Blut im Urin (Hämaturie)
Übersicht
Blut im Urin bedeutet, dass sich rote Blutkörperchen im Urin befinden. Manchmal sieht man das mit bloßem Auge: Der Urin ist rosa, rot oder braun gefärbt. Manchmal entdeckt man es nur bei einer Urinuntersuchung. Der Fachbegriff dafür ist Hämaturie.
Wichtige Fakten
- Blut im Urin ist ein Zeichen, keine eigene Krankheit. Die Ursache muss ärztlich abgeklärt werden.
- Oft steckt eine gut behandelbare Ursache dahinter, zum Beispiel eine Harnwegsinfektion oder ein Nierenstein.
- Auch wenn es einmalig auftritt und keine Beschwerden macht, sollte man es untersuchen lassen.
Blut im Urin ist ein häufiger Anlass für einen Arztbesuch. Viele Menschen haben es einmal im Leben. Meistens findet man eine erklärbare und behandelbare Ursache.
Menschen jeden Alters können Blut im Urin haben. Frauen haben häufiger Harnwegsinfekte. Männer ab etwa 50 Jahren haben häufiger Veränderungen der Prostata (Vorsteherdrüse). Bei Kindern sind Infekte und angeborene Nierenerkrankungen möglich.
Symptome
- Sehr starke Blutung mit großen Blutklumpen im Urin
- Sie können plötzlich nicht mehr Wasser lassen und haben starke Schmerzen
- Starke Schmerzen in der Flanke oder im Bauch, dazu Fieber und Schüttelfrost
- Ohnmacht, Kreislaufschwäche oder starke Benommenheit
- Blut im Urin nach einem Unfall oder einer Verletzung
- ⚠Sichtbares Blut im Urin, auch ohne Schmerzen
- ⚠Blut im Urin mit Brennen, häufigem Harndrang oder Fieber
- ⚠Blut im Urin mit Rückenschmerzen oder Übelkeit
- ⚠Blut im Urin, das immer wiederkehrt
- ⚠Blut im Urin bei einer schwangeren Person
Häufige Symptome
- Rosa, roter oder brauner Urin
- Blut nur bei der Urinuntersuchung sichtbar, ohne dass man es sieht
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Häufiger Harndrang
- Schmerzen im Unterbauch oder in der Flanke
- Fieber oder Schüttelfrost
- Müdigkeit oder allgemeines Unwohlsein
Symptome bei Kindern
- Fieber ohne klaren Grund
- Weinen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Einnässen nachts, obwohl das Kind schon trocken war
- Geschwollene Augenlider oder Beine
- Appetitlosigkeit oder Bauchschmerzen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Schwäche
- Keine typischen Beschwerden, aber auffälliger Urin
- Häufige Toilettengänge oder Harndrang
- Fieber, das schwer zu erkennen ist
- Stürze oder Gangunsicherheit im Zusammenhang mit einer Infektion
Ursachen
Hauptursachen
- Harnwegsinfekt (Entzündung der Harnwege durch Bakterien)
- Nierensteine oder Blasensteine
- Gutartige Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse)
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel solche, die die Blutgerinnung beeinflussen
- Starke körperliche Anstrengung, etwa Ausdauersport
- Nierenerkrankungen, zum Beispiel eine Nierenentzündung
- Tumore in Niere, Blase oder Harnwegen
- Verletzungen der Harnwege
- Menstruationsblut, das den Urin verfärbt
Risikofaktoren
- Rauchen
- Höheres Alter
- Wiederkehrende Harnwegsinfekte
- Nierensteine in der Vorgeschichte
- Prostatavergrößerung
- Familiäre Nierenerkrankungen
- Arbeiten mit bestimmten Chemikalien
- Einnahme von Medikamenten, die die Blutgerinnung beeinflussen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie sichtbares Blut im Urin bemerken
- Wenn Blut im Urin mit Schmerzen, Fieber oder Brennen einhergeht
- Wenn Sie nicht mehr Wasser lassen können
- Wenn nach einer Verletzung Blut im Urin auftritt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn bei einer Urinuntersuchung Blut gefunden wurde, auch ohne Beschwerden
- Wenn Blut im Urin immer wieder auftritt
- Wenn Sie sich unsicher sind und Fragen haben
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin spricht zuerst mit Ihnen über Ihre Beschwerden und Ihre Vorgeschichte. Dann wird der Urin untersucht. Je nach Befund können weitere Untersuchungen folgen. Ärztinnen und Ärzte orientieren sich dabei an medizinischen Leitlinien, zum Beispiel der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Mögliche Untersuchungen
- Urinuntersuchung mit Teststreifen
- Urinkultur (Untersuchung auf Bakterien)
- Blutuntersuchung
- Ultraschall (Sonografie) von Nieren und Blase
- Blasenspiegelung (Zykloskopie), bei der die Blase von innen angesehen wird
- Computertomografie (CT) oder andere Bildgebung, wenn nötig
