Funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlen-Operation (FESS)
Übersicht
Bei einer funktionellen endoskopischen Nasennebenhöhlen-Operation – kurz FESS – werden die engen Zugänge zu den Nasennebenhöhlen erweitert. Die Nasennebenhöhlen sind kleine Hohlräume im Gesicht, die mit Schleimhaut ausgekleidet sind, zum Beispiel über der Nase oder zwischen den Augen. Ist diese Schleimhaut dauerhaft entzündet, schwellen die Verbindungsgänge zu. Der Schleim kann nicht mehr abfließen, und es entsteht ein Kreislauf aus Entzündung und Verstopfung. Bei der Operation führt das Operationsteam ein dünnes, schlauchförmiges Gerät mit Kamera und Licht durch die Nasenlöcher ein. So kann es ohne Schnitt von außen arbeiten, die Zugänge öffnen und entzündete Schleimhaut oder Polypen (gutartige Schleimhautwucherungen) entfernen. „Funktionell“ bedeutet: Das Ziel ist, die normale Funktion von Nase und Nebenhöhlen wiederherzustellen.
Wichtige Fakten
- Die Operation läuft durch die Nasenlöcher – im Gesicht entstehen keine Narben.
- Meist wird in Vollnarkose operiert; der Eingriff dauert häufig etwa eine bis zwei Stunden.
- Ziel ist, dass Schleim wieder abfließen kann und Entzündungen seltener wiederkommen.
- Nicht jede chronische Nasennebenhöhlenentzündung braucht eine Operation – in der Regel wird zuerst anders behandelt.
Eingriffe an den Nasennebenhöhlen gehören zu den häufigsten Operationen in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. In Deutschland werden sie regelmäßig und routiniert durchgeführt.
Vor allem Erwachsene mit einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung, oft zusammen mit Nasenpolypen. Auch Kinder können betroffen sein, wenn zum Beispiel große Polypen oder ständig wiederkehrende Infekte die Nasenatmung stark behindern. Bei Kindern wird besonders sorgfältig abgewogen.
Symptome
- Schwellung um ein Auge, das Auge tritt hervor oder lässt sich nicht mehr normal bewegen
- Sehverschlechterung, Doppelbilder oder plötzlicher Sehverlust
- Sehr starke Kopfschmerzen zusammen mit Fieber, steifem Nacken, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung
- Starke Blutung aus der Nase, die nicht aufhört, besonders nach einer Operation
- Zunehmende Schwellung im Gesicht oder Atemnot
- ⚠Hohes Fieber mit starken Gesichtsschmerzen
- ⚠Einseitige, deutlich zunehmende Schwellung oder Rötung im Gesicht
- ⚠Nach einer Operation: zunehmender Schmerz, Fieber oder übel riechender Ausfluss
- ⚠Nach einer Operation: Nasenbluten, das immer wieder kommt oder lange anhält
Häufige Symptome
- Verstopfte Nase, die über Wochen nicht besser wird
- Dicker, zäher Schleim, der aus der Nase läuft oder in den Rachen tropft
- Druck oder Schmerz im Gesicht – an Stirn, Wangen oder zwischen den Augen
- Riechstörung: Gerüche werden schwächer wahrgenommen oder gar nicht mehr
- Kopfschmerz, der beim Bücken stärker wird
- Schlechter Schlaf, Schnarchen, Atmen durch den Mund
- Häufiges Räuspern und Husten, vor allem nachts
- Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
Symptome bei Kindern
- Ständige Mundatmung und Schnarchen
- Laufende oder verstopfte Nase, die nicht weggeht
- Häufige Ohrenschmerzen oder Mittelohrentzündungen
- Husten in der Nacht
- Schlechter Geruchssinn, den das Kind selbst oft nicht bemerkt
- Gereiztheit, schlechter Schlaf, manchmal schlechtere Leistungen in der Schule
