Videoassistierte Thorakoskopie (VATS)
Übersicht
VATS ist eine Operationsmethode im Brustkorb. Der Name steht für videoassistierte Thorakoskopie: Eine kleine Kamera hilft dem Operationsteam, durch wenige kleine Schnitte zu sehen und zu arbeiten. Eine Thorakoskopie ist eine Brustkorbspiegelung. VATS ist also kein eigener Krankheitszustand und verursacht keine eigenen Beschwerden. Sie wird eingesetzt, um Erkrankungen im Brustkorb abzuklären oder zu behandeln.
Wichtige Fakten
- VATS ist eine minimalinvasive Operation: Sie braucht meist nur kleine Schnitte statt einer großen Öffnung des Brustkorbs.
- Sie kann zur Diagnose dienen, zum Beispiel bei einer Gewebeprobe, oder zur Behandlung, etwa bei Flüssigkeit oder Luft im Brustkorb.
- Die Beschwerden vor und nach einer VATS hängen von der Grunderkrankung und vom Eingriff ab.
VATS gehört heute in vielen Kliniken zur Standardversorgung in der Brustkorbchirurgie. Ob sie für Sie infrage kommt, hängt von Ihrer Erkrankung, Ihrem Allgemeinzustand und den Befunden ab.
Vor allem Erwachsene, bei denen eine Erkrankung im Brustkorb abgeklärt oder behandelt werden muss. Bei Kindern wird VATS seltener und nur für bestimmte Situationen eingesetzt.
Symptome
- Starke Atemnot, schnelle flache Atmung oder bläuliche Lippen.
- Plötzlicher, sehr starker Brustschmerz oder das Gefühl, dass die Luft wegbleibt.
- Nach einer Operation: starke Blutung aus der Wunde, sehr blasse Haut, Kaltschweißigkeit oder Bewusstlosigkeit.
- Fieber mit Schüttelfrost und schnell schlechter werdendem Allgemeinzustand.
- Husten mit viel Blut.
- ⚠Zunehmende Schmerzen, Rötung, Schwellung oder Wärme an der Wunde.
- ⚠Fieber, das nicht sinkt, oder wiederkehrendes Fieber.
- ⚠Anhaltende Übelkeit, Erbrechen oder Schwierigkeiten, Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
- ⚠Zunehmender Husten, Auswurf oder Atembeschwerden, die nicht besser werden.
- ⚠Schwellung oder Schmerz in einem Bein, weil ein Blutgerinnsel ausgeschlossen werden muss.
Häufige Symptome
- Anhaltender Husten oder wiederkehrende Atemwegsbeschwerden, die abgeklärt werden müssen.
- Atemnot oder ein Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können.
- Schmerzen oder Druck im Brustkorb.
- Wiederkehrender Lungenkollaps (Pneumothorax) oder Luft im Brustkorb.
- Flüssigkeit im Brustkorb (Pleuraerguss), die untersucht oder behandelt werden soll.
- Ein auffälliger Lungenknoten oder ein Befund in der Bildgebung, der eine Gewebeprobe braucht.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind die Beschwerden oft unspezifisch: Müdigkeit, Husten, Atemnot beim Spielen, wiederkehrende Infekte oder Bauchschmerzen.
- VATS wird bei Kindern nur bei ausgewählten Erkrankungen eingesetzt. Die Kinderärztin oder der Kinderchirurg erklärt, was im Einzelfall sinnvoll ist.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen stehen oft Atemnot, Husten, Flüssigkeit im Brustkorb oder auffällige Bildbefunde im Vordergrund.
- Begleiterkrankungen wie Herz- oder Lungenerkrankungen werden vor einer Operation besonders sorgfältig geprüft.
Ursachen
Hauptursachen
- VATS wird nicht durch eine einzelne Ursache ausgelöst. Sie ist ein Verfahren für verschiedene Erkrankungen im Brustkorb.
- Abklärung von Lungenknoten oder unklaren Veränderungen im Brustfell oder Lungengewebe.
- Behandlung von Luft im Brustkorb (Pneumothorax) oder Flüssigkeit im Brustkorb (Pleuraerguss).