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die ersten Schritte sind meist einfach und schmerzlos. Eine Urinprobe und ein Gespräch gehören fast immer dazu. Je nach Ergebnis können weitere Untersuchungen nötig sein. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin erklärt Ihnen jeden Schritt und beantwortet Ihre Fragen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einer Infektion kann eine vom Arzt verordnete Behandlung nötig sein. Bei Steinen oder einer vergrößerten Prostata gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wichtig ist, die Ursache zu kennen, damit gezielt geholfen werden kann.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend trinken, wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin nichts anderes empfiehlt
- Wärme und Ruhe können bei leichten Beschwerden guttun
- Auf Hygiene im Intimbereich achten
- Nicht selbst Medikamente einnehmen, ohne Rücksprache mit Ihrer Apotheke oder Hausarztpraxis
- Bei Fieber oder Schmerzen nicht lange abwarten, sondern ärztlichen Rat suchen
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen unterschiedliche Behandlungen infrage. Bei einer bakteriellen Infektion kann eine gezielte Behandlung mit vom Arzt verordneten Medikamenten notwendig sein. Bei Steinen oder einer Prostatavergrößerung gibt es medikamentöse und andere Verfahren. Bei Tumoren werden spezielle Therapien eingesetzt. Ihr Behandlungsteam bespricht mit Ihnen die passende Option.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein Eingriff kann nötig sein, wenn ein Tumor vorliegt, ein großer Stein die Harnwege blockiert oder eine Verengung behoben werden muss. Auch bei manchen Prostataveränderungen kann eine Operation eine Option sein. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin erklärt Ihnen die Vor- und Nachteile.
Leben mit der Erkrankung
Blut im Urin kann beunruhigen. Bis zur Abklärung sollten Sie auf Ihren Körper hören und bei neuen oder stärkeren Beschwerden ärztlichen Rat suchen. Meist findet man die Ursache schnell und kann sie gut behandeln.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend trinken, sofern keine Einschränkung besteht
- Rauchen aufgeben, das senkt das Risiko für viele Erkrankungen
- Auf regelmäßige Toilettengänge achten und den Urin nicht zu lange zurückhalten
- Intimhygiene beachten, aber keine aggressiven Produkte verwenden
- Bei wiederkehrenden Infekten mit Ihrer Hausarztpraxis sprechen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen Ihre allgemeine Gesundheit. Bei Nierensteinen kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen zu einer angepassten Ernährung raten. Bei einer akuten Infektion oder nach einem Eingriff kann Schonung sinnvoll sein. Fragen Sie im Zweifel Ihr Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Es ist verständlich, dass Blut im Urin Angst auslöst. Diese Angst ist oft größer als die eigentliche Gefahr. Sprechen Sie offen mit Ihrer Hausarztpraxis über Ihre Sorgen. Wenn Sie stark belastet sind, können Sie psychosoziale Unterstützung in Anspruch nehmen. In akuten seelischen Krisen gibt es Telefonseelsorge und Krisendienste; Ihre Hausarztpraxis kann Ihnen den Weg weisen. Im Notfall rufen Sie 112 an.
Vorbeugung
Nicht alle Ursachen lassen sich verhindern. Aber Sie können Ihr Risiko senken: durch ausreichend Trinken, Nichtrauchen und eine gute Behandlung von Harnwegsinfekten. Bei wiederkehrenden Beschwerden sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die speziell Blut im Urin verhindert. Manche Impfungen, zum Beispiel gegen HPV, können bestimmten Krebsarten vorbeugen. Fragen Sie Ihr medizinisches Fachpersonal, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Für Blasenkrebs gibt es kein allgemeines Screening für alle Menschen. Wenn bei Ihnen Risikofaktoren vorliegen, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis über mögliche Untersuchungen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine Harnwegsinfektion kann sich ausbreiten und die Nieren betreffen.
- Ein Stein kann die Harnwege blockieren und starke Schmerzen oder eine Nierenstauchung verursachen.
- Anhaltende Blutungen können zu Blutarmut führen.
- Ein Tumor kann sich ohne Behandlung weiterentwickeln.
Langzeitprognose
Die meisten Ursachen für Blut im Urin sind gut behandelbar. Je früher die Abklärung erfolgt, desto besser sind die Möglichkeiten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie unsicher sind. Sie sind damit nicht allein.
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Quellen und Leitlinien
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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