Gedeihen sein.
- Bei älteren Kindern sind Herzklopfen, Schwindel, Bauchschmerzen oder ein plötzliches Leistungstief möglich.
- Bei solchen Zeichen sollte ein Kind immer ärztlich untersucht werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Beschwerden werden oft nicht als Herzproblem erkannt, sondern als „normale“ Alterserscheinung abgetan.
- Häufig stehen Müdigkeit, Luftnot bei leichter Anstrengung und ein allgemeines Schwächegefühl im Vordergrund.
- Das Herzflimmern kann unbemerkt bleiben – das Schlaganfallrisiko ist dann trotzdem erhöht.
- Ein unregelmäßiger Puls, der beim Fühlen auffällt, sollte ärztlich abgeklärt werden.
- Nach einer Herzoperation sind Erschöpfung, Wundschmerz und vorübergehendes Herzstolpern in den ersten Wochen normal und werden vom Behandlungsteam begleitet.
Ursachen
Hauptursachen
- langjähriger hoher Blutdruck, der die Vorhöfe belastet und verändert
- erkrankte Herzklappen, vor allem an der Mitralklappe (Klappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer)
- verengte Herzkranzgefäße und frühere Herzinfarkte
- Herzschwäche, bei der das Herz nicht mehr kräftig genug pumpt
- eine Überfunktion der Schilddrüse
- nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe)
- Altersveränderungen am Herzmuskel und am Erregungsleitungssystem des Herzens
Risikofaktoren
- höheres Lebensalter
- hoher Blutdruck
- starkes Übergewicht
- regelmäßiger oder hoher Alkoholkonsum
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Schlafapnoe
- Herzerkrankungen in der Familie
- Stress und Schlafmangel
- bestimmte Infektionen und Entzündungen, die das Herz belasten
- Rauchen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Herzrasen, das nicht von selbst aufhört, zusammen mit Schwindel oder Luftnot
- Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
- Brustschmerz
- Zeichen eines Schlaganfalls – sofort 112 rufen
- Fieber oder Wundprobleme nach einer Operation
- plötzliche Verschlechterung des Allgemeinbefindens
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie bemerken ein unregelmäßiges Herzklopfen, auch wenn es wieder verschwindet
- Ihre Leistungsfähigkeit lässt nach, ohne dass Sie eine Ursache erkennen
- Sie möchten wissen, ob Ihr Puls regelmäßig ist – das kann man beim Blutdruckmessen gut mitprüfen
- Sie hatten bereits Vorhofflimmern und möchten über Behandlungsmöglichkeiten wie eine Operation sprechen
- Sie nehmen blutverdünnende Medikamente und brauchen eine Kontrolle oder Anpassung durch Ihr Behandlungsteam
Diagnose
Der erste Schritt ist immer ein Gespräch über Ihre Beschwerden und Ihre Vorgeschichte. Danach hört das Behandlungsteam Ihr Herz ab und misst den Puls. Ein EKG (Elektrokardiogramm) zeichnet die elektrischen Signale des Herzens auf – daran sieht man Vorhofflimmern sehr gut. Weil das Flimmern oft nur zeitweise auftritt, wird manchmal ein Langzeit-EKG über einen oder mehrere Tage geschrieben. Ein Herzultraschall zeigt Größe, Form und Pumpkraft des Herzens und ob eine Klappe erkrankt ist. Blutuntersuchungen prüfen unter anderem die Schilddrüse und die Nieren. Ob eine Maze-Operation für Sie sinnvoll ist, bespricht das Herzteam mit Ihnen, oft gemeinsam mit Kardiologie und Herzchirurgie.
Mögliche Untersuchungen
- körperliche Untersuchung mit Puls- und Blutdruckmessung
- EKG in Ruhe
- Langzeit-EKG über 24 bis 72 Stunden oder ein Ereignis-Rekorder für längere Zeit
- Belastungs-EKG
- Herzultraschall (Echokardiografie), auch über die Speiseröhre möglich
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel zu Schilddrüse, Nieren und Blutgerinnung
- manchmal eine Herzkatheteruntersuchung, um die Herzkranzgefäße zu prüfen
- in bestimmten Fällen eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU), bei der die Erregungsleitung des Herzens direkt gemessen wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden ausführlich über den geplanten Eingriff, die Narkose, mögliche Risiken und die Zeit danach sprechen. Meist gibt es ein Vorgespräch mit der Herzchirurgie, mit der Anästhesie (Narkoseabteilung) und mit der Pflege. Vor der Operation werden Blut abgenommen, ein EKG geschrieben und meist Röntgenbilder oder ein Herzultraschall gemacht. Sie können alle Fragen stellen – auch mehrfach. Es hilft, sich Fragen vorher aufzuschreiben und eine Vertrauensperson mitzunehmen.
