Paravalvuläres Leck: Verschluss eines Lecks an der künstlichen Herzklappe
Übersicht
Wenn jemand eine künstliche Herzklappe bekommt, wird diese fest in die Öffnung des Herzens eingesetzt. Manchmal bleibt zwischen dem festen Ring der Klappe und dem umliegenden Herzgewebe ein kleiner Spalt. Durch diesen Spalt kann Blut zurückfließen, obwohl die Klappe selbst dicht schließt. Fachleute nennen das ein „paravalvuläres Leck“ (para = neben, valvulär = zur Klappe gehörend). Beim Verschluss wird dieser Spalt wieder verschlossen. Meist geschieht das über einen Herzkatheter: Ein dünner Schlauch wird über eine Blutader bis zum Herzen geführt, und ein kleines Verschlussplättchen dichtet den Spalt ab. Nur selten ist dafür eine Operation am offenen Herzen nötig.
Wichtige Fakten
- Ein paravalvuläres Leck ist ein Spalt neben dem Ring einer künstlichen Herzklappe, durch den Blut zurückläuft.
- Kleine Lecks verursachen oft keine Beschwerden und müssen nicht behandelt werden – sie werden nur beobachtet.
- Größere Lecks können Luftnot, Müdigkeit und eine Herzschwäche auslösen. Dann kann ein Verschluss helfen.
- Der Verschluss wird heute meist über einen Herzkatheter durchgeführt, also ohne große Operation am offenen Herzen.
Kleine, unproblematische Lecks kommen bei einem Teil der Menschen mit künstlicher Herzklappe vor, besonders nach einem kathetergestützten Klappenersatz. Ein Leck, das Beschwerden macht und behandelt werden muss, ist deutlich seltener.
Symptome
- Starke Luftnot in Ruhe oder im Liegen, wenn das Sitzen nicht mehr hilft
- Plötzlicher starker Brustschmerz, der in Arm, Rücken oder Hals ausstrahlt
- Ohnmacht oder kurzzeitige Bewusstlosigkeit
- Husten mit rosa-schaumigem Auswurf
- Kaltschweißigkeit, Blässe, fühlbar schwacher und schneller Puls
- ⚠Deutlich zunehmende Luftnot innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen
- ⚠Rasche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
- ⚠Neu aufgetretene oder stärker werdende Beinschwellung
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost bei einer künstlichen Herzklappe – hier besteht der Verdacht auf eine Entzündung der Herzinnenhaut
- ⚠Anhaltendes Herzstolpern oder ein unregelmäßiger Pulsschlag
Häufige Symptome
- Luftnot bei körperlicher Anstrengung, zum Beispiel beim Treppensteigen
- Schnelle Erschöpfung und nachlassende körperliche Belastbarkeit
- Herzklopfen oder ein spürbares „Schlagen“ im Brustkorb
- Geschwollene Beine und Fußknöchel durch Wassereinlagerungen
- Nächtliche Luftnot oder das Bedürfnis, mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen
- Ein Herzgeräusch, das die Ärztin oder der Arzt beim Abhören hört – oft der erste Hinweis
Symptome bei Kindern
- Trinkschwäche und schnelles Ermüden beim Trinken
- Langsame Gewichts- und Größenzunahme (Gedeihstörung)
- Schnelle Atmung oder Schwitzen beim Trinken und Spielen
- Auffällige Müdigkeit beim Spielen und häufige Infekte der Atemwege
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Luftnot schon bei leichter Alltagsbelastung
- Wassereinlagerungen an Beinen, Knöcheln oder in der Lunge
- Rasche Gewichtszunahme über wenige Tage
- Müdigkeit, Schwäche und eingeschränkte Mobilität
- Manchmal Verwirrtheit oder Rückzug, besonders bei ausgeprägter Herzschwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Der Ring der künstlichen Klappe wächst nicht überall fest mit dem Herzgewebe zusammen, sodass ein Spalt bleibt.
- Starke Verkalkungen am alten Klappenring verhindern eine lückenlose Abdichtung.
- Eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) kann das Gewebe rund um die Klappe schädigen.
- Bei einem kathetergestützten Klappenersatz kann die Klappe etwas ungenau sitzen.
- Eine Naht kann sich lösen oder das Gewebe kann sehr dünn und verletzlich sein.
