Geruchs- und Geschmacksverlust: Wenn Riechen und Schmecken nachlassen
Übersicht
Beim Geruchs- und Geschmacksverlust können Menschen Gerüche oder Geschmäcke gar nicht mehr, nur noch schwach oder verändert wahrnehmen. Fachleute sprechen von Anosmie (kein Riechen mehr) und Hyposmie (abgeschwächtes Riechen). Beim Schmecken unterscheidet man ähnlich zwischen Ageusie (kein Schmecken) und Hypogeusie (abgeschwächtes Schmecken). Wichtig zu wissen: Was wir im Alltag als Schmecken bezeichnen, entsteht zum größten Teil über die Nase. Wenn das Riechen gestört ist, schmeckt Essen deshalb oft fade – auch wenn die Zunge selbst völlig gesund ist.
Wichtige Fakten
- Ein Verlust von Geruch und Geschmack entsteht meist durch eine verstopfte oder entzündete Nase, durch Virusinfekte oder durch Schäden an den feinen Riechnerven – häufig bessert es sich innerhalb von Wochen bis Monaten von selbst.
- Riechen ist auch ein Schutzsystem: Es warnt vor Rauch, Gas, verdorbenem Essen und Feuer – fällt es weg, braucht es andere Sicherheitsvorkehrungen im Alltag.
- Ein anhaltender Verlust kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, Appetit und Stimmung senken – das ist ein wichtiger Grund, ärztlichen Rat zu suchen.
Ja, ein vorübergehender Geruchs- und Geschmacksverlust ist sehr verbreitet. Er tritt bei Erkältungen, Nasennebenhöhlenentzündungen und anderen Atemwegsinfekten häufig auf. Auch im Alter nimmt das Riechvermögen bei vielen Menschen langsam ab.
Betroffen sein können Menschen jeden Alters. Besonders häufig zeigt sich das Problem nach Virusinfekten der Atemwege, bei Menschen mit Allergien, Nasenpolypen oder chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen, nach Kopfverletzungen sowie bei älteren Erwachsenen. Auch Rauchen und bestimmte Medikamente oder Behandlungen können das Riechen und Schmecken beeinflussen.
Symptome
- Plötzlicher Geruchs- oder Geschmacksverlust zusammen mit Schwäche, Lähmung, Sprachstörungen, Sehstörungen oder hängendem Mundwinkel – mögliche Anzeichen eines Schlaganfalls: sofort die 112 anrufen
- Atemnot, Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals, Nesselsucht – mögliche schwere allergische Reaktion: sofort die 112 anrufen
- Verlust nach einer Kopfverletzung mit Bewusstlosigkeit, Erbrechen, starker Kopfschmerz oder Verwirrtheit: sofort die 112 anrufen
- Bewusstlosigkeit, Krampfanfall oder plötzliche Verwirrtheit im Zusammenhang mit dem Riechverlust: sofort die 112 anrufen
- ⚠Einseitiger Geruchsverlust oder einseitig blutiger Nasenausfluss
- ⚠Anhaltender Verlust über mehr als zwei bis vier Wochen ohne erkennbare Erkältung
- ⚠Zusätzlich starke Gesichtsschmerzen, Fieber oder eitriger Nasenausfluss
- ⚠Unbeabsichtigter Gewichtsverlust oder deutlicher Appetitverlust
- ⚠Verlust nach einem Unfall, Sturz oder Schlag auf den Kopf
Häufige Symptome
- Essen und Getränke schmecken fade, pappig oder nur noch süß beziehungsweise salzig – feine Aromen gehen verloren
- Gerüche werden gar nicht oder nur noch schwach wahrgenommen (zum Beispiel Parfüm, Kaffee, Kochgeruch)
- Gerüche werden verändert wahrgenommen – Vertrautes riecht plötzlich unangenehm oder anders
- Man bemerkt nicht mehr, dass Essen verdorben ist oder dass etwas angebrannt ist
- Appetitlosigkeit und unbeabsichtigter Gewichtsverlust durch das fade Essenserlebnis
- Bei einer verstopften Nase oft zusätzlich Schnupfen, Druck im Gesicht oder Kopfschmerzen
- Manche Betroffene riechen ständig einen Geruch, der gar nicht da ist (Phantomgeruch)
Symptome bei Kindern
- Kinder sagen oft nur „das schmeckt nicht“ oder essen weniger – der eigentliche Geruchsverlust fällt Eltern manchmal erst spät auf
- Kleinkinder können unruhig werden oder das Essen verweigern
- Häufig tritt der Verlust zusammen mit einer Erkältung oder einer verstopften Nase auf
- Bei Kindern nach Kopfverletzungen oder bei anhaltender Essensverweigerung sollte ärztlich abgeklärt werden
