Trockene, rissige Lippen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Trockene, rissige Lippen (medizinisch: Cheilitis simplex) sind ein häufiges, harmloses Problem, bei dem die Lippen spröde werden, schuppen oder einreißen. Die Haut der Lippen ist dünn und hat keine Talgdrüsen, daher trocknet sie schnell aus.
Wichtige Fakten
- Trockene Lippen sind meist harmlos und durch äußere Einflüsse wie Kälte oder Wind bedingt.
- Häufiges Lecken der Lippen verschlimmert das Problem, weil Speichel die Haut zusätzlich reizt.
- In den meisten Fällen helfen einfache Pflegemaßnahmen wie Lippenbalsam und ausreichend Trinken.
Ja, fast jeder Mensch hat irgendwann einmal trockene oder rissige Lippen. Vor allem in den kalten Monaten oder bei trockener Heizungsluft tritt das Problem häufig auf.
Trockene, rissige Lippen können Menschen jeden Alters betreffen. Besonders empfindlich sind Menschen mit trockener Haut, Allergien oder einer Neigung zu Neurodermitis. Auch wer viel im Freien ist oder bestimmte Medikamente einnimmt, hat ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzliche starke Schwellung der Lippen oder des Gesichts (Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion)
- Atembeschwerden oder Engegefühl im Hals
- Schluckbeschwerden, die plötzlich auftreten
- ⚠Eitrige Bläschen oder Krusten auf den Lippen (Zeichen einer bakteriellen Infektion)
- ⚠Fieber in Verbindung mit trockenen, eingerissenen Lippen
- ⚠Starke Schmerzen, die das Essen oder Trinken unmöglich machen
- ⚠Wenn die Lippen nach 2 Wochen Selbstpflege nicht besser werden
Häufige Symptome
- Spannungsgefühl und Trockenheit der Lippen
- Schuppende oder sich ablösende Haut an den Lippen
- Risse (Fissuren) in den Lippen, die schmerzhaft sein können
- Leichte Rötung oder Schwellung im Lippenbereich
Symptome bei Kindern
- Kinder lecken sich häufig die Lippen, was die Trockenheit noch verstärkt.
- Bei kleinen Kindern kann das ständige Belecken der Lippen zu einer Entzündung rund um den Mund führen (sogenanntes „Leckekzem“).
- Trockene Lippen bei Kindern können auch ein Zeichen von Dehydrierung oder einem Vitaminmangel sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mit zunehmendem Alter produziert die Haut weniger Talg, die Lippen trocknen daher leichter aus.
- Ältere Menschen trinken oft zu wenig, was die Trockenheit der Lippen zusätzlich fördert.
- Zahnprothesen oder bestimmte Medikamente können die Lippen zusätzlich reizen.
Ursachen
Hauptursachen
- Äußere Einflüsse wie Kälte, Wind, trockene Heizungsluft oder intensive Sonneneinstrahlung
- Häufiges Lecken der Lippen – der Speichel enthält Enzyme, die die Haut reizen und austrocknen
- Mundatmung, zum Beispiel bei verstopfter Nase
- Allergische Reaktionen auf Lippenpflegestifte, Zahnpasta oder bestimmte Lebensmittel
- Austrocknung des Körpers durch zu wenig Trinken
Risikofaktoren
- Trockene Haut oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel gegen Akne (wie Isotretinoin) oder harntreibende Mittel (Diuretika)
- Mangel an Vitaminen (vor allem Vitamin B2, B3 und Eisen)
- Häufiger Aufenthalt in klimatisierten oder beheizten Räumen
- Lippenherpes oder andere Infektionen im Lippenbereich
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion (siehe Notfall-Symptome)
- Bei eitrigen Bläschen, Fieber oder starken Schmerzen
- Wenn die Lippen plötzlich stark anschwellen und Sie Atemnot bekommen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten, trotz regelmäßiger Pflege
- Wenn Sie wiederholt unter trockenen, rissigen Lippen leiden und die Ursache unklar ist
- Bei Verdacht auf eine Allergie (z. B. gegen Lippenpflegeprodukte oder Zahnpasta)
- Wenn Sie zusätzlich andere Symptome wie Müdigkeit, Haarausfall oder brüchige Nägel bemerken
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine einfache Betrachtung der Lippen gestellt. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Gewohnheiten, möglichen Auslösern und Begleitsymptomen.
