Koronare Brachytherapie
Übersicht
Die koronare Brachytherapie ist keine Krankheit, sondern ein spezielles Behandlungsverfahren am Herzen. Vereinfacht gesagt wird dabei für kurze Zeit eine winzige Strahlenquelle über einen Herzkatheter in ein Herzkranzgefäß gebracht. Eine Herzkranzarterie ist ein Blutgefäß, das den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgt. Ziel der Strahlung ist es, das erneute Zuwachsen einer Engstelle zu bremsen. Das passiert vor allem dann, wenn sich in einem bereits eingesetzten Stent – einem kleinen Drahtgeflecht, das das Gefäß offenhält – wieder Gewebe gebildet hat. Die Strahlung wirkt direkt an der Gefäßwand und schädigt das umliegende Gewebe so wenig wie möglich.
Wichtige Fakten
- Die koronare Brachytherapie ist ein Herzkatheter-Verfahren mit einer kurzen, gezielten Bestrahlung von innen.
- Sie wird heute nur noch in ausgewählten Fällen eingesetzt, vor allem wenn ein Stent erneut zugewachsen ist.
- Der Eingriff findet meist im Herzkatheterlabor statt und dauert oft nur wenige Minuten bis etwa eine halbe Stunde.
- Die Strahlung ist auf die Gefäßwand begrenzt – der übrige Körper wird kaum belastet.
Nein, die koronare Brachytherapie ist ein seltenes Verfahren. Seit es Stents gibt, die eine das Gewebewachstum bremsende Substanz abgeben, wird sie deutlich seltener angewendet. Sie bleibt aber eine wichtige Option für besondere Situationen, in denen andere Behandlungen nicht gut funktionieren.
Betroffen sind fast ausschließlich Erwachsene mit einer koronaren Herzkrankheit, also einer Verengung der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen. Häufiger kommt das Verfahren bei Menschen mit Diabetes, bei sehr kleinen oder langen Gefäßabschnitten und bei Personen infrage, bei denen ein Stent schon mehrfach zugewachsen ist.
Symptome
- Starker Druck oder Schmerz in der Brust, der länger als fünf Minuten anhält
- Brustschmerz mit Ausstrahlung in Arm, Rücken, Hals oder Kiefer
- Kaltschweißigkeit, Übelkeit oder Todesangst zusammen mit Brustbeschwerden
- Plötzliche schwere Atemnot, auch in Ruhe
- Bewusstlosigkeit oder ein plötzlicher Zusammenbruch
- Herzrasen zusammen mit Schwindel oder Ohnmachtsgefühl
- ⚠Neue oder deutlich häufiger auftretende Brustbeschwerden bei Belastung
- ⚠Beschwerden, die schon in Ruhe auftreten, aber schnell wieder verschwinden
- ⚠Zunehmende Luftnot bei alltäglichen Dingen wie Treppensteigen
- ⚠Geschwollene Beine oder eine rasche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
Häufige Symptome
- Enge oder Druck in der Brust, oft bei Belastung und in Ruhe besser werdend
- Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung
- Leistungsabfall und schnelle Erschöpfung
- Schmerzen, die in Arm, Schulter, Hals oder Kiefer ausstrahlen können
- Manchmal gar keine Beschwerden – dann fällt die Verengung nur bei einer Untersuchung auf
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist dieses Verfahren praktisch nicht relevant, weil verkalkte Herzkranzgefäße im Kindesalter extrem selten sind.
- Angeborene Herzerkrankungen bei Kindern werden anders behandelt und betreut.
- Bei Kindern mit Herzbeschwerden sollte immer frühzeitig eine Kinderkardiologin oder ein Kinderkardiologe hinzugezogen werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Beschwerden zeigen sich manchmal untypisch, zum Beispiel nur als Luftnot, Schwäche oder Übelkeit
- Schmerzen können als Magendruck oder Verdauungsbeschwerden wahrgenommen werden
- Bei Menschen mit Diabetes verläuft eine Verengung häufiger schmerzarm
- Eine plötzliche Verwirrtheit oder ein allgemeiner Kraftverlust kann ein Warnzeichen sein
Ursachen
Hauptursachen
- Eine koronare Herzkrankheit: Fett- und Kalkablagerungen verengen die Herzkranzgefäße.
- Nach einem Stent kann sich die Gefäßwand durch Narbengewebe erneut verdicken – das nennt man In-Stent-Restenose, also ein erneutes Zuwachsen im Stent.
- Dieses Nachwachsen entsteht, weil sich Zellen der Gefäßwand als Reaktion auf den Stent vermehren.
- Selten sind andere Ursachen wie eine Bestrahlung des Brustkorbs in der Vergangenheit oder eine Gefäßentzündung.
