Stoßwellentherapie (Akustische Wellentherapie)
Übersicht
Die Stoßwellentherapie – oft auch akustische Wellentherapie genannt – ist ein Behandlungsverfahren und keine Krankheit. Dabei werden kurze, kräftige Schallimpulse von außen durch die Haut in das Gewebe geleitet. Diese Druckwellen sollen die Durchblutung anregen, Verklebungen und Ablagerungen lockern und den Körper bei der Heilung unterstützen. Die Behandlung geschieht ohne Operation und meist ambulant in der Praxis. Es gibt zwei Formen: die fokussierte Stoßwelle, die punktgenau in die Tiefe wirkt, und die radiale Stoßwelle, die eher flächig im oberen Gewebe wirkt. Welche Form sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wichtige Fakten
- Stoßwellen sind kurze, starke Schallimpulse, die von außen auf eine schmerzende Stelle gegeben werden – ohne Nadel und ohne Schnitt.
- Eine Sitzung dauert meist etwa 15 bis 30 Minuten; oft sind mehrere Sitzungen im Abstand von ein bis zwei Wochen nötig.
- Während der Behandlung spürt man ein Klopfen, Druckgefühl oder leichtes Stechen; danach kann die Stelle für ein bis zwei Tage druckempfindlich sein.
Ja. Die Stoßwellentherapie wird in Deutschland häufig bei chronischen Sehnenbeschwerden und Verkalkungen eingesetzt. Sie gehört zu den nicht-operativen Verfahren und wird meist von Orthopädinnen und Orthopäden, Hausärzten oder spezialisierten Praxen angeboten.
Symptome
- Plötzliche Atemnot, starker Schwindel oder Ohnmacht während oder kurz nach der Behandlung – dann sofort den Notruf 112 wählen.
- Sehr starke, plötzlich auftretende Schwellung mit Blaufärbung und heftigen Schmerzen im behandelten Bereich.
- Fieber mit Schüttelfrost und geröteter, heißer Haut, die sich schnell ausbreitet.
- ⚠Zunehmende Rötung, Schwellung oder Überwärmung der behandelten Stelle.
- ⚠Offene Hautstellen oder Wundsein nach der Behandlung.
- ⚠Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Kraftverlust im behandelten Bereich.
- ⚠Schmerzen, die über mehrere Tage stärker werden statt abzuklingen.
Häufige Symptome
- Schmerzen an der Fußsohle oder Ferse, zum Beispiel bei Fersensporn-Beschwerden (Plantarfaszien-Beschwerden: Schmerzen an der derben Sehnenplatte unter dem Fuß)
- Schmerzen am äußeren Ellbogen (Tennisellenbogen) oder am inneren Ellbogen (Golferellenbogen)
- Schulterschmerzen mit Kalkablagerungen in der Sehne (Kalkschulter)
- Schmerzen an der Achillessehne, besonders beim Gehen oder nach dem Aufstehen
- Beschwerden an Sehnen rund um Knie oder Hüfte, die seit Wochen oder Monaten bestehen
- Chronische Schmerzen, die trotz Physiotherapie, Schonung oder Einlagen nicht deutlich besser werden
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist die Stoßwellentherapie selten. Meist werden zuerst andere Wege gewählt, etwa Physiotherapie oder das Abwarten, ob sich die Beschwerden von selbst bessern.
- Wichtig zu wissen: Bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum liegen die Wachstumsfugen der Knochen nah an den Sehnenansätzen. Deshalb entscheidet die Ärztin oder der Arzt sehr genau, ob eine Stoßwellentherapie überhaupt infrage kommt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben häufiger chronische Sehnen- und Gelenkbeschwerden – hier kann die Stoßwellentherapie eine gute Ergänzung sein.
- Vor der Behandlung sollte die Praxis über alle Medikamente informiert werden, besonders über Mittel, die die Blutgerinnung beeinflussen.
- Auch Herzschrittmacher, Hautveränderungen, Diabetes mit Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen sind wichtige Informationen für die behandelnde Person.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Stoßwellentherapie selbst hat keine Ursache – sie ist eine Behandlung. Sie kommt bei Beschwerden zum Einsatz, die meist durch wiederholte Überlastung von Sehnen entstehen.
- Chronische Überlastung durch immer gleiche Bewegungen bei Arbeit, Sport oder Alltag.
- Ungenügende Heilung nach einer Verletzung oder nach langer Schonung.
- Kalkablagerungen in Sehnen, zum Beispiel an der Schulter.
- Fehlbelastungen durch Fußstellung, Schuhwerk oder eine ungewohnte sportliche Belastung.
