Herzschrittmacher: Wenn das Herz einen Taktgeber braucht
Übersicht
Ein Herzschrittmacher ist ein kleines Gerät, das unter die Haut gesetzt wird und dem Herzen hilft, im richtigen Takt zu schlagen. Er gibt winzige elektrische Impulse ab. Diese Impulse regen das Herz an, wenn es von allein zu langsam schlägt. So bleibt der Kreislauf stabil, und die meisten Menschen fühlen sich danach wieder leistungsfähiger. „Permanent“ heißt dauerhaft: Das Gerät bleibt für längere Zeit im Körper und wird nur gewechselt, wenn die Batterie zu Ende geht.
Wichtige Fakten
- Der Schrittmacher wird meist in einem kurzen Eingriff unter die Haut gesetzt, üblicherweise unterhalb des Schlüsselbeins.
- Die Batterie hält je nach Gerät etwa 7 bis 15 Jahre. Danach wird das Gerät in einem kleinen Eingriff ausgetauscht.
- Viele moderne Geräte sind MRT-fähig – das heißt, bestimmte Untersuchungen im Kernspintomografen sind möglich. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam.
- Regelmäßige Kontrollen, meist ein- bis zweimal pro Jahr, sorgen dafür, dass das Gerät richtig arbeitet.
Ja, der Herzschrittmacher gehört in Deutschland zu den häufigsten Herz-Eingriffen. Hunderttausende Menschen leben hierzulande mit einem solchen Gerät, und die Technik ist seit Jahrzehnten gut erprobt.
Vor allem ältere Menschen ab etwa 70 Jahren bekommen einen Schrittmacher, weil Störungen der Herzleitung mit dem Alter häufiger werden. Es können aber auch jüngere Erwachsene betroffen sein, zum Beispiel nach einer Herzoperation oder bei bestimmten Herzerkrankungen. Bei Kindern ist ein Schrittmacher selten; dann liegt meist ein angeborener Herzblock oder eine frühere Herzoperation vor.
Symptome
- Plötzliche Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit – rufen Sie sofort 112
- Ein Ereignis, das wie ein Krampfanfall aussieht, besonders mit Blässe und langsamen Puls
- Starke Atemnot oder Brustschmerzen zusammen mit Schwindel oder Kaltschweiß
- Sehr langsamer Puls (unter etwa 40 Schlägen pro Minute) mit Schwäche, Blässe oder Bewusstseinstrübung
- ⚠Wiederholte Schwindelanfälle oder ein Fast-Blackout
- ⚠Zunehmende Müdigkeit und Leistungsschwäche über mehrere Tage
- ⚠Neu aufgetretene Verwirrtheit, besonders bei älteren Menschen
- ⚠Bei Menschen mit Schrittmacher: Schwindel, Herzstolpern oder ein Stromschlag-Gefühl in der Brust – das Gerät sollte zeitnah überprüft werden
Häufige Symptome
- Müdigkeit und schnelle Erschöpfung, oft schon bei kleinen Anstrengungen
- Schwindel oder ein Gefühl, „neben sich zu stehen“
- Kurze Ohnmachtsanfälle oder ein Blackout (kurze Bewusstlosigkeit)
- Atemnot bei Belastung, zum Beispiel beim Treppensteigen
- Herzstolpern oder ein Gefühl, dass das Herz unregelmäßig schlägt
- Kalte Hände, Blässe und ein allgemeines Schwächegefühl
- Konzentrationsprobleme und ein „benebelter“ Kopf
Symptome bei Kindern
- Schnelle Erschöpfung beim Spielen oder Toben
- Trinkschwäche und langsames Gedeihen bei Säuglingen
- Plötzliche Blässe, Schlappheit oder kurze Bewusstseinstrübungen
- Auffällig langsamer Puls, der beim Kinderarzt oder in der Klinik gemessen wird
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stürze oder Unsicherheit beim Gehen, ohne dass eine andere Ursache gefunden wird
- Plötzliche Verwirrtheit oder zeitweise Desorientierung
- Zunehmende Schwäche und Antriebslosigkeit, die oft als „Altersschwäche“ gedeutet wird
- Kurze Bewusstlosigkeiten, an die sich die Betroffenen manchmal nicht erinnern
- Ein sehr langsamer Puls, der bei Routineuntersuchungen auffällt
Ursachen
Hauptursachen
- Störung des Sinusknotens (Sick-Sinus-Syndrom): Der natürliche Taktgeber des Herzens feuert zu selten oder setzt zeitweise aus. „Sinusknoten“ ist eine kleine Ansammlung von Zellen im Herzen, die den Grundtakt vorgibt.
