Augenuntersuchung: Diese Fragen sollten Sie vorher stellen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Augenuntersuchung (auch Sehtest genannt) ist eine Untersuchung Ihrer Augen und Ihres Sehens. Dabei prüft der Arzt oder die Ärztin, wie scharf Sie sehen, ob Sie eine Brille oder Kontaktlinsen brauchen und ob Ihre Augen gesund sind. Vor der Untersuchung dürfen Sie alle Fragen stellen, die Ihnen wichtig sind – zum Beispiel: „Muss ich meine Kontaktlinsen vorher herausnehmen?“ oder „Was passiert bei der Augeninnendruckmessung?“ So verstehen Sie besser, was gemacht wird und warum.
Wichtige Fakten
- Eine Augenuntersuchung ist schmerzfrei und dauert meist etwa 30 Minuten.
- Bei einem Sehtest wird unter anderem die Sehschärfe, das Gesichtsfeld und der Augeninnendruck geprüft.
- Je früher eine Augenerkrankung erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln.
Ja. Augenuntersuchungen gehören zu den häufigsten Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland. Viele Menschen gehen regelmäßig zum Augenarzt – zum Beispiel jedes Jahr oder alle zwei Jahre, besonders wenn sie bereits eine Sehhilfe tragen.
Eine Augenuntersuchung ist für Menschen jeden Alters sinnvoll – für Kinder, Erwachsene und ältere Menschen. Bei Kindern dienen Sehtests dazu, Sehschwächen früh zu erkennen. Ältere Menschen haben ein höheres Risiko für Augenerkrankungen und sollten deshalb regelmäßig kontrollieren lassen.
Symptome
- Plötzlicher Sehverlust auf einem oder beiden Augen – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Plötzlich auftretende starke Augenschmerzen verbunden mit Übelkeit oder Erbrechen – das kann ein Anzeichen für einen akuten Grünen Star sein.
- Eine schwere Augenverletzung, zum Beispiel durch eine Chemikalie oder einen spitzen Gegenstand – spülen Sie sofort mit klarem Wasser und rufen Sie den Notruf 112.
- ⚠Ein Auge wird stark gerötet, schmerzt und Sie sehen schlechter.
- ⚠Sie bemerken plötzlich Blitze oder einen grauen Schatten in Ihrem Gesichtsfeld.
- ⚠Ein Fremdkörper sitzt im Auge und lässt sich nicht mit klarem Wasser ausspülen – gehen Sie am selben Tag zur Augenärztin oder zum Augenarzt.
Häufige Symptome
- Unscharfes Sehen in der Nähe oder in der Ferne.
- Häufige Kopfschmerzen, besonders nach langer Bildschirmarbeit.
- Brennende, müde oder juckende Augen.
- Doppeltsehen oder Lichtblitze im Blickfeld.
Symptome bei Kindern
- Schielen – ein Auge schaut in eine andere Richtung.
- Kopf schräg halten oder zumachen eines Auges beim Schauen.
- Klar schlechte Konzentration beim Vorlesen oder Schreiben.
- Klagen über Kopf- oder Augenschmerzen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im Dunkeln oder bei Dämmerung deutlich schlechter sehen.
- Farben wirken blasser oder vergilbt.
- Häufiges Wechseln der Brille oder Kontaktlinsen, ohne dass es besser wird.
Ursachen
Hauptursachen
- Fehlsichtigkeit: Das Auge bündelt Lichtstrahlen nicht genau auf der Netzhaut (die lichtempfindliche Schicht im hinteren Teil des Auges). Dadurch sehen Betroffene unscharf – bei Kurzsichtigkeit ist es in der Ferne, bei Weitsichtigkeit in der Nähe.
- Alterssichtigkeit: Mit dem Alter wird die Augenlinse starrer. Dadurch fällt es schwer, nahe Objekte scharf zu erkennen.
- Augenkrankheiten: Dazu gehören zum Beispiel der Grüne Star (ein erhöhter Druck im Auge, der den Sehnerv schädigen kann) oder der Graue Star (eine Trübung der Augenlinse).