Risikofaktoren
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Cholesterinwerte
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Nierenschwäche
- Sehr kleine oder sehr lange behandelte Gefäßabschnitte
- Eine bereits früher aufgetretene Verengung im Stent
- Eine unregelmäßige Einnahme der verordneten gerinnungshemmenden Medikamente
- Familiäre Veranlagung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Brustbeschwerden neu auftreten, stärker werden oder länger als einige Minuten anhalten – im Zweifel sofort den Notruf 112 wählen.
- Wenn Sie nach einem Herzkatheter-Eingriff Schmerzen, Schwellung oder eine Blutung an der Einstichstelle bemerken.
- Wenn nach dem Eingriff Fieber, Schüttelfrost oder ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten.
- Wenn Sie das Gefühl haben, Ihre verordneten Medikamente nicht wie besprochen einnehmen zu können.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie merken, dass Sie bei Belastung schneller außer Atem kommen als früher.
- Zu den vereinbarten Kontrollterminen in der Kardiologie, auch wenn es Ihnen gut geht.
- Wenn Sie Fragen zu Ihren Medikamenten oder zur Bewegung nach dem Eingriff haben.
- Wenn sich Ihre Lebenssituation ändert, zum Beispiel ein Umzug oder eine neue Arbeit mit Schichtdienst.
Diagnose
Die Entscheidung für oder gegen eine koronare Brachytherapie fällt in der Regel im Herzkatheterlabor. Dort werden die Herzkranzgefäße mit Kontrastmittel sichtbar gemacht. Zeigt sich, dass ein Stent erneut zugewachsen ist, besprechen die Behandelnden noch während der Untersuchung, welche Therapie am besten passt. Vorher gibt es außerdem Gespräche über Ihre Beschwerden, Ihre Vorgeschichte und Ihre übrigen Erkrankungen.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch und körperliche Untersuchung
- Elektrokardiogramm (EKG): misst die elektrischen Signale des Herzens
- Echokardiografie (Ultraschall des Herzens): zeigt Pumpleistung und Herzklappen
- Belastungsuntersuchung, zum Beispiel ein Belastungs-EKG oder eine Stressechokardiografie
- Laboruntersuchungen von Blutwerten wie Blutzucker, Cholesterin und Nierenwerten
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie) mit Kontrastmittel
- Intravaskulärer Ultraschall (IVUS) oder optische Kohärenztomografie (OCT): feine bildgebende Verfahren, die die Gefäßwand von innen darstellen
- Manchmal eine Herzkernspintomografie oder eine Computertomografie des Herzens
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vor dem Eingriff sprechen Sie mit dem Behandlungsteam über Ablauf, Nutzen und mögliche Risiken und unterschreiben eine Einwilligung. Meist müssen Sie einige Stunden nüchtern bleiben. Der Eingriff selbst läuft über einen dünnen Schlauch, der meist über die Leiste oder das Handgelenk eingeführt wird. Sie sind dabei wach, bekommen aber eine örtliche Betäubung und oft ein beruhigendes Mittel. Nach dem Eingriff wird die Einstichstelle einige Stunden überwacht, und Sie sollten sich zunächst schonen.
Behandlung
Die koronare Brachytherapie ist selbst die Behandlung – sie soll verhindern, dass ein Herzkranzgefäß erneut zuwächst. Der Ablauf ist mit einer normalen Herzkatheteruntersuchung vergleichbar: Über einen Katheter wird ein kleiner Ballon an die betroffene Stelle gebracht und für kurze Zeit mit einer Strahlenquelle versehen. Die Strahlung bremst die Zellen, die das Gefäß von innen wieder einengen würden. Danach wird der Ballon wieder entfernt. In vielen Fällen wird die Stelle zusätzlich mit einem neuen Stent versorgt, der das Gefäß offenhält.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente regelmäßig und sprechen Sie vor dem Absetzen immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
- Schonen Sie in den ersten Tagen die Einstichstelle und beobachten Sie sie auf Schwellung, Rötung oder Blutung.
- Trinken Sie ausreichend, sofern Ihnen nichts anderes empfohlen wurde.
- Bauen Sie Bewegung langsam auf – am besten im Rahmen einer Herzsportgruppe oder einer kardiologischen Rehabilitation.
- Verzichten Sie auf das Rauchen; Unterstützung beim Aufhören bekommen Sie in Ihrer Praxis oder Apotheke.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und planen Sie Pausen im Alltag ein.
