Unterdruck-Wundtherapie (Vakuumtherapie)
Übersicht
Die Unterdruck-Wundtherapie – oft auch Vakuumtherapie genannt – ist eine besondere Art der Wundversorgung. Dabei wird ein spezieller Verband dicht auf die Wunde gelegt. Ein dünner Schlauch verbindet den Verband mit einer kleinen Pumpe. Die Pumpe erzeugt einen sanften Unterdruck, also einen leichten Sog. Dieser Sog kann Wundflüssigkeit abtransportieren, die Durchblutung fördern und die Bildung von neuem Gewebe unterstützen. Sie ist keine Behandlung für jede Wunde, sondern wird gezielt bei bestimmten schlecht heilenden oder großen Wunden eingesetzt.
Wichtige Fakten
- Die Therapie wird von geschultem Fachpersonal angelegt und überwacht.
- Der Verband und die Pumpe müssen regelmäßig kontrolliert und je nach Wunde gewechselt werden.
- Die Dauer hängt davon ab, wie die Wunde heilt; sie kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen reichen.
In Kliniken, Wundambulanzen und manchen Praxen wird die Unterdruck-Wundtherapie regelmäßig eingesetzt. Für die einzelne Person ist sie aber eine gezielte Behandlung, nicht Routine bei jeder Wunde.
Sie kann Menschen jeden Alters betreffen, bei denen eine passende Wunde besteht – zum Beispiel nach einer Operation, bei Druckgeschwüren, diabetischen Fußwunden, größeren Verletzungen oder schlecht heilenden chronischen Wunden.
Symptome
- Bei starker Blutung aus der Wunde, Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Anzeichen einer schweren Blutvergiftung sofort den Notruf 112 wählen.
- Wenn sich die Wunde rasch ausbreitend rot, blau oder schwarz verfärbt und Sie sich sehr krank fühlen, sofort 112 rufen.
- Bei hohem Fieber mit Verwirrtheit oder starkem Krankheitsgefühl sofort ärztliche Notfallhilfe über 112 holen.
- ⚠Zunehmende Rötung, Schwellung, Wärme oder Schmerzen an der Wunde.
- ⚠Eiter, unangenehmer Geruch oder plötzlich mehr Wundflüssigkeit.
- ⚠Fieber, Schüttelfrost oder allgemeines Unwohlsein.
- ⚠Die Pumpe alarmiert, der Verband ist undicht oder löst sich, oder der Schlauch ist verrutscht – noch am selben Tag das Wundteam kontaktieren.
Häufige Symptome
- Eine Wunde, die trotz guter Versorgung nicht heilt oder sich nicht schließt.
- Wundflüssigkeit, Schwellung, Rötung oder ein unangenehmer Geruch.
- Schmerzen im Bereich der Wunde.
- Gefühl, dass die Wunde tiefer wird oder sich die Haut darum verändert.
Symptome bei Kindern
- Kinder können die Therapie bekommen, wenn sie für ihre Wunde geeignet ist.
- Da Kinderhaut empfindlicher ist und Pflaster oder Schläuche Angst machen können, sind eine gute Erklärung und viel Nähe wichtig.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben häufiger chronische Wunden, Durchblutungsstörungen oder Druckstellen.
- Druckentlastung, Hautschutz und eine gute Übersicht über Begleiterkrankungen sind besonders wichtig.
- Auch die Sturzgefahr durch Kabel und Pumpe sollte beachtet werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Schlecht heilende Wunden, zum Beispiel bei Diabetes oder Durchblutungsstörungen.
- Druckgeschwüre bei längerer Immobilität.
- Größere Operationswunden, Verletzungen oder Verbrennungen.
- Wunden, bei denen viel Wundflüssigkeit anfällt oder nach einer Operation eine besondere Unterstützung nötig ist.
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus
- Durchblutungsstörungen
- Längere Bettlägerigkeit oder Rollstuhlpflicht
- Rauchen
- Mangelernährung
- Hohes Alter
- Geschwächtes Immunsystem oder bestimmte Grunderkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Zunehmende Rötung, Schwellung, Wärme oder Schmerzen an der Wunde.
- Eiter, unangenehmer Geruch oder plötzlich mehr Wundflüssigkeit.
- Fieber, Schüttelfrost oder allgemeines Unwohlsein.
- Die Pumpe alarmiert, der Verband ist undicht oder löst sich, oder der Schlauch ist verrutscht.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Geplante Verbandwechsel und Kontrolltermine wahrnehmen.
- Fragen zur Handhabung der Pumpe, zu Schmerzen oder zur Bewegung stellen.
- Veränderungen der Wunde oder der umgebenden Haut beim nächsten Termin ansprechen.
Diagnose
Eine Ärztin oder ein Arzt – oft zusammen mit speziell geschulten Wundfachkräften – schaut sich die Wunde genau an. Dabei wird beurteilt, wie groß und tief die Wunde ist, ob sie infiziert ist, wie die Durchblutung ist und ob eine Unterdruck-Therapie überhaupt passt. Auch Begleiterkrankungen und die persönliche Situation werden berücksichtigt.
Mögliche Untersuchungen
- Wundabstrich, wenn eine Infektion vermutet wird.
