Drop attacks
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Sturzanfall (engl. Drop Attack) ist ein plötzlicher, unerwarteter Sturz ohne Bewusstseinsverlust. Betroffene sinken oder fallen zu Boden, sind aber sofort wieder da und können sich an alles erinnern. Es fühlt sich an, als ob die Beine plötzlich nachgeben.
Wichtige Fakten
- Sturzanfälle sind keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom verschiedener Ursachen.
- Im Gegensatz zur Ohnmacht bleibt das Bewusstsein während des Sturzes klar.
- Die Stürze treten meist ohne Vorwarnung auf.
- Besonders ältere Menschen und Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen sind betroffen.
Sturzanfälle sind nicht extrem häufig, aber auch nicht selten. Sie kommen bei etwa 1–2 von 100 Menschen vor, vor allem im höheren Alter.
Sturzanfälle können in jedem Alter auftreten, betreffen aber häufiger ältere Erwachsene (über 65 Jahre) sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Herzerkrankungen, neurologischen Störungen oder niedrigem Blutdruck.
Symptome
- Wenn der Sturz mit Bewusstlosigkeit einhergeht (auch kurz)
- Wenn der Sturz mit Krampfanfällen oder Zuckungen verbunden ist
- Wenn nach dem Sturz keine vollständige Erholung eintritt (Verwirrtheit, Sprachstörungen, Lähmungen)
- Wenn der Sturz zu einer Kopfverletzung geführt hat und die Person benommen wirkt
- ⚠Wenn die Stürze häufiger werden (mehrmals pro Woche)
- ⚠Wenn zusätzlich Schmerzen in der Brust, Herzrasen oder starke Atemnot auftreten
- ⚠Wenn der Sturz zu einer Verletzung geführt hat, die ärztlich versorgt werden muss (z. B. Verdacht auf Knochenbruch)
Häufige Symptome
- Plötzliches Nachgeben der Beine ohne Vorwarnung
- Sturz zu Boden ohne Bewusstseinsverlust
- Sofortige Erholung nach dem Sturz
- Keine Verwirrtheit oder Erinnerungslücken
Symptome bei Kindern
- Kinder können beim Spielen plötzlich hinsinken, oft ohne Verletzung.
- Manchmal tritt es bei bestimmten Formen der Epilepsie auf (z. B. atonische Anfälle).
- Wichtig: Ein plötzlicher Sturz bei einem Kind sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufiger als bei Jüngeren, oft verbunden mit Gleichgewichtsstörungen oder Blutdruckschwankungen.
- Begleitend können Schwindel oder ein Schwächegefühl auftreten.
- Stürze können zu ernsteren Verletzungen wie Knochenbrüchen führen.
Ursachen
Hauptursachen
- Plötzlicher Blutdruckabfall (orthostatische Hypotonie) – zum Beispiel beim Aufstehen nach längerem Sitzen oder Liegen
- Herzrhythmusstörungen, die kurzzeitig die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen
- Bestimmte Formen der Epilepsie (atonische Anfälle)
- Störungen der Durchblutung im Gehirn (z. B. transitorische ischämische Attacke – eine Art Mini-Schlaganfall)
- Probleme mit dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr
- Nebenwirkungen von Medikamenten (z. B. blutdrucksenkende Mittel)
- Neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose
Risikofaktoren
- Alter über 65 Jahre
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen)
- Einnahme mehrerer Medikamente (Polypharmazie)
- Dehydrierung (Flüssigkeitsmangel)
- Langes Stehen oder schnelles Aufstehen
- Vorerkrankungen des Nervensystems
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach dem ersten Sturzanfall ohne erkennbare Ursache
- Wenn Sie sich beim Sturz verletzt haben (auch wenn es harmlos aussieht)
- Wenn Sie zusätzlich Herzklopfen, Brustschmerz oder Atemnot haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Stürze gelegentlich auftreten, Sie aber keine klare Ursabe erkennen
- Wenn Sie über 60 Jahre alt sind und regelmäßig stürzen
- Wenn Sie Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen Ihrer Medikamente haben
Diagnose
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese). Der Arzt oder die Ärztin wird Sie nach Ihren Stürzen, Begleitumständen, Medikamenten und Vorerkrankungen fragen. Danach folgt eine körperliche Untersuchung, vor allem von Herz und Kreislauf sowie neurologischen Funktionen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutdruckmessung im Liegen, Sitzen und Stehen (orthostatischer Blutdrucktest)
- Elektrokardiogramm (EKG) zur Untersuchung des Herzrhythmus
- Langzeit-EKG (über 24 Stunden oder länger)
- Blutuntersuchungen (z. B. auf Elektrolyte, Blutzucker, Schilddrüsenwerte)
- Ggf. Ultraschall der Halsschlagadern oder eine MRT des Kopfes
- Bei Verdacht auf Epilepsie: EEG (Hirnstrommessung)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern je nach Umfang einige Stunden bis Tage. Manchmal ist ein kurzer Krankenhausaufenthalt nötig, wenn ein Verdacht auf Herzrhythmusstörungen besteht. Ihr Arzt wird Ihnen genau erklären, warum welcher Test gemacht wird.