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Das Riechvermögen nimmt mit dem Alter oft schleichend ab – der Verlust wird dadurch leicht übersehen
- Betroffene salzen oder würzen Speisen stärker nach, weil das Essen fade wirkt
- Erhöhte Gefahr, verdorbene Lebensmittel oder austretendes Gas nicht zu bemerken
- Mögliche Folgen sind einseitige Ernährung, Gewichtsverlust und weniger Freude am Essen
- Bei plötzlichem Verlust im höheren Alter sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine andere Erkrankung dahintersteckt
Ursachen
Hauptursachen
- Virusinfekte der Atemwege – Erkältung, Grippe oder eine Infektion mit dem Coronavirus können das Riechen und Schmecken vorübergehend oder länger stören
- Verstopfte Nase durch Schnupfen, Allergien oder Nasennebenhöhlenentzündung: Geruchsstoffe erreichen die Riechschleimhaut nicht mehr
- Nasenpolypen – gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut, die den Weg zur Riechregion versperren
- Schädigung der feinen Riechnerven oder der Riechschleimhaut, zum Beispiel nach Infekten oder durch chemische Reize
- Kopfverletzungen, bei denen die feinen Nervenfasern zwischen Nase und Gehirn abreißen können
- Medikamente, die als Nebenwirkung das Riechen oder Schmecken beeinflussen können
- Chronische Erkrankungen wie chronische Nasennebenhöhlenentzündung, aber auch neurologische Erkrankungen
- Mangel an bestimmten Nährstoffen sowie Bestrahlung oder Chemotherapie im Kopf-Hals-Bereich
- Rauchen und langjähriger Alkoholkonsum
- Im Alter: natürlicher, langsamer Rückgang der Riechzellen
Risikofaktoren
- Häufige Atemwegsinfekte oder eine aktuelle Erkältung
- Allergien und chronische Nasennebenhöhlenentzündungen
- Nasenpolypen oder eine schiefe Nasenscheidewand
- Rauchen
- Kopfverletzungen, zum Beispiel beim Sport ohne Helm
- Höheres Lebensalter
- Dauermedikation mit mehreren Präparaten
- Bestimmte Grunderkrankungen, die das Nervensystem betreffen
- Beruflicher Kontakt mit reizenden Chemikalien oder Stäuben
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Geruchs- oder Geschmacksverlust plötzlich zusammen mit neurologischen Anzeichen wie Schwäche, Sprachstörung oder Sehstörung – hier gilt der Notruf 112
- Verlust nach einem Sturz oder Schlag auf den Kopf
- Einseitiger Verlust oder einseitig blutiger Nasenausfluss
- Zusätzlich hohes Fieber, starke Gesichtsschmerzen oder eitriger Ausfluss
- Atemnot oder Schwellung im Gesicht und Hals
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Der Geruchs- oder Geschmacksverlust hält länger als zwei bis vier Wochen an
- Das Riechen ist deutlich verändert und stört im Alltag
- Sie nehmen Speisen als dauerhaft fade wahr und essen deshalb weniger
- Sie haben zusätzlich eine verstopfte Nase, die nicht besser wird
- Sie bemerken einen unerklärlichen Gewichtsverlust
- Sie fühlen sich durch den Verlust belastet oder niedergeschlagen
Diagnose
Zuerst fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihrem Verlauf: Wann hat es angefangen, war es plötzlich oder schleichend, betrifft es beide Seiten, hatten Sie einen Infekt oder eine Kopfverletzung, welche Medikamente nehmen Sie ein? Danach wird die Nase untersucht, meist mit einem kleinen Instrument und einer hellen Lampe, um Polypen, Entzündungen oder eine verstopfte Nase zu erkennen. Häufig folgen ein Riechtest und ein Geschmackstest. Manche Menschen staunen, wie einfach diese Tests sind – dabei werden zum Beispiel verschiedene Gerüche in Stiften angeboten und Sie sagen, was Sie wahrnehmen.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch zu Verlauf, Vorerkrankungen und Medikamenten
- Untersuchung der Nase, oft mit einem Nasenspiegel oder einem dünnen Endoskop (eine kleine Kamera)
- Riechtest mit verschiedenen Duftstoffen, um das Ausmaß des Verlusts einzuschätzen
- Geschmackstest mit süß, sauer, salzig und bitter
- Bei Bedarf Blutuntersuchungen, zum Beispiel auf Nährstoffe oder Entzündungszeichen
