Androgendeprivationstherapie (ADT) – einfach erklärt
Übersicht
Die Androgendeprivationstherapie (ADT) ist eine Behandlung, die die Wirkung männlicher Geschlechtshormone im Körper stark verringert. Das wichtigste dieser Hormone ist Testosteron. ADT wird vor allem bei Prostatakrebs eingesetzt, weil dieser Krebs oft von Testosteron abhängig ist. Die ADT ist keine Diagnose und kein Notfall, sondern eine ärztlich geplante Behandlung.
Wichtige Fakten
- ADT senkt das männliche Geschlechtshormon Testosteron deutlich.
- Sie wird vor allem bei Prostatakrebs eingesetzt, um das Krebswachstum zu bremsen.
- Nebenwirkungen sind häufig, lassen sich aber oft gut behandeln und lindern.
Ja. Die ADT gehört bei Prostatakrebs zu den häufigsten Behandlungen. In der Hausarztpraxis begegnet sie vor allem Männern, die wegen Prostatakrebs in Behandlung sind.
Vor allem Männer mit Prostatakrebs, meist im höheren Lebensalter. Selten können auch andere Menschen mit hormonabhängigen Erkrankungen eine ADT erhalten. Bei Kindern ist sie in der Regel nicht vorgesehen.
Symptome
- Starker Brustschmerz oder Druck in der Brust
- Plötzliche Atemnot
- Plötzliche Schwäche, Taubheit oder Sprachstörung – mögliche Schlaganfallzeichen
- Starke allergische Reaktion mit Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Kreislaufkollaps
- Gedanken, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen
- ⚠Fieber über 38,5 °C oder Schüttelfrost
- ⚠Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen oder Harnverhalt
- ⚠Neue einseitige Schwellung oder Schmerz im Bein
- ⚠Anhaltende starke Kopfschmerzen oder Sehstörungen
- ⚠Zunehmende Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder Angst
Häufige Symptome
- Hitzewallungen und starkes Schwitzen
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Gewichtszunahme und weniger Muskelmasse
- Knochenschwund
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder gedrückte Stimmung
- Libidoverlust und Erektionsprobleme
- Brustspannen oder Brustwachstum
- Schlafstörungen
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist eine ADT in der Regel nicht vorgesehen. Sollte aus einem seltenen medizinischen Grund eine hormonelle Behandlung nötig sein, übernehmen spezialisierte Zentren die Betreuung.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können Nebenwirkungen stärker ins Gewicht fallen. Besonders wichtig sind Knochengesundheit, Sturzprophylaxe, Herz-Kreislauf-Kontrolle und ausreichend Flüssigkeit.
Ursachen
Hauptursachen
- ADT ist eine Behandlung, keine Krankheit. Sie wird ärztlich verordnet.
- Häufigster Grund: Prostatakrebs, der auf männliche Hormone reagiert.
- Selten kommen andere hormonabhängige Erkrankungen als Behandlungsgrund infrage.
Risikofaktoren
- Höheres Alter
- Bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung
- Diabetes
- Übergewicht
- Rauchen
- Wenig Bewegung
- Knochenschwund in der Vorgeschichte oder in der Familie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber, Schüttelfrost oder Zeichen einer Infektion
- Harnverhalt oder starke Schmerzen beim Wasserlassen
- Neue einseitige Beinschwellung oder Beinschmerz
- Starke, anhaltende Kopfschmerzen oder Sehstörungen
- Akute seelische Krise mit Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen
- Hitzewallungen, die sehr belasten
- Schlafprobleme oder anhaltende Müdigkeit
- Sexuelle Probleme oder Libidoverlust
- Gewichtsveränderungen oder Muskelschwäche
- Knochen- oder Gelenkschmerzen
- Stimmungsveränderungen oder Ängste
Diagnose
Die ADT selbst wird nicht diagnostiziert. Ärztinnen und Ärzte sichern zuerst die Grunderkrankung, zum Beispiel Prostatakrebs, und besprechen dann, ob eine ADT sinnvoll ist. Während der Behandlung stehen regelmäßige Kontrollen im Mittelpunkt.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchungen: Testosteron, PSA, Blutbild, Leber- und Nierenwerte, Blutzucker und Cholesterin
- Blutdruck- und Gewichtskontrolle
- Knochendichtemessung
- Fragebögen zu Stimmung und Lebensqualität
- Bei Bedarf Herz-Kreislauf-Check
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Vor Beginn wird besprochen, warum die ADT sinnvoll ist und welche Alternativen es gibt. Während der Behandlung kommen Sie regelmäßig zur Kontrolle. Blutwerte, Blutdruck, Gewicht und Ihr Befinden werden dokumentiert. Nebenwirkungen werden aktiv erfragt und behandelt.
