Durchfall: mögliche Ursachen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Durchfall (medizinisch: Diarrhoe) bedeutet, dass Sie häufiger als sonst Stuhlgang haben und der Stuhl dünnflüssig oder wässrig ist. Meist hält er nur ein paar Tage an und geht von alleine wieder weg.
Wichtige Fakten
- Durchfall ist sehr häufig und meist harmlos.
- In den meisten Fällen wird er durch Viren oder Bakterien ausgelöst.
- Das Wichtigste ist, genug zu trinken, um einer Austrocknung (Dehydratation) vorzubeugen.
Ja, Durchfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Fast jeder Mensch hat mehrmals im Jahr eine Durchfall-Episode.
Durchfall kann Menschen jeden Alters betreffen. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Symptome
- Blut im Stuhl (rot oder schwarz, wie Teer)
- Anzeichen einer schweren Austrocknung: kaum noch Urin, extrem trockener Mund, starke Schwäche, Verwirrtheit
- Hohes Fieber über 39°C, das nicht sinkt
- Starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Wenn der Betroffene nicht mehr wach zu bekommen ist
- ⚠Durchfall hält länger als 3 Tage an oder wird schlimmer
- ⚠Sie können nichts bei sich behalten (Erbrechen plus Durchfall)
- ⚠Bei Säuglingen, Kleinkindern oder älteren Menschen mit Durchfall, wenn Sie sich unsicher fühlen
- ⚠Wenn Sie eine chronische Erkrankung haben (z. B. Diabetes, Nierenleiden) oder Ihr Immunsystem geschwächt ist
Häufige Symptome
- Häufiger, dünnflüssiger oder wässriger Stuhlgang (mindestens drei Mal innerhalb von 24 Stunden)
- Bauchschmerzen oder -krämpfe
- Übelkeit oder Erbrechen
- Manchmal leichtes Fieber
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern kommt zusätzlich oft starkes Erbrechen vor.
- Sie können schnell viel Flüssigkeit verlieren und schlapp wirken.
- Achten Sie auf trockene Lippen, eingesunkene Augen oder weniger nasse Windeln.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann Durchfall zu einer gefährlichen Austrocknung (Dehydratation) führen.
- Sie fühlen sich oft verwirrt oder sehr schwach.
- Auch begleitende Erkrankungen wie Nierenprobleme können sich verschlechtern.
Ursachen
Hauptursachen
- Virusinfektionen, zum Beispiel durch Noroviren oder Rotaviren
- Bakterielle Infektionen, etwa durch Salmonellen oder Campylobacter (oft durch verunreinigte Lebensmittel)
- Nebenwirkungen von Medikamenten, insbesondere Antibiotika
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz
- Chronische Darmerkrankungen wie Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
Risikofaktoren
- Reisen in Länder mit mangelhafter Hygiene (Reisedurchfall)
- Schwaches Immunsystem (z. B. durch Chemotherapie oder HIV)
- Kontakt zu erkrankten Personen (vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Krankenhäusern)
- Bestimmte Medikamente wie Antibiotika oder Abführmittel
- Stress oder Änderungen der Ernährung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sie haben Blut im Stuhl oder schwarzen, teerartigen Stuhl
- Sie haben hohes Fieber (über 39°C) oder fühlen sich sehr krank
- Sie können mehrere Stunden lang keine Flüssigkeit zu sich nehmen und haben starke Anzeichen einer Austrocknung
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Der Durchfall dauert länger als eine Woche an, ohne dass sich eine Besserung zeigt
- Sie haben trotz Selbstmaßnahmen anhaltende Bauchschmerzen oder Gewichtsverlust
- Sie vermuten eine Nahrungsmittelunverträglichkeit als Ursache
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Ihren Beschwerden, der Dauer des Durchfalls, möglichen Auslösern sowie Begleitsymptomen. Eine körperliche Untersuchung gibt Hinweise auf den Flüssigkeitsstatus.
Mögliche Untersuchungen
- Stuhluntersuchung: Der Stuhl wird im Labor auf Bakterien, Viren oder Parasiten getestet.
- Blutuntersuchung: Sie misst Entzündungswerte und zeigt, ob eine Austrocknung vorliegt.
