Ohrenschmerzen in der Nacht
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ohrenschmerzen in der Nacht sind Schmerzen im Ohr, die vor allem nachts auftreten oder nachts besonders stark werden. Im Liegen steigt der Druck im Ohr, dadurch können sich die Schmerzen verstärken. Meist steckt eine Entzündung des Mittelohrs oder des Gehörgangs dahinter, es gibt aber auch andere Ursachen.
Wichtige Fakten
- Im Liegen steigt der Druck im Ohr, deshalb tun Ohren nachts häufiger weh.
- Kinder sind besonders oft betroffen, aber auch Erwachsene können nachts Ohrenschmerzen bekommen.
- Die meisten Ohrenschmerzen heilen gut aus, wenn man rechtzeitig ärztlichen Rat sucht.
Ja. Nachts Ohrenschmerzen sind häufig und ein typischer Grund, in der Nacht wach zu werden. Viele Menschen kennen das von sich selbst oder von ihren Kindern.
Besonders häufig betrifft es Kinder zwischen 3 und 7 Jahren. Erwachsene können aber auch betroffen sein, vor allem wenn sie gerade eine Erkältung hatten oder mit dem Ohr Probleme durch Feuchtigkeit oder Druck entstehen.
Symptome
- Starke Ohrenschmerzen mit hohem Fieber, steifem Hals und Benommenheit – das kann ein Zeichen für eine ernsthafte Ausbreitung der Entzündung sein. Rufen Sie sofort die 112.
- Ohrenschmerzen nach einem Unfall, einem Sturz auf den Kopf oder einem Schlag auf das Ohr – auch hier ist die 112 die richtige Nummer.
- ⚠Ohrenschmerzen, die länger als 2 bis 3 Tage anhalten
- ⚠Ohrenschmerzen mit Fieber über 38,5 °C
- ⚠Eitriger oder blutiger Ausfluss aus dem Ohr
- ⚠Plötzliche Hörminderung oder Ohrensausen (Tinnitus)
- ⚠Ohrenschmerzen bei einem Baby unter 3 Monaten
Häufige Symptome
- Stechender, ziehender oder pulsierender Schmerz im Ohr
- Schmerzen beim Liegen, besonders wenn das Ohr aufliegt
- Druck- oder Völlegefühl im Ohr
- Eventuell leichte Hörstörung oder Ohrgeräusche
- Bei manchen Menschen tritt Flüssigkeit oder Eiter aus dem Gehörgang aus
Symptome bei Kindern
- Kinder weinen viel, sind untröstlich oder halten sich das Ohr
- Schlafstörungen, das Kind wacht auf und kann nicht wieder einschlafen
- Eventuell Fieber, oft verbunden mit einer Erkältung
- Appetitlosigkeit oder Trinkverweigerung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schmerzen im Ohr mit Hörminderung oder Hörsturzgefühl
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- Schmerzen im Bereich des Kiefers oder der Halswirbelsäule, die ins Ohr ausstrahlen
- Bei älteren Menschen kann eine Ohrenentzündung mit Verwirrtheit einhergehen
Ursachen
Hauptursachen
- Mittelohrentzündung (Otitis media) – oft nach einer Erkältung
- Gehörgangsentzündung – begünstigt durch Wasser, Hautreizungen oder Fremdkörper
- Druckveränderung im Ohr – zum Beispiel beim Fliegen, Tauchen oder Bergfahren
- Zahnprobleme oder Erkrankungen des Kiefergelenks – Schmerzen können ins Ohr ausstrahlen
- Fremdkörper im Gehörgang – besonders bei kleinen Kindern
Risikofaktoren
- Krippen- oder Kindergartenbesuch mit häufigen Infekten
- Schwimmen und Tauchen, ohne das Ohr danach gut abzutrocknen
- Passivrauchen zu Hause
- Vorgeschichte von wiederkehrenden Ohrenentzündungen
- Wattestäbchen oder scharfe Gegenstände im Ohr – sie reizen den Gehörgang
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihr Kind nachts mit Ohrenschmerzen aufwacht und zusätzlich Fieber hat
- Wenn Sie Blut oder Eiter aus dem Ohr bemerken
- Wenn neben den Ohrenschmerzen eine deutliche Hörminderung auftritt
- Wenn die Beschwerden nach 2 Tagen nicht besser werden oder sogar schlimmer werden
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie oder Ihr Kind wiederholt Ohrenschmerzen haben, ohne erkältet zu sein
- Wenn ein Druckgefühl oder ein Hörgefühl wie unter Watte länger als eine Woche bleibt
- Wenn Ohrenschmerzen zusammen mit Beschwerden am Kiefergelenk auftreten
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und schaut sich das Ohr mit einem Otoskop (einem beleuchteten Instrument mit Vergrößerungsglas) an. Dabei erkennt sie oder er, ob das Trommelfell gerötet ist, ob Flüssigkeit dahinter liegt oder ob der Gehörgang entzündet ist.
Mögliche Untersuchungen
- Otoskopie – der Blick in den Gehörgang und auf das Trommelfell mit einem Ohrtrichter
- Hörtest – eine einfache Prüfung mit der Stimmgabel oder mit Kopfhörern in leisen Räumen
- Tympanometrie – diese Messung zeigt, wie gut sich das Trommelfell bewegen kann und ob Flüssigkeit im Mittelohr liegt
- Bei unklaren Beschwerden wird eine HNO-Ärztin oder ein HNO-Arzt hinzugezogen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei. Sie dauert nur wenige Minuten. Ein Hörtest kann das Gehör messen. Sie bekommen meist sofort eine Einschätzung und Empfehlungen für das weitere Vorgehen. Die Diagnostik folgt unter anderem den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Leichte Entzündungen heilen oft von selbst. Bei stärkeren Beschwerden können Medikamente helfen, die Schmerzen und Entzündungen lindern. Diese werden von der Ärztin oder vom Arzt individuell ausgewählt. Bei bakteriellen Infekten kann eine Antibiotika-Therapie notwendig sein – dies entscheidet allein die medizinische Fachperson. Operative Maßnahmen werden nur in bestimmten Fällen empfohlen, zum Beispiel bei wiederholten Mittelohrentzündungen.
