Herzklappen-Operation: Was Sie erwartet
Übersicht
Das Herz hat vier Klappen. Sie wirken wie kleine Ventile, die sich öffnen und schließen, damit das Blut immer in die richtige Richtung fließt. Eine Herzklappe kann im Laufe des Lebens ihre Aufgabe nicht mehr gut erfüllen – sie wird zum Beispiel eng und verkalkt (Fachwort: Klappenstenose) oder sie schließt nicht mehr dicht und das Blut fließt zurück (Fachwort: Klappeninsuffizienz). Eine Herzklappen-Operation ist ein Eingriff, bei dem die kranke Klappe repariert oder durch eine neue Klappe ersetzt wird. So soll das Herz wieder leichter arbeiten können und Beschwerden wie Luftnot oder Erschöpfung sollen nachlassen. Der Eingriff kann als offene Operation mit einem Schnitt am Brustbein erfolgen oder – je nach Situation – auch schonender über eine kleine Öffnung oder über einen Katheter (ein dünner Schlauch, der über eine Blutader zum Herzen geführt wird).
Wichtige Fakten
- Bei einer Herzklappen-Operation wird die kranke Klappe repariert oder ersetzt – nicht das ganze Herz.
- Ob repariert oder ersetzt wird, hängt von der Klappe, dem Befund und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand ab.
- Der Eingriff wird meist geplant und in einem Herzzentrum durchgeführt, nicht als Notfall.
- Nach der Operation folgt fast immer eine Anschlussheilbehandlung (Reha), die beim Wiederaufbau von Kraft und Ausdauer hilft.
- Viele Menschen leben nach dem Eingriff wieder deutlich beschwerdefreier und belastbarer.
Ja, Herzklappen-Operationen gehören zu den häufigeren Herzoperationen. Besonders der Verschleiß der linken Herzklappe zum Körper hin (Aortenklappe) nimmt mit dem Alter zu, deshalb werden solche Eingriffe in Deutschland regelmäßig durchgeführt.
Vor allem ältere Menschen sind betroffen, weil Herzklappen mit den Jahren verschleißen und verkalken können. Aber auch jüngere Erwachsene und Kinder können betroffen sein – zum Beispiel bei angeborenen Herzfehlern, nach einer entzündlichen Herzerkrankung oder bei bestimmten Bindegewebserkrankungen.
Symptome
- Starke, plötzliche Brustschmerzen oder das Gefühl, dass etwas Ernstes passiert – sofort die 112 anrufen
- Bewusstlosigkeit oder ein plötzlicher Zusammenbruch
- Schwere Atemnot in Ruhe, Sprechen ist kaum möglich
- Schaumiger, rosafarbener Auswurf beim Husten
- Plötzlich auftretende Lähmung, Sprachstörung oder Sehverlust – Hinweis auf einen Schlaganfall
- ⚠Zunehmende Luftnot oder Wassereinlagerungen innerhalb von wenigen Tagen
- ⚠Herzrasen, das nicht von allein aufhört, oder wiederholtes Herzstolpern
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost, besonders nach einer Herzklappen-Operation
- ⚠Rötung, Schwellung oder Wundsekret an einer Operationsnarbe
- ⚠Ungewohnte Gewichtszunahme von mehreren Kilos in kurzer Zeit
Häufige Symptome
- Luftnot bei Belastung, zum Beispiel beim Treppensteigen oder Spazierengehen
- Ungewöhnliche Müdigkeit und schnell nachlassende Kraft
- Schwindel oder ein Gefühl, kurz wegzutreten
- Herzklopfen, Herzstolpern oder ein spürbar schneller Puls
- Geschwollene Knöchel und Beine durch Wassereinlagerungen
- Druck oder Enge in der Brust bei Anstrengung
- Bei manchen Menschen auch gar keine Beschwerden – der Befund fällt dann zufällig auf
Symptome bei Kindern
- Trinkschwäche und langsames Gedeihen beim Baby
- Schnelles Atmen oder Atemnot beim Füttern und Spielen
- Auffällige Blässe oder bläuliche Lippen bei angeborenen Herzfehlern
- Leichte Erschöpfung im Vergleich zu Gleichaltrigen
- Ein Herzgeräusch, das bei der Vorsorgeuntersuchung auffällt
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Luftnot schon bei leichter Anstrengung
- Wassereinlagerungen in Beinen und Knöcheln
- Nächtliches Husten oder Atemnot im Liegen, sodass man höher liegen muss
- Allgemeine Schwäche und Sturzgefahr durch Schwindel
- Verwirrtheit oder nachlassende Belastbarkeit, die zunächst anderen Ursachen zugeschrieben wird
Ursachen
Hauptursachen
- Verschleiß und Verkalkung der Herzklappen mit zunehmendem Alter
- Angeborene Herzklappenfehler, zum Beispiel eine von Geburt an verengte Klappe
- Entzündliche Herzerkrankungen, etwa nach einem unbehandelten Streptokokken-Infekt (Fachwort: rheumatisches Fieber) oder durch eine Herzinnenhaut-Entzündung
- Erweiterung oder Aussackung der Hauptschlagader, die eine Klappe in Mitleidenschaft zieht
- Bindegewebserkrankungen, bei denen das Gewebe der Klappen nachgibt
- Nachwirkungen einer Bestrahlung im Brustbereich
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Langjähriger Bluthochdruck
- Rauchen
- Erhöhte Blutfettwerte und Diabetes
- Herzklappenfehler oder plötzlicher Herztod in der Familie
- Frühere entzündliche Herzerkrankungen oder ein nicht ausgeheilter Streptokokken-Infekt
- Bestrahlung im Brustkorb in der Vergangenheit