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Oft stehen Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ein dumpfes Druckgefühl im Vordergrund
- Fieber fehlt häufiger als bei jüngeren Menschen
- Beschwerden werden manchmal lange als allgemeine Alterserscheinung abgetan
- Blutverdünnende Medikamente und Begleiterkrankungen müssen vor einer Operation besprochen werden
Ursachen
Hauptursachen
- Wiederkehrende oder nicht richtig ausheilende Infekte der oberen Atemwege
- Allergien, zum Beispiel gegen Hausstaubmilben oder Pollen
- Nasenpolypen – gutartige Wucherungen der Schleimhaut
- Verengte Abflusswege, etwa durch eine schiefe Nasenscheidewand
- Eine dauerhafte Entzündung der Schleimhaut mit Schwellung und zähem Schleim
- Bei manchen Menschen besteht eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte entzündungshemmende Schmerzmittel, oft zusammen mit Asthma
Risikofaktoren
- Asthma und Allergien
- Rauchen, auch Passivrauchen
- Staub oder Reizstoffe am Arbeitsplatz
- Sehr trockene Raumluft oder häufige kalte, verschmutzte Luft
- Angeborene Besonderheiten der Schleimhaut oder der Immunabwehr (selten)
- Eine schiefe Nasenscheidewand oder andere anatomische Engstellen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Schwellung oder Rötung um ein Auge, Sehprobleme
- Sehr starke, einseitige Gesichtsschmerzen mit Fieber
- Nach einer Operation: Fieber, zunehmender Schmerz oder anhaltende Blutung
- Plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen mit Nackensteife
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden länger als etwa 12 Wochen bestehen oder immer wiederkehren
- Wenn der Geruchssinn nachlässt
- Wenn mehrere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben
- Wenn Schlaf, Arbeit oder Stimmung deutlich darunter leiden
- Wenn ein Kind dauerhaft durch den Mund atmet oder schnarcht
Diagnose
Zuerst fragt die Praxis nach Ihren Beschwerden, deren Dauer und bisherigen Behandlungen. Dann wird die Nase von innen angeschaut – mit einem dünnen, beleuchteten Instrument, einem Endoskop. Häufig folgt eine Bildgebung der Nebenhöhlen, meist eine Computertomografie (CT, eine Röntgenuntersuchung mit vielen Schichten). Sie zeigt, wo die Schleimhaut geschwollen ist und wie die Abflusswege liegen. Bei Verdacht auf Allergien kommen Allergietests dazu.
Mögliche Untersuchungen
- Nasenspiegelung mit einem dünnen Kamera-Instrument (Endoskopie)
- Computertomografie der Nasennebenhöhlen – einfache Röntgenbilder reichen meist nicht aus
- Allergietest über die Haut oder das Blut
- Riechtest
- Bei Kindern manchmal zusätzlich eine Untersuchung von Ohren und Rachen
- Blutuntersuchungen, wenn eine besondere Ursache vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Weg zur Operation ist meist kein Schnellschuss. Zwischen Erstgespräch und Eingriff liegen oft Wochen bis Monate, in denen zuerst andere Behandlungen ausprobiert werden. Vor der Operation gibt es ein ausführliches Aufklärungsgespräch: Was passiert genau, welche Risiken gibt es, wie läuft die Zeit danach. Fragen Sie alles, was Ihnen wichtig ist – auch nach Alternativen.
Behandlung
In der Regel wird zuerst ohne Operation behandelt. Das Ziel ist, die Entzündung zu beruhigen, den Schleim zu verflüssigen und den Abfluss zu verbessern. Erst wenn das über längere Zeit nicht ausreicht, kommt ein Eingriff infrage.