Risikofaktoren
- Alter über 60 Jahre.
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder Bluthochdruck.
- Augenkrankheiten in der Familie.
- Viel Bildschirmarbeit ohne Pausen.
- Rauchen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich schlechter sehen, einen Schatten im Blickfeld sehen oder Lichtblitze bemerken – suchen Sie noch am selben Tag einen Augenarzt auf.
- Wenn Ihr Auge stark schmerzt, gerötet ist und Sie das Gefühl haben, dass sich Ihr Sehen verschlechtert.
- Wenn Sie einen Fremdkörper im Auge haben, der nicht von selbst verschwindet.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über 40 Jahre alt sind und noch nie eine Augenuntersuchung gemacht haben – lassen Sie Ihre Augen grundsätzlich untersuchen.
- Wenn Sie bereits eine Brille oder Kontaktlinsen tragen, lassen Sie die Sehstärke ein- bis zweimal jährlich überprüfen.
- Wenn Sie an Diabetes oder Bluthochdruck erkrankt sind, ist eine regelmäßige Kontrolle des Augenhintergrunds wichtig – Ihr Arzt sagt Ihnen, wie oft.
Diagnose
Die Augenuntersuchung führt ein Augenarzt oder eine Augenärztin durch. Sie stützt sich auf verschiedene einfache und schmerzfreie Tests. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei an den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – so ist eine qualifizierte Untersuchung gewährleistet.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest: Sie schauen auf eine Tafel mit Buchstaben oder Zeichen in verschiedenen Größen und sagen, was Sie erkennen können.
- Augeninnendruckmessung: Mit einem kleinen Gerät wird gemessen, ob der Druck im Auge erhöht ist.
- Augenspiegelung: Der Arzt blickt mit einem Spezialgerät (Augenspiegel) in Ihren Augenhintergrund, um Netzhaut und Sehnerv zu beurteilen.
- Spaltlampenuntersuchung: Sie sitzen an einem Mikroskop und der Arzt kann die vorderen Teile des Auges vergrößert betrachten.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie sitzen bequem auf einem Stuhl oder in einer Untersuchungseinrichtung. Sie werden gebeten, bestimmte Zeichen zu erkennen oder in ein Gerät zu blicken. Bei manchen Tests bekommen Sie Augentropfen, damit sich die Pupille erweitert. Dadurch ist das Sehen für einige Stunden verschwommen und empfindlich gegen Licht. Planen Sie daher – wenn möglich – mit einer Begleitperson und vermeiden Sie selbst zu fahren. Fragen stellen ist ausdrücklich erwünscht, zum Beispiel: „Was hat diese Messung ergeben?“ oder „Warum ist dieser Test wichtig?“
Behandlung
Wenn bei der Untersuchung eine Sehschwäche oder eine Augenerkrankung festgestellt wird, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Welche für Sie infrage kommt, hängt von der genauen Ursache und Ihrem persönlichen Befinden ab. Ihr Augenarzt oder Ihre Augenärztin wird die Optionen gemeinsam mit Ihnen besprechen und beantwortet alle Ihre Fragen.
Selbsthilfe zu Hause
- Machen Sie bei Bildschirmarbeit regelmäßig Pausen und schauen Sie zwischendurch bewusst in die Ferne – zum Beispiel nach der 20-20-20-Regel: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf einen Punkt in etwa 6 Metern Entfernung schauen.
- Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung beim Lesen und Arbeiten, damit Ihre Augen weniger angestrengt werden.
- Fragen Sie bei trockenen Augen in Ihrer Apotheke oder bei Ihrem Arzt nach geeigneten befeuchtenden Augentropfen – nicht eigenmächtig zu stark dosieren.
- Tragen Sie im Sonnenlicht eine Sonnenbrille mit UV-Schutz, um Ihre Augen zu schützen.