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Luftnot innerhalb von Stunden oder Tagen deutlich zunimmt
- Wenn Sie in kurzer Zeit mehrere Kilogramm zunehmen oder Beine und Bauch anschwellen
- Wenn Sie sich mehrmals schwindelig fühlen oder kurz wegtreten
- Wenn ein bekannter Herzklappenfehler plötzlich stärkere Beschwerden macht
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bei alltäglicher Belastung häufiger außer Atem geraten als früher
- Wenn Sie sich über Wochen ungewöhnlich müde und kraftlos fühlen
- Wenn bei Ihnen ein Herzgeräusch gehört wurde
- Wenn ein Herzklappenfehler bekannt ist und die nächste Kontrolluntersuchung ansteht
Diagnose
Zuerst hört die Ärztin oder der Arzt das Herz ab und fragt nach Ihren Beschwerden und Ihrer Vorgeschichte. Der wichtigste Schritt ist dann eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, bei der man die Klappen in Bewegung sehen und den Blutfluss messen kann. Damit lässt sich beurteilen, welche Klappe betroffen ist, wie stark die Einschränkung ist und ob und wann eine Operation sinnvoll wird.
Mögliche Untersuchungen
- Abhören des Herzens und körperliche Untersuchung
- Herz-Ultraschall (Echokardiografie) über die Brustwand, manchmal auch über die Speiseröhre
- Elektrokardiogramm (EKG) – eine Kurve der Herzströme
- Belastungsuntersuchung, etwa auf dem Fahrrad, um zu sehen, wie das Herz unter Anstrengung arbeitet
- Blutuntersuchungen, unter anderem zu Herzbelastung und Nierenfunktion
- Röntgen oder Computertomografie des Brustkorbs, teils als Vorbereitung auf einen Eingriff
- Herzkatheter-Untersuchung, wenn zusätzlich die Herzkranzgefäße beurteilt werden müssen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist ambulant und schmerzfrei. Der Herz-Ultraschall dauert rund eine halbe Stunde und tut nicht weh. Eine Herzkatheter-Untersuchung wird etwas genauer vorbereitet und erklärt. Nach den Befunden bespricht das Behandlungsteam mit Ihnen, welche Optionen es gibt – vom weiteren Beobachten bis zur Operation – und welche Vor- und Nachteile für Sie wichtig sind.
Behandlung
Ob behandelt werden muss und wie, hängt davon ab, welche Klappe betroffen ist, wie stark die Einschränkung ist und ob Sie Beschwerden haben. Manche Klappenfehler bleiben lange harmlos und werden nur regelmäßig kontrolliert. Wenn das Herz merkbar belastet wird, kommen zwei Wege in Frage: die Klappe reparieren oder sie ersetzen. Eine Reparatur ist oft die günstigere Lösung, weil die eigene Klappe erhalten bleibt – ob sie möglich ist, zeigt sich meist erst während der Operation endgültig.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegung im verträglichen Rahmen, zum Beispiel Spazierengehen oder Fahrradfahren in flachem Tempo
- Nicht rauchen und möglichst wenig Alkohol
- Regelmäßige Gewichtskontrolle, um Wassereinlagerungen früh zu bemerken
- Gute Mund- und Zahnhygiene, weil Zahnentzündungen bei manchen Klappenproblemen eine Rolle spielen können
- Blutdruck und Blutzucker gut im Blick behalten
- Impfungen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen
- Bei Fieber oder einem Infekt frühzeitig ärztlichen Rat suchen
Medizinische Behandlungen
Medikamente können einen Herzklappenfehler nicht rückgängig machen, aber sie können das Herz entlasten und Beschwerden lindern. Je nach Situation kommen Mittel gegen zu hohen Blutdruck, zur Entwässerung bei Wassereinlagerungen oder zur Beeinflussung des Herzrhythmus in Frage. Nach einem Klappenersatz kann außerdem eine Behandlung zur Kontrolle der Blutgerinnung nötig sein – das ist ein wichtiger Sicherheitsbaustein, damit sich keine Blutgerinnsel bilden. Ihr Behandlungsteam wählt gemeinsam mit Ihnen aus, was zu Ihrem Befund passt, und erklärt Nutzen und mögliche Nebenwirkungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird vorgeschlagen, wenn die Klappe deutlich eingeschränkt ist und Sie Beschwerden haben oder wenn das Herz nachweislich belastet wird, auch ohne spürbare Symptome. Auch wenn ein Befund rasch fortschreitet, kann ein Eingriff sinnvoll sein, bevor das Herz dauerhaft Schaden nimmt. Für diese Einschätzung gibt es in Deutschland medizinische Leitlinien (AWMF) und europäische Empfehlungen, an denen sich Herzzentren orientieren. Wie der Eingriff abläuft – offen oder über einen Katheter, wie lange die Erholung dauert, welche Risiken und Chancen bestehen – wird ausführlich im Vorgespräch besprochen, damit Sie in Ruhe entscheiden können.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Wochen nach der Operation stehen Ruhe, Wundheilung und langsamer Aufbau im Vordergrund. Danach wird der Alltag Schritt für Schritt wieder normaler. Viele Menschen spüren schon nach einigen Wochen mehr Luft und Kraft als vorher. Regelmäßige Kontrolltermine bleiben wichtig, auch wenn es Ihnen gut geht.
