Ohrgeräusche, die kommen und gehen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ohrgeräusche (Tinnitus) sind Geräusche, die Sie hören, obwohl es in Ihrer Umgebung keine solche Geräuschquelle gibt. Sie können wie Pfeifen, Rauschen, Zischen oder Brummen klingen. Wenn diese Ohrgeräusche nur ab und zu auftreten und dann wieder verschwinden, spricht man von „kommenden und gehenden“ Ohrgeräuschen. Das ist sehr verbreitet und meist harmlos.
Wichtige Fakten
- Viele Menschen haben zeitweise Ohrgeräusche – zum Beispiel nach lauter Musik oder in besonders ruhigen Räumen.
- Kommende und gehende Ohrgeräusche sind meist kein Zeichen einer ernsten Erkrankung.
- Stress, Erschöpfung und Lärm können Ohrgeräusche auslösen oder verstärken.
Ja. Ohrgeräusche kommen sehr häufig vor. Fast jeder Mensch erlebt sie irgendwann einmal. Bei den meisten bleiben sie nur kurz und verschwinden von allein wieder.
Ohrgeräusche betreffen alle Altersgruppen – auch Kinder. Ältere Menschen sind etwas häufiger betroffen, weil das Ohr im Laufe des Lebens natürlicherweise empfindlicher wird. Aber auch junge Menschen kennen das Gefühl, nach einem lauten Konzert ein Pfeifen im Ohr zu hören.
Symptome
- Plötzlicher Hörverlust zusammen mit starken Ohrgeräuschen
- Schwerer Schwindel mit Erbrechen
- Gesichtslähmung auf einer Seite
- Ohrgeräusche nach einer Kopfverletzung
- ⚠Ein Ohr fühlt sich taub an oder Sie hören plötzlich deutlich schlechter
- ⚠Das Ohrgeräusch tritt nur auf einem Ohr auf und bleibt über Stunden bestehen
- ⚠Das Geräusch pulsiert im Takt Ihres Herzschlags
- ⚠Zusätzlich treten Ohrenschmerzen, Fieber oder eitriger Ausfluss aus dem Ohr auf
Häufige Symptome
- Pfeifen, Rauschen, Zischen oder Brummen im Ohr
- Das Geräusch tritt zeitweise auf – zum Beispiel für ein paar Sekunden oder einige Minuten
- Es kann auf einem Ohr oder auf beiden Ohren auftreten
- In ruhiger Umgebung wird das Geräusch oft deutlicher wahrgenommen
Symptome bei Kindern
- Kinder berichten von einem „Piepen“ oder „Summen“ im Ohr
- Sie können unruhig wirken, schlechter einschlafen oder nachfragen, was das für ein Geräusch sei
- Ohrgeräusche kommen bei Kindern oft im Zusammenhang mit Mittelohrentzündungen oder nach lauten Geräuschen vor
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ohrgeräusche sind häufig mit einer altersbedingten Hörminderung verbunden
- Das Geräusch ist oft leise, aber in ruhigen Momenten deutlich spürbar
- Es kann kommen und gehen – manchmal tagelang verschwinden und dann wieder auftauchen
Ursachen
Hauptursachen
- Lärmbelastung: zum Beispiel laute Musik, Arbeitslärm oder ein Knall
- Altersbedingte Veränderungen im Innenohr
- Ohrenschmalz, das den Gehörgang verlegt
- Stress und Anspannung
- Entzündungen im Ohr, etwa eine Mittelohrentzündung
- Bestimmte Medikamente können Ohrgeräusche auslösen – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber
Risikofaktoren
- Regelmäßiger Lärmpegel über 85 Dezibel (zum Beispiel in lauten Berufen)
- Alter über 50 Jahre
- Hoher Blutdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Wenig Schlaf und langanhaltender Stress
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Das Ohrgeräusch wird plötzlich viel lauter oder verschwindet nicht mehr
- Sie bemerken zusätzlich ein taubes Gefühl oder eine Hörminderung an einem Ohr
- Das Ohrgeräusch tritt im Takt Ihres Herzschlags auf
- Es kommen Schwindel, Erbrechen oder starke Kopfschmerzen dazu
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Die Ohrgeräusche treten häufiger auf – zum Beispiel mehrmals pro Woche
- Sie fühlen sich durch das Geräusch gestresst oder unruhig
- Sie merken, dass Sie in Gesprächen schlechter hören oder öfter nachfragen müssen
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fragt Sie genau nach Ihren Beschwerden: Wann tritt das Geräusch auf, wie klingt es, und haben Sie noch andere Symptome? Danach schaut sie oder er in Ihre Ohren und prüft Ihr Hörvermögen. Meist lässt sich damit schon viel klären.
