Ablationstherapie: Kleine Eingriffe gegen Herzrhythmusstörungen
Übersicht
Bei einer Ablationstherapie wird eine kleine, genau abgegrenzte Stelle im Körper mit gezielter Energie behandelt. Meist ist das eine Stelle im Herzen, die falsche elektrische Signale schickt. Durch die Energie – zum Beispiel Wärme oder Kälte – entsteht dort eine winzige Narbe. Diese Narbe leitet keine elektrischen Signale mehr weiter. Dadurch können Herzrhythmusstörungen wie Herzstolpern oder Herzrasen seltener werden oder ganz aufhören. Der Eingriff läuft meist über einen dünnen Schlauch, einen sogenannten Katheter. Er wird über eine kleine Einstichstelle zum Beispiel in der Leiste bis zum Herzen geschoben. Eine Ablation wird aber auch an anderen Stellen eingesetzt, etwa an der Gebärmutterschleimhaut bei sehr starken Regelblutungen, an Krampfadern oder – in besonderen Fällen – an Gewebeknoten.
Wichtige Fakten
- Eine Ablation ist meist ein schonender Eingriff über einen Katheter und keine große Operation am offenen Herzen.
- Ziel ist, die Stelle zu verödern, die die Rhythmusstörung auslöst – nicht das ganze Herz zu behandeln.
- Viele Menschen haben danach deutlich weniger Beschwerden oder sind die Rhythmusstörung ganz los.
- Der Eingriff ist nicht für jeden sinnvoll. Ob er passt, hängt von der Art der Störung, vom Alter und von anderen Erkrankungen ab.
Ja. Die Katheter-Ablation gehört in Deutschland zu den häufig durchgeführten Eingriffen am Herzen. Sie wird seit vielen Jahren routinemäßig in spezialisierten Herzzentren und Kliniken gemacht.
Vor allem Menschen mit wiederkehrenden Herzrhythmusstörungen. Dazu gehören zum Beispiel Vorhofflimmern, ein sehr schnelles Herzrasen durch eine zusätzliche Leitungsbahn oder ein sogenanntes WPW-Syndrom. Auch jüngere Menschen ohne sonstige Herzkrankheit können betroffen sein. Andere Formen der Ablation betreffen zum Beispiel Frauen mit sehr starken Regelblutungen oder Menschen mit Krampfadern.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder kurze Ohnmacht
- Sehr schneller Puls zusammen mit Brustschmerz, Atemnot oder Schweißausbruch
- Starker, anhaltender Brustschmerz oder Ausstrahlen in Arm, Hals oder Kiefer
- Schwere Atemnot oder bläuliche Lippen
- Zeichen eines Schlaganfalls: hängender Mundwinkel, Armschwäche, verwaschene Sprache, plötzliche Sehstörung
- ⚠Herzrasen, das mehrere Stunden anhält und nicht von selbst aufhört
- ⚠Zunehmender Schwindel oder das Gefühl, gleich umzukippen
- ⚠Nach einer Ablation: Fieber, starker Schmerz oder Schwellung an der Einstichstelle, Blutung, die nicht aufhört
- ⚠Nach einer Ablation: neues Herzrasen, Atemnot oder Brustschmerz
Häufige Symptome
- Herzstolpern oder das Gefühl, dass das Herz aussetzt
- Herzrasen oder ein plötzlich sehr schneller Puls
- Unruhe, Nervosität oder Angstgefühle während der Anfälle
- Schwindel oder ein flaues Gefühl im Körper
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Müdigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit
- Ein Druckgefühl in der Brust, das oft mit den Anfällen kommt und wieder geht
Symptome bei Kindern
- Herzrasen, das Kinder als „Klopfen“ oder „Flattern“ beschreiben
- Plötzliches Blasswerden oder Schwitzen während eines Anfalls
- Unlust zu spielen, schnelle Erschöpfung
- Schlechte Trinkmenge und Gedeihstörungen bei Säuglingen mit Herzrhythmusstörungen
- Manche Kinder haben keine Beschwerden – die Störung fällt nur beim Arztbesuch auf
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Luftnot und Leistungsknick, ohne dass ein Herzrasen bemerkt wird
- Müdigkeit und allgemeine Schwäche
- Schwindel bis hin zu Stürzen
- Unregelmäßiger Puls, der beim Blutdruckmessen auffällt
- Verwirrtheit oder Vergesslichkeit während einer Phase mit unregelmäßigem Puls
Ursachen
Hauptursachen
