Eierstockentfernung (Oophorektomie)
Übersicht
Bei einer Eierstockentfernung – medizinisch Oophorektomie genannt – nehmen Ärztinnen und Ärzte einen oder beide Eierstöcke durch eine Operation heraus. Die Eierstöcke sind zwei kleine Organe im Unterbauch. Sie bilden die Eizellen und die weiblichen Geschlechtshormone, vor allem Östrogen und Progesteron. Wird nur ein Eierstock entfernt, heißt das einseitig. Werden beide entfernt, heißt es beidseitig. Nach einer beidseitigen Entfernung kann der Körper keine Eizellen mehr reifen lassen, und die Hormonproduktion verändert sich. Die Operation selbst dauert meist etwa eine Stunde und wird oft mit einer kleinen Kamera über kleine Schnitte im Bauch durchgeführt (Bauchspiegelung). Manchmal ist ein größerer Bauchschnitt nötig.
Wichtige Fakten
- Es gibt zwei Formen: die Entfernung eines Eierstocks und die Entfernung beider Eierstöcke.
- Die Operation kann offen über einen Bauchschnitt oder schonend über kleine Schnitte (Bauchspiegelung) erfolgen.
- Werden beide Eierstöcke vor den Wechseljahren entfernt, setzt der Körper die Hormonbildung plötzlich aus. Das kann Beschwerden wie Hitzewallungen auslösen.
- Nach der Operation ist keine Schwangerschaft mit eigenen Eizellen mehr möglich. Über Möglichkeiten des Kinderwunsches wird vorher gesprochen.
- Der Eingriff wird nur empfohlen, wenn ein klarer medizinischer Grund vorliegt.
Eine Eierstockentfernung gehört zu den häufigeren gynäkologischen Operationen. Sie wird zum Beispiel bei hartnäckigen Zysten, bei Endometriose oder bei bösartigen Veränderungen durchgeführt. Wie oft sie vorkommt, hängt stark vom Alter und von der jeweiligen Erkrankung ab.
Grundsätzlich können Frauen jeden Alters betroffen sein, von der Jugend bis ins hohe Alter. Am häufigsten ist der Eingriff bei Frauen nach den Wechseljahren. Bei jüngeren Frauen wird besonders sorgfältig abgewogen, ob wirklich ein Eierstock entfernt werden muss, weil die Hormone für Knochen, Herz und Allgemeinbefinden wichtig sind.
Symptome
- Starke, plötzlich einsetzende Bauchschmerzen mit hartem Bauch
- Sehr starker Blutverlust, Kreislaufschwäche, kalter Schweiß oder Ohnmacht
- Plötzliche Atemnot oder stechender Schmerz in der Brust
- Fieber über 39 Grad mit Schüttelfrost und rasch schlechter werdendem Allgemeinbefinden
- Nach einer Operation: starke Blutung aus der Wunde oder aus der Scheide, die nicht aufhört
- Einseitige Schwellung und Schmerz in Wade oder Bein mit Atemnot
- ⚠Zunehmender Wundschmerz, Rötung oder Austritt von Wundsekret
- ⚠Fieber ab etwa 38,5 Grad
- ⚠Anhaltendes Erbrechen oder Unfähigkeit zu trinken
- ⚠Ausbleiben von Stuhlgang und Winden über mehrere Tage
- ⚠Starke Übelkeit mit Schwindel
Häufige Symptome
- Unterbauchschmerzen, die wiederkehren oder dauerhaft bestehen
- Druck- oder Völlegefühl im Bauch, manchmal mit Blähungen
- Unregelmäßige oder sehr starke Regelblutungen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Nach der Operation: Wundschmerz, Müdigkeit und ein allgemeines Schwächegefühl in den ersten Tagen
- Nach Entfernung beider Eierstöcke vor den Wechseljahren: Hitzewallungen, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen und trockene Schleimhäute
Symptome bei Kindern
- Eine Eierstockentfernung ist bei Kindern und Jugendlichen selten.
- Wenn sie nötig wird, dann meist wegen eines Tumors oder wegen einer verdrehten Eierstock-Zyste, die starke Schmerzen macht.
- Kinder äußern Bauchschmerzen oft unklar. Wiederholtes Klagen, Übelkeit oder Appetitlosigkeit sollten ärztlich abgeklärt werden.
- Vor jedem Eingriff wird bei jungen Mädchen besonders genau geprüft, ob sich Gewebe erhalten lässt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nach den Wechseljahren fallen plötzliche Hormonbeschwerden meist geringer aus.
- Wichtiger sind hier der Schutz der Knochen und die Frage, ob eine Hormonersatzbehandlung sinnvoll sein könnte.
- Nach der Operation ist das Risiko für Thrombosen (Blutgerinnsel) erhöht. Frühes Aufstehen und Bewegung helfen.
