Transkatheter-Pulmonalklappenersatz (TPVR)
Übersicht
Beim Transkatheter-Pulmonalklappenersatz – kurz TPVR – setzt ein Ärzteteam eine neue Herzklappe ein, ohne den Brustkorb zu öffnen. Die neue Klappe wird über einen dünnen, biegsamen Schlauch (Katheter) durch eine Vene – meist in der Leiste – bis zum Herzen geschoben und dort entfaltet. Die Pulmonalklappe ist die Klappe zwischen der rechten Herzkammer und der Lunge. Sie sorgt dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt, nämlich zur Lunge, wo es mit Sauerstoff gefüllt wird. Ist diese Klappe verengt oder schließt sie nicht mehr dicht, muss das Herz mehr arbeiten. Der große Vorteil der TPVR: Statt einer Operation mit geöffnetem Brustkorb reicht oft ein kleiner Zugang in der Leiste.
Wichtige Fakten
- TPVR ist ein Eingriff am Herzen über einen Katheter – der Brustkorb bleibt geschlossen.
- Der Eingriff kommt vor allem bei Menschen mit einem angeborenen Herzfehler infrage, die dort bereits eine Klappe oder ein Schlauchstück (Conduit) hatten, das jetzt verengt ist oder undicht wird.
- Meist dauert der Eingriff etwa ein bis drei Stunden. Viele Patientinnen und Patienten sind danach nur wenige Tage im Krankenhaus.
- Nach dem Eingriff sind regelmäßige Kontrollen wichtig, damit die neue Klappe gut funktioniert.
- Ob eine TPVR möglich ist, entscheidet ein spezialisiertes Herzzentrum nach genauer Untersuchung.
Die TPVR selbst ist ein seltener, spezialisierter Eingriff. Angeborene Herzfehler sind dagegen nicht selten: Etwa eines von 100 Neugeborenen kommt damit zur Welt. Viele dieser Kinder werden heute sehr gut operiert und erreichen das Erwachsenenalter – deshalb gibt es immer mehr Menschen, bei denen später eine Klappe erneuert werden muss.
Der Eingriff betrifft vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einem angeborenen Herzfehler, zum Beispiel nach einer Korrektur der Fallot-Tetralogie oder bei einer angeborenen Verengung der Pulmonalklappe. Häufig wurde in einer früheren Operation bereits eine Klappe oder ein Schlauchsystem eingesetzt, das nach vielen Jahren verschleißt. Auch manche Erwachsene mit angeborenem Herzfehler kommen für die TPVR infrage.
Symptome
- Starke Atemnot in Ruhe oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- Plötzlicher, sehr schneller oder unregelmäßiger Herzschlag mit Schwindel
- Bläuliche Lippen oder bläuliche Haut
- Starke Brustschmerzen, besonders wenn sie in Arm, Hals oder Rücken ausstrahlen
- ⚠Deutlich zunehmende Kurzatmigkeit innerhalb von Tagen
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost, besonders mit einem Herzklappenersatz – hier ist eine Entzündung der Klappe abzuklären
- ⚠Neue oder deutlich stärkere Wassereinlagerungen
- ⚠Herzklopfen, das länger anhält oder erstmalig auftritt
- ⚠Auffällige Müdigkeit oder Leistungsknick bei einem Kind mit bekanntem Herzfehler
Häufige Symptome
- Viele Menschen haben lange keine Beschwerden – die Klappe wird oft bei einer Routineuntersuchung auffällig.
- Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung, zum Beispiel beim Treppensteigen
- Müdigkeit und schnellere Erschöpfung als früher
- Herzklopfen oder ein spürbares Stolpern des Herzens (Herzrhythmusstörungen)
- Schwindel oder ein Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden
- Geschwollene Knöchel oder Beine, manchmal auch Wassereinlagerungen
- Häufigere Atemwegsinfekte oder pfeifende Atmung bei Belastung
Symptome bei Kindern
- Schnelles Ermüden beim Spielen oder Toben, oft mit Pausen
- Langsames Trinken und Zunehmen bei Säuglingen
- Bläuliche Lippen oder Fingernagelbetten
- Der Bauch wird beim Atmen stark eingezogen
- Kinder hocken sich oft hin, um wieder zu Kräften zu kommen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nachlassende körperliche Belastbarkeit, die oft als „Alter“ abgetan wird
- Luftnot beim Gehen, Treppensteigen oder beim Liegen
- Wassereinlagerungen in Beinen und Knöcheln
- Unregelmäßiger oder schneller Herzschlag
- Ein Druckgefühl in der Brust bei Belastung
Ursachen
Hauptursachen
- Ein angeborener Herzfehler, bei dem die Pulmonalklappe zu eng ist oder fehlt
- Verschleiß einer früher eingesetzten Klappe oder eines Schlauchsystems (Conduit) zwischen rechter Kammer und Lunge
- Narben oder Verwachsungen nach einer Herzoperation, die den Blutfluss behindern
- Eine anhaltende Belastung des rechten Herzens, die im Laufe der Jahre zu einer undichten Klappe führt
Risikofaktoren
- Angeborener Herzfehler, vor allem eine Fallot-Tetralogie oder eine Pulmonalklappenstenose (Verengung der Klappe)
