V/Q-Szintigrafie – die Lungen-Szintigrafie verständlich erklärt
Übersicht
Bei einer V/Q-Szintigrafie werden die Lungen mit einer speziellen Kamera von außen „fotografiert“. Das „V“ steht für Ventilation, also die Belüftung der Lunge. Das „Q“ steht für Perfusion, also die Durchblutung. Es entstehen zwei Bilder: Eines zeigt, wo Luft in die Lunge gelangt, das andere zeigt, wo Blut durch die Lunge fließt. Vergleicht man beide Bilder, sieht die Ärztin oder der Arzt, ob es eine Stelle gibt, die zwar belüftet, aber nicht durchblutet wird. Ein solcher Befund ist ein typischer Hinweis auf eine Lungenembolie – ein Blutgerinnsel, das ein Blutgefäß in der Lunge verstopft. Für die Untersuchung werden sehr kleine Mengen eines schwach radioaktiven Stoffes verwendet, den man „Tracer“ nennt. Die Strahlenbelastung ist dabei gering und mit anderen bildgebenden Untersuchungen vergleichbar.
Wichtige Fakten
- Die Untersuchung dauert meist etwa 30 bis 60 Minuten.
- Sie ist kein Eingriff: Es wird kein Schlauch und kein Gerät in den Körper eingeführt.
- Für einen Teil wird ein schwach radioaktiver Stoff über eine kleine Vene gespritzt, für den anderen Teil wird ein radioaktives Gas eingeatmet.
- Die Strahlenbelastung ist gering.
- Das Ergebnis liegt meist noch am selben Tag oder am nächsten Tag vor.
Die V/Q-Szintigrafie ist eine gut etablierte Standarduntersuchung in der Nuklearmedizin. Heute wird bei Verdacht auf eine Lungenembolie oft zuerst eine Computertomografie gemacht. Die Szintigrafie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Computertomografie nicht gut passt – zum Beispiel bei einer Allergie gegen jodhaltiges Kontrastmittel, bei eingeschränkter Nierenfunktion oder in der Schwangerschaft.
Die Untersuchung ist in jedem Alter möglich. Häufig betroffen sind Menschen mit plötzlicher Atemnot oder Brustschmerzen, Menschen nach einer Operation, nach langer Bettruhe oder mit einer Thrombose im Bein. Auch Schwangere und Menschen mit einer Kontrastmittelallergie können von dieser Untersuchung besonders profitieren.
Symptome
- Plötzliche, schwere Atemnot
- Starke Brustschmerzen, besonders wenn sie beim Atmen schlimmer werden
- Ohnmacht oder kurzzeitiges Bewusstseinverlieren
- Bläuliche Lippen oder bläuliche Haut
- Husten mit Blut
- Sehr schneller Herzschlag mit Schweißausbruch und starker Angst
- Bei einem oder mehreren dieser Anzeichen sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠Neue Atemnot bei Belastung, die nicht wieder verschwindet
- ⚠Einseitig geschwollenes, warmes und schmerzendes Bein
- ⚠Leichte Brustschmerzen beim tiefen Einatmen
- ⚠Anhaltender trockener Husten ohne erkennbare Erkältung
- ⚠Diese Beschwerden sollten noch am selben Tag ärztlich abgeklärt werden.
Häufige Symptome
- Diese Anzeichen sind meist der Grund für die Untersuchung – nicht die Untersuchung selbst:
- Plötzlich auftretende Atemnot, oft ohne erkältungsbedingten Grund
- Schmerzen in der Brust, die beim tiefen Atmen oder beim Husten stärker werden
- Schneller oder unruhiger Herzschlag
- Husten, manchmal mit Blut vermischt
- Einseitig geschwollenes, warmes und schmerzendes Bein – ein Zeichen einer Thrombose
- Unruhe, Angst oder Schwindelgefühl
Ursachen
Hauptursachen
- Verdacht auf eine Lungenembolie – ein Blutgerinnsel verstopft ein Blutgefäß in der Lunge
- Verdacht auf eine chronische Lungenhochdruck-Erkrankung durch alte Gerinnsel (Fachbegriff: CTEPH) – dabei sind Lungengefäße dauerhaft verengt
- Unklare Atemnot, wenn andere Untersuchungen kein klares Ergebnis gebracht haben
- Planung einer Lungenoperation: Wie gut arbeiten die einzelnen Lungenabschnitte?