- AV-Block: Die elektrische Leitung zwischen den Herzvorhöfen und den Herzkammern ist gestört oder unterbrochen. „AV“ steht für die Verbindung zwischen Vorhof und Kammer.
- Nebenwirkungen von Herzmedikamenten, die den Puls senken – dann muss gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt geprüft werden, ob ein Schrittmacher sinnvoll ist.
- Schäden nach einer Herzoperation, besonders an den Herzklappen, oder nach einem Herzinfarkt
- Angeborene Herzfehler und Entzündungen des Herzmuskels
- Seltenere Ursachen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder Störungen des Salzhaushalts im Blut
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter – die häufigste Ursache
- Verkalkung der Herzkranzgefäße oder ein Herzinfarkt in der Vergangenheit
- Frühere Herzoperationen, vor allem an den Herzklappen
- Andere Herzerkrankungen wie eine Herzschwäche oder eine Herzmuskelentzündung
- Herzmedikamente, die den Puls senken
- Familiäre Veranlagung für Herzrhythmusstörungen
- Bestimmte Grunderkrankungen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie ohnmächtig geworden sind oder ein Fast-Blackout hatten – lassen Sie das noch am selben Tag abklären
- Bei wiederholtem Schwindel oder wenn Sie sich beim Gehen plötzlich unsicher fühlen
- Wenn der Puls beim Messen zu Hause dauerhaft unter etwa 50 Schlägen pro Minute liegt und Sie sich schlapp fühlen
- Wenn bei Ihnen ein Schrittmacher eingesetzt wurde und die Wunde stark schmerzt, anschwillt, rot wird oder eitert
- Wenn Sie mit Schrittmacher Fieber, Frösteln oder ein starkes Krankheitsgefühl entwickeln
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über Wochen zunehmend müde und weniger belastbar sind
- Wenn Sie häufiger herzstolpern oder ein unangenehmes Herzklopfen bemerken
- Bei Ihren regelmäßigen Kontrollterminen in der Kardiologie oder im Schrittmacher-Zentrum
- Wenn ein neues Medikament verordnet wurde und Sie unsicher sind, ob es den Puls beeinflusst
- Wenn Sie eine Reise planen oder eine Untersuchung wie ein MRT ansteht
Diagnose
Am Anfang steht meist ein Gespräch über Ihre Beschwerden und eine körperliche Untersuchung mit Pulsmessung. Danach wird die elektrische Aktivität des Herzens gemessen. Oft reicht ein normales EKG nicht aus, weil die Störung nur zeitweise auftritt. Dann wird das Herz über einen längeren Zeitraum beobachtet. Das Behandlungsteam schaut außerdem, ob eine andere Ursache hinter dem langsamen Puls steckt – etwa eine Schilddrüsenstörung oder ein Medikament.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: Ein kurzes Bild der Herzströme, schmerzfrei und in wenigen Minuten erledigt
- Langzeit-EKG über 24 bis 72 Stunden: Ein kleines tragbares Gerät zeichnet den Puls im Alltag auf
- Event-Rekorder: Ein kleines Gerät, das über Wochen getragen wird und seltene Aussetzer festhält
- Belastungs-EKG: Messung auf dem Fahrrad oder Laufband, um zu sehen, wie der Puls auf Anstrengung reagiert
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie): zeigt Größe, Pumpkraft und Klappen des Herzens
- Blutuntersuchungen, zum Beispiel zur Schilddrüse und zu den Salzen im Blut
- In besonderen Fällen eine elektrophysiologische Untersuchung: Dabei werden die Herzströme mit einem feinen Katheter direkt im Herzen gemessen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind fast alle schmerzfrei und ambulant möglich. Für das Langzeit-EKG bekommen Sie ein kleines Gerät mit nach Hause, das Sie zum Duschen kurz abnehmen dürfen. Bis ein Ergebnis vorliegt, kann einige Tage dauern. Wenn die Beschwerden gefährlich sind, geht es schneller und Sie werden stationär überwacht.