Mögliche Untersuchungen
- In manchen Fällen kann ein Allergietest (Pflastertest) sinnvoll sein, um eine Kontaktallergie auszuschließen.
- Bei Verdacht auf einen Nährstoffmangel wird eventuell eine Blutuntersuchung durchgeführt.
- Wenn eine Infektion vermutet wird, kann ein Abstrich von den Lippen gemacht werden.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Meist reicht ein Gespräch und der Blick auf die Lippen aus, um die Ursache zu finden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. In den meisten Fällen helfen bereits einfache Pflegemaßnahmen. Bei hartnäckigen oder infizierten Lippen kann die Ärztin oder der Arzt zusätzlich eine Behandlung empfehlen.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen Sie mehrmals täglich einen fettenden Lippenbalsam auf – am besten ohne Duft- oder Farbstoffe.
- Vermeiden Sie es, sich die Lippen zu lecken – das macht sie noch trockener.
- Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßte Tees, mindestens 1,5 Liter pro Tag.
- Schützen Sie die Lippen bei Kälte und Wind mit einem Schal oder einer Lippenpflege mit Lichtschutzfaktor.
- Verzichten Sie auf scharfe, saure oder sehr salzige Speisen, die die Lippen reizen können.
- Lüften Sie regelmäßig und nutzen Sie einen Luftbefeuchter, wenn die Raumluft sehr trocken ist.
Medizinische Behandlungen
Falls die Selbstpflege nicht ausreicht oder eine Infektion vorliegt, kann die Ärztin oder der Arzt eine entzündungshemmende Creme oder eine antimykotische (gegen Pilze wirkende) Salbe verschreiben. Bei einer bakteriellen Infektion kommt manchmal ein Antibiotikum zum Einsatz. Diese Mittel sollten nur nach ärztlicher Verordnung angewendet werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei trockenen, rissigen Lippen nicht notwendig.
Leben mit der Erkrankung
Trockene Lippen sind meist nur vorübergehend und beeinträchtigen den Alltag kaum. Mit der richtigen Pflege können Sie die Beschwerden gut in den Griff bekommen. Achten Sie darauf, immer einen Lippenbalsam bei sich zu haben und regelmäßig aufzutragen.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie über den Tag verteilt ausreichend Flüssigkeit.
- Vermeiden Sie langes Heißduschen oder übermäßige Sonnenbäder – das trocknet die Haut zusätzlich aus.
- Schützen Sie die Lippen im Winter mit einem Schal oder einer speziellen Kälteschutzpflege.
- Reduzieren Sie den Konsum von stark gewürzten, sauren oder alkoholhaltigen Lebensmitteln.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Mineralstoffen unterstützt die Hautgesundheit. Besonders wichtig sind Vitamin B2 (z. B. in Milchprodukten, Eiern, Vollkornprodukten) und Eisen (z. B. in Hülsenfrüchten, Fleisch, grünem Blattgemüse). Bewegung an der frischen Luft ist gut – denken Sie daran, die Lippen vor Kälte zu schützen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die meisten Menschen empfinden trockene Lippen als harmlos. Bei manchen kann das ständige Kribbeln oder die Optik jedoch belastend sein. Versuchen Sie, sich nicht zu sehr darauf zu fixieren – mit der richtigen Pflege bessert sich das Hautbild in der Regel schnell.
Vorbeugung
Ja, durch einfache Maßnahmen lässt sich trockenen Lippen oft vorbeugen: regelmäßiges Eincremen, ausreichendes Trinken, Schutz vor Kälte und Wind sowie das Vermeiden von häufigem Lippenlecken.
Impfungen
Entfällt
Früherkennungsprogramme
Entfällt
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei anhaltender Trockenheit können tiefe Risse entstehen, die schmerzen und bluten.
- Es besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit Bakterien oder Pilzen (z. B. Mundfäule).
- Eine chronische Lippenentzündung (Cheilitis) kann sich entwickeln, die schwerer zu behandeln ist.
Langzeitprognose
Die Prognose ist sehr gut. Mit der richtigen Pflege und Vermeidung von Auslösern heilen trockene, rissige Lippen meist innerhalb weniger Tage bis Wochen ab. Sollten die Beschwerden länger anhalten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. In fast allen Fällen lässt sich das Problem gut lösen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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