Cullen-Zeichen: blauvioletter Fleck am Bauchnabel
Übersicht
Das Cullen-Zeichen ist eine blauviolette Verfärbung oder ein Bluterguss rund um den Bauchnabel. Dahinter steckt Blut, das aus einer Blutung im Inneren des Bauches in das Gewebe unter der Haut gelangt ist. Das Cullen-Zeichen ist keine Krankheit für sich. Es ist ein Warnzeichen des Körpers: Es zeigt an, dass im Bauchraum etwas Ernstes passiert, zum Beispiel eine schwere Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas – ein Organ, das Verdauungssäfte und Botenstoffe bildet) oder eine innere Blutung. Deshalb muss ein solches Zeichen sofort ärztlich abgeklärt werden.
Wichtige Fakten
- Das Cullen-Zeichen ist selten. Die meisten Menschen mit Bauchschmerzen haben es nicht.
- Es tritt meist erst Stunden bis Tage nach Beginn der eigentlichen Erkrankung auf – also oft spät.
- Es gilt immer als Notfall und muss sofort in einer Klinik abgeklärt werden.
- Ein ähnliches Zeichen kann an den Flanken (Seiten des Bauches) auftreten; es heißt dann Grey-Turner-Zeichen.
Nein, das Cullen-Zeichen ist sehr selten. Selbst bei schweren Bauchspeicheldrüsenentzündungen sieht man es nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen. Weil es selten ist, wird es leicht übersehen – umso wichtiger ist, dass Sie bei einer neuen blauvioletten Verfärbung am Bauchnabel sofort Hilfe holen.
Grundsätzlich kann es jeden treffen. Am häufigsten beschrieben wird es bei Erwachsenen mit einer schweren akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung, nach Verletzungen des Bauches oder bei inneren Blutungen, etwa nach einer Bauchhöhlenschwangerschaft (Eileiterschwangerschaft – die befruchtete Eizelle nistet sich außerhalb der Gebärmutter ein) oder bei einem Riss der Hauptschlagader im Bauch. Auch bei Kindern nach einem Bauchtrauma wurde es beobachtet. Bei Säuglingen kann eine Rötung oder Verfärbung am Nabel auch harmlose Ursachen haben – zeigen Sie sie trotzdem immer einer Ärztin oder einem Arzt.
Symptome
- Neue blauviolette Verfärbung oder Bluterguss rund um den Bauchnabel – rufen Sie sofort 112 an
- Plötzliche, sehr starke Bauchschmerzen, besonders mit Ausstrahlung in den Rücken
- Zeichen eines Schocks: kalter Schweiß, Blässe, schneller schwacher Puls, flache Atmung, Verwirrtheit
- Ohnmacht oder ein fast ohnmächtiges Gefühl
- Harter, brettharter Bauch oder stärkste Schmerzen schon bei leichter Berührung
- Nach einem Unfall oder Sturz auf den Bauch: Verfärbung am Nabel, Bauchschmerzen oder Kreislaufprobleme
- ⚠Jede neue, unerklärliche Verfärbung am Bauchnabel ohne starke Schmerzen – noch am selben Tag ärztlich abklären lassen
- ⚠Bauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen, die nicht besser werden
- ⚠Fieber zusammen mit Bauchschmerzen
- ⚠Zunehmende Schwäche oder Schwindel ohne erkennbaren Grund
Häufige Symptome
- Blauvioletter bis bräunlicher Fleck oder Bluterguss rund um den Bauchnabel
- Schwellung oder Druckempfindlichkeit der Bauchdecke
- Starke Bauchschmerzen, oft im Oberbauch und oft in den Rücken ausstrahlend
- Übelkeit und Erbrechen
- Fieber oder Schüttelfrost
- Schneller Herzschlag und flacher, schneller Atem
- Blässe, Schwächegefühl, Schwindel oder kalter Schweiß
- Weicher oder harter, gespannter Bauch – beides ist möglich
- Manchmal zusätzlich Blutergüsse an den Flanken (Grey-Turner-Zeichen)
Symptome bei Kindern
- Das Cullen-Zeichen ist bei Kindern sehr selten und tritt meist nach einem Unfall oder Stoß auf den Bauch auf
- Kinder zeigen Schmerzen oft weniger deutlich – achten Sie auf Unruhe, Weinen, Blässe oder Teilnahmslosigkeit
- Bei Säuglingen kann eine Verfärbung am Nabel auch durch Nabelpflege, Windelreiben oder eine Nabelentzündung entstehen
- Bei Kindern mit Bauchverletzung immer ärztlich abklären lassen, auch wenn die Haut zunächst unauffällig ist