- Bei länger anhaltendem Durchfall kann eine Darmspiegelung (Koloskopie) nötig sein.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei. Bei einer Darmspiegelung erhalten Sie eine kurze Narkose. Meist bekommen Sie noch am selben Tag oder nach wenigen Tagen die Ergebnisse.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Bei akutem Durchfall steht der Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich im Vordergrund. Antibiotika werden nur bei bakteriellen Infektionen eingesetzt, die nicht von selbst abklingen.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie viel Flüssigkeit, am besten Wasser, ungesüßten Tee oder Brühe – mindestens 2 Liter pro Tag.
- Greifen Sie zu leichten Lebensmitteln wie Zwieback, Bananen, Reis oder geriebener Apfel (Schonkost).
- Vermeiden Sie Milchprodukte, fettige oder stark gewürzte Speisen sowie Koffein und Alkohol.
- Ruhen Sie sich aus und gönnen Sie Ihrem Darm Erholung.
Medizinische Behandlungen
Bei starkem Durchfall können Elektrolytlösungen aus der Apotheke helfen, den Mineralstoffverlust auszugleichen. In manchen Fällen verordnet der Arzt Medikamente, die die Darmbewegung verlangsamen (Motilitätshemmer). Bei bakteriellen Infektionen kommen Antibiotika zum Einsatz – das entscheidet der Arzt nach Stuhltest. Wichtig: Nehmen Sie keine Arzneimittel gegen Durchfall ohne ärztlichen Rat, besonders bei Blut im Stuhl oder Fieber.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Durchfall nur äußerst selten nötig, etwa bei bestimmten schweren Darmerkrankungen wie einem Darmverschluss oder bei Komplikationen einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Ihr Arzt wird dies mit Ihnen besprechen, falls erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Bei chronischem Durchfall (z. B. durch Reizdarm oder entzündliche Darmerkrankungen) können Sie lernen, Ihren Alltag anzupassen. Planen Sie Toilettenpausen ein und tragen Sie im Zweifel Wechselwäsche oder Feuchttücher bei sich.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Symptomtagebuch, um Auslöser wie bestimmte Lebensmittel oder Stress zu erkennen.
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden – das erleichtert die Behandlung.
- Vermeiden Sie Stopfen (Verstopfung) durch zu wenig Bewegung: leichte Bewegung hilft der Darmtätigkeit.
Ernährung und Bewegung
Bei chronischem Durchfall kann eine angepasste Ernährung helfen. Führen Sie eine Schonkost mit Ballaststoffen aus Quellmitteln wie Flohsamenschalen (nach Rücksprache mit Ihrem Arzt). Meiden Sie stark blähende Lebensmittel. Leichte Bewegung wie Spaziergänge unterstützt die Verdauung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronischer Durchfall kann belastend sein und zu Ängsten oder sozialem Rückzug führen. Es ist völlig normal, sich manchmal frustriert zu fühlen. Suchen Sie sich Unterstützung: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Nicht jeder Durchfall ist vermeidbar, aber einfache Hygienemaßnahmen senken das Risiko: Händewaschen nach dem Toilettengang und vor dem Essen, sorgfältiges Erhitzen von Lebensmitteln und Vermeidung von rohem Fleisch oder ungewaschenem Obst auf Reisen.
Impfungen
Gegen bestimmte Durchfallerreger gibt es Impfungen, zum Beispiel gegen Rotaviren für Säuglinge (Teil der empfohlenen Impfungen in Deutschland). Auch eine Impfung gegen Cholera oder Typhus ist für Reisen in Risikogebiete möglich – sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf Durchfallerkrankungen. Wenn Sie jedoch anhaltende Beschwerden haben oder eine chronische Darmerkrankung vermutet wird, kann Ihr Arzt eine Darmspiegelung empfehlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Austrocknung (Dehydratation) – besonders gefährlich für Kinder und ältere Menschen
- Elektrolytstörungen (Mangel an wichtigen Mineralstoffen wie Natrium, Kalium)
- Nierenversagen in schweren Fällen
- Bei chronischen Erkrankungen können Entzündungen auf andere Organe übergreifen
Langzeitprognose
Die allermeisten Durchfallerkrankungen heilen ohne Komplikationen aus. Bei rechtzeitiger Flüssigkeitszufuhr und ärztlicher Behandlung, wenn nötig, ist die Prognose sehr gut. Auch chronische Formen lassen sich heute gut behandeln, sodass die Lebensqualität meist erhalten bleibt.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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