- Erkrankungen des Brustfells, der Lunge oder des Mittelfells, die eine Gewebeprobe oder Operation brauchen.
- Bestimmte Eingriffe am sympathischen Nervensystem oder an der Brustwand, wenn andere Behandlungen nicht ausreichen.
Risikofaktoren
- Rauchen und chronische Lungenerkrankungen können die Ausgangslage erschweren.
- Höheres Alter und Begleiterkrankungen von Herz, Lunge oder Nieren.
- Gerinnungsstörungen oder eine Behandlung, die die Blutgerinnung beeinflusst.
- Frühere Operationen im Brustkorb können Narben und Verwachsungen verursachen.
- Allgemeine Narkoserisiken und ein geschwächtes Immunsystem.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn nach einer VATS die Atmung schwerer wird, Sie hohes Fieber bekommen oder die Wunde stark blutet: sofort Notruf 112.
- Bei zunehmender Wundrötung, Schwellung, Eiter oder Fieber am selben Tag das Behandlungsteam kontaktieren.
- Wenn Sie nach der Operation nicht trinken können, sich wiederholt übergeben oder stark geschwächt fühlen.
- Bei Schwellung oder Schmerz in einem Bein, der plötzlich auftritt.
- Bei neuem Bluthusten oder starkem Husten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie vor einer geplanten VATS Fragen zu Ablauf, Risiken oder Vorbereitung haben.
- Wenn nach der Entlassung der Husten länger als erwartet anhält oder die Schmerzen nicht besser werden.
- Wenn Sie unsicher sind, welche Bewegung oder welches Heben nach der Operation erlaubt ist.
- Wenn Sie sich psychisch belastet fühlen oder Angst vor dem Eingriff haben.
Diagnose
Vor einer VATS sammelt das Behandlungsteam Informationen aus Gespräch, körperlicher Untersuchung und Bildgebung. Manchmal ist die VATS selbst der nächste diagnostische Schritt, weil nur eine Gewebeprobe sicher zeigt, was im Brustkorb verändert ist. In Deutschland orientieren sich viele Kliniken dabei an AWMF-Leitlinien.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs.
- Computertomografie (CT) oder Ultraschall des Brustkorbs.
- Blutuntersuchungen, auch zur Gerinnung und zum allgemeinen Gesundheitszustand.
- Lungenfunktionstest und manchmal ein Belastungstest.
- Elektrokardiogramm (EKG) und Narkosegespräch vor der Operation.
- Gewebeentnahme (Biopsie), oft während der VATS.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vor dem Eingriff sprechen Sie mit der Narkoseärztin oder dem Narkosearzt und dem Operationsteam. Meist müssen Sie einige Stunden nüchtern bleiben. Die Operation findet in Vollnarkose statt. Über wenige kleine Schnitte führt das Team eine Kamera und feine Instrumente in den Brustkorb ein. Danach überwachen Sie meist noch für kurze Zeit auf einer Überwachungsstation. Wie lange Sie bleiben, hängt von der Erkrankung und vom Verlauf ab.
Behandlung
VATS ist selbst die Behandlung oder ein Teil der Behandlung. Sie kann dazu dienen, eine Diagnose zu sichern, Flüssigkeit oder Luft zu entfernen, Gewebe zu entfernen oder eine Erkrankung im Brustkorb zu behandeln. Ob VATS passt, entscheidet das Behandlungsteam mit Ihnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Folgen Sie den Anweisungen zur Wundpflege und halten Sie die Schnitte trocken, solange es empfohlen ist.
- Nehmen Sie Schmerzmittel nur so ein, wie es Ihr Behandlungsteam verordnet hat.
- Atmen Sie regelmäßig tief ein und machen Sie die gezeigten Atemübungen, um die Lunge zu belüften.
- Stehen Sie früh auf und bewegen Sie sich vorsichtig, wenn es erlaubt ist.
- Vermeiden Sie schweres Heben und starke Anstrengung zunächst.
- Achten Sie auf Fieber, zunehmende Atemnot oder Wundveränderungen und melden Sie sich beim Behandlungsteam.