Behandlung
Die ADT ist eine behandlung, die im ganzen Körper wirkt. Sie senkt Testosteron auf ein sehr niedriges Niveau. Je nach Situation wird sie mit anderen Behandlungen kombiniert, zum Beispiel Operation, Bestrahlung oder anderen Medikamenten. Ziel ist, das Wachstum hormonabhängiger Zellen zu bremsen und Beschwerden zu lindern. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei an Leitlinien, etwa der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei Hitzewallungen: lockere Kleidung, kühle Getränke und große Mahlzeiten vermeiden
- Regelmäßig bewegen, idealerweise Ausdauer und Krafttraining
- Auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und guten Eiweißquellen achten
- Nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen
- Ausreichend schlafen und Stress reduzieren
- Haut und Mund gut pflegen
- Bei Stimmungstiefs früh Hilfe suchen
- Offen über Sexualität und Beziehungsfragen sprechen
- Kontrolltermine zuverlässig wahrnehmen
Medizinische Behandlungen
Die ADT senkt Testosteron meist durch regelmäßige Depotspritzen oder Implantate unter die Haut. Auch eine Behandlung mit Tabletten ist möglich. Eine Operation – die Entfernung der Hoden – ist eine dauerhafte Alternative. Je nach Erkrankung wird die Behandlung zeitlich begrenzt oder längerfristig geplant. Gegen Nebenwirkungen gibt es unterstützende Maßnahmen. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, bevor Sie etwas verändern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann eine Alternative zur hormonellen Behandlung sein: die Entfernung der Hoden (Orchiektomie). Sie senkt Testosteron dauerhaft. Ob sie infrage kommt, hängt von der Erkrankung, dem allgemeinen Gesundheitszustand und Ihren Wünschen ab. Das Behandlungsteam bespricht Vor- und Nachteile ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit ADT kann sich verändern: Hitzewallungen, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen können auftreten. Planen Sie Pausen ein und halten Sie Kontakt zu Ihrem Behandlungsteam. Viele Männer finden mit der Zeit einen guten Rhythmus.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung in den Alltag einbauen
- Rauchen aufgeben
- Alkohol begrenzen
- Ausreichend schlafen
- Stress reduzieren
- Soziale Kontakte pflegen
- Haut- und Mundpflege beachten
- Sonnenschutz nutzen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und guten Eiweißquellen unterstützt Muskeln und Knochen. Regelmäßige Bewegung, idealerweise Krafttraining und Ausdauer, hilft gegen Muskelabbau, Gewichtszunahme und Knochenschwund. Besprechen Sie Ihr persönliches Programm mit dem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Stimmungstiefs, Ängste oder Reizbarkeit sind mögliche Nebenwirkungen. Sie sind nicht Ihre Schuld und Sie müssen damit nicht allein bleiben. Sprechen Sie darüber. Wenn Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid auftauchen, holen Sie sofort Hilfe: Notruf 112 oder Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Eine ADT lässt sich nicht verhindern, wenn sie medizinisch nötig ist. Wichtig ist, Nebenwirkungen früh zu erkennen und zu behandeln.
Impfungen
Eine Impfung, die eine ADT verhindert, gibt es nicht.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Kontrollen von Blutwerten, Blutdruck, Gewicht, Knochen und Stimmung helfen, Nebenwirkungen früh zu erkennen. Für Prostatakrebs wird eine Früherkennung individuell mit der Hausarztpraxis besprochen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung der Grunderkrankung kann diese fortschreiten.
- Knochenschwund mit erhöhtem Frakturrisiko.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselveränderungen.
- Anhaltende Stimmungstiefs oder Depression.
- Sexuelle Funktionsstörungen und Beziehungsstress.
Langzeitprognose
Die ADT ist eine wichtige Behandlung, und viele Menschen leben mit ihr über längere Zeit gut. Nebenwirkungen sind häufig, aber oft behandelbar. Mit regelmäßiger Kontrolle und Unterstützung lässt sich die Lebensqualität meist gut erhalten.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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