Durchfall und Erbrechen
Übersicht
Durchfall und Erbrechen sind zwei Zeichen dafür, dass der Magen und der Darm aus dem Gleichgewicht geraten sind. Von Durchfall spricht man, wenn man mehr als dreimal am Tag sehr weichen oder flüssigen Stuhl hat. Beim Erbrechen entleert sich der Magen mit Kraft nach oben. Meist steckt dahinter eine Infektion mit Viren oder Bakterien – oft einfach „Magen-Darm-Infekt“ genannt. Der Körper versucht so, die Erreger loszuwerden. Unangenehm ist das sehr, aber es heilt meist in wenigen Tagen von selbst aus. Das Wichtigste ist, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
Wichtige Fakten
- Die häufigste Ursache sind Viren – ein Magen-Darm-Infekt klingt bei den meisten Menschen innerhalb von zwei bis fünf Tagen von selbst ab.
- Flüssigkeitsverlust ist das größte Risiko. Wer viel trinkt, schützt sich am besten.
- Antibiotika helfen bei den meisten Fällen nicht, weil Viren die Auslöser sind.
- Gute Händehygiene schützt andere Menschen in der Familie und im Haushalt.
Sehr häufig. Erwachsene bekommen etwa ein- bis dreimal im Jahr eine Magen-Darm-Infektion, Kinder noch etwas öfter. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Schulen oder Pflegeheimen kann es schnell zu mehreren Fällen kommen.
Grundsätzlich kann es jeden treffen. Besonders aufpassen sollten Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen. Bei ihnen kann der Flüssigkeitsverlust schneller gefährlich werden.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder kaum ansprechbar sein
- Kein Urin über viele Stunden, sehr trockener Mund und eingesunkene Augen
- Blut im Erbrochenen oder schwarzer, teerartiger Stuhl
- Plötzliche, sehr starke Bauchschmerzen, vor allem mit hartem Bauch
- Krampfanfälle
- Sehr schnelle, flache Atmung, kalter Schweiß, Kreislaufzusammenbruch
- Nackensteifigkeit zusammen mit Fieber und starkem Krankheitsgefühl
- Bei Babys: eingesunkene Fontanelle, keine nasse Windel seit vielen Stunden, schlaff und nicht erweckbar
- ⚠Blut im Stuhl
- ⚠Anhaltendes Erbrechen über mehr als einen Tag, sodass nichts im Magen bleibt
- ⚠Fieber über etwa 39 Grad oder Fieber, das länger als drei Tage anhält
- ⚠Deutliche Anzeichen von Austrocknung
- ⚠Durchfall, der länger als vier Tage anhält
- ⚠Durchfall nach einer Reise in ein fernes Land
- ⚠Durchfall und Erbrechen in der Schwangerschaft oder bei geschwächtem Immunsystem
Häufige Symptome
- Häufiger, weicher oder flüssiger Stuhlgang, manchmal sehr wässrig
- Übelkeit und Erbrechen
- Bauchkrämpfe oder Bauchschmerzen, oft wellenartig
- Blähungen und laute Darmgeräusche
- Fieber und Frösteln
- Appetitlosigkeit und ein allgemeines Schwächegefühl
- Kopfschmerzen und Gliederschmerzen
- Zeichen von Flüssigkeitsmangel: trockener Mund, dunkler Urin, Müdigkeit
Symptome bei Kindern
- Weniger nasse Windeln als sonst oder ganz trockene Windeln
- Beim Weinen kaum oder keine Tränen
- Trockene Lippen, trockene Zunge, klebriger Speichel
- Eingesunkene weiche Stelle am Kopf bei Babys (die Fontanelle)
- Schläfrig oder schwer aufzuwecken, oder ungewöhnlich quengelig
- Trinkt nicht mehr oder verweigert die Flasche
- Eingesunkene Augen und blasse, graue Haut
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Austrocknung kann sehr schnell gehen, weil das Durstgefühl im Alter schwächer ist
- Verwirrtheit, Unruhe oder ungewöhnliche Müdigkeit – das kann ein Zeichen von Flüssigkeitsmangel sein
- Schwindel beim Aufstehen und erhöhte Sturzgefahr