- Bei älteren Menschen sollte auch die allgemeine Belastbarkeit vor der Operation besprochen werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Wiederkehrende oder sehr große Eierstockzysten, die nicht von selbst abheilen
- Endometriose, bei der Gewebe wie Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst und Beschwerden macht
- Gutartige Geschwulste am Eierstock
- Bösartige Veränderungen am Eierstock
- Ein verdrehter Eierstock (Stieldrehung), der die Blutversorgung abschneidet und sofort operiert werden muss
- Ein Abszess oder eine eitrige Entzündung im kleinen Becken, die nicht anders zu behandeln ist
- Sehr hohes familiäres Risiko für Eierstock- oder Brustkrebs durch vererbte Genveränderungen
- Manchmal fällt die Entscheidung im Rahmen einer anderen Operation, zum Beispiel bei einer Gebärmutterentfernung
Risikofaktoren
- Eine bekannte erbliche Veranlagung für Eierstock- oder Brustkrebs in der Familie
- Wiederholte oder ausgeprägte Eierstockzysten
- Endometriose oder lang andauernde Entzündungen im Becken
- Höheres Lebensalter, weil bestimmte Veränderungen dort häufiger auftreten
- Rauchen und starkes Übergewicht können bei einigen Eierstockerkrankungen eine Rolle spielen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Bauchschmerzen, besonders wenn sie plötzlich beginnen
- Fieber mit Bauchschmerzen
- Blutung aus der Scheide, die nicht nachlässt
- Nach einer Operation: Atemnot, Brustschmerz, Wundprobleme oder hohes Fieber
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wiederkehrende Unterbauchschmerzen über mehrere Wochen
- Blähungen oder ein dauerhaftes Druckgefühl im Bauch
- Veränderte oder sehr starke Regelblutungen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Ein unerfüllter Kinderwunsch
- Wenn in Ihrer Familie Eierstock- oder Brustkrebs gehäuft vorkommt
Diagnose
Bevor über eine Operation entschieden wird, klärt die gynäkologische Praxis, woher die Beschwerden kommen und welche Behandlung passt. Das Gespräch umfasst Ihre Vorgeschichte, Ihre familiäre Belastung, Ihren Kinderwunsch und ob Sie bereits in den Wechseljahren sind. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, meist mit einer vaginalen Ultraschalluntersuchung. So lassen sich Größe, Lage und Beschaffenheit der Eierstöcke gut beurteilen. Auf dieser Grundlage wird gemeinsam besprochen, ob ein Zuwarten, eine medikamentöse Behandlung oder eine Operation sinnvoll ist.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch mit Erfassung der Beschwerden und der Familiengeschichte
- Körperliche Untersuchung des Bauchs und der Beckenregion
- Ultraschall über die Scheide oder über den Bauch
- Blutuntersuchung, unter anderem zu bestimmten Tumormarkern – diese Werte allein beweisen nichts
- Bei Bedarf Magnetresonanztomographie (MRT), also eine Untersuchung mit Magnetfeld und ohne Röntgenstrahlen
- Bei Verdacht auf eine erbliche Veranlagung: humangenetische Beratung, bei der über eine Gentestung gesprochen wird
- Vor einer Operation: allgemeine Voruntersuchungen wie Blutwerte und ein Gespräch zur Narkose
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Weg bis zur Operationsentscheidung kann einige Wochen dauern, weil oft Kontrollen abgewartet werden. Fragen Sie nach, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was passiert, wenn Sie zunächst abwarten. Klären Sie vorher auch, ob ein oder beide Eierstöcke entfernt werden müssen und wie sich das auf Hormone und Kinderwunsch auswirkt. Wenn möglich, sprechen Sie mit einer Fachkraft, die ausführlich über die Hormonumstellung informiert.
Behandlung
Nicht jede Veränderung am Eierstock muss operiert werden. Oft reicht es, einen Befund in Kontrollterminen zu beobachten. Wenn eine Operation nötig ist, wird sie so schonend wie möglich geplant. Wichtig ist, dass nur so viel Gewebe entfernt wird, wie medizinisch erforderlich. Bei jüngeren Frauen wird deshalb oft geprüft, ob ein gesunder Teil eines Eierstocks erhalten bleiben kann.