Selbsthilfe zu Hause
- Wärme: Eine warme Kompresse oder ein Kirschkernkissen von außen aufs Ohr legt man angenehm und beruhigt. Es sollte nicht zu heiß sein.
- Ruhelagerung: Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper. Das entlastet den Druck im Ohr.
- Trinken und Ruhe: Geben Sie dem Körper Zeit zur Erholung.
- Wattestäbchen vermeiden: Sie reizen den Gehörgang und schieben Ohrenschmalz hinein.
- Wenn Wasser im Ohr ist: Kopf zur Seite neigen, sodass das Wasser herauslaufen kann.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente, die Symptome wie Schmerzen und Entzündungen lindern – als Tropfen, Zäpfchen oder Tabletten. Welches Mittel das richtige ist, hängt vom Alter und der Ursache ab. Bitte lassen Sie sich immer von einer Ärztin oder einem Arzt oder in der Apotheke beraten. Bei einer bakteriellen Entzündung kann ein Antibiotikum nötig sein, das genau nach Vorgabe eingenommen werden muss. Abschwellende Nasensprays können ebenfalls helfen, die Mittelohrbelüftung zu verbessern – auch dazu sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt selten infrage, zum Beispiel wenn Ihr Kind innerhalb eines halben Jahres mehrfach eine Mittelohrentzündung hat oder wenn Flüssigkeit im Mittelohr bleibt (Paukenerguss) und das Hören stört. Dann kann eine Paukenröhrchen-Einlage sinnvoll sein. Ihr HNO-Arzt bespricht mit Ihnen, ob das bei Ihnen oder Ihrem Kind in Frage kommt.
Leben mit der Erkrankung
Während der Beschwerden sollten Sie auf Fliegen, Tauchen und das Eindringen von Wasser ins Ohr verzichten. Halten Sie das Ohr trocken und vor Zugluft geschützt. Wichtig ist, sich ausreichend auszuruhen und auf den eigenen Körper zu hören. Hält der Schmerz nicht an, können Sie nach Rücksprache wieder normaleren Alltag genießen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßiges Händewaschen kann Infekte vermeiden.
- Achten Sie auf einen guten Schlaf – gönnen Sie sich feste Schlafenszeiten.
- Reduzieren Sie Stress, zum Beispiel durch Spaziergänge oder leichte Entspannungsübungen.
- Schützen Sie Ihre Ohren bei Wind und Kälte mit einer Mütze oder einem Tuch.
- Meiden Sie rauchige Räume.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung stärkt das Immunsystem und hilft beim Gesundbleiben. Bewegen Sie sich an der frischen Luft, wenn Sie sich wohl fühlen. In der akuten Phase mit Schmerzen ist Ruhe oft besser. Sport und Krafttraining warten besser bis zum Abklingen der Beschwerden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ständige Schmerzen in der Nacht sind eine Belastung. Sie rauben Schlaf und können zu Reizbarkeit oder innerer Unruhe führen. Wenn Sie spüren, dass die Beschwerden Ihnen seelisch zusetzen, sprechen Sie es bei Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder bei einer psychologischen Beratungsstelle an. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein sinnvoller Schritt.
Vorbeugung
Viele Ohrenentzündungen entstehen als Folge von Atemwegsinfekten. Sie können das Risiko senken, indem Sie auf eine gute Hygiene achten, Auslöser für Infekte meiden und das Ohr nicht mit Gegenständen verletzen. Es gibt jedoch keine Garantie gegen Ohrenerkrankungen – wichtig ist, frühzeitig auf Beschwerden zu reagieren.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bestimmte Schutzimpfungen, die das Risiko schwerer Infektionen verringern können, zum Beispiel gegen Pneumokokken. Ob diese Impfung für Sie oder Ihr Kind sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Kinder- oder Hausärztin beziehungsweise Ihrem Kinder- oder Hausarzt.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Ohren-Screening zur Vorbeugung von Ohrenschmerzen gibt es nicht. Bei Kindern wird das Gehör im Rahmen der U-Untersuchungen regelmäßig überprüft. Bei Erwachsenen mit wiederkehrenden Beschwerden kann die HNO-Praxis Kontrolltermine anbieten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn eine Mittelohrentzündung nicht richtig abheilt, können langfristig Flüssigkeit und Druck auf dem Trommelfell bleiben (Paukenerguss) und das Hören beeinträchtigen.
- Eine Ausweitung der Entzündung auf den Warzenfortsatz (Mastoiditis) ist möglich – sie äußert sich durch Rötung und Schwellung hinter dem Ohr und ist ernst zu nehmen.
- Sehr selten kann eine Entzündung auf das Innenohr übergreifen und Gleichgewicht oder Hörvermögen dauerhaft schädigen.
- In extrem seltenen Fällen erreichen Bakterien die Hirnhäute und lösen eine Meningitis aus.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung heilen die allermeisten Ohrenerkrankungen vollständig aus. Viele Ohrenschmerzen verschwinden von selbst, andere machen eine kurze Therapie nötig. Auch wiederkehrende Beschwerden sind meist gut behandelbar. Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, dann stehen die Chancen auf vollständige Genesung sehr gut.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.