Herztransplantation: Wenn ein Spenderherz helfen kann
Übersicht
Bei einer Herztransplantation wird ein krankes Herz, das den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen kann, durch das Herz eines verstorbenen Spenders oder einer verstorbenen Spenderin ersetzt. Der Eingriff ist eine große Operation. Er kommt nur dann infrage, wenn das eigene Herz so stark geschädigt ist, dass alle anderen Behandlungen nicht mehr ausreichen – zum Beispiel bei einer weit fortgeschrittenen Herzschwäche. Herzschwäche (auch Herzinsuffizienz genannt) bedeutet, dass das Herz nicht mehr kräftig genug pumpt, um den Körper gut mit Blut und Sauerstoff zu versorgen.
Wichtige Fakten
- Eine Herztransplantation ist eine seltene, aber gut etablierte Behandlung bei schwerer Herzschwäche im Endstadium.
- Vor einer Operation wird in einem spezialisierten Herzzentrum sehr genau geprüft, ob ein Spenderherz infrage kommt und ob es andere, passendere Wege gibt.
- Nach der Transplantation müssen lebenslang Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem bremsen, damit der Körper das Spenderherz nicht abstößt.
Nein, Herztransplantationen sind selten. In Deutschland werden pro Jahr nur einige Hundert durchgeführt. Gemessen an der großen Zahl von Menschen mit Herzschwäche betrifft es also einen sehr kleinen Teil.
Betroffen sind vor allem Menschen mit weit fortgeschrittener Herzschwäche, häufig im mittleren Lebensalter, aber auch jüngere Erwachsene und Kinder. Männer werden etwas häufiger transplantiert als Frauen. Das Alter allein ist kein Ausschlusskriterium – entscheidend ist der gesamte Gesundheitszustand und ob eine große Operation und die spätere Immunbehandlung gut verkraftet werden können.
Symptome
- Starke Atemnot in Ruhe oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Brustschmerz oder Engegefühl im Brustkorb
- Bewusstlosigkeit oder plötzliche Schwäche mit Verwirrtheit
- Herzrasen zusammen mit Schwindel oder Ohnmachtsgefühl
- Schaumiger oder rosafarbener Auswurf beim Husten
- Nach einer Transplantation: hohes Fieber mit Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl
- In allen diesen Fällen sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠Neu aufgetretene oder zunehmende Atemnot bei leichter Anstrengung
- ⚠Ungewöhnlich schnelle Gewichtszunahme oder stärker werdende Schwellungen
- ⚠Fieber ohne erkennbare Ursache, besonders nach einer Transplantation
- ⚠Deutlich weniger Urin über einen Tag
- ⚠Anhaltende Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Völlegefühl
- ⚠Herzrasen, das nicht von selbst aufhört
Häufige Symptome
- Kurzatmigkeit, zuerst bei Anstrengung, später auch in Ruhe
- Erschöpfung und Leistungsabfall, schon bei kleinen Wegen oder beim Treppensteigen
- Wassereinlagerungen in Beinen und Knöcheln, oft abends stärker
- Ungewöhnlich schnelle Gewichtszunahme durch eingelagertes Wasser
- Nächtlicher Husten oder Atemnot im Liegen, sodass man mit mehreren Kissen schläft
- Herzstolpern, Herzrasen oder ein spürbar unregelmäßiger Puls
- Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Völlegefühl
- Schwindel oder Ohnmachtsgefühle
- Kalte Hände und Füße, blasse Haut
Symptome bei Kindern
- Trinkschwäche: langsames Trinken, Schwitzen dabei, häufige Pausen
- Geringe Gewichtszunahme oder Gedeihstörung
- Schnelle Atmung oder Atemnot beim Füttern
- Blasse oder bläuliche Lippen, kalte Hände und Füße
- Auffällige Müdigkeit und wenig Interesse am Spielen
- Häufiges Schwitzen, besonders am Kopf
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nachlassende Belastbarkeit, die oft fälschlich als normales Altern gedeutet wird
- Kurzatmigkeit beim Spazieren oder Treppensteigen
- Verwirrtheit oder zunehmende Vergesslichkeit bei schlechter Herzleistung
- Schwächegefühl, Stürze oder Schwindel durch niedrigen Blutdruck
- Wichtig: Auch im höheren Alter kann eine Transplantation möglich sein – es zählt die individuelle Gesamtlage, nicht das Geburtsjahr.