- Schwäche und das Gefühl, „nicht mehr richtig da zu sein“
- Weniger Urin oder sehr dunkler Urin
Ursachen
Hauptursachen
- Viren, vor allem Noroviren und Rotaviren – die häufigste Ursache
- Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter oder bestimmte Darmkeime, oft über Lebensmittel aufgenommen
- Parasiten, zum Beispiel Giardien, häufig nach Reisen oder über verunreinigtes Wasser
- Lebensmittelvergiftung durch Keime oder Giftstoffe in Speisen
- Unverträglichkeiten, etwa gegen Milchzucker (Laktose)
- Nebenwirkungen von Medikamenten, zum Beispiel bestimmter Schmerzmittel oder Antibiotika
- Reizdarm oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- Aufregung, Stress und starke Nervosität können den Darm ebenfalls durcheinanderbringen
Risikofaktoren
- Enger Kontakt zu erkrankten Menschen, etwa in der Familie, in der Kita oder im Pflegeheim
- Seltene oder unsaubere Händehygiene
- Rohe Eier, rohes Fleisch, ungewaschenes Obst und Gemüse oder nicht durchgegarte Speisen
- Verunreinigtes Trinkwasser oder Eiswürfel auf Reisen
- Ein geschwächtes Immunsystem
- Hohes Alter oder sehr junges Alter
- Reisen in Regionen mit anderen Hygienestandards
- Beruf mit Kontakt zu Tieren oder zu Lebensmitteln
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie oder Ihr Kind können nichts bei sich behalten, auch keine kleinen Schlucke Flüssigkeit
- Anzeichen von Austrocknung: kaum Urin, trockener Mund, schlapp und benommen
- Blut im Stuhl oder im Erbrochenen
- Sehr starke Bauchschmerzen oder ein harter Bauch
- Fieber über etwa 39 Grad, besonders bei kleinen Kindern
- Durchfall nach einer Reise in die Tropen oder nach dem Kontakt mit Tieren
- Sie sind schwanger, haben Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem
- Bei Babys unter sechs Monaten: früh ärztlichen Rat holen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Der Durchfall hält länger als vier Tage an oder wird nicht besser
- Immer wiederkehrende Durchfälle über Wochen
- Durchfall und Erbrechen treten ohne erkennbaren Grund häufig auf
- Sie haben das Gefühl, nicht genug trinken zu können, und fühlen sich dauerhaft schwach
- Sie möchten wissen, wie Sie sich in Ihrem Alltag besser schützen können
Diagnose
In den meisten Fällen braucht es keine großen Untersuchungen. Die Ärztin oder der Arzt fragt, seit wann die Beschwerden bestehen, wie oft Sie zur Toilette gehen, was Sie gegessen haben, ob Sie gereist sind und ob Sie Medikamente einnehmen. Danach folgt eine kurze körperliche Untersuchung: Der Bauch wird abgetastet, und man achtet auf Zeichen von Flüssigkeitsmangel, etwa an Mund, Haut und Puls.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Abtasten des Bauches und Prüfen des Flüssigkeitshaushalts
- Stuhlprobe, wenn Blut im Stuhl ist, die Beschwerden lange dauern oder eine bestimmte Infektion vermutet wird
- Blutuntersuchung, wenn der Verdacht auf starken Flüssigkeits- oder Salzverlust besteht
- Urinuntersuchung, um zu sehen, wie gut der Körper mit Flüssigkeit versorgt ist
- Bei Kindern manchmal eine Gewichtskontrolle, um den Verlauf zu beurteilen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Das Gespräch und die Untersuchung dauern meist nur wenige Minuten. Oft können Sie nach dem Termin wieder nach Hause gehen. Falls eine Probe eingeschickt wird, kann das Ergebnis ein paar Tage dauern. In der Zwischenzeit geht es vor allem darum, gut zu trinken und sich auszuruhen.
