Selektive dorsale Rhizotomie (SDR) bei Spastik
Übersicht
Die selektive dorsale Rhizotomie (SDR) ist eine Operation am Rückenmark. Dabei werden bestimmte Nervenwurzeln, die Muskeln zu stark anspannen, gezielt durchtrennt. „Selektiv“ heißt: Es werden nur ausgewählte Fasern behandelt. „Dorsal“ bedeutet: Die Nervenwurzeln liegen hinten im Rückenmark. Ziel ist, eine Spastik zu verringern. Spastik bedeutet, dass Muskeln dauerhaft zu stark gespannt sind. Die SDR ist keine Behandlung für jede Art von Steifheit und kein Heilmittel.
Wichtige Fakten
- Die SDR ist ein spezialisierter Eingriff, meist bei Kindern mit spastischer Cerebralparese. Erwachsene werden nur selten und nach strenger Prüfung behandelt.
- Die Operation senkt die Spastik, ersetzt aber keine Physiotherapie. Reha und Training sind danach wichtig.
- Ob die SDR passt, entscheidet ein erfahrenes Team aus mehreren Fachrichtungen. Nicht jede Spastik ist geeignet.
Die SDR selbst ist ein seltener Eingriff. Spastik ist bei Kindern mit Cerebralparese dagegen häufig.
Vor allem Kinder mit spastischer Cerebralparese und guter Rumpfkontrolle. Manchmal auch Jugendliche oder Erwachsene mit bestimmten Formen von Spastik, aber nur in spezialisierten Zentren.
Symptome
- Plötzliche Atemnot oder schwere Schluckstörung: sofort 112 anrufen.
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall: sofort 112 anrufen.
- Nach einer Rückenoperation: Fieber mit Nackensteife, starke Kopfschmerzen oder Verwirrtheit.
- Nach einer Operation: klare Flüssigkeit aus der Wunde, Wundrötung mit Fieber oder Eiter.
- Plötzliche neue Lähmung oder Gefühlsstörung.
- Kein Wasserlassen möglich mit starken Schmerzen.
- ⚠Zunehmende Spastik, die Alltag, Bewegung oder Atmung erschwert.
- ⚠Hautverletzungen durch Druck oder schlecht sitzende Orthesen.
- ⚠Anzeichen eines Harnwegsinfekts, zum Beispiel Brennen beim Wasserlassen.
- ⚠Starke Verstopfung oder Bauchschmerzen.
- ⚠Schmerzen, die nicht besser werden.
- ⚠Fieber nach einer Operation ohne Nackensteife.
Häufige Symptome
- Dauerhaft erhöhter Muskeltonus: Die Muskeln fühlen sich steif an und lassen sich schwer bewegen.
- Steifer Gang oder Schwierigkeiten, Bewegungen flüssig auszuführen.
- Schmerzen durch die dauerhafte Anspannung.
- Schnelle Ermüdung bei Alltagsbewegungen.
- Probleme bei der Körperpflege, beim Anziehen oder beim Sitzen.
- Verkürzte Muskeln und Sehnen, sogenannte Kontrakturen.
Symptome bei Kindern
- Verzögerte motorische Entwicklung, zum Beispiel späteres Sitzen oder Laufen.
- Zehenspitzengang oder steife Beine beim Gehen.
- Scherenstellung der Beine durch starke Spannung.
- Schwierigkeiten beim Sitzen, Stehen oder Gleichgewichthalten.
- Häufige Stürze oder Unsicherheit beim Gehen.
- Mögliche Hüftprobleme durch lang anhaltende Spastik.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Spastik nach Schlaganfall, Rückenmarksverletzung oder anderen neurologischen Erkrankungen.
- Erhöhte Sturzgefahr durch steife oder unkontrollierte Bewegungen.
- Schmerzen und Muskelverkürzungen.
- Steifer Gang und schnelle Ermüdung.
- Bei Erwachsenen wird eine SDR nur in ausgewählten Fällen und in spezialisierten Zentren erwogen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die SDR selbst hat keine Ursache im Krankheitssinn. Sie wird bei Spastik eingesetzt.
- Häufige Grundlage ist eine Cerebralparese: eine frühe Schädigung des Gehirns, die Bewegung und Muskelspannung beeinflusst.
- Auch Schlaganfall, Rückenmarksverletzung, Multiple Sklerose oder andere neurologische Erkrankungen können Spastik verursachen.
- Nicht jede Spastik ist für eine SDR geeignet. Die Ursache und der Einzelfall werden genau geprüft.
Risikofaktoren
- Frühgeburt.
- Sauerstoffmangel oder Durchblutungsstörung rund um die Geburt.
- Hirnblutung oder Hirnhautentzündung im frühen Kindesalter.
- Schädel-Hirn-Trauma.
- Schlaganfall oder Rückenmarksverletzung.
- Lang anhaltende, starke Spastik mit drohenden Kontrakturen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach einer Operation: Fieber, Wundprobleme, klare Flüssigkeit aus der Wunde oder starke Kopfschmerzen.
- Plötzliche neue Schwäche, Lähmung oder Gefühlsstörung.
- Atemnot, Schluckstörung oder Bewusstseinsveränderung.
- Kein Wasserlassen möglich oder starke Bauchschmerzen.
- Starke Schmerzen, die nicht unter Kontrolle kommen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Spastik zunimmt oder der Gang unsicherer wird.
- Bei häufigen Stürzen oder neuen Schmerzen.
- Wenn Orthesen oder Hilfsmittel nicht mehr passen.
- Wenn Körperpflege, Anziehen oder Sitzen schwerer fallen.