- Blutuntersuchungen zur Kontrolle von Entzündungswerten, Blutzucker oder Nährstoffen.
- Prüfung der Durchblutung, zum Beispiel mit Puls- und Gefäßuntersuchungen.
- Bildgebende Untersuchungen nur bei bestimmten Fragen, etwa wenn eine tiefe Infektion vermutet wird.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Wunde wird gereinigt, vermessen und mit dem Unterdruckverband versorgt. Die Pumpe wird passend eingestellt. Danach gibt es regelmäßige Kontrollen und Verbandwechsel. Sie können Fragen stellen und sollten sagen, wenn etwas weh tut oder sich ungewohnt anfühlt.
Behandlung
Die Unterdruck-Wundtherapie ist selbst eine Behandlungsform. Sie wird nach ärztlicher Einschätzung und nach Wundleitlinien, zum Beispiel der AWMF, eingesetzt. Ziel ist, die Wunde sauber zu halten, Schwellungen zu verringern und die Heilung zu unterstützen. Der Verband wird je nach Wunde und Zustand in festen Abständen gewechselt. Bei Schmerzen, Infektionszeichen oder Problemen mit der Pumpe wird die Behandlung angepasst.
Selbsthilfe zu Hause
- Hände gründlich waschen, bevor Sie den Verband oder die Pumpe berühren.
- Die Pumpe vor Wasser schützen und den Verband trocken halten, so wie es das Wundteam erklärt.
- Schläuche nicht ziehen oder knicken; Taschen oder Halterungen nutzen, wenn empfohlen.
- Auf Alarme, Undichtigkeit oder Geräusche achten und das Wundteam informieren.
- Druck von der Wunde fernhalten und Lagerungshilfen nutzen, wenn sie verordnet wurden.
- Ausreichend essen und trinken; bei Appetitlosigkeit Hilfe suchen.
- Rauchen möglichst vermeiden, weil es die Durchblutung verschlechtert.
Medizinische Behandlungen
Das Behandlungsteam reinigt die Wunde, entfernt abgestorbenes Gewebe, behandelt mögliche Infektionen und kümmert sich um Druckentlastung. Je nach Ursache werden Durchblutung, Blutzucker, Ernährung und andere Grunderkrankungen mitbetrachtet. Die Unterdruck-Therapie ist ein Baustein davon und wird an den Heilungsverlauf angepasst.
Wann kommt eine Operation infrage?
Manchmal ist eine Operation nötig, um eine Wunde gründlich zu säubern, abgestorbenes Gewebe zu entfernen oder die Durchblutung zu verbessern. Danach kann die Unterdruck-Wundtherapie die Wundheilung unterstützen.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag bedeutet die Therapie oft: Pumpe tragen oder in der Nähe abstellen, Kabel und Schlauch sicher führen, Verbandwechsel planen und auf die Haut achten. Viele können sich mit etwas Übung bewegen; fragen Sie das Wundteam, was für Ihre Wunde erlaubt ist. Für Duschen oder Schlafen gibt es meist praktische Lösungen – sprechen Sie darüber.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen oder den Rauchstopp mit Unterstützung planen.
- Druckstellen vorbeugen und regelmäßig die Lage ändern, wenn Sie wenig mobil sind.
- Auf Hygiene achten und die Wunde nicht selbst mit Cremes oder Hausmitteln behandeln, ohne Rücksprache.
- Ausreichend schlafen und Stress möglichst reduzieren.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit genug Eiweiß und Flüssigkeit kann die Wundheilung unterstützen. Bewegen Sie sich im Rahmen der ärztlichen Empfehlung; belasten Sie die Wunde nicht unnötig. Bei Diabetes ist eine gute Blutzucker-Einstellung wichtig – besprechen Sie dies mit Ihrem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine offene Wunde und eine Pumpe können belasten: Schmerzen, Schlafprobleme, Scham oder Sorgen sind möglich. Das ist verständlich. Sprechen Sie mit dem Wundteam oder Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen oder Hilfe brauchen. Bei akuten seelischen Notfällen gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jede Wunde lässt sich verhindern. Aber gute Wundpflege, Druckentlastung und die Behandlung von Grunderkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen senken das Risiko, dass eine Wunde schlecht heilt.
Impfungen
Bei Verletzungen den Impfstatus prüfen lassen, zum Beispiel Tetanus. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Kontrollen bei Diabetes, Durchblutungsstörungen und bei Menschen mit Druckstellen oder wenig Mobilität helfen, Wunden früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Wunde kann sich vergrößern oder tiefer werden.
- Eine Infektion kann sich ausbreiten und im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung führen.
- Die Heilung kann sich stark verzögern und Narben oder Funktionseinschränkungen verursachen.
- Schmerzen, Schlafprobleme und eine längere Behandlungsdauer können zunehmen.
Langzeitprognose
Die Unterdruck-Wundtherapie kann die Heilung bei geeigneten Wunden unterstützen. Wie schnell es vorangeht, hängt von der Ursache, der Durchblutung, Begleiterkrankungen und der Mitarbeit ab. Viele Wunden lassen sich mit einem guten Wundteam gut versorgen – bleiben Sie im Gespräch und stellen Sie Ihre Fragen.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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