- Bei bestimmten Fragestellungen eine Bildgebung wie CT oder MRT der Nasennebenhöhlen oder des Kopfes
- Bei Verdacht auf eine Allergie entsprechende Allergietests
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und dauert nicht lange. Die Riech- und Geschmackstests fühlen sich eher wie ein kleines Ratespiel an. Manchmal lässt sich die Ursache sofort erkennen, etwa eine verstopfte Nase oder Polypen. In anderen Fällen bleibt die genaue Ursache offen – dann geht es vor allem darum, den Verlauf zu beobachten und Sie gut zu begleiten. Bringen Sie am besten eine Liste Ihrer Medikamente mit.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Steckt eine verstopfte Nase, eine Allergie oder eine Nasennebenhöhlenentzündung dahinter, wird diese behandelt – dann kann sich das Riechen oft deutlich bessern. Bei einem Verlust nach einem Virusinfekt gibt es kein Medikament, das den Verlust zuverlässig rückgängig macht. Hier setzt man vor allem auf Geduld und auf ein gezieltes Riechtraining, das die Regeneration unterstützen kann. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird mit Ihnen besprechen, was in Ihrer Situation sinnvoll ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Riechtraining: zweimal täglich etwa vier vertraute Gerüche (zum Beispiel Zitrone, Rose, Nelke, Kaffee) je einige Sekunden bewusst einatmen und sich dabei an den Geruch erinnern – über mehrere Wochen konsequent durchführen
- Die Nasenschleimhaut feucht halten: ausreichend trinken, bei trockener Luft für Feuchtigkeit sorgen
- Bei verstopfter Nase helfen einfache Maßnahmen wie Nasenspülungen mit Kochsalzlösung (in der Apotheke erhältlich, Anwendung dort erklären lassen)
- Reizstoffe wie Zigarettenrauch und scharfe Reinigungsmittel meiden, solange die Schleimhaut gereizt ist
- Auf Sicherheit achten: Rauchmelder prüfen, bei Gasgeruch nicht auf die eigene Nase verlassen, Lebensmittel nach Haltbarkeitsdatum und Aussehen beurteilen
- Beim Essen bewusst auf Textur, Temperatur und Aussehen achten – das macht Mahlzeiten interessanter
- Gute Mundhygiene, da Zahnprobleme ohne den Geruchssinn leichter übersehen werden
Medizinische Behandlungen
Die ärztliche Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei Entzündungen der Nasenschleimhaut oder der Nasennebenhöhlen können entzündungshemmende oder abschwellende Behandlungen als Nasenspray oder in anderer Form verordnet werden. Bei einer Allergie geht es darum, den Auslöser zu meiden und die allergische Reaktion zu behandeln. Bei einem Nährstoffmangel kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein. Bei manchen Menschen wird eine Behandlung mit einem kortisonhaltigen Präparat erwogen – darüber entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell. Wichtig: Bitte nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein und lassen Sie sich in der Apotheke oder in der Praxis beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann infrage kommen, wenn die Ursache mechanisch ist, das heißt, wenn etwas den Weg zur Riechregion versperrt. Typische Beispiele sind Nasenpolypen, stark vergrößerte Nasenmuscheln oder eine stark verengte Nasenscheidewand. Der Eingriff wird meist über die Nase durchgeführt. Ob eine Operation für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten ausführlich mit einer HNO-Praxis oder Klinik.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag verändert sich – Essen ist weniger Genuss, und Warnsignale wie Rauch oder verdorbene Lebensmittel fehlen. Mit ein paar einfachen Gewohnheiten lässt sich das gut auffangen: Rauchmelder in jedem Stockwerk, ein Gasmelder, feste Regeln für Haltbarkeitsdaten und ein Blick auf Aussehen und Konsistenz von Lebensmitteln statt auf den Geruch. Viele Betroffene entwickeln mit der Zeit eigene Tricks, etwa stärkere Gewürze oder mehr Abwechslung bei der Textur.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – Rauchen reizt die Schleimhaut und kann die Regeneration bremsen