Mögliche Untersuchungen
- Untersuchung des Ohrs mit einem Leuchtgerät (Otoskop)
- Hörtest (Audiometrie) in einer HNO-Praxis
- Messung des Drucks im Mittelohr (Tympanometrie) bei Bedarf
- Bei anhaltenden oder einseitigen Geräuschen manchmal eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Besuch ist in der Regel schmerzfrei und dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Sie hören über Kopfhörer Töne und geben an, ob Sie sie hören. Es kann helfen, sich vorher aufzuschreiben, wann und wie oft das Ohrgeräusch auftritt.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache ab. Oft reicht es, das Ohrgeräusch zu verstehen und weniger wichtig zu nehmen. Bei manchen Menschen hilft es, Ohrenschmalz zu entfernen oder eine Grunderkrankung zu behandeln. Ziel ist nicht immer, das Geräusch ganz loszuwerden, sondern es so zu beeinflussen, dass es Sie im Alltag nicht mehr stört.
Selbsthilfe zu Hause
- Meiden Sie laute Umgebungen und nutzen Sie bei Lärm einen Gehörschutz.
- Sorgen Sie für leise Hintergrundgeräusche, etwa beruhigende Musik oder ein leicht geöffnetes Fenster – das lenkt vom Ohrgeräusch ab.
- Halten Sie einen regelmäßigen Schlafrhythmus ein und üben Sie Entspannungstechniken wie ruhiges Atmen.
- Reduzieren Sie Koffein und Nikotin – beide können Ohrgeräusche verstärken.
Medizinische Behandlungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann zum Beispiel Ohrenschmalz sanft entfernen, eine Mittelohrentzündung behandeln oder bei einem Hörsturz eine passende Therapie einleiten. Auch ein Hörtest kann zeigen, ob ein Hörgerät sinnvoll ist – das verbessert nicht nur das Hören, sondern oft auch die Wahrnehmung des Ohrgeräuschs. Eine spezielle Beratung oder ein Tinnitus-Training (Tinnitus-Retraining-Therapie) kann helfen, das Geräusch weniger störend zu erleben. Die Behandlung richtet sich bei Erwachsenen nach der aktuellen Leitlinie der AWMF.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen nötig – zum Beispiel wenn ein gutartiger Tumor am Hörnerv das Ohrgeräusch verursacht. Bei kommenden und gehenden Ohrgeräuschen ist ein chirurgischer Eingriff in der Regel nicht notwendig.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen gewöhnen sich mit der Zeit an das Ohrgeräusch. Es hilft, es als ein harmloses Hintergrundsignal zu betrachten. Wenn es einmal lauter wird, nehmen Sie sich kurz Zeit, atmen Sie ruhig durch und lenken Sie sich mit etwas Angenehmem ab.
Tipps für den Alltag
- Lärm vermeiden und das Gehör schützen
- Stress abbauen durch Spaziergänge, Yoga oder Hobbys
- Feste Schlafenszeiten einhalten
- Alkohol und Nikotin reduzieren
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und ausreichend Wasser fördert die Durchblutung im ganzen Körper – auch im Innenohr. Regelmäßige Bewegung, zum Beispiel zügiges Gehen oder Radfahren, hält die Blutgefäße geschmeidig und kann Ohrgeräusche seltener machen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein wiederkehrendes Ohrgeräusch kann auf Dauer belasten. Viele Menschen werden gereizt, haben Konzentrationsprobleme oder fühlen sich niedergeschlagen. Das ist verständlich. Wichtig ist, ernst genommen zu werden und sich professionelle Hilfe zu holen – zum Beispiel bei einer Psychotherapie, die speziell auf Tinnitus-Belastungen eingeht.
Vorbeugung
Nicht jedes Ohrgeräusch lässt sich verhindern, aber Sie können die Häufigkeit verringern: Schützen Sie Ihre Ohren vor Lärm, bauen Sie Stress ab und planen Sie regelmäßig ruhige Pausen ein. Lassen Sie außerdem Ihren Blutdruck und Ihre Blutzuckerwerte regelmäßig ärztlich kontrollieren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Das Geräusch kann sich festsetzen und dauerhaft vorhanden sein
- Es können Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme entstehen
- Eine zugrundeliegende Erkrankung wie Bluthochdruck bleibt bei fehlender Behandlung bestehen
Langzeitprognose
Die allermeisten kommenden und gehenden Ohrgeräusche sind harmlos und bilden sich von selbst zurück. Selbst wenn sie bestehen bleiben, gibt es gute Möglichkeiten, mit ihnen im Alltag umzugehen. Mit medizinischer Beratung und ausreichend Unterstützung können die meisten Menschen ihr Leben ohne große Einschränkungen weiterführen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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