Medizinische Behandlungen
Zu den medizinischen Behandlungen gehören Sehhilfen wie Brillen und Kontaktlinsen. Je nach Ursache kommen auch Medikamente zum Einsatz – zum Beispiel Augentropfen, die den Augeninnendruck senken – oder operative Verfahren wie eine Laserbehandlung der Hornhaut oder die Operation des Grauen Stars. Der Arzt oder die Ärztin wählt die Behandlung individuell aus und erklärt Ihnen genau, was Sie erwartet.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann sinnvoll sein, wenn die Sehleistung durch Krankheiten wie den Grauen Star oder den Grünen Star deutlich eingeschränkt ist oder wenn Sie aus beruflichen oder persönlichen Gründen unabhängig von Brille oder Kontaktlinsen sein möchten. Ob eine Operation für Sie geeignet ist, klären Sie zusammen mit Ihrem Augenteam.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer passenden Brille, Kontaktlinsen oder nach einer erfolgreichen Behandlung können die meisten Menschen ihren Alltag ohne große Einschränkung bewältigen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Sehhilfe regelmäßig prüfen und anpassen lassen, falls sich Ihre Sehstärke verändert.
Tipps für den Alltag
- Gehen Sie regelmäßig zur Kontrolle – auch wenn Sie keine Beschwerden bemerken: meist alle ein bis zwei Jahre, in manchen Fällen häufiger.
- Schützen Sie Ihre Augen bei handwerklichen Arbeiten im Haushalt, im Garten oder beim Sport mit einer Schutzbrille, wenn Verletzungsgefahr besteht.
- Vermeiden Sie es, sich mit den Fingern an den Augen zu reiben – das kann die Hornhaut reizen oder verletzen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel buntem Gemüse, Obst und gesunden Fetten – zum Beispiel in fettem Fisch – unterstützt die Augengesundheit. Regelmäßige Bewegung senkt das Risiko für Diabetes und Bluthochdruck und beugt damit auch Augenschäden vor.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wenn das Sehen nachlässt, kann das das Selbstvertrauen und die Stimmung beeinträchtigen. Es ist wichtig, mit Familie, Freunden oder einer Beratungsstelle über Ihre Sorgen zu sprechen. Sollten Sie sich anhaltend niedergeschlagen fühlen, wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis – auch dort bekommen Sie Unterstützung.
Vorbeugung
Nicht jede Augenerkrankung lässt sich verhindern, aber frühes Erkennen ist der beste Schutz. Regelmäßige Augenuntersuchungen helfen, Veränderungen rechtzeitig zu entdecken und eine Verschlechterung zu vermeiden.
Impfungen
Gegen Augeninfektionen gibt es keine Standardimpfung. Ein ausreichender Impfschutz gegen Infektionen wie Masern oder Röteln ist dennoch wichtig, da diese Krankheiten auch die Augen schädigen können – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über den empfohlenen Impfschutz.
Früherkennungsprogramme
Für Kinder gibt es in Deutschland die Früherkennungsuntersuchungen (U1 bis U9), bei denen auch die Augen und das Sehen geprüft werden. Erwachsene können ab einem bestimmten Alter regelmäßige Augenuntersuchungen in Anspruch nehmen – viele Krankenkassen übernehmen die Kosten in bestimmten Abständen. Fragen Sie am besten bei Ihrer Krankenkasse nach.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine unerkannte Sehschwäche kann bei Kindern zu einer dauerhaften Schwachsichtigkeit (Amblyopie) führen – ein Auge bleibt zeitlebens schlechter, weil das Gehirn es ignoriert.
- Ein unbehandelter Grüner Star kann den Sehnerv zerstören und zur Erblindung führen.
- Eine unbehandelte Augenentzündung kann auf andere Teile des Auges übergreifen und bleibende Schäden verursachen.
Langzeitprognose
Die meisten Augenprobleme sind gut behandelbar – vor allem, wenn sie früh erkannt werden. Eine passende Brille, Kontaktlinsen, eine Operation oder ein gut eingestellter Medikamentenplan helfen in den meisten Fällen, das Sehen zu stabilisieren oder wieder zu verbessern. Vertrauen Sie auf die regelmäßige Begleitung Ihres Ärzteteams – das ist der beste Weg, Ihre Sehkraft lange zu erhalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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