Behandlung
Wenn der Puls dauerhaft zu langsam ist und dadurch Beschwerden entstehen, ist ein Herzschrittmacher meist die wirksamste Behandlung. Er ersetzt die gestörte Leitung nicht, sondern übernimmt sie: Er gibt dann einen Impuls, wenn das Herz zu langsam ist. Bei manchen Menschen genügt zunächst, ein ungünstiges Medikament umzustellen – das entscheidet das Behandlungsteam.
Selbsthilfe zu Hause
- Nach dem Einsetzen die Wunde trocken und sauber halten und die Anweisungen des Behandlungsteams befolgen
- In den ersten Wochen keine schweren Lasten heben und den Arm auf der betroffenen Seite nicht über Kopf bewegen – so kann die Elektrode gut einheilen
- Den Schrittmacher-Ausweis immer bei sich tragen, zum Beispiel in der Geldbörse
- Bei jedem Arztbesuch und vor Untersuchungen sagen, dass ein Schrittmacher vorhanden ist
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen – dort wird auch die Batterie geprüft
- Starke Magnete und Geräte mit starken Magnetfeldern von der Brust fernhalten
- Beim Flughafen-Sicherheitscheck den Ausweis zeigen und die Körperscanner-Regelung erfragen
Medizinische Behandlungen
Der Schrittmacher wird in der Regel in örtlicher Betäubung eingesetzt. Über einen kleinen Schnitt unterhalb des Schlüsselbeins wird eine dünne Elektrode durch eine Vene bis ins Herz geführt. Das Gerät selbst liegt in einer kleinen Hauttasche unter der Haut. Danach wird geprüft, ob alles richtig funktioniert. Der Eingriff dauert meist unter einer Stunde, oft bleibt man eine Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus. Es gibt verschiedene Bauformen: Geräte für eine oder zwei Herzkammern, spezielle Systeme für Menschen mit Herzschwäche und moderne sondenlose Schrittmacher, die direkt im Herzen sitzen. Welche Form passt, entscheidet das Behandlungsteam gemeinsam mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein Schrittmacher wird empfohlen, wenn der Puls dauerhaft zu langsam ist und dadurch Beschwerden wie Schwindel, Ohnmacht oder Leistungsschwäche entstehen – oder wenn ein hohes Risiko besteht, dass das Herz plötzlich aussetzt. Bei manchen Menschen ist der Eingriff dringlich und wird noch im Krankenhaus durchgeführt. Bei anderen kann man in Ruhe planen.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen spüren ihren Schrittmacher im Alltag nicht. Die Kontrollen laufen meist über ein Gerät, das auf die Brust gelegt wird, und dauern nur wenige Minuten. Manche Geräte senden ihre Daten auch aus der Ferne an das Zentrum. Fragen Sie nach, ob das für Ihr Gerät möglich ist, und wie Sie im Notfall Ihr Schrittmacher-Zentrum erreichen. Autofahren ist meist nach kurzer Zeit wieder erlaubt – klären Sie die genauen Regeln mit Ihrem Behandlungsteam, weil sie je nach Grund und Verlauf unterschiedlich sind.