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen spüren Bauchschmerzen manchmal schwächer – die Verfärbung kann das auffälligste Zeichen sein
- Mögliche Zeichen sind auch Verwirrtheit, plötzliche Schwäche oder Kreislaufprobleme
- Bei älteren Menschen ist ein Riss der Bauchschlagader (Aortenaneurysma) eine wichtige mögliche Ursache
- Durch Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, können Blutergüsse schneller und größer entstehen
Ursachen
Hauptursachen
- Schwere akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) – die häufigste bekannte Ursache
- Innere Blutung nach einer Verletzung oder einem Stoß auf den Bauch
- Bauchhöhlenschwangerschaft (Eileiterschwangerschaft), die zu bluten beginnt
- Blutung aus Leber, Milz oder anderen Organen im Bauchraum
- Riss der Hauptschlagader im Bauch (Bauchaortenaneurysma)
- Blutungen nach Operationen oder Eingriffen im Bauchraum
- Störungen der Blutgerinnung, zum Beispiel durch eine Erkrankung oder durch Medikamente, die die Gerinnung hemmen
Risikofaktoren
- Starker Alkoholkonsum über längere Zeit
- Gallensteine – sie können den Ausgang der Bauchspeicheldrüse verstopfen
- Verletzungen des Bauches, zum Beispiel bei einem Unfall
- Bestimmte Erkrankungen der Blutgerinnung oder Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen (nur nach ärztlicher Verordnung)
- Rauchen und Bluthochdruck als Risikofaktoren für eine geschwächte Bauchschlagader
- Höheres Lebensalter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blauviolette Verfärbung rund um den Bauchnabel – sofort in die Notaufnahme oder 112 anrufen
- Starke Bauchschmerzen, die plötzlich beginnen oder immer schlimmer werden
- Bauchschmerzen nach einem Unfall oder Sturz
- Schwindel, Schwäche, kalter Schweiß oder ein sehr schneller Herzschlag zusammen mit Bauchschmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Ein älterer, bereits abgeklärter Bluterguss, der nicht abheilt oder größer wird
- Fragen zur Nachsorge nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder einer Bauch-Operation
- Unsicherheit, ob eine kleine Verfärbung am Nabel harmlos ist – fragen Sie lieber einmal zu viel bei Ihrer Hausarztpraxis nach
Diagnose
Das Cullen-Zeichen wird zuerst durch Anschauen und Abtasten des Bauches erkannt. Wichtig ist dabei immer die Frage: Warum blutet es? Deshalb folgen rasch Blutuntersuchungen und Bildgebungen. In der Regel geschieht das in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Dort wird auch geprüft, wie stabil Kreislauf und Atmung sind, denn im Vordergrund steht die Frage, ob eine innere Blutung gestoppt werden muss.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung des Bauches und der Haut
- Gespräch über Beschwerden, Vorerkrankungen, Unfälle und eingenommene Medikamente
- Blutuntersuchungen, unter anderem zu Bauchspeicheldrüsen- und Leberwerten, Blutbild und Blutgerinnung
- Ultraschall des Bauches (Sonografie) – eine schmerzfreie Untersuchung mit Schallwellen
- Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT), wenn mit Ultraschall keine klare Ursache gefunden wird
- Bei Frauen im gebärfähigen Alter: Schwangerschaftstest, um eine Eileiterschwangerschaft auszuschließen
- Je nach Situation weitere Untersuchungen, etwa eine Spiegelung oder eine Gefäßdarstellung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In der Notaufnahme werden Sie schnell gesehen und an ein Überwachungsgerät angeschlossen. Häufig wird über eine Kanüle Flüssigkeit gegeben. Sie werden gefragt, wann die Verfärbung aufgetreten ist, ob Sie Schmerzen haben und welche Medikamente Sie nehmen. Bringen Sie wenn möglich eine Liste Ihrer Medikamente mit oder lassen Sie sich von einer Begleitperson unterstützen. Fragen Sie ruhig nach, was gerade untersucht wird und was als Nächstes geplant ist.