- Zusätzliche oder gestörte elektrische Leitungsbahnen im Herzen, die den normalen Takt stören
- Kleine Gewebebezirke im Herzvorhof, die unregelmäßige elektrische Signale feuern
- Narbengewebe am Herzen nach einem früheren Herzinfarkt oder einer Herzmuskelerkrankung
- Bei anderen Formen der Ablation: übermäßig aufgebautes Gewebe, zum Beispiel die Gebärmutterschleimhaut oder erweiterte Venen
Risikofaktoren
- Hoher Blutdruck
- Schlafapnoe, also Atemaussetzer im Schlaf
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Schilddrüsenerkrankungen mit Überfunktion
- Starkes Übergewicht
- Stress und Schlafmangel als Auslöser von Anfällen
- Höheres Lebensalter bei Vorhofflimmern
- Herzerkrankungen in der Familie oder eigene Herzkrankheiten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal ein deutliches Herzrasen bemerken
- Wenn Anfälle häufiger, länger oder belastender werden
- Wenn Sie dabei schwindelig werden oder Ihnen schwarz vor Augen wird
- Wenn bei Ihnen eine Herzkrankheit bekannt ist und neue Rhythmusbeschwerden auftreten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie immer wieder Herzstolpern bemerken, auch ohne dass es Ihnen schlecht geht
- Wenn Sie wissen möchten, ob eine Ablation für Sie in Frage kommt
- Wenn Ihr Puls beim Messen unregelmäßig erscheint
- Wenn Sie vor dem Eingriff oder danach Fragen haben und unsicher sind
Diagnose
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch: Wann treten die Beschwerden auf, wie lange dauern sie, was hilft oder verschlimmert sie? Danach wird das Herz meist mit einem EKG untersucht, das die elektrischen Signale aufzeichnet. Weil die Störung oft nur anfallsweise auftritt, sind manchmal längere Aufzeichnungen nötig. Erst wenn klar ist, welche Art von Rhythmusstörung vorliegt und wo sie entsteht, lässt sich beurteilen, ob eine Ablation sinnvoll ist.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: kurze Aufzeichnung der Herzströme
- Langzeit-EKG über 24 bis 72 Stunden oder ein Ereignisrekorder zum Selbstauslösen
- Herzultraschall (Echokardiografie), um Bau und Pumpkraft des Herzens zu prüfen
- Belastungs-EKG auf dem Fahrrad oder Laufband
- Blutuntersuchung, unter anderem zur Kontrolle der Schilddrüse
- Elektrophysiologische Untersuchung (EPU): Dabei wird mit einem Katheter direkt im Herzen gemessen, wo die Störung entsteht – häufig in derselben Sitzung, in der auch abladiert wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Für ein Langzeit-EKG bekommen Sie ein kleines Gerät mit nach Hause, das Sie im Alltag tragen. Die EPU findet in einem Herzkatheterlabor statt, meist unter örtlicher Betäubung und mit beruhigender Medizin. Sie liegen dabei auf einer Liege und werden überwacht. Vorher klärt das Team mit Ihnen alle Fragen, und Sie werden über Ablauf, Nutzen und Risiken aufgeklärt.
Behandlung
Eine Ablation ist ein Behandlungsangebot, kein Muss. Ob sie passt, hängt von der Art der Rhythmusstörung ab, davon, wie sehr Sie darunter leiden, und von Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand. Oft wird zuerst besprochen, ob Lebensstiländerungen oder Medikamente ausreichen. Bei manchen Rhythmusstörungen ist die Ablation jedoch die erfolgversprechendste Möglichkeit und kann sogar der erste Schritt sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Auslöser kennenlernen: Notieren Sie in einem einfachen Tagebuch, wann Anfälle auftreten und was vorher war.
- Alkohol und sehr viel Koffein möglichst meiden, wenn Sie merken, dass sie Anfälle begünstigen.
- Auf ausreichend Schlaf achten und Stress im Alltag aktiv abbauen.
- Regelmäßig den eigenen Puls fühlen oder mit einem Blutdruckmessgerät kontrollieren.
- Nicht rauchen – das entlastet Herz und Gefäße.
- Nach einer Ablation die Anweisungen zur Schonung der Einstichstelle genau befolgen.