Selbsthilfe zu Hause
- Nasenspülungen mit lauwarmer Kochsalzlösung
- Viel trinken, damit der Schleim flüssiger wird
- Mit leicht erhöhtem Kopf schlafen
- Trockene Luft vermeiden und regelmäßig lüften
- Nicht rauchen und Rauch aus der Umgebung meiden
- Bei Allergien die Auslöser möglichst meiden
Medizinische Behandlungen
Je nach Befund verordnet die Praxis zum Beispiel entzündungshemmende Nasensprays (sogenannte Kortison-Nasensprays), Mittel, die den Schleim lösen, oder bei einer bakteriellen Infektion zeitweise Antibiotika. Bei Allergien kommen eine Allergiebehandlung oder eine spezielle Desensibilisierung infrage. All das gehört in ärztliche Begleitung. Bitte nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein und ändern Sie eine verordnete Behandlung nicht ohne Rücksprache. Fragen Sie bei Unsicherheiten in Ihrer Apotheke nach.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird erwogen, wenn die Beschwerden trotz gründlicher Behandlung über mindestens 8 bis 12 Wochen bestehen bleiben, wenn Nasenpolypen die Atmung stark behindern, wenn sich Entzündungen ständig wiederholen, wenn der Geruchssinn verloren gegangen ist oder wenn Komplikationen drohen. Nach den AWMF-Leitlinien zur Rhinosinusitis ist die Operation kein Ersatz für die Behandlung, sondern eine Ergänzung, wenn diese nicht ausreicht. Wie bei jeder Operation gibt es auch hier Risiken – zum Beispiel Nachblutungen, Infektionen, Verwachsungen und sehr selten Verletzungen im Bereich der Augen. Das Aufklärungsgespräch geht ausführlich darauf ein. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit Ihrer HNO-Praxis.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Operation ist die Nase zunächst zu, und es bilden sich Krusten – das ist normal und Teil der Heilung. Spülen mit Kochsalzlösung und regelmäßige Kontrollen in der Praxis gehören dazu. Die Schleimhaut braucht oft mehrere Wochen, manchmal Monate, bis sie sich erholt. Besserung kommt meist schrittweise, nicht von einem Tag auf den anderen.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – Rauch bremst die Heilung
- Nasenspülungen weiterführen, wenn die Praxis es empfiehlt
- In den ersten Wochen keine schweren Lasten heben und nicht kräftig schnäuzen
- Sauna, Schwimmbad und Flugreisen erst nach Rücksprache
- Ausreichend schlafen und Stress möglichst reduzieren
- Allergien konsequent behandeln lassen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst und ausreichend Trinken unterstützen die Heilung. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist nach der Operation meist schnell wieder möglich. Anstrengender Sport, Schwimmen oder Tauchen erst, wenn die Praxis grünes Licht gibt. Auf Alkohol sollten Sie in den ersten Tagen verzichten, weil er die Durchblutung beeinflusst.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Nasennebenhöhlenbeschwerden zehren. Schlechter Schlaf, weniger Riechen und ständiger Druck können die Stimmung drücken und die Konzentration stören. Das ist keine Einbildung, sondern eine echte Belastung, über die man sprechen darf – mit der Ärztin oder dem Arzt, in der Familie oder bei einer Beratungsstelle. Wenn Sie sich länger niedergeschlagen oder hoffnungslos fühlen oder Gedanken haben, sich selbst zu schaden, holen Sie sich sofort Hilfe. In Deutschland erreichen Sie den Notruf unter 112, und die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung nicht. Aber man kann das Risiko senken und Rückfällen vorbeugen – durch Rauchverzicht, konsequente Allergiebehandlung, regelmäßiges Lüften und den Schutz vor starkem Staub.
Impfungen
Besprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis, ob Impfungen für Sie sinnvoll sind, zum Beispiel gegen Grippe oder Pneumokokken (Bakterien, die Lungenentzündungen auslösen können). Solche Impfungen verhindern keine Nasennebenhöhlenentzündung, können aber bestimmte Infekte und Komplikationen seltener machen.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Früherkennungsprogramm für Nasennebenhöhlenentzündungen gibt es nicht. Wichtig sind regelmäßige Kontrolltermine, wenn Sie chronische Beschwerden haben oder operiert wurden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Entzündung bleibt bestehen und kehrt immer wieder
- Nasenpolypen können weiter wachsen und die Atmung stärker behindern
- Der Geruchssinn kann dauerhaft nachlassen
- Schlafstörungen und anhaltende Erschöpfung
- Bei Asthma kann sich die Lungenfunktion verschlechtern
- Selten breitet sich eine Entzündung auf die Augen aus; sehr selten erreicht sie die Hirnhäute. Solche Verläufe sind ernst und brauchen sofortige Behandlung
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut: Ein großer Teil der Operierten spürt eine deutliche Besserung von Nasenatmung, Druckgefühl und Lebensqualität. Bei einem Teil der Menschen kehren Beschwerden über die Jahre zurück; dann kann eine erneute Behandlung oder in seltenen Fällen eine weitere Operation nötig sein. Eine gute Nachsorge ist dabei entscheidend. Auch ohne Operation lassen sich viele Beschwerden mit konsequenter Behandlung gut im Griff behalten.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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