- Regelmäßig lüften und auf gute Luftqualität achten
- Ausreichend schlafen und Stress reduzieren, beides tut der Schleimhaut gut
- Ein Riechtraining fest in den Tagesablauf einbauen, zum Beispiel morgens und abends
- Konsequent vor Rauch, offenem Feuer und Chemikalien schützen
- Bei Sport und Radfahren einen Helm tragen, um Kopfverletzungen vorzubeugen
Ernährung und Bewegung
Achten Sie darauf, dass Sie trotzdem ausgewogen essen: bunte Lebensmittel, Eiweiß, Obst und Gemüse, ausreichend trinken. Wenn Essen fade wirkt, helfen intensive Aromen wie Kräuter, Zitrone, Essig, geröstete Zutaten, knusprige oder cremige Texturen und unterschiedliche Temperaturen. Ein Essensplan kann bei Gewichtsverlust helfen. Regelmäßige Bewegung, zum Beispiel Spazierengehen oder Schwimmen, unterstützt Appetit, Stimmung und Durchblutung. Bei deutlichem Gewichtsverlust ist eine Ernährungsberatung sinnvoll – fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt danach.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist völlig normal, dass ein längerer Verlust von Geruch und Geschmack belastet. Viele Betroffene trauern um den Genuss am Essen und fühlen sich von anderen unverstanden. Manche ziehen sich zurück, schlafen schlechter oder werden niedergeschlagen. Das ist ernst zu nehmen und kein Grund, sich zu schämen. Sprechen Sie darüber – mit Vertrauten, in der Arztpraxis oder in einer Selbsthilfegruppe. Wenn Sie sich über einen längeren Zeitraum niedergeschlagen, hoffnungslos oder antriebslos fühlen, holen Sie sich bitte Unterstützung. In akuten seelischen Notlagen können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden (kostenlos und anonym, unter den bekannten Nummern 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) oder den Notruf 112 wählen, wenn Sie in akuter Gefahr sind.
Vorbeugung
Nicht jeder Verlust lässt sich verhindern – aber man kann das Risiko senken. Am wichtigsten sind Schutz vor Infekten, der Verzicht auf Rauchen, die Behandlung von Allergien und Nasennebenhöhlenentzündungen sowie der Schutz des Kopfes bei Sport und im Alltag. Bei chronischen Nasenbeschwerden lohnt es sich, früh ärztlichen Rat zu suchen, damit sich keine dauerhafte Schädigung entwickelt.
Impfungen
Die empfohlenen Impfungen, insbesondere gegen Atemwegserkrankungen wie Grippe und Corona, können Infekte und damit verbundene Riechstörungen verhindern oder abmildern. Ob und wann eine Impfung für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausarztpraxis.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Screening auf Riechstörungen gibt es nicht. Wenn Ihnen auffällt, dass Sie Gerüche schlechter wahrnehmen, ist es sinnvoll, das beim nächsten Arztbesuch anzusprechen – besonders nach einem Infekt, einer Kopfverletzung oder im höheren Alter.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anhaltend fade Wahrnehmung von Speisen, Appetitlosigkeit und unbeabsichtigter Gewichtsverlust
- Einseitige oder unzureichende Ernährung
- Erhöhte Gefahr, Feuer, Rauch oder austretendes Gas nicht zu bemerken
- Verdorbene Lebensmittel werden nicht erkannt – erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Infekte
- Soziale Belastung, Rückzug und gedrückte Stimmung
- Bei einer behandelbaren Ursache wie Polypen oder Entzündung kann sich der Zustand ohne Behandlung weiter verschlechtern
Langzeitprognose
Die Aussichten sind häufig gut. Nach einer Erkältung oder einem anderen Virusinfekt kehrt das Riechen bei vielen Menschen innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten ganz oder teilweise zurück. Ein regelmäßiges Riechtraining kann diesen Prozess unterstützen. Auch wenn der Verlust länger anhält, gibt es Wege, gut damit zu leben, und die Wahrnehmung kann sich auch nach Monaten noch bessern. Wichtig ist, geduldig mit sich zu sein und sich bei Bedarf Unterstützung zu holen.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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