Ursachen
Hauptursachen
- Koronare Herzkrankheit: Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße, die den Herzmuskel dauerhaft schädigen
- Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien): erkrankte, geschwächte oder verdickte Herzmuskulatur, teils erblich bedingt
- Herzklappenfehler, die nicht oder nicht mehr operierbar sind
- Angeborene Herzfehler, die im Erwachsenenalter zu Herzschwäche führen
- Entzündungen des Herzmuskels, zum Beispiel nach viralen Infektionen
- Schwere Herzrhythmusstörungen, die mit anderen Mitteln nicht beherrschbar sind
- In seltenen Fällen Folgen einer Krebstherapie oder anderer Grunderkrankungen
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bluthochdruck über Jahre
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Erhöhte Blutfettwerte
- Starker Alkoholkonsum
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie
- Unbehandelte Infektionen, die den Herzmuskel schädigen können
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Neue oder schnell zunehmende Atemnot
- Schnelle Gewichtszunahme oder deutlich stärker werdende Schwellungen an Beinen und Bauch
- Fieber, Schüttelfrost oder starkes Krankheitsgefühl nach einer Transplantation
- Anhaltendes Herzrasen oder wiederkehrende Ohnmachtsgefühle
- Sehr wenig Urin über einen ganzen Tag
- Wenn Sie unsicher sind, ob etwas ernst ist: lieber sofort im Transplantationszentrum oder in der Notaufnahme nachfragen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Alle vereinbarten Kontrolltermine im Herzzentrum und in der Hausarztpraxis wahrnehmen
- Wenn die Belastbarkeit über Wochen spürbar nachlässt
- Wenn Nebenwirkungen von Medikamenten auftreten oder etwas nicht wie gewohnt wirkt
- Vor Reisen, Impfungen oder geplanten Operationen: Rücksprache mit dem Behandlungsteam
- Wenn Sie sich seelisch belastet fühlen oder schlecht schlafen
Diagnose
Ob eine Transplantation infrage kommt, wird nicht mit einem einzelnen Test geklärt. In einem spezialisierten Herz- oder Transplantationszentrum prüft ein Team aus Kardiologinnen, Herzchirurgen, Anästhesisten, Psychologinnen und anderen Fachleuten die gesamte Gesundheitssituation. Dabei stehen zwei Fragen im Mittelpunkt: Wie schwer ist die Herzschwäche, und sind alle anderen Behandlungen wirklich ausgeschöpft? Und: Ist der Körper so aufgestellt, dass eine große Operation und eine dauerhafte Behandlung mit immunbremsenden Medikamenten gut zu verkraften sind?
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie): zeigt Größe, Pumpkraft und Zustand der Herzklappen
- EKG und gegebenenfalls ein Langzeit-EKG über 24 Stunden
- Herzkatheteruntersuchung: prüft die Herzkranzgefäße und die Drücke im Herzen
- Blutuntersuchungen, unter anderem zu Nieren- und Leberfunktion, Entzündungswerten und Gewebemerkmalen
- Belastungstest oder Gehtest, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu erfassen
- Lungenfunktionsprüfung sowie Röntgen oder Computertomografie des Brustkorbs
- Zahnärztliche Kontrolle und Suche nach möglichen Infektionsherden
- Gespräche zur seelischen Belastung, zur Lebenssituation und zur Unterstützung im Alltag
- Bei Kindern zusätzlich kinderkardiologische Untersuchungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen verteilen sich meist über mehrere Tage oder Termine. Wenn eine Transplantation möglich erscheint, wird man auf eine Warteliste gesetzt. Die Verteilung der Spenderorgane wird europaweit über Eurotransplant organisiert; dabei zählen unter anderem Dringlichkeit, Körpergröße und immunologische Merkmale. Wie lange die Wartezeit dauert, lässt sich nicht vorhersagen. In der Zwischenzeit kann das Team die Herzschwäche mit anderen Mitteln behandeln und Sie eng begleiten.