Behandlung
Das Cullen-Zeichen selbst wird nicht behandelt – behandelt wird immer die Ursache dahinter. Deshalb ist eine Behandlung im Krankenhaus nötig. Dort kümmert sich das Team zuerst um den Kreislauf, lindert Schmerzen und sucht die Blutungsquelle. Wie die Behandlung aussieht, hängt ganz davon ab, was die Untersuchungen zeigen.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei plötzlich starken Bauchschmerzen nichts essen oder trinken, bis ärztlich geklärt ist, was los ist
- Nicht selbst auf dem Bauch herumdrücken oder massieren
- Nicht allein mit dem Auto fahren, wenn es Ihnen schlecht geht – rufen Sie 112 oder lassen Sie sich fahren
- Notieren, wann die Verfärbung zum ersten Mal aufgefallen ist, und Fotos mit Datum machen
- Eine aktuelle Liste aller Medikamente bereithalten, auch von frei verkäuflichen
- Nach einem Krankenhausaufenthalt die vereinbarten Nachsorgetermine wahrnehmen
Medizinische Behandlungen
Im Krankenhaus steht die Stabilisierung des Kreislaufs an erster Stelle, meist über eine Infusion. Schmerzen werden je nach Situation gelindert. Bei einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse bekommt der Darm Ruhe, die Flüssigkeitszufuhr wird genau gesteuert und die Werte werden eng überwacht. Bei einer Blutung versucht das Team, die Blutungsquelle zu stoppen – je nach Befund mit einem Eingriff über einen Katheter (ein dünner Schlauch, der über ein Blutgefäß bis zur Blutungsstelle geführt wird) oder mit einer Operation. Bei einer Gallenstein-Ursache kann später ein Eingriff nötig sein, um den Gallengang zu öffnen. Ihr Behandlungsteam bespricht mit Ihnen die passende Vorgehensweise.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig sein, wenn eine innere Blutung nicht anders zu stoppen ist, zum Beispiel bei einer geplatzten Eileiterschwangerschaft, bei einer Verletzung von Leber, Milz oder Darm, bei einem Riss der Bauchschlagader oder bei Komplikationen einer schweren Bauchspeicheldrüsenentzündung. Ob und wann operiert wird, entscheidet das Behandlungsteam gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer solchen Erkrankung brauchen Sie Zeit. Viele Menschen fühlen sich wochenlang schwach und müde. Essen Sie zunächst langsam und in kleinen Portionen. Planen Sie Pausen ein und nehmen Sie Hilfe im Alltag an. Die Verfärbung am Bauchnabel verblasst in der Regel im Laufe der Zeit, ähnlich wie ein großer blauer Fleck – das kann einige Wochen dauern.
Tipps für den Alltag
- Auf Alkohol möglichst ganz verzichten, besonders nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung
- Nicht rauchen – fragen Sie nach Unterstützung beim Aufhören
- Gallensteine und andere Grunderkrankungen regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen
- Bei verschriebenen Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen, die Einnahme nie eigenmächtig ändern, sondern Rücksprache halten
- Im Auto immer den Sicherheitsgurt tragen und Stürze vermeiden
- Neue oder zunehmende Beschwerden früh melden, statt abzuwarten
Ernährung und Bewegung
Nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung beginnen viele Menschen mit leichter, fettarmer Kost und steigern sich langsam. Eine Ernährungsberatung kann dabei helfen. Bewegen Sie sich in den ersten Wochen sanft, zum Beispiel mit kurzen Spaziergängen, und steigern Sie das Pensum nach und nach. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche Belastung für Sie gerade passend ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Notfall mit starken Schmerzen und Krankenhausaufenthalt kann Angst machen. Manche Menschen schlafen schlecht, grübeln oder fühlen sich nach der Entlassung unsicher. Das ist verständlich und darf sein. Sprechen Sie im Behandlungsteam an, wie es Ihnen seelisch geht – dort kann man Sie unterstützen und Ihnen bei Bedarf weiterhelfen. Auch Gespräche mit Angehörigen oder eine psychosoziale Beratung können entlasten. Wenn Sie Gedanken haben, die Ihnen Angst machen, suchen Sie sich bitte sofort Hilfe – zum Beispiel über den Notruf 112 oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117.
Vorbeugung
Das Cullen-Zeichen selbst kann man nicht verhindern. Man kann aber das Risiko für einige Ursachen senken: wenig oder keinen Alkohol trinken, nicht rauchen, Gallensteine ärztlich abklären lassen, Blutdruck und Gefäße im Blick behalten und bei Bauchschmerzen früh Hilfe suchen, statt abzuwarten. Wichtig ist auch: Wer Medikamente einnimmt, die die Blutgerinnung hemmen, sollte Warnzeichen kennen und bei Auffälligkeiten sofort Rücksprache halten.
Früherkennungsprogramme
Für das Cullen-Zeichen gibt es keine Vorsorgeuntersuchung. In Deutschland bietet die gesetzliche Krankenversicherung Männern ab 65 Jahren eine einmalige Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung eines Bauchaortenaneurysmas an. Sprechen Sie Ihre Hausarztpraxis an, wenn Sie Fragen zu Vorsorgeuntersuchungen haben.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende innere Blutung mit Blutverlust
- Schock durch Blutverlust mit Gefahr für lebenswichtige Organe
- Schwere Komplikationen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, etwa Entzündungen im Bauchraum oder Versagen von Organen
- Längere Krankheitsdauer und längere Erholungszeit
- Im schlimmsten Fall Lebensgefahr
Langzeitprognose
Das Cullen-Zeichen ist ein ernst zu nehmendes Warnzeichen – aber es ist auch eine Chance: Es kann dazu führen, dass die eigentliche Ursache schnell erkannt und behandelt wird. Wer früh in ärztliche Behandlung kommt, hat deutlich bessere Aussichten. Viele Menschen erholen sich nach der Behandlung der Ursache gut, auch wenn die Erholung Zeit braucht. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen einschätzen, was in Ihrem Fall zu erwarten ist.
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Quellen und Leitlinien
Keine Leitlinie nennt dieses Thema
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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