- Eine oder mehrere frühere Herzoperationen
- Eine bereits eingesetzte künstliche Klappe oder ein Conduit, das mit den Jahren verschleißt
- Eine frühere Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis)
- Wenig Bewegung über lange Zeit, was die Belastbarkeit zusätzlich senkt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Atemnot plötzlich schlimmer wird oder schon in Ruhe auftritt
- Bei Ohnmacht, starker Schwindel oder Brustschmerzen
- Bei Fieber in Kombination mit einem Herzklappenersatz
- Wenn ein Kind mit Herzfehler plötzlich nicht mehr trinken mag oder sehr schlapp wirkt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei langsam nachlassender Belastbarkeit oder häufiger Müdigkeit
- Wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Herz stolpert oder schlägt ungewohnt
- Bei neuen Wassereinlagerungen an Beinen oder Knöcheln
- Zu den vereinbarten Kontrollterminen in der Kinderkardiologie oder Kardiologie – auch wenn es Ihnen gut geht
Diagnose
Ob eine neue Pulmonalklappe gebraucht wird und ob die TPVR möglich ist, prüft ein Team aus Kinderkardiologie, Kardiologie und Radiologie. Wichtig ist vor allem, wie stark das Herz durch die verengte oder undichte Klappe belastet wird und wie der Weg zur Klappe aussieht. Aus diesen Befunden entsteht ein persönlicher Plan – manchmal ist eine Katheterklappe möglich, manchmal ist eine Operation besser.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) – zeigt Größe, Form und Dichtigkeit der Klappe und wie gut das Herz pumpt
- Herzkatheteruntersuchung – misst Drücke und prüft den Weg, über den die neue Klappe eingebracht werden könnte
- Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) – liefert genaue Bilder von Herz, Klappe und Gefäßen
- EKG und Langzeit-EKG – prüfen den Herzrhythmus über einen längeren Zeitraum
- Belastungstest, zum Beispiel auf dem Fahrrad – zeigt, wie viel das Herz leisten kann
- Blutuntersuchung – gibt Hinweise auf Belastung oder Entzündung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei. Für den Ultraschall legen Sie sich auf eine Liege, für MRT und CT liegen Sie in einer Röhre, was für manche Menschen eng wirkt – sagen Sie ruhig vorher Bescheid, wenn Ihnen das unangenehm ist. Die Herzkatheteruntersuchung findet meist in örtlicher Betäubung statt, oft mit einem leichten Beruhigungsmittel. Nehmen Sie sich für den Tag Zeit und planen Sie, dass Sie danach noch etwas beobachtet werden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich danach, wie stark die Klappe verengt oder undicht ist und wie sehr das Herz darunter leidet. Ist die Belastung gering, kann zunächst abgewartet und regelmäßig kontrolliert werden. Wird die Belastung größer, ist ein Klappenersatz sinnvoll – entweder über einen Katheter (TPVR) oder, wenn der Katheterweg nicht geeignet ist, über eine Operation. Medikamente können Beschwerden lindern, ersetzen aber keinen Klappenersatz.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegen Sie sich regelmäßig, passen Sie die Intensität aber Ihrem Körper an und besprechen Sie Sport mit Ihrem Behandlungsteam
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Pausen, wenn Sie merken, dass die Kräfte nachlassen
- Wiegen Sie sich bei Neigung zu Wassereinlagerungen regelmäßig und notieren Sie das Gewicht
- Halten Sie Ihre Impfungen auf dem aktuellen Stand und sprechen Sie mit dem Behandlungsteam, welche wichtig sind
- Sagen Sie bei jedem Arztbesuch und vor Zahnbehandlungen, dass Sie einen Herzklappenersatz haben
- Achten Sie besonders auf Zahn- und Mundhygiene – das senkt das Risiko einer Klappenentzündung
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkohol, weil beides das Herz zusätzlich belastet
Medizinische Behandlungen
Medikamente können das Herz entlasten, den Blutdruck oder die Wasserausscheidung beeinflussen und Herzrhythmusstörungen behandeln. Sie werden immer individuell verordnet und dürfen nicht selbst angepasst werden. Der eigentliche Klappenersatz geschieht durch einen Eingriff: Bei der TPVR bringt das Ärzteteam die neue Klappe über einen Katheter durch eine Vene in der Leiste ein und entfaltet sie an der richtigen Stelle. Der Eingriff läuft meist unter Narkose oder tiefer Beruhigung und dauert oft ein bis drei Stunden. Danach wird geprüft, ob die Klappe dicht schließt und das Herz besser arbeitet. Wichtig: Sie erhalten hier keine Namen von Medikamenten oder Dosierungen – besprechen Sie alle Fragen mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.
Wann kommt eine Operation infrage?