Behandlung
Im Mittelpunkt steht fast immer der Ausgleich von Flüssigkeit und Salzen. Der Körper verliert beim Durchfall und Erbrechen viel Wasser. Wenn Sie regelmäßig in kleinen Schlucken trinken, kommen die meisten Menschen gut durch die Erkrankung. Medikamente sind nur selten nötig. Bei bestimmten Gruppen – etwa kleinen Kindern, älteren Menschen oder bei starkem Flüssigkeitsverlust – kann eine Behandlung in der Praxis oder im Krankenhaus sinnvoll sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie in kleinen Schlucken, dafür oft – am besten über den Tag verteilt
- Eine Elektrolytlösung aus der Apotheke ersetzt Wasser und Salze besonders gut
- Auch Wasser, ungesüßter Tee oder klare Brühe helfen
- Essen Sie, wenn Ihnen danach ist: leichte, gut verträgliche Kost wie Reis, Kartoffeln, Zwieback oder Banane
- Ruhen Sie sich aus und bleiben Sie zu Hause, bis es Ihnen besser geht
- Waschen Sie sich gründlich die Hände, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen
- Nehmen Sie keine Mittel gegen Durchfall ein, wenn Sie Fieber oder Blut im Stuhl haben – fragen Sie vorher in der Apotheke oder Praxis
- Säuglinge und kleine Kinder weiter stillen oder mit der gewohnten Milch füttern, in kleinen Mengen und häufiger
Medizinische Behandlungen
In der Praxis wird zuerst geprüft, wie viel Flüssigkeit fehlt. Bei stärkerem Flüssigkeitsmangel kann Flüssigkeit über eine Vene (einen Zugang) gegeben werden. Gegen Übelkeit gibt es Mittel, die den Magen beruhigen. Antibiotika helfen nur bei bestimmten bakteriellen Infektionen und werden nur gezielt eingesetzt – bei den häufigen Virusinfektionen nützen sie nicht. Mittel, die den Durchfall stoppen, sind nicht für jeden geeignet und sollten vor allem bei Fieber oder Blut im Stuhl nicht ohne ärztlichen Rat genommen werden. In der Apotheke berät man Sie gerne, was in Ihrer Situation passt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Durchfall und Erbrechen nur sehr selten nötig – etwa wenn sich ein Darmabschnitt entzündet hat, ein Darmverschluss vorliegt oder eine andere ernste Ursache im Bauchraum gefunden wird. In den allermeisten Fällen lässt sich die Erkrankung ohne Eingriff behandeln.