Behandlung
Bei Vorhofflimmern gibt es mehrere Wege. Welcher passt, hängt von Ihrem Alter, Ihren Beschwerden, Ihren anderen Erkrankungen und davon ab, wie sehr das Herz bereits belastet ist. Häufig beginnt die Behandlung mit Medikamenten und einer Anpassung des Lebensstils. Reichen diese nicht aus, kommen ein Kathetereingriff (Verödung von Gewebe im Vorhof) oder eine Operation infrage. Die Maze-Operation ist eine chirurgische Möglichkeit, meist im Rahmen einer anderen Herzoperation.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Medikamente so ein, wie es mit Ihrem Behandlungsteam besprochen wurde – auch dann, wenn Sie sich gut fühlen.
- Prüfen Sie zu Hause regelmäßig Ihren Puls und Blutdruck, wenn Ihr Team es empfohlen hat, und notieren Sie die Werte.
- Halten Sie Ihre Nachsorgetermine ein.
- Achten Sie auf Ihre Operationswunde: sauber und trocken halten, nicht selbst an Verbänden herumziehen.
- Gehen Sie es nach der Operation langsam an und steigern Sie Spaziergänge Schritt für Schritt.
- Vermeiden Sie in den ersten Wochen schweres Heben und Tragen, wie es Ihnen Ihr Team erklärt.
- Alkohol nur in Maßen oder ganz meiden – Alkohol kann Vorhofflimmern auslösen.
- Sprechen Sie vor dem nächsten Flug oder einer längeren Reise mit Ihrem Behandlungsteam.
Medizinische Behandlungen
Je nach Situation werden Medikamente eingesetzt, die den Herzrhythmus wieder in einen regelmäßigen Takt bringen oder ihn stabilisieren. Andere Medikamente senken die Herzfrequenz, damit das Herz ruhiger und langsamer schlägt. Wegen des erhöhten Schlaganfallrisikos bekommen viele Menschen zusätzlich ein blutgerinnungshemmendes Medikament – umgangssprachlich „Blutverdünner“. Diese Mittel verhindern keine Blutungen, sondern machen das Blut weniger „klebrig“, sodass sich seltener Gerinnsel bilden. Welche Medikamente für Sie passen, welche Kontrollen nötig sind und wie lange Sie sie brauchen, klärt Ihr Behandlungsteam mit Ihnen. Nennen Sie dabei immer alle Mittel, die Sie einnehmen, auch pflanzliche.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Maze-Operation kommt vor allem infrage, wenn ohnehin am offenen Herzen operiert werden muss – zum Beispiel wegen verengter Herzkranzgefäße oder einer erkrankten Herzklappe – und gleichzeitig Vorhofflimmern besteht. Auch nach einem erfolglosen Kathetereingriff kann sie ein Thema sein. Der Eingriff findet in Narkose statt, meist über eine Öffnung im Brustbein. Der Chirurg vernäht oder verödet feine Linien im Vorhofgewebe, oft mit Geräten, die mit Kälte oder Wärme arbeiten, und verschließt zusätzlich häufig das linke Herzohr (eine kleine Aussackung des Vorhofs), in der sich besonders leicht Blutgerinnsel bilden. Danach folgen meist einige Tage auf der Intensivstation und eine Reha. Ob der Eingriff zu Ihnen passt, entscheidet das Herzteam gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Operation steht Erholung im Vordergrund. Die ersten Wochen sind oft von Müdigkeit und einem gewissen Wundschmerz geprägt. Es ist normal, dass man noch nicht wieder die alte Leistungsfähigkeit hat. Manche Menschen spüren vorübergehend Herzstolpern – das kommt vor und wird beim Nachsorgetermin besprochen. Bauen Sie Ihren Alltag langsam auf, planen Sie Pausen ein und lassen Sie sich helfen. Fragen zur Arbeit, zum Autofahren, zu Sport und zu Reisen beantwortet Ihr Behandlungsteam am besten persönlich, weil es von Ihrer Situation abhängt.