Manchmal ist der Katheterweg nicht geeignet – etwa wenn die Gefäße zu eng sind, die alte Klappe nicht passend sitzt oder zusätzlich etwas am Herzen selbst repariert werden muss. Dann ist eine Operation mit Eröffnung des Brustkorbs die bessere Wahl. Diese Entscheidung trifft das Herzteam gemeinsam mit Ihnen. In Deutschland orientieren sich die Zentren dabei an den Leitlinien der Fachgesellschaften, etwa der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Leben mit der Erkrankung
Nach der TPVR erholen sich viele Menschen schnell und spüren schon nach wenigen Wochen mehr Luft und Kraft. In den ersten Wochen sollten Sie es ruhig angehen lassen und die Belastung langsam steigern. Kontrolltermine bleiben auch danach fester Bestandteil Ihres Alltags – sie zeigen frühzeitig, ob mit der Klappe alles in Ordnung ist. Sprechen Sie offen mit Ihrem Umfeld über Ihre Situation: Für Familie, Freunde, Schule oder Arbeit hilft es, zu wissen, worauf Rücksicht zu nehmen ist.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung in einem Tempo, bei dem Sie sich noch unterhalten können
- Ausreichend Pausen und ein verlässlicher Schlafrhythmus
- Konsequente Zahn- und Mundpflege
- Nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen
- Bei Erkältungen und Infekten frühzeitig zum Arzt gehen, statt lange abzuwarten
- Einen Ausweis oder eine Notiz bei sich tragen, aus der Ihr Herzklappenersatz hervorgeht
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn und wenig stark salzigen oder stark zuckrigen Lebensmitteln unterstützt Ihr Herz. Bei Wassereinlagerungen kann es helfen, die Salzmenge zu reduzieren – besprechen Sie das bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, statt selbst zu experimentieren. Bewegung ist ausdrücklich erwünscht, aber dosiert: Spazierengehen, Radfahren im flachen Gelände oder Schwimmen sind oft gut geeignet. Wettkampfsport und sehr intensive Belastungen sollten Sie vorher abklären lassen. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen einen passenden Trainingsplan empfehlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Herzfehler und ein Eingriff am Herzen können Ängste auslösen: Sorge vor der nächsten Kontrolle, Unsicherheit wegen der Zukunft, das Gefühl, nicht belastbar zu sein. Solche Gefühle sind völlig normal und brauchen Platz. Sprechen Sie darüber – mit dem Behandlungsteam, der Familie oder Freunden. Wenn die Belastung sehr groß wird, können psychologische Begleitung oder Selbsthilfegruppen helfen. Bei akuter seelischer Krise oder Gedanken, sich selbst zu verletzen, wenden Sie sich bitte sofort an den Notruf 112 oder suchen Sie die nächste Notaufnahme auf. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar.
Vorbeugung
Wie der erste Herzfehler entsteht, lässt sich in der Regel nicht vorbeugen. Sie können aber viel dafür tun, dass der Verlauf so gut wie möglich wird: regelmäßige Kontrollen wahrnehmen, Infektionen früh behandeln, auf Zahnhygiene achten und nicht rauchen. Auch die Bereitschaft, bei neuen Beschwerden früh ärztlichen Rat zu suchen, schützt Ihr Herz.
Impfungen
Impfungen sind für Menschen mit Herzfehler besonders wichtig, weil Infekte das Herz stärker belasten können. Welche Impfungen für Sie oder Ihr Kind sinnvoll sind, klären Sie bitte mit der Hausarztpraxis oder dem Herzzentrum – die Empfehlungen richten sich nach dem Alter, den vorhandenen Impfungen und dem individuellen Befund.
Früherkennungsprogramme
Da angeborene Herzfehler schon vor der Geburt und nach der Geburt systematisch erkannt werden, lassen sich Probleme meist früh entdecken. Nach einem Klappenersatz sind lebenslange Kontrollen im Herzzentrum empfohlen – auch ohne Beschwerden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Das rechte Herz muss dauerhaft gegen einen Widerstand pumpen und kann sich vergrößern und schwächer werden
- Zunehmende Einschränkung der Belastbarkeit im Alltag
- Herzrhythmusstörungen, die behandelt werden müssen
- Wassereinlagerungen in Beinen, Bauch oder Lunge
- Erhöhtes Risiko für eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis)
- In seltenen Fällen eine bleibende Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
Langzeitprognose
Die TPVR ist ein gut etablierter Eingriff, der vielen Menschen spürbar mehr Lebensqualität bringt. Viele berichten bereits einige Wochen später über mehr Luft und Kraft. Eine Herzklappe hält allerdings nicht ewig – auch die neue Klappe wird irgendwann kontrolliert und möglicherweise erneuert werden müssen. Mit guter Nachsorge, einem gesunden Lebensstil und einem verlässlichen Behandlungsteam an Ihrer Seite lässt sich das sehr gut begleiten. Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen: Sie sind die wichtigste Person in Ihrem Behandlungsteam.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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