Sakrokolpopexie: Operation bei Scheidensenkung
Übersicht
Bei einer Senkung (auch Vorfall genannt) rutscht die Scheide nach unten in Richtung Scheidenausgang – oder, wenn die Gebärmutter entfernt wurde, das obere Ende der Scheide. Die Sakrokolpopexie ist eine Operation, die das obere Ende der Scheide wieder an seinem Platz im Becken aufhängt. Dafür wird ein schmaler Streifen eines feinen Kunststoffnetzes verwendet. Dieses Netz wird oben an der Scheide und hinten am Kreuzbein (Sakrum, ein Knochen am unteren Ende der Wirbelsäule) befestigt. So entsteht eine Art Aufhängung, die die Scheide in ihrer natürlichen Lage hält. Der Eingriff kann über eine Bauchspiegelung mit kleinen Schnitten und einer Kamera oder über einen Bauchschnitt erfolgen.
Wichtige Fakten
- Die Sakrokolpopexie ist eine Operation, kein Medikament. Sie wird meist bei einer Senkung des oberen Scheidenbereichs eingesetzt.
- Der Eingriff wird heute oft als Bauchspiegelung (Schlüsselloch-Chirurgie) durchgeführt – das bedeutet meist kleinere Narben und eine schnellere Erholung.
- Viele Frauen sind danach deutlich beschwerdefrei. Wie bei jeder Operation gibt es aber auch Risiken, über die Sie vorher in Ruhe sprechen sollten.
Eine Scheidensenkung ist sehr verbreitet, vor allem nach einer oder mehreren Geburten und nach den Wechseljahren. Eine Operation ist aber nur eine von mehreren Möglichkeiten und wird meist dann gewählt, wenn andere Behandlungen nicht ausreichen oder die Beschwerden sehr belastend sind.
Vor allem Frauen, die ein Kind geboren haben, Frauen nach den Wechseljahren und Frauen, bei denen die Gebärmutter entfernt wurde. Auch jüngere Frauen können betroffen sein, zum Beispiel bei einer angeborenen Bindegewebsschwäche.
Symptome
- Wenn Sie gar keinen Urin mehr lassen können und starke Schmerzen oder starken Druck im Unterbauch haben – rufen Sie den Notruf 112 oder gehen Sie sofort in die Notaufnahme
- Plötzlich auftretende, sehr starke Bauchschmerzen mit harter Bauchdecke, Fieber oder Kreislaufproblemen
- Starke Blutung aus der Scheide
- Nach einer Operation: plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Ohnmacht oder eine rasch zunehmende Schwellung im Bauch
- ⚠Fieber über 38,5 °C oder Schüttelfrost
- ⚠Zunehmende Rötung, Schwellung, Wärme oder Eiter an einer Operationswunde
- ⚠Brennender Schmerz beim Wasserlassen zusammen mit häufigem Harndrang
- ⚠Übel riechender Ausfluss
- ⚠Das Gefühl, die Blase nicht mehr richtig entleeren zu können
Häufige Symptome
- Druck- oder Schweregefühl im Unterbauch oder in der Scheide
- Das Gefühl, als würde etwas aus der Scheide herausragen oder herausfallen
- Ziehen im Kreuz oder Rückenschmerzen, besonders abends oder nach langem Stehen
- Beschwerden beim Wasserlassen, etwa häufiger Harndrang oder das Gefühl, die Blase nicht ganz leeren zu können
- Probleme beim Stuhlgang, zum Beispiel das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleeren zu können
- Ein verändertes Gefühl oder Beschwerden beim Sex
- Wundgefühl oder Reiben, wenn die vorgefallene Schleimhaut an der Unterwäsche reibt
- Manchmal unbemerktes Tröpfeln von Urin bei Belastung, etwa beim Husten oder Niesen
Ursachen
Hauptursachen
- Schwäche des Bindegewebes und der Beckenbodenmuskulatur – das Gewebe, das die Organe im Becken hält, gibt nach
- Belastung durch Schwangerschaft und Geburt
- Hormonumstellung nach den Wechseljahren, durch die das Gewebe an Elastizität verliert
- Voroperationen im Becken, besonders eine Gebärmutterentfernung
- Dauerhaft erhöhter Druck im Bauch, etwa durch Husten, Pressen oder schweres Heben
Risikofaktoren
- Mehrere Geburten oder schwere Geburten
- Übergewicht
- Chronischer Husten, zum Beispiel durch Rauchen oder eine Lungenerkrankung
- Verstopfung mit starkem Pressen beim Stuhlgang
- Schwere körperliche Arbeit oder häufiges Heben
- Bindegewebsschwäche, die in der Familie vorkommt
- Zunehmendes Alter
- Bestimmte angeborene Erkrankungen des Bindegewebes
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie können nicht mehr Wasser lassen
