Ellbogen- und Armschmerzen
Übersicht
Schmerzen im Ellbogen und im Arm sind ein häufiges Beschwerdebild mit vielen möglichen Ursachen. Am Ellbogen treffen drei Knochen aufeinander: Oberarmknochen, Speiche und Elle. Dazu kommen Muskeln, Sehnen (feste Fasern, die einen Muskel mit einem Knochen verbinden), Bänder (elastische Bänder, die das Gelenk stabilisieren), Schleimbeutel (kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Kissen, die als Polster dienen) und Nerven. Wenn einer dieser Teile überlastet, entzündet oder verletzt ist, entstehen Schmerzen, die oft bis in den Unterarm, die Hand oder bis zur Schulter ausstrahlen können. Die gute Nachricht: Die meisten Beschwerden lassen sich gut behandeln und bessern sich oft innerhalb von Wochen wieder.
Wichtige Fakten
- Ellbogen- und Armschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für einen Besuch in der Hausarztpraxis.
- Meist sind Sehnen oder Muskeln durch wiederholte Bewegungen überlastet – zum Beispiel an der Außenseite des Ellbogens, bekannt als „Tennisellenbogen“.
- In den allermeisten Fällen helfen angepasste Bewegung, Schonung der belasteten Stelle und etwas Geduld. Eine Operation ist nur selten nötig.
Ja, solche Beschwerden sind sehr verbreitet. Fast jeder Mensch hat irgendwann einmal Schmerzen im Ellbogen oder Arm. Am häufigsten entstehen sie durch Überlastung bei der Arbeit, im Haushalt oder beim Sport.
Grundsätzlich kann es jeden treffen. Besonders oft betroffen sind Menschen, die viel mit Händen und Armen arbeiten – zum Beispiel am Computer, in der Pflege, im Handwerk, in der Küche oder beim Sport mit Wurf- und Schlagbewegungen. Auch Kinder und Jugendliche können nach einem Sturz Schmerzen am Ellbogen haben, und im höheren Alter kommen Beschwerden durch Abnutzung des Gelenks häufiger vor.
Symptome
- Der Ellbogen ist nach einem Unfall sichtbar verformt oder der Arm steht in einer ungewöhnlichen Haltung – rufen Sie sofort 112 an
- Eine offene Wunde am Gelenk, aus der Knochen oder Gelenkteile herausragen
- Plötzliches Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen im Arm oder in der Hand nach einem Unfall
- Starke Schmerzen im linken Arm zusammen mit Engegefühl in der Brust, Atemnot oder kaltem Schweiß – das kann auf einen Herznotfall hindeuten, rufen Sie sofort 112 an
- Plötzliche Schwäche oder Lähmung eines Arms zusammen mit hängendem Mundwinkel oder Sprachstörungen – mögliche Anzeichen eines Schlaganfalls, sofort 112 anrufen
- ⚠Ein heißes, stark gerötetes und geschwollenes Gelenk, besonders zusammen mit Fieber – hier muss noch am selben Tag eine ärztliche Abklärung erfolgen
- ⚠Kalte, blasse oder bläuliche Hand mit Gefühlsverlust und starken Schmerzen
- ⚠Schmerzen nach einem Sturz, die nach einigen Stunden nicht nachlassen oder zunehmen
- ⚠Schmerzen, die in Ruhe und nachts auftreten und immer stärker werden
Häufige Symptome
- Schmerzen an der Außen- oder Innenseite des Ellbogens, die bei bestimmten Bewegungen stärker werden
- Schmerzen beim Greifen, Heben oder Drehen – etwa beim Öffnen einer Flasche oder einer Türklinke
- Druckempfindlichkeit über dem Knochenvorsprung am Ellbogen
- Schwächegefühl im Unterarm oder in der Hand, sodass Gegenstände schwerer festzuhalten sind
- Steifheit im Gelenk, besonders nach dem Aufwachen oder nach längerer Ruhe
- Schwellung, Wärme oder Spannungsgefühl am Ellbogen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in einzelnen Fingern, wenn ein Nerv beteiligt ist
- Schmerzen, die in den Oberarm, die Schulter oder den Nacken ausstrahlen
Symptome bei Kindern
- Kinder zeigen oft nicht genau, wo es wehtut – sie halten den Arm still, sind weinerlich oder wollen nicht mehr spielen
- Nach einem Sturz oder Toben kann eine Schwellung oder ein Bluterguss sichtbar sein
- Kleine Kinder ziehen den Arm manchmal an den Körper und benutzen die Hand nicht mehr
- Bei Kindern sollte jede Verletzung am Ellbogen ärztlich abgeklärt werden, weil die Knochen noch wachsen und Wachstumsfugen verletzt sein können
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Abnutzung des Gelenks (Arthrose) führt zu Steifheit, besonders am Morgen, und zu Schmerzen bei Belastung