Behandlung
Eine Herztransplantation ist eine mögliche Behandlung, wenn die Herzschwäche weit fortgeschritten ist und andere Möglichkeiten nicht mehr ausreichen. Ob sie infrage kommt, hängt immer vom Einzelfall ab. Neben der Transplantation gibt es weitere Wege: Medikamente, Herzschrittmacher und Defibrillatoren (kleine Geräte, die den Herzrhythmus überwachen und bei Bedarf eingreifen), mechanische Herzunterstützungssysteme (winzige Pumpen, die das Herz entlasten) sowie eine lindernde Behandlung, die vor allem Beschwerden reduziert und die Lebensqualität in den Mittelpunkt stellt.
Selbsthilfe zu Hause
- Medikamente zuverlässig und zu festen Zeiten einnehmen – auch dann, wenn es Ihnen gut geht
- Gründlich Hände waschen und in der Erkältungszeit große Menschenansammlungen meiden
- Auf Anzeichen von Infektionen achten und sie früh melden
- Kontrolltermine wahrnehmen, selbst ohne Beschwerden
- Nicht rauchen; Alkohol nur nach Rücksprache
- Sonnenschutz nutzen: Nach einer Transplantation reagiert die Haut empfindlicher
- Bei Fieber oder Krankheitsgefühl nicht selbst zu Medikamenten greifen, sondern das Behandlungsteam kontaktieren
- Einen Notfallplan mit den wichtigsten Nummern griffbereit haben
Medizinische Behandlungen
Nach einer Transplantation müssen lebenslang Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem bremsen. Sie verhindern, dass der Körper das Spenderherz als fremd erkennt und abstößt. Weil diese Medikamente die Abwehr schwächen, sind Infektionen leichter möglich – deshalb gehören regelmäßige Kontrollen, Impfungen nach Plan und ein aufmerksames Achten auf Krankheitszeichen fest dazu. Je nach Situation kommen Behandlungen für Blutdruck, Blutfettwerte, Blutzucker und weitere Begleiterkrankungen hinzu. Auch mögliche Abstoßungsreaktionen werden überwacht, unter anderem mit Gewebeproben des Herzens. Vor der Transplantation behandelt das Team die Herzschwäche mit Medikamenten, Geräten und Unterstützungssystemen, um die Zeit bis zum Eingriff zu überbrücken.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Transplantation wird erwogen, wenn die Herzschwäche trotz aller anderen Behandlungen fortschreitet, die Lebensqualität stark eingeschränkt ist und ohne ein neues Herz eine sehr ungünstige Prognose besteht. Die Entscheidung fällt immer im Team und gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten. Nach der Zusage kann es dauern, bis ein passendes Organ verfügbar ist. Wird ein Herz angeboten, muss die Operation kurzfristig stattfinden – deshalb sollten Sie in dieser Zeit jederzeit erreichbar sein und Ihre Tasche für den Klinikaufenthalt gepackt haben.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag nach einer Transplantation ist zunächst von Nachsorgeterminen, Medikamenten und langsamer Wiedergewöhnung geprägt. Viele Menschen können nach einigen Monaten wieder deutlich mehr tun als vorher – spazieren gehen, wieder leichte Arbeit aufnehmen, am Familienleben teilnehmen. Wichtig ist ein geregelter Tagesablauf mit festen Zeiten für Medikamente, ausreichend Schlaf und Pausen. Hygieneregeln bleiben langfristig wichtig: regelmäßig lüften, Hände waschen, Menschen mit Erkältung meiden. Reisen sind meist möglich, aber Planung und Rücksprache mit dem Team gehören dazu.