Medizinische Behandlungen
Nach dem Eingriff ist eine medikamentöse Behandlung fast immer wichtig. Dazu gehören Mittel, die die Blutgerinnung oder die Verklumpung von Blutplättchen hemmen – sie sollen verhindern, dass sich an der behandelten Stelle ein Blutgerinnsel bildet. Außerdem werden je nach Befund Medikamente eingesetzt, die Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker senken. Welche Mittel für Sie passen, wie lange Sie sie einnehmen müssen und welche Wechselwirkungen es geben kann, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ausführlich mit Ihnen. Bitte ändern Sie nichts eigenständig und fragen Sie bei Nebenwirkungen zuerst in Ihrer Praxis oder Apotheke nach.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ist ein Gefäß für einen Kathetereingriff nicht geeignet, zum Beispiel weil die Verengung sehr lang oder ungünstig gelegen ist, kann eine Bypass-Operation erwogen werden. Dabei werden verengte Abschnitte mit einer körpereigenen Ader überbrückt. Diese Entscheidung wird immer im Team und gemeinsam mit Ihnen getroffen, nachdem alle Befunde besprochen wurden.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Behandlung geht das Leben meist schnell weiter. Viele Menschen fühlen sich nach ein bis zwei Wochen wieder deutlich belastbarer. Wichtig ist, dass Sie Ihre Termine wahrnehmen, Ihre Medikamente zuverlässig einnehmen und auf Ihren Körper hören. Viele berichten, dass sie nach dem Eingriff wieder unbeschwerter spazieren gehen oder Treppen steigen können. Geben Sie sich Zeit, wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung, die zu Ihnen passt – zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen
- Rauchen aufgeben; jede rauchfreie Zeit lohnt sich
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten
- Wenig stark verarbeitete Lebensmittel und wenig Salz
- Ausreichend Schlaf und bewusste Ruhepausen
- Stress im Alltag reduzieren, zum Beispiel durch Entspannungsübungen
- Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin
Ernährung und Bewegung
Eine herzfreundliche Ernährung ist keine strenge Diät, sondern eine dauerhafte Gewohnheit. Setzen Sie auf pflanzliche Öle statt tierischer Fette, greifen Sie öfter zu Fisch, Nüssen und Gemüse und achten Sie auf Ihr Trinkverhalten. Bei der Bewegung gilt: lieber regelmäßig und moderat als selten und sehr anstrengend. Eine gute Faustregel ist, dass Sie sich beim Sport noch unterhalten können. Wenn Sie unsicher sind, wie viel Belastung für Sie richtig ist, hilft eine kardiologische Rehabilitation oder ein Gespräch in Ihrer Praxis.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzerkrankung kann Sorgen machen – Angst vor einem erneuten Eingriff, Unsicherheit bei jedem Druck in der Brust oder eine gedrückte Stimmung sind häufige und verständliche Reaktionen. Auch Schlafprobleme oder Reizbarkeit kommen vor. Das ist nichts, womit Sie allein bleiben müssen. Bitte sprechen Sie darüber – mit Ihrem Behandlungsteam, mit vertrauten Menschen oder mit einer psychologischen Beratungsstelle. Bei Gedanken, die Ihnen Angst machen oder Sie belasten, gibt es jederzeit Unterstützung; in akuten seelischen Krisen können Sie sich rund um die Uhr an eine Krisenberatung oder den Notruf 112 wenden.
Vorbeugung
Ein erneutes Zuwachsen eines Stents lässt sich nicht mit Sicherheit verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Entscheidend ist, die Ursachen der koronaren Herzkrankheit im Blick zu behalten: Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin gut einstellen, nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen und die verordneten Medikamente zuverlässig einnehmen. Genau dafür wurde die koronare Brachytherapie entwickelt – sie ist also selbst ein Baustein der Vorbeugung.
Impfungen
Bei Herzerkrankungen kann ein Impfschutz sinnvoll sein, zum Beispiel gegen Grippe oder Lungenentzündung, weil Infekte das Herz belasten können. Ob und wann eine Impfung für Sie passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Risiken früh zu erkennen. Dazu gehören Blutdruckmessungen, Blutfett- und Blutzuckerwerte sowie je nach Situation weitere Herzuntersuchungen. In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen ein Gesundheits-Check-up für Erwachsene; fragen Sie in Ihrer Praxis nach den für Sie passenden Terminen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine erneute Verengung kann zu Belastungsbeschwerden und Luftnot führen.
- Das Risiko für einen Herzinfarkt steigt, wenn ein Gefäß sich weiter verschließt.
- Die Herzleistung kann dauerhaft abnehmen.
- Selten kommt es zu Herzrhythmusstörungen.
- Nicht jede Verengung muss behandelt werden – wie dringend etwas ist, entscheidet die Untersuchung.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt gut. Die koronare Brachytherapie kann in geeigneten Fällen verhindern, dass eine Stelle im Gefäß erneut zuwächst, und vielen Menschen hilft sie, wieder beschwerdefrei zu leben. Nicht jede Behandlung wirkt gleich gut, und manchmal ist später ein weiterer Eingriff nötig. Mit einer guten Nachsorge, einer herzfreundlichen Lebensweise und verlässlicher Medikamenteneinnahme lässt sich viel erreichen. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie dabei Schritt für Schritt.
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Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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