Behandlung
Die Behandlung von Sturzanfällen richtet sich nach der Ursache. Oft lässt sich die Sturzursache gut behandeln, sodass die Anfälle seltener werden oder ganz verschwinden.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend Wasser (mindestens 1,5–2 Liter pro Tag, wenn Ihr Arzt nichts anderes empfiehlt)
- Stehen Sie langsam auf, insbesondere nach dem Schlafen oder langem Sitzen
- Vermeiden Sie plötzliche Bewegungen
- Tragen Sie flache, rutschfeste Schuhe
- Entfernen Sie Stolperfallen in der Wohnung (Teppiche, Kabel)
- Führen Sie ein Sturztagebuch: Notieren Sie Datum, Uhrzeit, was Sie vor dem Sturz gemacht haben
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kann Ihr Arzt eine Behandlung einleiten. Dazu gehören zum Beispiel Maßnahmen zur Stabilisierung des Blutdrucks (z. B. mehr Salz oder Kompressionsstrümpfe), Anpassungen von Medikamenten, die den Blutdruck senken, oder spezielle herzrhythmusstabilisierende Verfahren. Bei neurologischen Ursachen wie Epilepsie kommen gegebenenfalls Medikamente gegen Anfälle infrage. Bei Gleichgewichtsstörungen kann Physiotherapie helfen. Ihr Arzt wird die für Sie passende Therapie vorschlagen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur sehr selten ist eine Operation nötig, etwa wenn ein Tumor oder eine Engstelle in den Hirngefäßen die Ursache ist. Dies wird immer in einem Spezialklinikum abgeklärt.
Leben mit der Erkrankung
Mit Sturzanfällen zu leben kann verunsichern, aber die meisten Menschen lernen, damit umzugehen. Wichtig ist, sich nicht zu sehr einzuschränken. Mit gezielten Vorsichtsmaßnahmen können Sie Ihren Alltag weitgehend normal gestalten.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber ohne Risiko (z. B. leichtes Spazierengehen, Wassergymnastik)
- Vermeiden Sie langes Stehen ohne Bewegung
- Sorgen Sie für gute Beleuchtung in Ihrer Wohnung
- Nutzen Sie gegebenenfalls einen Gehstock oder Rollator zur Sicherheit
- Informieren Sie Familie, Freunde und Kollegen über Ihre Sturzanfälle, damit sie im Notfall helfen können
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Flüssigkeit und Salz (nach ärztlicher Absprache) kann helfen, den Blutdruck zu stabilisieren. Leichte Ausdauerübungen wie Fahrradfahren oder Schwimmen stärken Kreislauf und Muskulatur. Ihr Arzt oder Physiotherapeut kann Ihnen ein individuelles Übungsprogramm empfehlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederholte Stürze können Angst machen und die Lebensqualität beeinträchtigen. Viele Menschen vermeiden es aus Angst vor einem Sturz, das Haus zu verlassen. Das ist verständlich, aber es gibt Wege, diese Angst zu überwinden. Ein Gespräch mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle kann helfen. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Nicht alle Sturzanfälle lassen sich verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Dazu gehören: ausreichend trinken, langsames Aufstehen, Sturzprophylaxe zu Hause, regelmäßige Bewegung und die Überprüfung Ihrer Medikamente durch den Arzt.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiger Gesundheitscheck beim Hausarzt (ab 35 Jahren alle 2–3 Jahre) kann Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen frühzeitig erkennen. Lassen Sie bei Bedarf auch Ihren Blutdruck im Liegen und Stehen messen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verletzungen durch Stürze (Prellungen, Knochenbrüche, Kopfverletzungen)
- Angst vor weiteren Stürzen, die zu Vermeidungsverhalten und sozialem Rückzug führen kann
- Verschlechterung der Grunderkrankung (z. B. unbehandelte Herzrhythmusstörungen, die zu ernsteren Problemen führen)
- Sturzangst kann die Lebensqualität stark einschränken
Langzeitprognose
Die Aussichten bei Sturzanfällen sind in der Regel gut, wenn die Ursache erkannt und behandelt wird. Viele Menschen werden nach einer passenden Therapie wieder sturzfrei. Auch wenn die Ursache nicht vollständig heilbar ist, können Sie durch vorbeugende Maßnahmen und Anpassungen im Alltag das Sturzrisiko deutlich mindern und ein aktives Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2026
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