Tipps für den Alltag
- Feste Zeiten und ein Erinnerungssystem für die Medikamente etablieren
- Nicht rauchen und Alkohol nur nach Rücksprache
- Ausreichend schlafen und Stress möglichst reduzieren
- Bei Sonne Hut, Sonnenbrille und Sonnenschutz verwenden
- Kontakt zu Menschen mit ansteckenden Krankheiten bewusst einschränken
- Regelmäßig wiegen und die Werte notieren, wenn es das Team empfiehlt
- Impfungen und Zahnarzttermine planen, aber immer in Absprache mit dem Zentrum
Ernährung und Bewegung
Nach der Operation wird die Belastung langsam gesteigert, oft mit einem betreuten Bewegungsprogramm im Rahmen der kardiologischen Rehabilitation. Ausdauerbewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen in Maßen ist erwünscht. Sport mit Körperkontakt oder hohem Verletzungsrisiko wird eher gemieden; fragen Sie Ihr Team nach passenden Aktivitäten. Bei der Ernährung gilt: ausgewogen, viel Gemüse und Vollkorn, wenig stark verarbeitete Lebensmittel, salzarm bei Blutdruck- oder Wasserproblemen. Wegen der erhöhten Keimanfälligkeit werden rohe tierische Lebensmittel und nicht durchgegarte Speisen oft eingeschränkt – die konkreten Empfehlungen nennt Ihnen Ihr Transplantationszentrum.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Transplantation ist emotional eine Achterbahn: Angst vor der Operation, monatelanges Warten, Erleichterung über das neue Organ – und dann die Sorge um Abstoßung, Infektionen und Kontrolltermine. Viele Menschen schlafen schlecht, fühlen sich niedergeschlagen oder haben Schuldgefühle gegenüber der Spenderfamilie. All das ist verständlich und keine Schwäche. Psychologische Begleitung ist fester Bestandteil der Transplantationsmedizin – sprechen Sie Ihr Team darauf an, wenn Sie Unterstützung möchten. Wenn Sie Gedanken haben, die Ihnen Angst machen, oder sich über Wochen niedergeschlagen fühlen, suchen Sie Hilfe. In einer seelischen Krise gibt es rund um die Uhr kostenlose und anonyme Angebote, zum Beispiel die Telefonseelsorge; die aktuelle Nummer finden Sie auf deren offizieller Internetseite. Bei akuter Gefahr für sich selbst oder andere gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Eine Herztransplantation selbst lässt sich nicht verhindern – sie ist die Folge einer schweren Herzerkrankung. Aber vieles, was zu Herzschwäche führt, lässt sich beeinflussen: nicht rauchen, Blutdruck und Blutfettwerte im Blick behalten, ausreichend bewegen, ausgewogen essen, wenig Alkohol trinken und bei Diabetes die Behandlung konsequent umsetzen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Organspende: Ohne Menschen, die zu Lebzeiten einer Spende zustimmen, gibt es keine Spenderherzen. In Deutschland hält man die eigene Entscheidung in einem Organspendeausweis fest.
Impfungen
Impfungen sind vor und nach einer Transplantation ein wichtiges Thema. Vor der Operation wird der Impfstatus geprüft und nach Empfehlung vervollständigt. Nach der Transplantation sind manche Impfungen weiter möglich, andere nicht – das entscheidet das Transplantationszentrum. Lassen Sie keine Impfung ohne Rücksprache durchführen.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Herz-Kreislauf-Checks in der Hausarztpraxis – Blutdruck, Blutzucker, Blutfettwerte – helfen, Risiken früh zu erkennen. Bei angeborenen oder erblich bedingten Herzerkrankungen kann eine humangenetische Beratung sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende Herzschwäche mit Atemnot und ausgeprägten Wassereinlagerungen
- Gefährliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herzstillstand
- Schäden an Nieren, Leber und Lunge durch die dauerhaft schlechte Durchblutung
- Stark eingeschränkte Lebensqualität mit oft nur kleinen körperlichen Reserven
- Im Endstadium ein deutlich erhöhtes Sterberisiko
Langzeitprognose
Eine Herztransplantation kann bei schwerer Herzschwäche Leben verlängern und die Lebensqualität deutlich verbessern. Viele Menschen gewinnen wieder Belastbarkeit und Selbstständigkeit zurück und können Dinge tun, die vorher nicht mehr möglich waren. Der Weg ist nicht immer leicht: Abstoßungsreaktionen, Infektionen und regelmäßige Nachsorge gehören dazu. Die moderne Transplantationsmedizin hat hier viel Erfahrung, und ein eingespieltes Team begleitet Sie langfristig. Auch wenn eine Transplantation nicht möglich ist, gibt es wirksame Behandlungen, die Beschwerden lindern und Lebensqualität erhalten.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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