Tipps für den Alltag
- Bewegung ist ausdrücklich erwünscht: Spazieren, Radfahren, Schwimmen und Gymnastik tun dem Herzen gut
- Kontaktsport mit Stößen auf die Brust, etwa Kampfsport oder Fußball mit Körperkontakt, besser vorher besprechen
- Abstand halten zu starken Magneten, etwa großen Lautsprechern, Elektromagneten oder Schweißgeräten
- Induktionskochfelder sind meist unproblematisch, wenn man nicht mit der Brust direkt darüberlehnt
- Handy und Kopfhörer nicht in die Brusttasche stecken, sondern in die Hosentasche oder ans Ohr halten
- Nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen – das entlastet das Herz
- Ausreichend schlafen und auf Warnzeichen des Körpers achten
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt Ihr Herz. Salziges und stark Verarbeitetes besser sparsam. Bewegung ist ein wichtiger Baustein: Schon regelmäßiges zügiges Gehen stärkt Kreislauf und Ausdauer. In Herzsportgruppen können Sie unter Anleitung trainieren – fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt nach einer Verordnung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Gerät im Körper zu tragen, macht vielen Menschen zunächst Sorgen. Manche fürchten, das Gerät könnte versagen, oder sie achten übermäßig auf jeden Herzschlag. Solche Gedanken sind normal und werden meist mit der Zeit weniger, wenn man dem Gerät vertraut. Sprechen Sie offen darüber – im Behandlungsteam gibt es oft Beratung, und ein Austausch mit anderen Betroffenen hilft vielen. Wenn Ängste oder Niedergeschlagenheit Sie stark belasten, holen Sie sich Unterstützung. In einer seelischen Krise ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar; im Notfall gilt die 112.
Vorbeugung
Den Schrittmacher selbst kann man nicht verhindern – er ist eine Behandlung, keine Krankheit. Aber man kann das Risiko für Herzerkrankungen senken, die zu einem zu langsamen Puls führen können. Dazu gehören ein gut eingestellter Blutdruck, ein herzgesunder Lebensstil und die Behandlung von Grunderkrankungen wie einer Schilddrüsenstörung. Auch der regelmäßige Blick auf den eigenen Puls hilft, Veränderungen früh zu bemerken.
Impfungen
Für Menschen mit einer Herzerkrankung empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) bestimmte Schutzimpfungen, zum Beispiel gegen Grippe und gegen Pneumokokken. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berät Sie, welche Impfungen zu Ihnen passen.
Früherkennungsprogramme
Ein einfacher Pulstest am Handgelenk oder mit einem Blutdruckmessgerät zeigt, ob der Puls im normalen Bereich liegt. Fällt er wiederholt als sehr langsam oder unregelmäßig auf, lohnt sich ein Arztbesuch. Bei bekannten Herzerkrankungen gehören regelmäßige Kontrollen zur Rutine – dort wird auch der Puls beurteilt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohnmachtsanfälle mit Sturzfolgen: Knochenbrüche, Kopfverletzungen oder Verletzungen im Straßenverkehr
- Dauerhafte Leistungsschwäche und eingeschränkte Lebensqualität
- Im schlimmsten Fall ein plötzlicher Herzstillstand, wenn die Leitung ganz ausfällt
- Bei Menschen mit Herzschwäche eine Verschlechterung der Pumpkraft
- Nach dem Eingriff selbst können selten Wundprobleme, Nachblutungen oder eine Verschiebung der Elektrode auftreten – solche Zeichen sollten Sie melden
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut. Der Herzschrittmacher ist eine der zuverlässigsten Behandlungen der Medizin, und die meisten Menschen leben damit beschwerdefrei und aktiv. Die Kontrollen sind unkompliziert, und ein Batteriewechsel ist ein kleiner, gut planbarer Eingriff. Viele Betroffene sagen, sie hätten nach dem Einsetzen wieder mehr Sicherheit und Energie im Alltag gewonnen.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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