Medizinische Behandlungen
Je nach Grunderkrankung kommen vor oder nach einer VATS allgemeine medizinische Maßnahmen infrage, zum Beispiel Schmerztherapie, Atemunterstützung, Physiotherapie oder eine Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung. Welche Behandlung sinnvoll ist, richtet sich nach dem Befund und Ihrem Gesundheitszustand. Ihr Behandlungsteam erklärt die Optionen und Nebenwirkungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine VATS kann sinnvoll sein, wenn ein Befund im Brustkorb abgeklärt werden muss, eine Gewebeprobe nötig ist, Luft oder Flüssigkeit im Brustkorb behandelt werden soll oder eine Erkrankung des Brustfells, der Lunge oder des Mittelfells operiert werden muss. Auch bei einem wiederkehrenden Lungenkollaps kann sie eingesetzt werden. Ob eine Operation infrage kommt, hängt von Ihrem Allgemeinzustand, Ihren Begleiterkrankungen und Ihrem Wunsch ab.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer VATS sind die ersten Tage oft von Müdigkeit und Wundschmerz geprägt. Viele können nach einigen Tagen wieder leichte Alltagsdinge tun. Voll belastbar sind manche erst nach einigen Wochen. Planen Sie Pausen ein und steigern Sie sich langsam.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen und Rauch aus der Umgebung meiden.
- Regelmäßige, leichte Bewegung nach Absprache.
- Ausreichend schlafen und Stress möglichst reduzieren.
- Auf eine ausgewogene Ernährung achten, damit der Körper gut heilen kann.
- Wundpflege und Nachsorgetermine zuverlässig einhalten.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie ausgewogen und trinken Sie ausreichend, wenn Ihr Behandlungsteam nichts anderes empfiehlt. Bewegung ist wichtig, aber beginnen Sie langsam: kurze Spaziergänge und Treppen in Maßen, keine schweren Lasten. Atemübungen helfen, die Lunge gut zu belüften. Fragen Sie vor dem Sport, wann Sie wieder voll einsteigen dürfen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Operation am Brustkorb kann Angst, Unsicherheit oder Erschöpfung auslösen. Solche Gefühle sind normal. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, wenn Sorgen Sie belasten. Wenn Sie Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid haben, rufen Sie sofort 112 an oder wenden Sie sich an die Notaufnahme. Hilfe ist verfügbar.
Vorbeugung
Eine VATS selbst kann man nicht verhindern, weil sie eine Behandlungsmethode ist. Sie können aber das Risiko für einige Grunderkrankungen senken, die eine Operation im Brustkorb nötig machen können, vor allem durch Rauchverzicht und den Schutz der Lunge.
Impfungen
Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, ob Impfungen gegen Grippe, COVID-19 oder Lungenentzündung für Sie sinnvoll sind. Impfungen können helfen, schwere Atemwegsinfekte zu vermeiden.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening speziell auf VATS gibt es nicht. Bei bestimmten Risikogruppen kann eine Lungenkrebs-Früherkennung sinnvoll sein. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Sie dafür infrage kommen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn die zugrunde liegende Erkrankung nicht abgeklärt oder behandelt wird, kann sie fortschreiten. Das kann Atemnot, Schmerzen oder eine schlechtere Lungenfunktion verursachen.
- Ein nicht behandelter Lungenkollaps oder eine größere Flüssigkeitsansammlung im Brustkorb kann die Atmung stark beeinträchtigen.
- Bei unklaren Gewebeveränderungen kann eine verzögerte Abklärung die Behandlungsmöglichkeiten einschränken.
- Nach einer Operation können Komplikationen wie Blutungen, Infektionen, Luftleck oder Thrombosen auftreten. Ihr Team überwacht Sie darauf.
Langzeitprognose
Die Aussichten nach einer VATS sind oft gut, besonders weil der Eingriff schonend ist. Der Verlauf hängt stark von der Grunderkrankung ab. Viele Menschen erholen sich innerhalb von Wochen. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen sagen, was für Ihren Fall zu erwarten ist.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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