- Die Kraft in Händen und Armen lässt nach, alltägliche Dinge wie Einkaufstüten tragen fallen schwerer
- Nach einem Sturz ist das Risiko für einen Knochenbruch höher, besonders bei Osteoporose (verringerte Knochendichte)
- Beschwerden im Ellbogen treten oft zusammen mit Nacken- oder Schulterschmerzen auf
Ursachen
Hauptursachen
- Überlastung von Sehnenansätzen am Ellbogen, zum Beispiel an der Außenseite (Tennisellenbogen) oder an der Innenseite (Golferellenbogen)
- Verspannte Muskeln im Unterarm durch langes Sitzen, Bildschirmarbeit oder einseitige Haltung
- Entzündung eines Schleimbeutels am Ellbogen, oft nach langem Aufstützen oder durch Druck
- Einklemmung oder Reizung eines Nervs am Ellbogen – dadurch kribbeln die Finger oder die Hand fühlt sich taub an
- Abnutzung des Ellbogengelenks (Arthrose), bei der der Knorpel dünner wird
- Verletzungen wie Prellung, Verstauchung, Bruch oder Verrenkung nach einem Sturz
- Entzündliche Gelenkerkrankungen, bei denen der Körper eigene Gelenke angreift
- Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgehen und in den Arm ausstrahlen
- Selten: Beschwerden, die von inneren Organen wie dem Herzen ausgehen und in den Arm ausstrahlen
Risikofaktoren
- Wiederholte, einseitige Bewegungen über lange Zeit
- Viel Arbeit am Computer ohne ergonomische Hilfsmittel
- Sport mit Wurf-, Schlag- oder Greifbewegungen
- Handwerkliche oder körperlich schwere Tätigkeiten
- Untrainierte Muskulatur und fehlende Bewegungspausen
- Höheres Alter und frühere Verletzungen am Arm
- Rauchen, Übergewicht oder Diabetes können die Heilung verlangsamen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Nach einem Sturz oder Unfall, wenn Sie den Arm nicht mehr bewegen können
- Bei sichtbarer Verformung, Schwellung oder Bluterguss am Gelenk
- Bei Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Kraftverlust in der Hand
- Bei Fieber zusammen mit einem roten, heißen Gelenk
- Bei sehr starken Schmerzen, die in Ruhe nicht besser werden
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Schmerzen länger als ein bis zwei Wochen anhalten
- Wenn die Beschwerden immer wiederkehren, obwohl Sie sich geschont haben
- Wenn das Greifen und Tragen im Alltag schwerfällt
- Wenn das Gelenk morgens steif ist oder sich nicht mehr vollständig bewegen lässt
- Wenn Sie im Alltag oder bei der Arbeit deutlich eingeschränkt sind
Diagnose
In der Regel beginnt die Abklärung mit einem ausführlichen Gespräch: Wann traten die Schmerzen auf? Bei welchen Bewegungen werden sie stärker? Gab es einen Unfall? Danach folgt eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt oder die Ärztin das Gelenk abtastet, bewegt und die Kraft sowie das Gefühl in Hand und Fingern prüft. Oft lässt sich damit schon eine Verdachtsdiagnose stellen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung mit Prüfung von Bewegung, Kraft und Gefühl
- Ultraschalluntersuchung, um Sehnen, Schleimbeutel und Flüssigkeit im Gelenk zu beurteilen
- Röntgenaufnahme, besonders nach einem Unfall oder bei Verdacht auf Verschleiß
- Manchmal eine Magnetresonanztomografie (MRT), wenn Weichteile oder Knorpel genauer betrachtet werden müssen
- Blutuntersuchung, wenn eine entzündliche Gelenkerkrankung vermutet wird
- Nerventest (Messung der Nervenleitfähigkeit), wenn ein eingeklemmter Nerv im Verdacht steht
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist schmerzfrei und dauert nicht lange. Bringen Sie nach Möglichkeit Informationen zu früheren Verletzungen, zu Ihrem Arbeitsplatz und zu Medikamenten mit, die Sie einnehmen. Wenn eine Bildgebung nötig ist, kann diese oft am selben Tag oder zeitnah organisiert werden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. In den meisten Fällen geht es darum, die überlastete Stelle zu entlasten, die Schmerzen zu lindern und die Bewegung Schritt für Schritt wieder aufzubauen. Sehr oft reichen Maßnahmen aus, die Sie selbst umsetzen können, ergänzt durch Physiotherapie. Eine Operation ist nur in besonderen Fällen notwendig.