Tipps für den Alltag
- Bewegung regelmäßig, aber dosiert – Spaziergänge sind ein guter Anfang.
- Blutdruck und Gewicht im Blick behalten.
- Alkohol deutlich einschränken und nicht rauchen.
- Auf guten Schlaf achten und nächtliche Atemaussetzer ärztlich abklären lassen.
- Stress im Alltag reduzieren, wo es möglich ist – Entspannungsverfahren können helfen.
- Bei Diabetes auf gute Blutzuckerwerte achten.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten tut dem Herzen gut. Salz sparsam verwenden, stark verarbeitete Lebensmittel und zuckrige Getränke eher meiden. Nach der Operation beginnen Sie mit kurzen, lockeren Spaziergängen und steigern Sie langsam. Eine herzbezogene Reha kann Ihnen helfen, wieder Vertrauen in Ihren Körper zu gewinnen. Welche Belastung für Sie richtig ist, besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzoperation ist ein großer Einschnitt. Viele Menschen fühlen sich vor dem Eingriff angespannt und danach zunächst schwach und verunsichert. Manche haben Angst, dass das Herzstolpern zurückkommt, oder sie schlafen schlecht. Solche Gefühle sind verständlich und gehören zur Erholung dazu. Reden hilft – mit Partner oder Partnerin, mit Freunden, mit dem Behandlungsteam oder in einer Reha-Gruppe. Wenn Traurigkeit, Ängste oder Hoffnungslosigkeit über Wochen anhalten oder Sie sich im Alltag nicht mehr zurechtfinden, suchen Sie bitte Unterstützung. In akuten seelischen Krisen erreichen Sie den Notruf unter 112; außerdem gibt es regionale Krisendienste und die Telefonseelsorge, die rund um die Uhr zuhört.
Vorbeugung
Vorhofflimmern lässt sich nicht immer verhindern, aber man kann das Risiko senken. Wichtig sind ein gut eingestellter Blutdruck, ein gesundes Gewicht, wenig Alkohol, ausreichend Bewegung und eine Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes oder Schlafapnoe. Die Maze-Operation ist keine Vorbeugung, sondern eine Behandlungsmöglichkeit bei bereits bestehendem Vorhofflimmern.
Impfungen
Besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind – zum Beispiel Impfungen gegen Grippe und Lungenentzündung, die bei Herzerkrankungen oft empfohlen werden. Vor einer Operation kann es wichtig sein, den Impfstatus zu kennen.
Früherkennungsprogramme
Beim Blutdruckmessen können Sie den Puls mitprüfen. Ein unregelmäßiger Puls sollte ärztlich abgeklärt werden. Bei Beschwerden wie Herzklopfen oder Leistungsabfall ist ein EKG sinnvoll. Menschen mit hohem Blutdruck, Herzerkrankungen oder Diabetes sollten ihre Kontrolltermine regelmäßig wahrnehmen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall, weil sich im flimmernden Vorhof Blutgerinnsel bilden können
- Herzschwäche, wenn das Herz dauerhaft zu schnell und unregelmäßig schlägt
- Zunehmende Leistungsschwäche und Luftnot im Alltag
- Neben einer Operation sind mögliche Risiken allgemeiner Art, etwa Nachblutungen, Wundinfektionen oder Herzrhythmusstörungen in der ersten Zeit.
- Manchmal kommt das Vorhofflimmern trotz Operation wieder oder es bleibt bestehen.
- In seltenen Fällen wird nach dem Eingriff ein Herzschrittmacher nötig, wenn der normale Takt nicht mehr zuverlässig entsteht.
Langzeitprognose
Für viele Menschen ist die Maze-Operation ein guter Weg, den regelmäßigen Herzrhythmus wiederzugewinnen oder deutlich zu verbessern – besonders dann, wenn ohnehin eine Herzoperation ansteht. Nicht bei allen gelingt das sofort; manchmal dauert es Wochen, bis sich der Rhythmus stabilisiert, und manche Menschen brauchen weiterhin Medikamente. Wichtig zu wissen: Die Operation ist ein Baustein, kein Wundermittel. Mit guter Nachsorge, Geduld und einem herzgesunden Alltag lässt sich viel erreichen. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie dabei.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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