Risikofaktoren
- Einnahme von Mitteln, die die Blutgerinnung beeinflussen (Blutverdünner) – dadurch kann es leichter zu blauen Flecken kommen.
- Herzschrittmacher oder andere elektronische Implantate im Behandlungsbereich.
- Infektion, offene Wunde oder Hautentzündung an der zu behandelnden Stelle.
- Bösartige Erkrankungen (Krebs) im Behandlungsbereich.
- Schwangerschaft, wenn im Bauch- oder Beckenbereich behandelt werden soll.
- Gerinnungsstörungen, schwere Durchblutungsstörungen oder Nervenschäden, etwa bei Diabetes.
- Kinder und Jugendliche im Wachstum, weil die Wachstumsfugen der Knochen gefährdet sein können.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn nach der Behandlung eine Rötung, Schwellung oder Überwärmung deutlich zunimmt.
- Wenn Fieber auftritt oder sich die Haut an der behandelten Stelle entzündet.
- Wenn ein Taubheitsgefühl oder eine Muskelschwäche neu auftritt.
- Wenn die Schmerzen so stark werden, dass Sie den betroffenen Körperteil nicht mehr bewegen mögen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie wissen möchten, ob eine Stoßwellentherapie für Ihre Beschwerden geeignet ist.
- Wenn Schmerzen länger als vier bis sechs Wochen bestehen bleiben oder immer wiederkehren.
- Wenn Sie Ihre Medikamente, Vorerkrankungen oder Implantate vor einer geplanten Behandlung besprechen möchten.
- Wenn Sie nach zwei bis drei Sitzungen keine Veränderung bemerken und das weitere Vorgehen klären wollen.
Diagnose
Bevor eine Stoßwellentherapie infrage kommt, führt die Ärztin oder der Arzt ein ausführliches Gespräch mit Ihnen: Wo genau tut es weh, seit wann, was lindert die Beschwerden, was verstärkt sie, welche Behandlungen gab es schon? Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der die Stelle abgetastet und bewegt wird. Mit bildgebenden Verfahren wird geschaut, ob eine Sehnenentzündung, eine Verkalkung oder eine andere Ursache vorliegt. Erst dann wird gemeinsam entschieden, ob eine Stoßwellentherapie sinnvoll ist und welche Form und Intensität passen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Abtasten, Bewegungstests und Kraftprüfung
- Ultraschall (Sonografie) – ein schmerzfreies Bildverfahren mit Schallwellen, das Sehnen und Weichteile sichtbar macht
- Röntgenbild, vor allem bei Verdacht auf Kalkablagerungen
- Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) bei unklaren Beschwerden oder wenn Weichteile genauer beurteilt werden müssen
- Blutuntersuchung, wenn eine Entzündung oder eine andere Erkrankung als Ursache ausgeschlossen werden soll
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist kurz und schmerzfrei. Rechnen Sie damit, dass Sie gefragt werden, welche Medikamente Sie nehmen und ob bei Ihnen ein Herzschrittmacher oder ein anderes Implantat eingesetzt wurde. Bringen Sie wenn möglich Ihre Befunde und eine Liste Ihrer Medikamente mit. So lässt sich in einem Termin gut besprechen, ob die Behandlung für Sie geeignet ist.
Behandlung
Bei der Stoßwellentherapie wird ein Handstück mit Gel auf die Haut gesetzt und gibt Schallimpulse ab. Die Stärke wird langsam gesteigert, damit Sie sich daran gewöhnen können. Viele empfinden die Behandlung als unangenehm, aber gut aushaltbar. Nach der Sitzung können Sie in der Regel sofort wieder gehen. Wie viele Sitzungen nötig sind, hängt von der Beschwerde ab – häufig werden mehrere Sitzungen über einige Wochen geplant, oft mit Physiotherapie als Ergänzung.
Selbsthilfe zu Hause
- Den behandelten Bereich am Tag der Sitzung schonen und keine ungewohnte starke Belastung planen.
- Bei Bedarf kurz und vorsichtig kühlen, zum Beispiel mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack.
- Übungen aus der Physiotherapie regelmäßig und in ruhigem Tempo durchführen.
- Auf passendes, gut dämpfendes Schuhwerk achten, besonders bei Beschwerden an Ferse oder Achillessehne.
- Die Belastung langsam steigern, statt von null auf hundert zu gehen.
- Eigene Grenzen beachten: Ein leichter Muskelkater oder Druckgefühl ist okay, ein stechender Schmerz nicht.