- Wenn Sie mit dem Behandlungsteam über Therapieziele oder eine Operation sprechen möchten.
Diagnose
Die Eignung für eine SDR wird in einem spezialisierten Zentrum geprüft. Es gibt keinen einzelnen Bluttest und keine einzelne Untersuchung, die die Entscheidung allein trifft. Mehrere Fachrichtungen schauen gemeinsam auf Bewegung, Muskelspannung, Alltag und Ziele.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliche körperliche Untersuchung von Muskeltonus, Kraft und Beweglichkeit.
- Ganganalyse, manchmal mit Videoaufnahmen.
- Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns und Rückenmarks.
- Röntgenaufnahmen, zum Beispiel von Hüfte oder Wirbelsäule.
- Beurteilung durch Physiotherapie und Ergotherapie.
- Urologische Untersuchung bei Blasen- oder Toilettenproblemen.
- Gespräch über Alltag, Schule, Beruf und realistische Behandlungsziele.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist sind mehrere Termine nötig. Das Team bespricht mit Ihnen und der Familie, ob eine SDR infrage kommt, welche Alternativen es gibt und welche Risiken bestehen. Die Entscheidung sollte gemeinsam und ohne Zeitdruck getroffen werden.
Behandlung
Die Behandlung von Spastik ist individuell. Zuerst werden meist nicht operative Methoden genutzt. Die SDR ist eine Option für ausgewählte Fälle. Sie kann die Spastik senken, aber nicht alle Beschwerden beheben. Nach der Operation ist eine gute Rehabilitation entscheidend.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Physiotherapie und Übungen zu Hause, wie vom Team gezeigt.
- Orthesen und Hilfsmittel konsequent nutzen, wenn sie verordnet wurden.
- Haut regelmäßig kontrollieren, besonders an Druckstellen.
- Eine feste Toilettenroutine kann bei Blase und Darm helfen.
- Sichere Wohnung mit guten Lichtverhältnissen und wenig Stolperfallen.
- Pausen einplanen, damit Ermüdung nicht zu Stürzen führt.
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung gehören Physiotherapie, Ergotherapie, Orthesen, Hilfsmittel und je nach Situation eine ärztlich verordnete medikamentöse Therapie zur Senkung der Muskelspannung. Medikamente werden immer individuell angepasst. In ausgewählten Fällen kommen Operationen infrage, zum Beispiel eine SDR oder orthopädische Eingriffe. Keine dieser Maßnahmen ersetzt die persönliche Beratung durch das Behandlungsteam.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine SDR kann infrage kommen, wenn eine starke Spastik den Alltag, die Bewegung oder die Pflege erschwert, konservative Maßnahmen nicht ausreichen und ein erfahrenes Zentrum die Eignung bestätigt. Gute Rumpfkontrolle, ausreichende Kraft und realistische Ziele sind wichtige Voraussetzungen. Bei schweren Kontrakturen, fehlender Rumpfkontrolle, aktiver Infektion oder unrealistischen Erwartungen kommt eine SDR meist nicht infrage. Die Entscheidung ist immer individuell und kein Notfall.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer SDR folgt oft eine mehrwöchige Rehabilitation. Danach geht die Physiotherapie weiter. Der Alltag mit Schule, Arbeit, Familie und Therapieterminen braucht Planung. Fortschritte kommen oft schrittweise und sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Tipps für den Alltag
- Bewegung im Rahmen der verordneten Therapie in den Alltag einbauen.
- Hilfsmittel nutzen, wenn sie Sicherheit und Selbstständigkeit erhöhen.
- Auf ausreichend Pausen und guten Schlaf achten.
- Bad und Wohnung sicher gestalten, zum Beispiel mit rutschfesten Matten.
- Schule, Arbeit oder Ausbildung bei Bedarf anpassen lassen.
- Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen kann entlasten.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Trinken unterstützen die allgemeine Gesundheit. Für die SDR gibt es keine spezielle Diät. Bewegung sollte im Rahmen der Therapie und nach Rücksprache mit dem Behandlungsteam stattfinden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Spastik, Operationen und lange Therapien können belasten. Sorgen, Trauer, Frustration oder Angst sind verständlich. Sprechen Sie mit dem Behandlungsteam, wenn die Belastung zu groß wird. Bei Gedanken, sich selbst zu verletzen, holen Sie sofort Hilfe: Notruf 112 oder Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Die SDR ist eine Operation und kann nicht im eigentlichen Sinn verhindert werden. Viele Ursachen der Spastik, etwa Frühgeburt oder Hirnschädigung, lassen sich nicht immer verhindern. Gute Schwangerschaftsvorsorge und eine sichere Kindheit können manche Risiken senken.
Impfungen
Für die SDR gibt es keine Impfung. Impfungen sollten nach dem allgemeinen Impfplan mit dem Arzt besprochen werden.
Früherkennungsprogramme
Entwicklungsuntersuchungen bei Kindern und regelmäßige Kontrollen bei Spastik helfen, Probleme früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Kontrakturen und Bewegungseinschränkungen.
- Hüftgelenksprobleme durch lang anhaltende Spastik.
- Chronische Schmerzen.
- Hautprobleme und Druckstellen.
- Häufigere Stürze und Verletzungen.
- Weniger Teilhabe an Schule, Arbeit und Freizeit.
Langzeitprognose
Die SDR kann bei gut ausgewählten Menschen die Spastik senken und Bewegung erleichtern. Sie ist kein Heilmittel. Die Ergebnisse sind unterschiedlich. Mit guter Rehabilitation und realistischen Zielen sind Verbesserungen möglich.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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