Selbsthilfe zu Hause
- Belastung anpassen statt komplett stillhalten – sanfte Bewegung fördert die Heilung
- Kühlen Sie bei akuter Schwellung kurzzeitig mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack, nie direkt auf die Haut
- Lagern Sie den Arm zeitweise hoch, um die Schwellung zu verringern
- Machen Sie langsame, schmerzarme Bewegungsübungen für Handgelenk und Ellbogen
- Passen Sie Ihren Arbeitsplatz an: Tastatur und Maus in bequemer Höhe, Unterarme abgestützt
- Bauen Sie Pausen und Tätigkeitswechsel in den Tag ein
- Vermeiden Sie langes Aufstützen auf dem Ellbogen
- Zu Schmerzmitteln fragen Sie am besten in Ihrer Apotheke oder Arztpraxis nach – nehmen Sie nichts dauerhaft ohne Rücksprache ein
Medizinische Behandlungen
Ärztlich verordnete Behandlungen können je nach Ursache ganz unterschiedlich aussehen: Physiotherapie mit Übungen und manueller Behandlung, eine Bandage oder eine Schiene zur Entlastung, vorübergehend entzündungshemmende oder schmerzlindernde Medikamente nach Verordnung, in bestimmten Fällen eine örtliche Injektion durch die Arztpraxis, oder eine Stoßwellenbehandlung. Bei einem Nervenengpass können spezielle Schienen helfen. Ihr Behandlungsteam bespricht mit Ihnen, welche Maßnahme zu Ihrer Situation passt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig. Sie kann zum Beispiel bei einem verschobenen Bruch, einer abgerissenen Sehne, einem dauerhaft eingeklemmten Nerv oder bei starkem Verschleiß mit anhaltenden Beschwerden in Betracht kommen – meist erst, wenn andere Behandlungen über längere Zeit nicht geholfen haben.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag hilft es, die belastende Tätigkeit anders zu gestalten statt sie ganz zu meiden. Verteilen Sie schwere Arbeiten über den Tag, wechseln Sie zwischen Tätigkeiten ab und nutzen Sie Hilfsmittel, wo es geht. Auch kleine Anpassungen – etwa ein anderes Mauspad, eine höhere Sitzposition oder das Tragen der Einkäufe auf beide Arme verteilt – machen oft einen großen Unterschied.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie den Arm regelmäßig und sanft, statt ihn lange ruhig zu halten
- Kräftigen Sie Unterarm und Schulter mit leichten Übungen, sobald es der Schmerz zulässt
- Achten Sie auf eine aufrechte, entspannte Haltung am Arbeitsplatz
- Bauen Sie Bewegungspausen in den Tag ein, auch bei Schreibtischarbeit
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf, denn Erholung unterstützt die Heilung
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und eiweißreichen Lebensmitteln unterstützt die Regeneration von Muskeln, Sehnen und Knochen. Achten Sie auf eine gute Versorgung mit Kalzium und Vitamin D, besonders wenn Sie älter sind – Ihre Arztpraxis kann Sie dazu beraten. Als Bewegung eignen sich zunächst leichte, schmerzarme Übungen und Spaziergänge; Sportarten mit einseitiger Armbelastung sollten Sie erst wieder aufnehmen, wenn die Beschwerden deutlich besser sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Schmerzen können zermürben und zu Schlafproblemen, Gereiztheit oder gedrückter Stimmung führen. Das ist verständlich und kein Zeichen von Schwäche. Sprechen Sie offen darüber – mit Ihrem Behandlungsteam oder mit Menschen, denen Sie vertrauen. Wenn Sie sich in einer seelischen Krise befinden oder Gedanken haben, sich etwas anzutun, suchen Sie bitte sofort Hilfe: In akuten Notfällen gilt der Notruf 112. Anonyme Krisentelefone und Beratungsstellen in Ihrer Nähe erfahren Sie über Ihre Hausarztpraxis oder Ihre örtliche Gesundheitsbehörde.
Vorbeugung
Nicht alle Ursachen lassen sich verhindern – einen Sturz kann man nicht immer vermeiden. Vieles lässt sich aber beeinflussen: ein gut eingestellter Arbeitsplatz, abwechslungsreiche Bewegungsmuster, regelmäßige Pausen und eine kräftige Arm- und Schultermuskulatur senken das Risiko für Überlastungsbeschwerden deutlich.
Früherkennungsprogramme
Ein eigenes Früherkennungsprogramm für Ellbogen- und Armschmerzen gibt es nicht. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und ein offenes Gespräch über Beschwerden bei Ihrer Hausarztpraxis sind der beste Weg, Probleme früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schmerzen können chronisch werden und über Monate bestehen bleiben
- Die Beweglichkeit des Ellbogens kann dauerhaft eingeschränkt sein
- Muskeln können durch langes Schonen schwächer werden
- Ein dauerhaft eingeklemmter Nerv kann zu anhaltendem Taubheitsgefühl oder Kraftverlust in der Hand führen
- Ein nicht behandelter Bruch kann schlecht zusammenheilen und die Gelenkfunktion beeinträchtigen
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in den meisten Fällen gut. Viele Beschwerden bessern sich innerhalb weniger Wochen bis Monate, besonders wenn Sie früh mit angepasster Bewegung beginnen und Belastungen klug verteilen. Manchmal braucht es Geduld – Rückschritte gehören dazu. Mit Unterstützung durch Ihre Arztpraxis und gegebenenfalls Physiotherapie finden die meisten Menschen gut in ihren Alltag zurück.
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Zuletzt aktualisiert: 3. November 2026
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