- Fieber, Schüttelfrost oder ein starkes Krankheitsgefühl
- Starke Blutung aus der Scheide oder übel riechender Ausfluss
- Eine Operationswunde ist gerötet, geschwollen oder eitrig
- Plötzliche starke Schmerzen im Bauch oder Becken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Druckgefühl oder eine Vorwölbung im Scheidenbereich
- Blasen- oder Darmbeschwerden, die den Alltag beeinträchtigen
- Beschwerden beim Sex
- Wenn Sie unsicher sind, ob eine Behandlung überhaupt nötig ist
Diagnose
Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihren Beschwerden, nach Geburten, Operationen und Erkrankungen. Danach folgt eine gynäkologische Untersuchung: Mit einem Spekulum (einem kleinen Instrument zum Offenhalten der Scheide) und mit den Händen wird geschaut, welche Organe wie weit nach unten treten und wie stark der Beckenboden hält. Dabei wird auch geprüft, ob Sie beim Husten oder Pressen Urin verlieren.
Mögliche Untersuchungen
- Gynäkologische Untersuchung mit Spekulum und Tastbefund
- Ultraschall über die Scheide oder den Bauch
- Ein Blasentagebuch, in dem Sie über einige Tage notieren, wann und wie viel Sie Wasser lassen
- Blasendruckmessung (Urodynamik), wenn zusätzlich ein Harndrang- oder Inkontinenzproblem besteht
- Manchmal eine Blasenspiegelung oder eine Darmspiegelung
- Bei komplizierten Fällen oder vor einer Operation ein MRT (Magnetresonanztomografie, eine bildgebende Untersuchung ohne Röntgenstrahlen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist kurz und tut nicht weh, kann aber etwas unangenehm sein. Sie dürfen jederzeit Fragen stellen und um eine Pause bitten. Wenn eine Operation im Gespräch ist, werden Sie ausführlich über Nutzen, Risiken, Narkose und den Ablauf aufgeklärt und können in Ruhe überlegen. Eine zweite Meinung ist immer möglich.
Behandlung
Nicht jede Senkung muss behandelt werden. Wenn die Beschwerden gering sind, reicht oft Beobachten und Beckenbodentraining. Wenn die Senkung stört, gibt es konservative (nicht operative) Wege und – wenn diese nicht ausreichen – Operationen wie die Sakrokolpopexie. Welcher Weg passt, hängt von Ihrem Alter, Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand, Ihrem Kinderwunsch, der Stärke der Senkung und Ihren eigenen Wünschen ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßiges Beckenbodentraining, am besten angeleitet durch eine Physiotherapie
- Schweres Heben und Tragen möglichst vermeiden, beim Bücken in die Knie gehen statt den Rücken zu beugen
- Auf einen weichen, regelmäßigen Stuhlgang achten und starkes Pressen vermeiden
- Bei Übergewicht eine langsame, nachhaltige Gewichtsabnahme anstreben
- Rauchen aufgeben, um chronischen Husten zu vermeiden
- Nach einer Operation die empfohlenen Grenzen für Heben und Sport einhalten
Medizinische Behandlungen
Zu den nicht operativen Behandlungen gehören Beckenbodentraining in der Physiotherapie, ein Pessar (ein Ring oder Würfel aus weichem Silikon, der in die Scheide eingelegt wird und die Scheide von innen stützt) sowie Maßnahmen gegen Verstopfung und Übergewicht. Nach den Wechseljahren kann außerdem eine örtliche hormonelle Behandlung besprochen werden, die das Scheidengewebe geschmeidiger macht. All das wird individuell abgestimmt – Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen erklären, was in Ihrer Situation sinnvoll ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wie die Sakrokolpopexie wird meist dann vorgeschlagen, wenn die Beschwerden deutlich belasten, ein Pessar nicht hilft oder nicht dauerhaft getragen werden kann und Sie körperlich fit genug für einen Eingriff sind. Bei der Sakrokolpopexie wird das obere Scheidenende mit einem feinen Kunststoffnetz am Kreuzbein aufgehängt, oft per Bauchspiegelung. In der Regel schließt sich ein Krankenhausaufenthalt von einigen Tagen an, danach brauchen Sie etwa vier bis sechs Wochen, um sich zu erholen, mit Einschränkungen beim Heben und beim Sex. Ob dieser Eingriff für Sie geeignet ist, besprechen Sie am besten ausführlich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt – auch mögliche Alternativen.
