Wiederbelebung und Herzdruckmassage (CPR)
Übersicht
Wiederbelebung – auf Englisch und in der Medizin oft „CPR“ für „cardiopulmonary resuscitation“ – ist die Kombination aus Herzdruckmassage und Atemspende. Sie kommt zum Einsatz, wenn das Herz eines Menschen aufgehört hat zu schlagen und er nicht mehr normal atmet. Dann wird der Körper nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Mit kräftigen, schnellen Druckbewegungen auf die Mitte des Brustkorbs übernimmt man sozusagen die Pumpfunktion des Herzens von außen. So bleibt das Gehirn in den Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Wiederbelebung ist also keine Behandlung einer Krankheit, sondern eine Sofortmaßnahme, die jeder Mensch erlernen kann.
Wichtige Fakten
- Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute: Schon nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff beginnt das Gehirn Schaden zu nehmen.
- Herzdruckmassage ist einfach: fest drücken, etwa 100- bis 120-mal pro Minute, in die Mitte des Brustkorbs, etwa fünf bis sechs Zentimeter tief.
- Wer als Ersthelfer oder Ersthelferin eingreift, verdoppelt bis verdreifacht die Überlebenschance der betroffenen Person.
Ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb des Krankenhauses betrifft in Deutschland schätzungsweise rund 60.000 Menschen pro Jahr. In vielen Fällen sind zufällig anwesende Menschen die ersten, die helfen können – deshalb ist es so wichtig, dass möglichst viele die Wiederbelebung kennen.
Grundsätzlich kann es jeden treffen, auch junge und scheinbar gesunde Menschen. Am häufigsten sind jedoch ältere Menschen und Personen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei Kindern und Jugendlichen ist ein Herz-Kreislauf-Stillstand sehr selten und hat oft andere Ursachen, zum Beispiel eine Atemnot oder einen Unfall.
Symptome
- Die Person reagiert nicht auf Ansprache und Rütteln
- Die Person atmet nicht normal oder gar nicht mehr
- Plötzlicher Zusammenbruch mit Bewusstlosigkeit
- Sofort den Notruf 112 wählen – parallel mit der Herzdruckmassage beginnen
- ⚠Kurze Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht, auch wenn die Person schnell wieder zu sich kommt
- ⚠Brustschmerz, der länger als einige Minuten anhält oder in Arm, Hals oder Rücken ausstrahlt
- ⚠Neu aufgetretenes Herzrasen, Herzstolpern oder ein sehr langsamer Puls mit Schwindel
- ⚠Plötzliche Luftnot in Ruhe oder bei kleinster Anstrengung
Häufige Symptome
- Die Person stürzt plötzlich zusammen und reagiert nicht mehr auf Ansprache
- Keine Reaktion auf leichtes Schütteln an den Schultern
- Die Person atmet nicht oder nur noch vereinzelt, stoßweise und schnappend (sogenannte Schnappatmung)
- Die Haut wirkt blass oder bläulich, besonders an Lippen und Fingern
Symptome bei Kindern
- Plötzliche Bewusstlosigkeit, häufig nach Atemproblemen, Erstickung oder einem Unfall
- Vorher manchmal auffällige Müdigkeit, Atemnot oder ein pfeifendes Atemgeräusch
- Schnappatmung wird bei Kindern leicht mit normaler Atmung verwechselt – im Zweifel immer von einem Stillstand ausgehen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Manchmal gehen dem Zusammenbruch Warnzeichen voraus, etwa Brustschmerzen, Luftnot oder Schwindel
- Bei Menschen mit Herzschrittmacher oder schweren Vorerkrankungen kann der Kreislaufstillstand ohne Vorwarnung auftreten
- Angehörige sollten wissen, wo in der Wohnung wichtige Informationen zur Gesundheit liegen
Ursachen
Hauptursachen
- Ein akuter Herzinfarkt, bei dem ein Teil des Herzmuskels keinen Sauerstoff mehr bekommt
- Schwere Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz ungeordnet flimmert statt zu pumpen
- Erstickung, zum Beispiel durch Verschlucken oder Rauchgas
- Ertrinken oder ein Stromunfall
- Große Mengen Blutverlust nach einem Unfall oder einer inneren Blutung
- Manchmal auch eine schwere Lungenembolie, eine Vergiftung oder eine schwere Unterkühlung
Risikofaktoren
- Bestehende Herzkrankheiten wie eine koronare Herzkrankheit oder eine Herzschwäche
- Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Diabetes
- Rauchen und häufiger Alkoholkonsum
- Bewegungsmangel und starkes Übergewicht
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie in jungen Jahren