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Stark verkalkte Herzklappen
- Frühere Entzündung der Herzinnenhaut
- Mehrere Herzoperationen in der Vorgeschichte
- Geschwächtes Immunsystem oder eine Behandlung, die die Immunabwehr dämpft
- Bindegewebserkrankungen, bei denen das Gewebe besonders nachgiebig ist
- Chronische Nierenerkrankung und langjähriger Bluthochdruck
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Luftnot innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen deutlich zunimmt
- Bei Fieber oder Schüttelfrost und einer künstlichen Herzklappe
- Bei rasch zunehmenden Beinschwellungen oder schneller Gewichtszunahme
- Bei neuem, anhaltendem Herzstolpern oder einem unregelmäßigen Puls
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei langsam nachlassender Belastbarkeit oder häufiger Müdigkeit
- Wenn ein Herzgeräusch neu entdeckt wurde
- Zu den regelmäßigen Kontrollterminen nach einem Klappenersatz, auch ohne Beschwerden
- Bei Kindern mit künstlicher Herzklappe, wenn Trinken und Gedeihen auffallen
Diagnose
Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung, bei der das Herz abgehört wird. Den entscheidenden Hinweis liefert meist der Herzultraschall. Damit lässt sich sehen, wo genau der Spalt sitzt, wie viel Blut zurückfließt und ob das Herz dadurch belastet wird. Reicht der Ultraschall von außen nicht aus, wird er über die Speiseröhre durchgeführt – das ist näher am Herzen und liefert besonders genaue Bilder.
Mögliche Untersuchungen
- Herzultraschall von außen (transthorakale Echokardiografie) mit Farbdoppler, der den Blutfluss sichtbar macht
- Herzultraschall über die Speiseröhre (transösophageale Echokardiografie, oft „Schluckecho“ genannt)
- Elektrokardiogramm (EKG) zur Prüfung des Herzrhythmus
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel auf Blutarmut durch den Abbau roter Blutkörperchen und auf Entzündungszeichen
- Herzkatheteruntersuchung zur Messung der Drücke und zur Planung eines Verschlusses
- Computer- oder Kernspintomografie des Herzens, wenn zusätzliche Details gebraucht werden
- Röntgenaufnahme der Lunge bei ausgeprägter Luftnot
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten bis etwa eine halbe Stunde. Beim Schluckecho wird der Rachen kurz betäubt, damit der Schlauch nicht unangenehm ist. Sie erfahren in der Regel noch am selben Tag, ob ein Leck vorliegt und wie dringend etwas unternommen werden sollte. Fragen Sie ruhig nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben – gute Aufklärung gehört dazu.
Behandlung
Ob ein Leck behandelt werden muss, hängt von seiner Größe, Ihren Beschwerden und der Belastung des Herzens ab. Kleine Lecks ohne Folgen werden einfach regelmäßig kontrolliert. Größere Lecks, die Luftnot oder eine Herzschwäche verursachen, können verschlossen werden – meist über einen Herzkatheter. Medikamente heilen den Spalt nicht, können aber Beschwerden lindern und das Herz entlasten.
Selbsthilfe zu Hause
- Wiegen Sie sich möglichst täglich zur gleichen Zeit und notieren Sie das Gewicht – so fallen Wassereinlagerungen früh auf.
- Nehmen Sie verordnete Medikamente zuverlässig und in der besprochenen Weise ein und ändern Sie nichts auf eigene Faust.
- Achten Sie auf eine gute Mund- und Zahnhygiene, denn Bakterien aus dem Mund können eine Herzinnenhaut-Entzündung begünstigen.
- Sprechen Sie vor zahnärztlichen oder anderen Eingriffen mit Ihrem Behandlungsteam über einen möglichen Infektionsschutz.
- Bewegen Sie sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten regelmäßig, ohne sich zu überfordern.
- Halten Sie Ihre Kontrolltermine ein, auch wenn es Ihnen gut geht.
Medizinische Behandlungen
Medikamente können die Beschwerden eines paravalvulären Lecks lindern, den Spalt aber nicht schließen. Häufig werden Mittel eingesetzt, die überschüssiges Wasser aus dem Körper schwemmen und so Luftnot und geschwollene Beine reduzieren. Je nach Situation können auch Medikamente helfen, die den Blutdruck senken und das Herz entlasten oder die Herzleistung unterstützen. Welche Behandlung zu Ihnen passt, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuell – bitte nehmen Sie keine Medikamente eigenständig ein oder ab. Der eigentliche Verschluss erfolgt über einen Eingriff: Bei der kathetergestützten Methode wird ein kleiner Schirm oder ein Verschlussplättchen über eine Blutader bis zum Herzen geführt und im Spalt platziert. Der Eingriff dauert meist ein bis zwei Stunden, oft ist nur eine kurze Betäubung oder eine leichte Sedierung nötig, und der Krankenhausaufenthalt ist vergleichsweise kurz. Anschließend wird kontrolliert, wie dicht der Verschluss sitzt und wie sich das Herz erholt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ist ein Leck sehr groß, liegt der Spalt an einer schwer erreichbaren Stelle oder ist die künstliche Klappe selbst beschädigt oder locker, kann eine Operation am offenen Herzen sinnvoll sein. Dabei wird der Spalt direkt vernäht oder die Klappe wird ersetzt. Auch wenn sich eine Entzündung der Herzinnenhaut nicht anders beherrschen lässt, kann ein operativer Eingriff nötig werden. Welcher Weg für Sie der richtige ist, entscheidet ein Team aus Kardiologie und Herzchirurgie gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit einem kleinen, stabilen Leck leben ganz normal weiter und brauchen nur regelmäßige Kontrollen. Nach einem Verschluss bessern sich Luftnot und Erschöpfung häufig deutlich. Planen Sie Ihren Alltag mit kleinen Pausen und teilen Sie sich anstrengende Aufgaben ein. Nach einem kathetergestützten Eingriff sind Sie meist schnell wieder im Alltag zurück – wie schnell genau, sagt Ihnen Ihr Behandlungsteam.
