Mitralklappenrekonstruktion: Die eigene Herzklappe erhalten
Übersicht
Die Mitralklappe ist eine Herzklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer. Sie wirkt wie eine Tür, die sich öffnet und schließt, damit Blut nur in eine Richtung fließt. Bei einer Mitralklappenrekonstruktion wird diese Klappe operativ repariert, statt sie zu ersetzen. Ziel ist, eine undichte oder verengte Klappe wieder besser funktionieren zu lassen und die eigene Klappe zu erhalten.
Wichtige Fakten
- Eine Rekonstruktion ist eine Operation, bei der die eigene Mitralklappe repariert wird.
- Sie kann bei einer stark undichten Mitralklappe sinnvoll sein, wenn Beschwerden oder eine Belastung des Herzens bestehen.
- Nicht jede Klappenveränderung braucht eine Operation. Die Entscheidung wird individuell im Herzteam getroffen.
Herzklappenfehler sind verbreitet, besonders im höheren Alter. Die Mitralklappenrekonstruktion ist ein etablierter Eingriff an spezialisierten Herzzentren.
Betroffen sind häufig Erwachsene mittleren oder höheren Alters. Auch jüngere Menschen können eine Mitralklappenerkrankung haben, zum Beispiel bei einer angeborenen Veränderung oder einer degenerativen Klappenerkrankung. Bei Kindern ist eine Mitralklappenrekonstruktion selten, kann aber bei angeborenen Fehlern vorkommen.
Symptome
- Plötzliche schwere Atemnot in Ruhe
- Brustschmerz mit Atemnot oder Ausstrahlung in Arm, Rücken oder Kiefer
- Ohnmacht oder plötzliche Bewusstlosigkeit
- Husten mit rosafarbenem, schaumigem Auswurf
- Sehr schneller, unregelmäßiger Herzschlag mit Schwindel oder Ohnmacht
- Plötzliche Lähmung, Sprachstörung oder Sehverlust – Verdacht auf Schlaganfall
- Nach einer Herzoperation: plötzliche Atemnot, starker Brustschmerz oder Ohnmacht
- ⚠Zunehmende Atemnot bei leichter Belastung
- ⚠Neu aufgetretene oder stärker werdende geschwollene Beine
- ⚠Nächtlicher Husten, der neu auftritt oder häufiger wird
- ⚠Fieber bei bekanntem Herzklappenfehler
- ⚠Neue unregelmäßige Herzschläge ohne Schwindel
- ⚠Nach einer Herzoperation: Fieber, Wundrötung, eitrige Absonderung oder zunehmende Schmerzen im Wundbereich
Häufige Symptome
- Luftnot bei Belastung oder im Liegen
- Müdigkeit und geringere körperliche Leistungsfähigkeit
- Herzstolpern oder ein schneller, unregelmäßiger Herzschlag
- Geschwollene Beine oder Knöchel
- Nächtlicher Husten
- Ein Herzgeräusch, das beim Abhören auffällt
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern mit angeborenem Mitralklappenfehler können Trinkschwäche, schlechtes Wachstum oder schnelle Ermüdung auffallen.
- Wiederkehrende Atemwegsinfekte oder eine geringe Belastbarkeit sind möglich.
- Oft gibt es keine eindeutigen Beschwerden. Ein Herzgeräusch kann ein Zufallsbefund sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Luftnot bei Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen
- Erschöpfung und allgemeine Schwäche
- Geschwollene Beine, nächtlicher Husten oder Schlafprobleme durch Atemnot
- Herzstolpern oder unregelmäßiger Puls
- Beschwerden werden manchmal als normale Alterserscheinung fehlgedeutet.
Ursachen
Hauptursachen
- Degenerative Veränderungen: Die Klappe nutzt sich ab oder wird schlaffer, oft bei Mitralklappenprolaps.
- Rheumatisches Fieber nach einer bakteriellen Halsinfektion – eine entzündliche Reaktion, die Herzklappen langfristig schädigen kann.
- Entzündungen der Herzinnenhaut durch Bakterien.
- Angeborene Fehlbildungen der Mitralklappe.
- Erkrankungen des Herzmuskels, bei denen sich die Herzkammer vergrößert und die Klappe nicht mehr richtig schließt.
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Bluthochdruck oder frühere Herzinfarkte
- Früher durchgemachtes rheumatisches Fieber
- Familiäre Veranlagung für Klappen- oder Bindegewebserkrankungen
- Bestimmte entzündliche oder autoimmune Erkrankungen
- Ungesunde Lebensweise, die Herz und Gefäße belastet, zum Beispiel Rauchen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Atemnot, Brustschmerz oder Ohnmacht – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Fieber bei bekanntem Herzklappenfehler oder nach einer Herzoperation.
- Zunehmende Beinschwellung oder nächtliche Atemnot, die sich verschlechtert.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Langsam zunehmende Luftnot bei Belastung oder im Alltag
- Anhaltende Müdigkeit oder nachlassende Leistungsfähigkeit
- Geschwollene Knöchel oder Beine
- Ein neu gehörtes Herzgeräusch
- Kontrolltermine nach einer Herzoperation oder bei bekannter Klappenerkrankung
Diagnose
Zuerst sprechen Ärztinnen und Ärzte mit Ihnen über Ihre Beschwerden und untersuchen Sie körperlich, einschließlich Abhören des Herzens. Der wichtigste Test ist meist der Herzultraschall. In Deutschland orientieren sich Behandelnde dabei an fachlichen Leitlinien, zum Beispiel der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Echokardiografie: Ultraschall des Herzens, schmerzlos, zeigt Klappenfunktion und Herzgröße
- EKG: misst die elektrische Herzaktivität und erkennt Rhythmusstörungen
- Röntgenaufnahme der Lunge
- Blutuntersuchungen
- Belastungsultraschall oder Belastungs-EKG bei Bedarf
- Herzkatheteruntersuchung, wenn zusätzliche Informationen nötig sind
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzlos und dauern unterschiedlich lange. Häufig sind mehrere Termine nötig. Im Gespräch werden Befund, Behandlungsoptionen, Risiken und Alternativen besprochen. Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen oder eine zweite Meinung einzuholen.