- Kontrolle nach einer bekannten Lungenembolie in bestimmten Fällen
Risikofaktoren
- Operationen, besonders an Hüfte, Knie oder Bauch
- Längere Bettruhe oder wenig Bewegung, zum Beispiel nach einem Beinbruch
- Sehr lange Reisen im Sitzen
- Krebserkrankungen und ihre Behandlung
- Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt
- Manche hormonelle Verhütungsmittel oder Hormontherapien – sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
- Angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen – das Blut gerinnt dabei leichter als normal
- Rauchen, starkes Übergewicht und höheres Alter
- Eine frühere Thrombose oder Lungenembolie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Atemnot oder Brustschmerz – hier zählt jede Minute, rufen Sie die 112 an
- Einseitige Beinschwellung mit Schmerzen und Wärme
- Husten mit Blut
- Kurze Ohnmacht oder Schwarzwerden vor den Augen
- Nach einer Operation oder langer Bettruhe neu auftretende Atemnot
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende Atemnot bei Belastung, die Sie beunruhigt
- Fragen zum Ablauf oder zu den Ergebnissen Ihrer Szintigrafie
- Unsicherheit, ob bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel besteht
- Das Gefühl, nach einer überstandenen Lungenembolie noch nicht wieder belastbar zu sein
Diagnose
Die Untersuchung läuft in zwei Teilen ab. Zuerst atmen Sie ein schwach radioaktives Gas oder einen feinen Nebel über eine Maske ein. Damit wird sichtbar, wo die Luft in die Lunge gelangt. Danach wird über eine kleine Vene in Ihrem Arm eine geringe Menge eines schwach radioaktiven Stoffes gespritzt. Dieser verteilt sich mit dem Blut in der Lunge und zeigt, wo Blut fließt. Anschließend liegen Sie ruhig auf einer Liege, während eine Kamera die Bilder aufnimmt. Sie müssen dabei still liegen und manchmal tief einatmen oder die Luft kurz anhalten. Schmerzhaft ist nichts davon. Danach vergleicht die Ärztin oder der Arzt beide Bilder und beurteilt, ob Belüftung und Durchblutung zusammenpassen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung, unter anderem auf D-Dimer – ein Abbauprodukt von Gerinnseln
- Ultraschall der Beinvenen, um eine Thrombose zu erkennen
- Computertomografie der Lunge mit Kontrastmittel (oft die erste Wahl)
- EKG und Blutgasanalyse
- Röntgenaufnahme der Lunge
- Die V/Q-Szintigrafie selbst
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist müssen Sie für die Untersuchung nicht nüchtern sein; essen und trinken dürfen Sie in der Regel normal. Planen Sie etwa eine Stunde Zeit ein, manchmal mit Wartezeit dazwischen. Nach der Untersuchung sollten Sie viel trinken, damit der radioaktive Stoff schneller ausgeschieden wird. Für einige Stunden ist es sinnvoll, engen Kontakt zu Schwangeren und kleinen Kindern zu vermeiden – das Praxisteam erklärt Ihnen genau, wie lange. Die Ergebnisse besprechen Sie anschließend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Behandlung
Die V/Q-Szintigrafie ist selbst keine Behandlung. Sie liefert die Information, die für die passende Behandlung nötig ist. Zeigt sich kein Hinweis auf eine Lungenembolie, kann eine vorsorglich begonnene Therapie oft beendet werden. Findet sich ein Gerinnsel, wird die Behandlung gezielt angepasst.
Selbsthilfe zu Hause
- Nach der Untersuchung viel trinken
- Den Arm an der Einstichstelle für einige Stunden schonen
- Bei langem Sitzen regelmäßig aufstehen und die Beine bewegen
- Bei einer verordneten Kompressionstherapie die Strümpfe konsequent tragen
- Auf Warnzeichen wie neue Atemnot oder Beinschwellung achten und diese sofort melden
- Ausreichend Pausen einplanen, solange der Körper sich erholt
Medizinische Behandlungen
Wie es weitergeht, hängt vom Befund ab. Wird eine Lungenembolie gefunden, kommen in der Regel Medikamente zum Einsatz, die die Gerinnung bremsen (Fachbegriff: Antikoagulation). Sie sorgen dafür, dass das Gerinnsel nicht weiterwächst, und geben dem Körper Zeit, es abzubauen. Wie lange diese Behandlung dauert, entscheidet die Ärztin oder der Arzt – häufig über mehrere Monate. Bei schweren Verläufen kann eine Behandlung im Krankenhaus mit Überwachung nötig sein. Bei ausgeprägter Atemnot kann zusätzlich Sauerstoff helfen. Welche Behandlung zu Ihnen passt, bespricht das Behandlungsteam individuell mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur selten ist ein Eingriff nötig. Bei einer sehr schweren Lungenembolie kann ein Gerinnsel in einer Notfallbehandlung aus dem Gefäß entfernt werden. In besonderen Situationen – etwa wenn gerinnungsbremsende Medikamente nicht gegeben werden können – kann vorübergehend ein kleiner Filter in eine große Vene im Bauchraum eingesetzt werden.