Tipps für den Alltag
- Bewegung regelmäßig, aber in Absprache mit dem Behandlungsteam steigern
- Auf ausreichend Schlaf und Pausen achten
- Nicht rauchen
- Belastungen wie schweres Heben in den ersten Wochen vermeiden – fragen Sie nach, ab wann wieder alles erlaubt ist
- Bei Fieber, Wundproblemen oder neu auftretender Luftnot zeitnah ärztlichen Rat holen
- Ausweis und Unterlagen zur Operation gut aufbewahren, damit im Notfall alle Informationen vorliegen
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und eher pflanzlichen Fetten unterstützt das Herz. Salziges und stark verarbeitete Lebensmittel möglichst sparsam verwenden, weil Salz Wassereinlagerungen begünstigen kann. Beim Sport gilt: sanft anfangen und langsam steigern. Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren in flachem Tempo sind meist gut geeignet. Wie viel Belastung für Sie passt, sagen Ihnen Ihr Behandlungsteam und die Reha-Ärztin oder der Reha-Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzoperation macht vielen Menschen Angst – vor dem Eingriff, aber auch danach. Manche sind unruhig, schlafen schlecht oder fühlen sich niedergeschlagen, besonders in den ersten Wochen zu Hause. Das ist häufig und kein Zeichen von Schwäche. Sprechen Sie darüber: Im Gespräch mit dem Behandlungsteam, in der Reha oder mit Menschen, denen Sie vertrauen. Wenn Traurigkeit oder Ängste über Wochen anhalten, suchen Sie bitte professionelle Unterstützung. In einer seelischen Krise können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden; bei akuter Gefahr gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jeder Herzklappenfehler lässt sich verhindern – angeborene Fehler oder der altersbedingte Verschleiß gehören dazu. Man kann aber einiges tun, um das Herz insgesamt zu entlasten: Bluthochdruck und Diabetes gut behandeln lassen, nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen und auf ein gesundes Gewicht achten. Auch eine entzündete Herzinnenhaut ist selten, aber ernst – gute Zahnhygiene und eine zügige Behandlung von Infekten können das Risiko senken.
Impfungen
Für Menschen mit Herzerkrankungen werden bestimmte Schutzimpfungen empfohlen, zum Beispiel gegen Grippe und Pneumokokken (Erreger von Lungenentzündung). Ob und wann sie für Sie sinnvoll sind, klären Sie im Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Auch der Corona-Impfschutz kann ein Thema sein.
Früherkennungsprogramme
Ein gezieltes Screening-Programm für Herzklappenfehler gibt es nicht. Auffälligkeiten werden oft beim Abhören im Rahmen einer normalen Untersuchung entdeckt. Bei bekanntem Klappenfehler sind regelmäßige Kontrollen wichtig; bei familiärer Häufung kann ein Gespräch in der Praxis sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Das Herz muss dauerhaft gegen einen Widerstand arbeiten und kann sich vergrößern und schwächer werden (Herzschwäche)
- Zunehmende Luftnot und Wassereinlagerungen, die den Alltag deutlich einschränken
- Herzrhythmusstörungen bis hin zu Vorhofflimmern
- In seltenen Fällen plötzliche, lebensbedrohliche Situationen
- Einschränkung von Nieren- und Lungenfunktion bei lange bestehender Belastung
Langzeitprognose
Für viele Menschen ist eine Herzklappen-Operation ein großer Schritt mit guter Aussicht: Ein großer Teil der Betroffenen ist danach wieder deutlich belastbarer und hat weniger Beschwerden. Eine Operation ist aber immer ein Eingriff mit Risiken – etwa Blutungen, Infektionen oder Herzrhythmusstörungen –, die im Vorgespräch offen angesprochen werden. Wie es für Sie persönlich weitergeht, hängt von Ihrem Alter, Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und dem Befund ab. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen eine realistische Einschätzung geben, und Sie dürfen alle Fragen stellen, die Ihnen wichtig sind.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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