Behandlung
Bei einer Mitralklappenrekonstruktion wird die eigene Klappe operativ repariert. Ziel ist, die Undichtigkeit zu verringern, das Herz zu entlasten und Beschwerden zu lindern. Nicht jede undichte Klappe muss operiert werden. Die Entscheidung hängt von Beschwerden, Ultraschallbefund, Herzfunktion und allgemeiner Gesundheit ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen.
- Wenn Ihr Behandlungsteam es empfiehlt: täglich wiegen und bei ungewöhnlicher Gewichtszunahme melden.
- Nicht rauchen und Alkohol möglichst reduzieren.
- Auf gute Zahnhygiene achten, weil Zahnentzündungen das Herz belasten können.
- Impfungen nach ärztlicher Empfehlung aktuell halten.
- Nach einer Operation Wunden sauber halten und auf Zeichen einer Infektion achten.
- Bewegung und Belastung langsam steigern, wie es das Behandlungsteam empfiehlt.
Medizinische Behandlungen
Medikamente können Beschwerden lindern und Begleiterkrankungen behandeln, aber eine undichte Klappe nicht reparieren. Je nach Situation kommen Mittel gegen zu hohen Blutdruck, zur Entlastung des Herzens oder gegen Herzrhythmusstörungen infrage. Nach bestimmten Eingriffen kann vorübergehend eine gerinnungshemmende Behandlung nötig sein. Die Auswahl trifft das Behandlungsteam.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Rekonstruktion kommt infrage, wenn die Mitralklappe stark undicht ist und Beschwerden verursacht oder das Herz belastet. Auch ohne Beschwerden kann eine Operation sinnvoll sein, wenn der Ultraschall zeigt, dass Herzfunktion oder Lungenbelastung sich verschlechtern. Wenn möglich, wird die eigene Klappe repariert statt ersetzt. Die Entscheidung fällt im Herzteam nach Leitlinien, zum Beispiel der AWMF.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Mitralklappenrekonstruktion ist meist einige Zeit der Erholung nötig. Je nach Zugang und Verlauf bleiben Sie zunächst im Krankenhaus. Danach steigern Sie Aktivitäten schrittweise. Schwere Lasten und anstrengende Tätigkeiten sollten Sie zunächst vermeiden. Autofahren, Arbeit und Sport besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen und Passivrauch meiden.
- Herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten.
- Salz nur maßvoll verwenden, besonders bei Bluthochdruck oder Herzschwäche – nach Rücksprache.
- Regelmäßige Bewegung im Rahmen der Empfehlungen, zum Beispiel Spazierengehen.
- Herzrehabilitation oder Herzsportgruppe nutzen, wenn angeboten.
- Regelmäßige Zahnarzttermine und gute Mundhygiene.
- Auf ausreichenden Schlaf und Pausen achten.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen die Erholung und die Herzgesundheit. Übertreiben Sie es am Anfang nicht. Ein guter Plan ist, jeden Tag etwas zu gehen und die Belastung langsam zu steigern. Bei Atemnot, Schwindel oder Brustschmerz stoppen Sie und sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzoperation kann Ängste auslösen. Traurigkeit, Schlafprobleme, Reizbarkeit oder Sorgen sind möglich und verdienen Aufmerksamkeit. Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam. Wenn Sie Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, rufen Sie sofort den Notruf 112 an oder wenden Sie sich an eine örtliche Krisenberatung.
Vorbeugung
Nicht alle Mitralklappenfehler lassen sich verhindern. Sie können aber Risiken für Herz und Klappen senken: Bluthochdruck behandeln lassen, Infektionen früh behandeln, rheumatisches Fieber vorbeugen, nicht rauchen und die Zähne gesund halten.
Impfungen
Impfungen nach Empfehlung Ihres Behandlungsteams, zum Beispiel gegen Grippe, Pneumokokken und COVID-19 nach den aktuellen Empfehlungen.
Früherkennungsprogramme
Bei einem Herzgeräusch oder Beschwerden ist ein Herzultraschall sinnvoll. Bei bekannter Klappenerkrankung sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Ein Ultraschall-Screening für alle Menschen ohne Beschwerden wird nicht allgemein empfohlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzschwäche mit Atemnot und Erschöpfung
- Vorhofflimmern, ein unregelmäßiger Herzschlag
- Lungenhochdruck durch den erhöhten Druck im Herzen
- Vergrößerung des Herzens
- Selten eine Entzündung der Herzinnenhaut
- Bei Vorhofflimmern ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall
Langzeitprognose
Nach einer erfolgreichen Mitralklappenrekonstruktion geht es vielen Menschen deutlich besser. Die eigene Klappe kann viele Jahre halten. Regelmäßige Kontrollen bleiben wichtig, und manchmal ist später eine weitere Behandlung nötig. Es gibt gute Gründe zur Zuversicht, auch wenn jede Operation eine individuelle Entscheidung ist.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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