- Zunehmendes Lebensalter
- Bestimmte erbliche Herzrhythmusstörungen, die in Familien gehäuft auftreten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Ohnmacht oder eine Phase mit Bewusstlosigkeit – auch wenn es der Person danach wieder gut geht
- Brustschmerz, Engegefühl in der Brust oder Druck, der in Arm, Hals oder Kiefer zieht
- Plötzliches Herzrasen oder Herzstolpern mit Schwindel
- Ungewohnte Luftnot bei leichter Anstrengung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie möchten Ihre persönlichen Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschätzen lassen
- Sie hatten in der Familie Fälle von plötzlichem Herztod und möchten das besprechen
- Sie möchten wissen, wie Sie Ihre eigenen Werte für Blutdruck, Blutzucker und Blutfette im Blick behalten
- Sie interessieren sich für einen Erste-Hilfe- oder Wiederbelebungskurs
Diagnose
Eine Wiederbelebung wird nicht „diagnostiziert“ – sie ist eine Sofortmaßnahme. Erkannt wird der Herz-Kreislauf-Stillstand an drei einfachen Zeichen: Die Person ist bewusstlos, sie atmet nicht normal und es ist niemand da, der sie aufweckt. Im Krankenhaus untersuchen Ärztinnen und Ärzte dann, warum das Herz aufgehört hat zu schlagen, damit die Ursache gezielt behandelt werden kann.
Mögliche Untersuchungen
- EKG (Elektrokardiogramm): Aufzeichnung der Herzströme, um Rhythmusstörungen oder einen Infarkt zu erkennen
- Blutuntersuchungen, unter anderem auf Herz- und Muskelenzyme
- Ultraschall des Herzens, um Pumpkraft und Ursache zu beurteilen
- Herzkatheteruntersuchung, wenn ein verengtes Herzkranzgefäß der Auslöser war
- Bei überlebenden Personen zusätzlich Untersuchungen zur Gehirnfunktion
- Bei jüngeren Betroffenen und familiärer Häufung manchmal genetische Beratung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Im Krankenhaus läuft die Behandlung meist auf einer Intensivstation. Angehörige werden so schnell wie möglich informiert, bekommen aber oft nicht sofort alle Antworten. Nach den ersten Stunden und Tagen klärt sich nach und nach, wie es weitergeht. Fragen Sie ruhig nach einem Gespräch mit dem Behandlungsteam – Sie haben ein Recht auf verständliche Erklärungen.
Behandlung
Bei der Wiederbelebung zählt die sogenannte Überlebenskette: früh erkennen, sofort den Notruf 112 wählen, umgehend mit der Herzdruckmassage beginnen, einen automatischen externen Defibrillator (AED) holen und einsetzen, und dann die professionelle Versorgung durch den Rettungsdienst. Jedes Glied dieser Kette erhöht die Chance, dass ein Mensch ohne bleibende Schäden überlebt.
Selbsthilfe zu Hause
- Einen Erste-Hilfe-Kurs mit Wiederbelebung besuchen – alle zwei Jahre eine kurze Auffrischung hilft, das Wissen frisch zu halten
- Sich merken, wo der nächste AED hängt – zum Beispiel im Bahnhof, im Einkaufszentrum oder im Sportverein
- Die Notrufnummer 112 im Handy speichern und im Haushalt sichtbar aufhängen
- Sich vorstellen, den Notruf zu wählen: Adresse, was passiert ist, wie viele Menschen betroffen sind, auf Rückfragen warten
- Im Ernstfall laut um Hilfe rufen und andere gezielt ansprechen, zum Beispiel: „Sie in der blauen Jacke, holen Sie den Defibrillator!“
Medizinische Behandlungen
Der Rettungsdienst übernimmt Atemunterstützung, Herzdruckmassage und – wenn nötig – eine Elektroschock-Behandlung, um das Herz wieder in einen geordneten Rhythmus zu bringen. Danach folgt die Behandlung im Krankenhaus: Die Ursache wird behandelt, zum Beispiel ein verschlossenes Herzkranzgefäß wieder geöffnet. Medikamente zur Stabilisierung des Kreislaufs und zur Förderung der Durchblutung werden von Ärztinnen und Ärzten verordnet. Bei manchen Menschen wird ein kleiner implantierbarer Defibrillator eingesetzt, der gefährliche Rhythmusstörungen selbstständig erkennt und behandelt. Anschließend folgt meist eine Rehabilitation, in der Kraft, Belastbarkeit und Alltag Schritt für Schritt wieder aufgebaut werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig sein, wenn ein verengtes Herzkranzgefäß der Auslöser war und mit einem Kathetereingriff oder einer Bypass-Operation behandelt werden muss. Auch bei bestimmten angeborenen oder erworbenen Herzfehlern kann ein Eingriff sinnvoll sein. Das entscheidet immer das behandelnde Herzteam gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem überstandenen Herz-Kreislauf-Stillstand ist der Alltag oft lange nicht wie vorher. Viele Betroffene sind schnell müdigkeit, haben Angst oder fühlen sich in ihrem Körper unsicher. Gleichzeitig gibt es guten Grund zuversichtlich zu sein: Mit Rehabilitation, regelmäßiger ärztlicher Begleitung und Geduld kehren viele Menschen Schritt für Schritt in ihr gewohntes Leben zurück. Auch Angehörige brauchen Zeit und Unterstützung – sie haben oft viel mitgemacht.