Leben mit der Erkrankung
Die ersten Tage sind oft anstrengend. Planen Sie Ruhezeiten ein und bleiben Sie zu Hause, bis der Durchfall vorbei ist und Sie wieder normal essen und trinken können. Halten Sie eine Wasserflasche in Ihrer Nähe und trinken Sie bewusst kleine Mengen. Für Familien mit Kindern hilft es, Handtücher und Kleidung schnell zu wechseln und Flächen regelmäßig zu reinigen. Arbeiten Sie nicht in der Gastronomie, im Gesundheitswesen oder mit Kindern, solange Sie ansteckend sein könnten – fragen Sie im Zweifel Ihre Praxis, wann Sie zurückkehren dürfen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßig und gründlich Händewaschen mit Seife – mindestens 20 Sekunden
- Husten und Niesen in die Armbeuge, Toilette nach jedem Gang reinigen
- Eigene Handtücher benutzen, solange jemand im Haushalt krank ist
- Lebensmittel gut durchgaren und rohe und gekochte Speisen getrennt lagern
- Auf Reisen nur abgefülltes oder abgekochtes Wasser trinken
- Ausreichend schlafen und Pausen einplanen, damit sich der Körper erholen kann
Ernährung und Bewegung
Essen Sie, was Ihnen guttut, und zwingen Sie sich nicht. Leichte, gut verträgliche Speisen werden meist besser vertragen als fettige, sehr süße oder stark gewürzte Gerichte. Milchprodukte können vorübergehend schwer im Magen liegen, wenn der Darm gereizt ist. Mit Bewegung warten Sie lieber, bis Sie sich wieder kräftig fühlen – ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft ist aber in Ordnung, wenn Sie mögen. Nach ein bis zwei beschwerdefreien Tagen können Sie Ihre gewohnte Kost langsam wieder aufnehmen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Durchfall und Erbrechen können belastend sein: Man fühlt sich ausgeliefert, schämt sich vielleicht und mag das Haus nicht verlassen. Bei Eltern von kranken Kindern kommt oft Sorge und Schlafmangel dazu. Solche Gefühle sind normal und gehen mit der Erkrankung meist wieder vorbei. Wenn Sie sich längere Zeit niedergeschlagen, ängstlich oder überfordert fühlen, sprechen Sie darüber – mit Menschen, die Ihnen nahestehen, mit Ihrer Hausarztpraxis oder mit einer Beratungsstelle. In einer seelischen Krise können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden, die rund um die Uhr erreichbar ist.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich ein Magen-Darm-Infekt nicht, aber Sie können das Risiko deutlich senken. Die wichtigste Maßnahme ist gründliche Händehygiene – nach jedem Toilettengang, vor dem Essen und nach dem Kontakt mit kranken Menschen. Auch sauberes Essen und Trinkwasser schützen. Wenn jemand im Haushalt krank ist, helfen eigene Handtücher und regelmäßiges Reinigen von Toilette und Türklinken. Zur Orientierung gibt es in Deutschland Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zu Magen-Darm-Infektionen, in denen diese Schutzmaßnahmen beschrieben sind.
Impfungen
Gegen Rotaviren gibt es eine Impfung für Säuglinge, die in Deutschland empfohlen wird. Sie schützt nicht vor allen, aber vor vielen schweren Verläufen. Für andere häufige Erreger wie Noroviren gibt es derzeit keine allgemein verfügbare Impfung. Fragen Sie Ihre Kinderarztpraxis, ob und wann die Rotavirus-Impfung für Ihr Kind passt.
Früherkennungsprogramme
Ein Reihenuntersuchung (Screening) auf Durchfall und Erbrechen gibt es nicht, weil die Beschwerden meist akut und klar erkennbar sind. Wenn Durchfälle aber immer wiederkehren, kann die Hausarztpraxis gezielt nach Ursachen suchen – zum Beispiel mit einer Stuhlprobe. Regelmäßige Vorsorgetermine sind trotzdem sinnvoll, um die allgemeine Gesundheit im Blick zu behalten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Flüssigkeitsmangel) – das häufigste und wichtigste Risiko
- Störungen des Salz- und Zuckerhaushalts im Blut
- Belastung der Nieren bis hin zu Nierenschäden bei starkem Flüssigkeitsverlust
- Kreislaufprobleme, Schwindel und Stürze, besonders bei älteren Menschen
- Anhaltende Schwäche und Gewichtsverlust, wenn über längere Zeit nichts gegessen werden kann
- Vorübergehende Unverträglichkeit von Milchzucker nach einer Darminfektion
Langzeitprognose
Die Aussichten sind sehr gut. Bei den meisten Menschen bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage, und der Darm erholt sich vollständig. Kleine Kinder und ältere Menschen brauchen manchmal etwas länger und etwas mehr Aufmerksamkeit. Mit genug Flüssigkeit und Ruhe steht einer schnellen Erholung nichts im Weg. Sollten die Beschwerden länger anhalten, ist die Hausarztpraxis für Sie da, um die Ursache abzuklären.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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