Tipps für den Alltag
- Tägliches Wiegen und ein einfaches Symptomtagebuch helfen, Veränderungen früh zu erkennen.
- Verzichten Sie möglichst auf Rauchen – das entlastet Herz und Gefäße.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und vermeiden Sie Überanstrengung an besonders heißen Tagen.
- Halten Sie Ihre Impfungen aktuell und lassen Sie sich dazu beraten.
- Sprechen Sie offen über Ängste und Sorgen – sie gehören dazu und lassen sich gut begleiten.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Kost mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und möglichst wenig Salz ist herzfreundlich. Bei Wassereinlagerungen achtet das Behandlungsteam oft zusätzlich auf die Trinkmenge – besprechen Sie das individuell. Bewegung ist ausdrücklich erwünscht: Spaziergänge, Radfahren auf flacher Strecke oder leichte Gymnastik stärken Herz und Kreislauf. Starten Sie langsam und steigern Sie sich schrittweise. Bei Luftnot, Schwindel oder Brustschmerz hören Sie auf und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzerkrankung kann belasten: Viele Betroffene sorgen sich um ihre Zukunft oder fühlen sich in ihrem Alltag eingeschränkt. Solche Gefühle sind normal und dürfen angesprochen werden. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, wenn Ängste oder Niedergeschlagenheit über längere Zeit anhalten – es gibt gute Unterstützung, zum Beispiel durch psychosoziale Beratung oder Selbsthilfegruppen. In einer akuten seelischen Krise zögern Sie bitte nicht, Hilfe zu holen: Der Notruf 112 ist rund um die Uhr erreichbar, und die Telefonseelsorge bietet anonyme Gespräche an.
Vorbeugung
Ein paravalvuläres Leck lässt sich nicht in jedem Fall verhindern, denn oft spielen Verkalkungen und die Beschaffenheit des Gewebes eine Rolle. Wichtig ist eine sorgfältige Planung des Klappenersatzes und eine gute Nachsorge. Sie selbst können viel tun: eine gute Mund- und Zahnhygiene zur Vorbeugung von Herzinnenhaut-Entzündungen, die zuverlässige Einnahme verordneter Medikamente, möglichst kein Rauchen und die Wahrnehmung aller Kontrolltermine.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Menschen mit Herzerkrankungen bestimmte Schutzimpfungen. Welche für Sie sinnvoll sind, klären Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Nach einem Klappenersatz sind regelmäßige Herzultraschall-Kontrollen vorgesehen. Dabei wird auch geprüft, ob die Klappe dicht schließt. Diese Nachsorge ist die beste Möglichkeit, ein Leck früh zu erkennen, bevor Beschwerden entstehen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Das Herz muss dauerhaft gegen einen zusätzlichen Blutrückfluss arbeiten und kann schwächer werden (Herzschwäche).
- Durch den Rückfluss können rote Blutkörperchen vermehrt abgebaut werden – es entsteht eine Blutarmut.
- Das Risiko einer Entzündung der Herzinnenhaut kann erhöht sein.
- Herzrhythmusstörungen können auftreten oder sich verstärken.
- Wassereinlagerungen in Lunge und Beinen können die Belastbarkeit deutlich einschränken.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt gut. Kleine Lecks bleiben oft über Jahre stabil und harmlos. Größere Lecks lassen sich heute meist schonend über einen Herzkatheter verschließen, und viele Betroffene spüren danach deutlich weniger Luftnot und mehr Belastbarkeit. Regelmäßige Kontrollen bleiben wichtig, damit Veränderungen früh erkannt werden – Sie sind damit nicht allein, sondern werden von Ihrem Behandlungsteam begleitet.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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