Medizinische Behandlungen
Die Stoßwellentherapie ist selbst Teil der Behandlung und wird oft mit anderen Maßnahmen kombiniert. Dazu gehören Physiotherapie mit gezielten Übungen und Aufbau der Muskulatur, Beratung zu Belastung und Bewegungsgewohnheiten, manchmal Einlagen oder Bandagen sowie – nach ärztlicher Rücksprache – Maßnahmen zur Schmerzlinderung. Auch Injektionen oder andere Verfahren können in bestimmten Fällen erwogen werden; darüber entscheidet die behandelnde Person individuell nach Ihrer Vorgeschichte. Wichtig: Besprechen Sie jede Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie etwas ausprobieren.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist meist erst dann ein Thema, wenn auch nach einer konsequenten nicht-operativen Behandlung über mehrere Monate keine ausreichende Besserung eintritt. Ob ein Eingriff sinnvoll ist, hängt von der genauen Beschwerde und den Befunden ab und wird im Gespräch mit einer Fachärztin oder einem Facharzt entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen merken schon nach wenigen Wochen eine Besserung, manchmal dauert es länger. In dieser Zeit hilft es, den Alltag anzupassen statt sich komplett zu schonen: Treppen, Gehwege und Arbeitswege lassen sich oft mit kleinen Änderungen entlasten. Gute Zwischenziele sind wichtig – zum Beispiel schmerzfrei einkaufen können oder wieder eine kurze Runde spazieren.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, moderate Bewegung statt langer Ruhephasen – der Körper mag gleichmäßige Belastung.
- Gezielte Kräftigungsübungen für die betroffene Region, am besten angeleitet.
- Arbeitsplatz und Alltagsbewegungen ergonomisch gestalten, zum Beispiel Sitzhöhe, Maushaltung oder Tragegewohnheiten überprüfen.
- Ausreichend schlafen, denn Schlaf unterstützt die Regeneration.
- Nicht rauchen und Alkohol in Maßen – das kommt der Durchblutung zugute.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und Eiweiß unterstützt Muskeln und Sehnen. Wichtig für Sehnen ist vor allem regelmäßige, gut dosierte Bewegung: Anfangs kurze Einheiten mit Pausen, dann langsam steigern. Sportarten mit gleichmäßiger Bewegung wie Radfahren oder Schwimmen werden oft besser vertragen als plötzliche Stoßbelastungen. Was für Sie passt, können Sie mit Ihrer Physiotherapie oder Ihrem Arzt absprechen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen zehren an den Nerven. Es ist normal, sich manchmal frustriert oder erschöpft zu fühlen, besonders wenn Besserung auf sich warten lässt. Sprechen Sie darüber – mit Menschen, die Ihnen guttun, und mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn Sie sich seelisch stark belastet fühlen oder Gedanken haben, die Ihnen Angst machen, holen Sie sich bitte Unterstützung: Ihre Hausarztpraxis kann Ihnen den Kontakt zu einer Krisen- oder Beratungsstelle in Ihrer Region vermitteln. In einem akuten seelischen Notfall hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst oder der Rettungsdienst unter 112.
Vorbeugung
Die Behandlung selbst lässt sich nicht „verhindern“ – aber die Beschwerden, bei denen sie eingesetzt wird, lassen sich oft abmildern. Wichtig sind ein guter Aufbau beim Sport, abwechslungsreiche Bewegung, passendes Schuhwerk, ergonomische Arbeitsbedingungen und das frühzeitige Reagieren auf wiederkehrende Schmerzen, statt sie zu ignorieren.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Vorsorgeprogramm für Sehnenbeschwerden gibt es nicht. Sinnvoll ist, Beschwerden früh anzusprechen, vor allem wenn sie länger als vier bis sechs Wochen bestehen oder immer wiederkehren. Bei Vorerkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen lohnt sich eine regelmäßige Kontrolle im Rahmen der üblichen hausärztlichen Betreuung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schmerzen können chronisch werden und sich auch in Ruhe bemerkbar machen.
- Die betroffene Stelle kann weniger belastbar werden, Alltagswege und Arbeit können schwererfallen.
- Schonhaltungen können zu Verspannungen und Beschwerden an anderen Körperstellen führen.
- Schlaf und Stimmung können leiden, wenn Schmerzen über Monate bestehen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind meist gut: Viele Menschen mit chronischen Sehnenbeschwerden werden mit einer Kombination aus Stoßwellentherapie, Bewegung und Physiotherapie deutlich beschwerdefreier. Nicht bei allen wirkt die Behandlung gleich gut, und Geduld gehört dazu – Besserung braucht oft Wochen. Gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt finden Sie einen Weg, der zu Ihnen passt.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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