Leben mit der Erkrankung
Bis das Ergebnis da ist, ist die Anspannung oft groß. Nach der Untersuchung können Sie meist Ihrem Alltag ganz normal nachgehen. Wenn eine Lungenembolie festgestellt und behandelt wurde, geht es zunächst darum, sich zu schonen und die verordnete Behandlung zuverlässig einzuhalten. Viele Menschen sind danach schneller erschöpft als früher – das bessert sich meist mit der Zeit. Steigern Sie Ihre Aktivität langsam und in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Tipps für den Alltag
- Täglich in Bewegung bleiben – Spazierengehen ist ein guter Anfang
- Langes Sitzen unterbrechen: aufstehen, ein paar Schritte gehen, Füße bewegen
- Nicht rauchen – das entlastet Herz und Gefäße
- Ausreichend trinken
- Auf ein gesundes Körpergewicht achten
- Bei langen Reisen bequeme Kleidung tragen und die Beine regelmäßig bewegen
- Verordnete Kompressionsstrümpfe konsequent nutzen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt Herz und Gefäße. Bewegung ist wichtig, sollte aber nach einer Lungenembolie langsam aufgebaut werden. Ein guter Weg ist, mit kurzen Spaziergängen zu beginnen und die Strecke zu verlängern, sobald Sie sich wohlfühlen. Bei Atemnot oder Schwindel halten Sie an und sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über das Tempo.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nach einer Lungenembolie oder auch schon beim Warten auf ein Ergebnis fühlen sich viele Menschen ängstlich und verunsichert. Die Angst vor einem weiteren Gerinnsel ist verständlich. Sprechen Sie offen darüber – mit Ihrem Behandlungsteam, mit Menschen, die Ihnen nahestehen, oder in einer Selbsthilfegruppe. Wenn Sorgen und Ängste überhandnehmen und Sie sich stark belastet fühlen, holen Sie sich Unterstützung. In Deutschland gibt es die Telefonseelsorge; sie ist rund um die Uhr kostenlos, anonym und vertraulich erreichbar. In einer akuten Krise gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Eine V/Q-Szintigrafie muss man nicht verhindern – sie ist eine sichere und gut verträgliche Untersuchung, und der Nutzen einer klaren Diagnose überwiegt die geringe Strahlenbelastung deutlich. Vorbeugen lässt sich aber einer Lungenembolie: Nach Operationen früh wieder in Bewegung kommen, bei langem Sitzen regelmäßig aufstehen, verordnete Kompressionsstrümpfe tragen und gerinnungsbremsende Medikamente nach ärztlicher Anweisung einnehmen. Wenn Sie ein erhöhtes Risiko haben, sprechen Sie vor geplanten Operationen oder langen Reisen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Lungenembolie gibt es nicht. Bei mehreren Risikofaktoren – etwa einer früheren Thrombose oder einer bekannten Gerinnungsstörung – ist ein Beratungsgespräch sinnvoll, um Schutzmaßnahmen für besondere Situationen zu planen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine nicht erkannte Lungenembolie kann lebensgefährlich werden, weil ein Teil der Lunge nicht mehr durchblutet wird.
- Mögliche Spätfolgen sind anhaltende Atemnot oder ein Lungenhochdruck durch dauerhaft verengte Gefäße.
- Die Untersuchung selbst hat nur selten Nebenwirkungen: einen kleinen blauen Fleck an der Einstichstelle oder sehr selten eine allergische Reaktion auf den Tracer.
- Die Strahlenbelastung ist gering. Das Risiko, eine wichtige Diagnose zu verpassen, ist in der Regel deutlich größer als das Risiko der Untersuchung.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut. Mit einer passenden Behandlung erholen sich die meisten Menschen von einer Lungenembolie weitgehend und können wieder ihren Alltag leben. Die V/Q-Szintigrafie hilft dabei, schnell Klarheit zu bekommen. Manche Menschen brauchen etwas länger, bis sie wieder belastbar sind – geben Sie sich Zeit und lassen Sie sich begleiten.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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