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, angepasst an die eigene Belastbarkeit und am besten ärztlich abgesprochen
- Nicht rauchen und Alkohol nur zurückhaltend trinken
- Ausreichend schlafen und auf eine gute Erholung achten
- Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrollieren lassen
- Stress im Alltag reduzieren, wo es möglich ist
- Einen Notfallplan für die Familie besprechen: Wer ruft an, wer beginnt mit der Herzdruckmassage?
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten tut Herz und Gefäßen gut. Salz und stark verarbeitete Lebensmittel besser sparsam verwenden. Bewegung ist nach einer Wiederbelebung wichtig, sollte aber langsam aufgebaut werden – oft beginnt sie in der Rehabilitation mit angeleiteten Übungen. Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen sind Beispiele, wenn es die Ärztin oder der Arzt erlaubt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Viele Überlebende berichten von Ängsten, Schlafproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten oder einer gedrückten Stimmung. Auch Angehörige können das Erlebte belastend finden. Das ist verständlich und keine Schwäche. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Behandlungsteam; psychologische Begleitung ist ein normaler Teil der Genesung. Wenn Gedanken sehr schwer werden, hilft die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, vertraulich und rund um die Uhr. In einer akuten seelischen Krise wählen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jeder Herz-Kreislauf-Stillstand lässt sich verhindern. Aber die häufigsten Ursachen – Herzkrankheiten und Herzinfarkte – lassen sich deutlich beeinflussen. Wer Risiken früh erkennt und behandelt, senkt sein Risiko spürbar. Und unabhängig davon gilt: Wer Wiederbelebung beherrscht, kann im Ernstfall Leben retten.
Impfungen
Impfungen schützen nicht direkt vor einem Herzstillstand, können aber indirekt hilfreich sein, weil Infekte Herz und Kreislauf belasten können. Sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis, welche Impfungen für Sie persönlich sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gehört der Gesundheits-Check-up zur Routine, bei dem Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gemessen werden. Die medizinischen Fachgesellschaften in der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) empfehlen, Herz-Kreislauf-Risiken regelmäßig einzuschätzen. Auch das Üben von Wiederbelebung gehört zur Vorbereitung: Kurse werden von Hilfsorganisationen, Krankenkassen und Betrieben angeboten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Wiederbelebung wird das Gehirn schon nach wenigen Minuten dauerhaft geschädigt
- Rippenbrüche oder Prellungen durch die Herzdruckmassage sind möglich – sie sind aber deutlich weniger gefährlich als keine Hilfe
- Nach überlebtem Stillstand können Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Müdigkeit oder Angstzustände auftreten
- In den ersten Wochen danach besteht ein erhöhtes Risiko für weitere Rhythmusstörungen
Langzeitprognose
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand ist ein sehr ernster Notfall – das lässt sich nicht beschönigen. Gleichzeitig ist viel möglich: Wenn sofort mit der Herzdruckmassage begonnen und ein Defibrillator früh eingesetzt wird, überleben deutlich mehr Menschen als ohne Hilfe. Viele kehren nach einer Rehabilitation wieder in ihr gewohntes Leben zurück. Jeder Menschen, der einen Wiederbelebungskurs macht, erhöht diese Chance für andere – und vielleicht irgendwann für einen selbst.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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