Leben mit der Erkrankung
Viele Frauen können mit einer Senkung gut leben. Ein Pessar kann den Alltag erleichtern, weil es die Scheide stützt und die Beschwerden lindert. Nach einer Operation braucht der Körper Zeit: In den ersten Wochen sind Ruhe und Geduld wichtig, danach wird die Belastung langsam gesteigert.
Tipps für den Alltag
- Bewegung im Alltag einbauen, aber die Belastung langsam steigern
- Beim Heben und Tragen Hilfe annehmen und schwere Lasten aufteilen
- Auf ausreichend Flüssigkeit achten und die Blase regelmäßig entleeren
- Toilettengänge nicht ständig aufschieben
- Rauchen möglichst aufgeben
- Nach einer Operation die Kontrolltermine wahrnehmen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Flüssigkeit hält den Stuhl weich und beugt Pressen vor. Ballaststoffe und Bewegung unterstützen die Verdauung. Sanfte Bewegung wie Spazieren, Schwimmen oder Radfahren ist gut geeignet. Beckenbodenübungen wirken am besten, wenn sie regelmäßig und korrekt ausgeführt werden – eine Physiotherapie kann zeigen, wie es geht. Nach einer Operation sollte Sport erst nach Rücksprache wieder begonnen werden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Senkung kann belastend sein: Viele Frauen schämen sich, fühlen sich in ihrem Körper unsicher oder sorgen sich um Partnerschaft und Sexualität. Solche Gefühle sind normal und dürfen angesprochen werden. Wenn Sie sich niedergeschlagen fühlen oder Gedanken haben, die Ihnen Angst machen, wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder an eine psychosoziale Beratungsstelle in Ihrer Nähe – Sie müssen damit nicht allein bleiben.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine Senkung nicht, denn Geburten, Alter und Bindegewebe lassen sich nicht beeinflussen. Man kann aber einiges tun, um den Beckenboden zu entlasten: regelmäßiges Beckenbodentraining, ein gesundes Gewicht, Behandlung von chronischem Husten und Verstopfung sowie rückenschonendes Heben.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Früherkennungsprogramm für die Scheidensenkung gibt es nicht. Die regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchung ist aber eine gute Gelegenheit, Beschwerden anzusprechen – auch wenn sie Ihnen unangenehm sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Senkung kann im Laufe der Zeit stärker werden
- Die vorgefallene Schleimhaut kann reiben, wund werden oder bluten
- Es kann zu wiederkehrenden Harnwegsinfekten kommen
- In seltenen Fällen lässt sich die Blase nicht mehr richtig entleeren
- Beschwerden beim Sex und ein Gefühl der Unsicherheit im Alltag können zunehmen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut: Bei den meisten Frauen bessern sich die Beschwerden nach einer Sakrokolpopexie deutlich, und viele können ihren Alltag wieder unbeschwerter gestalten. Wie bei jeder Operation können aber Komplikationen auftreten – zum Beispiel eine Verletzung benachbarter Organe, Blutungen, eine Wundinfektion, Schmerzen oder ein erneutes Absinken. Auch das Kunststoffnetz kann in seltenen Fällen Probleme machen, wenn es durch die Scheidenwand reibt. Besprechen Sie diese Punkte vorab ausführlich mit Ihrem Behandlungsteam, damit Sie eine gut informierte Entscheidung treffen können.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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