Selbsthilfe zu Hause
- Vor der Operation: gut informieren, Fragen aufschreiben und nach einer zweiten Meinung fragen, wenn Sie unsicher sind
- Nach der Operation: körperliche Ruhe in den ersten Tagen, dann langsam wieder in Bewegung kommen
- Schwere Heben und anstrengenden Sport für einige Wochen vermeiden – fragen Sie nach, wie lange genau
- Die Wunden trocken halten und auf Rötung, Schwellung oder Austritt von Flüssigkeit achten
- Ausreichend trinken und früh wieder leichte Kost essen
- Bei Hitzewallungen oder Schlafproblemen: lockerer Kleidung, kühle Räume und regelmäßige Tagesstruktur können entlasten
- Nehmen Sie Kontrolltermine nach der Operation wahr, auch wenn es Ihnen gut geht
Medizinische Behandlungen
Welche Behandlung passt, hängt vom Befund ab. Bei gutartigen Befunden kann zunächst abgewartet werden, manchmal mit Kontrolluntersuchungen in festen Abständen. Beschwerden durch Endometriose oder Entzündungen lassen sich häufig auch mit anderen Behandlungswegen lindern; darüber berät die gynäkologische Praxis ausführlich. Die Operation selbst wird meist schonend über kleine Schnitte durchgeführt, oft in Vollnarkose. Wurden beide Eierstöcke entfernt und treten deutliche Hormonbeschwerden auf, kann eine Hormonersatzbehandlung in Betracht gezogen werden. Ob das für Sie sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab und wird individuell besprochen. Auch Möglichkeiten des Knochenschutzes und der Kinderwunschvorsorge gehören in dieses Gespräch.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist zum Beispiel sinnvoll, wenn eine Zyste trotz Kontrolle nicht verschwindet, sehr groß ist oder starke Schmerzen macht, wenn der Verdacht auf eine bösartige Veränderung besteht, wenn ein Eierstock verdreht ist und die Blutversorgung abgeschnitten wird, oder wenn bei einer erblichen Hochrisiko-Situation eine vorbeugende Entfernung besprochen wird. Ein verdrehter Eierstock ist ein Notfall und muss sofort operiert werden.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer schonenden Operation sind viele Frauen nach wenigen Tagen wieder im Alltag unterwegs. Die volle Belastbarkeit braucht aber oft einige Wochen. Wurden beide Eierstöcke entfernt und sind Sie noch vor den Wechseljahren, kann der Körper die Hormonumstellung deutlich spüren. Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen sind häufige, aber gut behandelbare Begleiterscheinungen. Mit der Zeit pendelt sich vieles ein. Sprechen Sie offen darüber – Sie müssen da nicht allein durch.
Tipps für den Alltag
- Bewegung regelmäßig in den Alltag einbauen, etwa Spazierengehen oder Schwimmen
- Auf ausreichend Schlaf und feste Ruhezeiten achten
- Nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen
- Auf ausreichend Kalzium und Vitamin D in der Ernährung achten
- Bei Hormonbeschwerden lockere Kleidung und kühle Umgebung nutzen
- Offen mit Partner oder Partnerin und dem Umfeld über die Veränderungen sprechen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Milchprodukten unterstützt die Knochen. Bewegung ist besonders wichtig, wenn die Östrogenwirkung fehlt: Sie hilft, die Knochendichte zu erhalten, und tut auch der Stimmung gut. Gehen, Treppensteigen, Gymnastik oder Krafttraining mit leichten Gewichten sind gute Bausteine. Nach der Operation beginnen Sie langsam und steigern sich erst nach Rücksprache mit der Praxis.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Eierstockentfernung kann emotional viel auslösen. Manche Frauen sind erleichtert, wenn eine belastende Erkrankung behandelt ist. Andere trauern um die Fähigkeit, Kinder zu bekommen, oder fühlen sich durch die Hormonumstellung verändert. Solche Gefühle sind normal und verdienen Aufmerksamkeit. Sprechen Sie mit Ihrem Umfeld oder mit einer Fachperson. Wenn Niedergeschlagenheit, Angst oder Hoffnungslosigkeit über Wochen anhalten, suchen Sie bitte Unterstützung. In akuten seelischen Krisen hilft die Telefonseelsorge, und bei Gefahr für Ihr Leben rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
Vorbeugung
Eine Eierstockentfernung lässt sich meist nicht verhindern, weil sie die Folge einer anderen Erkrankung ist. Wer ein bekanntes hohes erbliches Risiko für Eierstockkrebs trägt, kann mit einer spezialisierten Beratung über eine vorbeugende Entfernung sprechen. Das ist eine große Entscheidung und wird ausführlich und in Ruhe besprochen.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gibt es kein allgemeines Reihenuntersuchungsprogramm, das Eierstockkrebs zuverlässig früh erkennt. Die jährliche gynäkologische Untersuchung ist trotzdem sinnvoll, weil dabei auch andere Fragen angesprochen werden. Bei familiärer Belastung kann eine humangenetische Beratung sinnvoll sein. Für Frauen mit hohem erblichem Risiko gibt es besondere Programme.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine verdrehte Eierstock-Zyste kann das Gewebe dauerhaft schädigen und ist ein Notfall
- Eine bösartige Veränderung kann sich ohne Behandlung weiter ausbreiten
- Abszesse und eitrige Entzündungen können sich verschlimmern und den ganzen Körper belasten
- Starke Schmerzen und starke Blutungen können den Alltag sehr einschränken
- Außerdem können bei einer Operation selbst Komplikationen auftreten: Nachblutungen, Wundinfektionen, Verletzungen benachbarter Organe oder Blutgerinnsel. Diese Risiken sind meist selten und werden vorher offen besprochen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind für die meisten Frauen gut. Gutartige Befunde heilen nach einer Operation in aller Regel vollständig aus. Auch wenn beide Eierstöcke entfernt wurden, lässt sich eine gute Lebensqualität erhalten – die Hormonumstellung ist behandelbar, und die Knochengesundheit lässt sich gezielt fördern. War eine Krebserkrankung der Grund, wird die weitere Behandlung individuell geplant; moderne Behandlungswege verbessern die Aussichten deutlich. Wichtig ist, dass Sie sich gut begleitet fühlen und bei Fragen frühzeitig Ihren behandelnden Arzt oder Ihre Ärztin ansprechen.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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