Medizinische Behandlungen
Je nach Rhythmusstörung gibt es verschiedene Wege. Manche Medikamente senken die Herzfrequenz, andere sollen den normalen Rhythmus stabilisieren. Bei manchen Menschen hilft schon eine gut eingestellte Behandlung von Blutdruck, Schilddrüse oder Schlafapnoe. Auch eine sogenannte Kardioversion kann infrage kommen: Dabei wird das Herz mit einem kurzen, kontrollierten Stromimpuls wieder in den normalen Takt gebracht. Bei der Ablation selbst wird mit einem Katheter gezielt Energie an die störende Stelle gebracht – mit Wärme (Radiofrequenz) oder mit Kälte (Kryoablation). Welche Methode und welche Begleitbehandlung passen, bespricht das Behandlungsteam individuell mit Ihnen. Medikamente sollten Sie nie selbst absetzen oder verändern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Ablation selbst ist bereits ein Eingriff, aber ein schonender über einen Katheter. Eine Operation am offenen Herzen ist nur in seltenen Fällen nötig, etwa wenn eine Rhythmusstörung anders nicht beherrschbar ist oder gleichzeitig eine Herzoperation ansteht. Für andere Formen der Ablation, etwa an der Gebärmutterschleimhaut, gibt es ebenfalls schonende Verfahren.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen sind nach einer erfolgreichen Ablation im Alltag deutlich freier: weniger Anfälle, weniger Angst vor dem nächsten Herzrasen, mehr Sicherheit bei Bewegung und Belastung. In den ersten Tagen und Wochen nach dem Eingriff steht Schonung im Vordergrund – keine schweren Lasten heben, die Einstichstelle beobachten. Danach gilt: langsam wieder in den gewohnten Rhythmus kommen. Manche spüren vorübergehend Herzstolpern; das kann in der Heilungsphase vorkommen und sollte trotzdem der Praxis gemeldet werden. Kontrolltermine helfen, den Verlauf im Blick zu behalten.
Tipps für den Alltag
- Bewegung regelmäßig, aber mit Freude – Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen sind gute Startpunkte.
- Auf Warnzeichen des Körpers hören und Pausen zulassen.
- Alkohol reduzieren, nicht rauchen.
- Feste Schlafzeiten und ein ruhiger Abend helfen vielen.
- Entspannungsübungen wie ruhiges Atmen oder Yoga können Anfällen vorbeugen.
- Bei Übergewicht kann eine langsame, begleitete Gewichtsabnahme die Beschwerden deutlich verbessern.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchten und gesunden Fetten unterstützt Herz und Gefäße. Sehr salzreiche Speisen und stark zuckerhaltige Getränke besser begrenzen. Bei Koffein und Alkohol lohnt es sich, auf die eigene Reaktion zu achten – nicht jeder reagiert gleich. Für Bewegung gilt: Nach dem Eingriff erst nach Absprache wieder voll einsteigen. Dann sind Ausdauersport und moderate Kraftübungen meist gut möglich und stärken das Herz-Kreislauf-System.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Herzrasen macht oft Angst – das ist völlig verständlich. Viele Betroffene beschreiben Unsicherheit, Anspannung oder die Sorge, wieder einen Anfall zu bekommen. Solche Gefühle sind ernst zu nehmen und gehören zur Erkrankung dazu. Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber; manchmal helfen Gespräche, Entspannungsverfahren oder eine psychologische Begleitung. Wenn Sie sich seelisch sehr belastet fühlen oder Gedanken haben, die Ihnen Angst machen, suchen Sie bitte zeitnah Unterstützung. In akuten seelischen Krisen gibt es die Telefonseelsorge als anonymes Gesprächsangebot; im Notfall gilt der Notruf 112.
Vorbeugung
Nicht jede Rhythmusstörung lässt sich verhindern – manche Anlagen sind angeboren. Aber ein herzfreundlicher Lebensstil kann das Risiko senken und Anfälle seltener machen: Blutdruck im guten Bereich, wenig Alkohol, nicht rauchen, ausreichend Schlaf, Bewegung und ein gutes Gewicht sind die wichtigsten Bausteine. Auch die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer Schlafapnoe kann helfen.
Impfungen
Menschen mit Herzerkrankungen profitieren häufig von den empfohlenen Schutzimpfungen, weil Infekte das Herz zusätzlich belasten können. Welche Impfungen für Sie sinnvoll sind, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Bei bekannten Herzrhythmusstörungen sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll, zum Beispiel mit EKG und Herzultraschall. Bei Vorhofflimmern wird zusätzlich das Schlaganfallrisiko eingeschätzt. Der Blutdruck sollte regelmäßig gemessen werden. Nach den Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) richten sich Diagnostik und Behandlung von Herzrhythmusstörungen – Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen erklären, welche Empfehlung in Ihrem Fall gilt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anfälle können häufiger und länger werden und den Alltag stark einschränken.
- Bei Vorhofflimmern steigt ohne Behandlung das Risiko für einen Schlaganfall.
- Dauerhaft schneller oder unregelmäßiger Puls kann das Herz auf Dauer schwächen.
- Ständige Angst vor dem nächsten Anfall belastet die Lebensqualität.
- Bei sehr starken Regelblutungen kann eine unbehandelte Blutarmut entstehen.
Langzeitprognose
Meist ist die Prognose gut. Viele Menschen haben nach einer Ablation deutlich weniger Beschwerden, und ein Teil wird die Rhythmusstörung dauerhaft los. Manchmal ist ein zweiter Eingriff nötig, und bei einigen kehrt die Störung später zurück – auch dann gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten. Der Verlauf ist sehr individuell. Wichtig ist eine gute Begleitung: mit klaren Kontrollen, ehrlicher Beratung und einem Plan, der zu Ihrem Leben passt.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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